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Veröffentlicht am 8. Februar 2026 von lyrikzeitung
127 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Friedrich Rückert
(* 16. Mai 1788 in Schweinfurt; † 31. Januar 1866 in Neuses bei Coburg)
Grammatische Deutschheit
Neulich deutschten auf Deutsch vier deutsche Deutschlinge deutschend,
Sich überdeutschend am Deutsch, welcher der Deutscheste sey.
Vier deutschnamig benannt: Deutsch, Deutscherig, Deutscherling, Deutschdich;
Selbst so hatten zu deutsch sie sich die Namen gedeutscht.
Jetzt wettdeutschten sie, deutschend in grammatikalischer Deutschheit,
Deutscheren Comparativ, deutschesten Superlativ.
"Ich bin deutscher als deutsch". "Ich deutscherer". "Deutschester bin ich."
"Ich bin der Deutschereste, oder der Deutschestere."
Drauf durch Comparativ und Superlativ fortdeutschend,
Deutschten sie auf bis zum – Deutschesteresteresten;
Bis sie vor comparativisch- und superlativischer Deutschung
Den Positiv von Deutsch hatten vergessen zuletzt.
Aus: Deutsche Sprachspiele. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Hrsg. Klaus Peter Dencker. Stuttgart: Reclam, 2002, S. 98f (Einen Druckfehler in der 5. Zeile, ein t zu wenig, haben wir berichtigt).
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: deutsche Sprachspiele, Deutschheit Ironie, Friedrich Rückert, Friedrich Rückert Gedicht, Grammatische Deutschheit, Komparativ Superlativ Gedicht, Sprachpurismus Kritik, Sprachsatire
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