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Veröffentlicht am 30. Juli 2025 von lyrikzeitung
Die neue Zeit von früher, 50 Jahre alt, aus einem schwedischen Gedicht.
Göran Tunström
(* 14. Mai 1937 in Karlstad; † 5. Februar 2000 in Stockholm)
Wie eine Bibliothek ist die Seele meiner Geliebten
aber sie bewegt sich wie eine Hindin
Ihre Augen sind Platons Schriften
Angelos Mailied sind ihre Lippen
Über der Zungenspitze bewegen sich Amor und Bacchus,
und die Georgica mit ihren guten Ratschlägen
für Landwirtschaft und Bienenzucht sind ihre Brüste
duftend nach Thymian und Lavendel
Auf der Innenseite ihres Handgelenks
lese ich: "Gepriesen seist du, Herr,
für meine Schwester, das Wasser, das nützlich und demütig ist,
kostbar und keusch"
Ja, viel Wissen hat Raum in ihr
große Neugier, Widersprüche,
Begeisterung
und ich, ein Mann vom Lande, möchte
Kenntnis haben von ihrem Rat
Sie ist die neue Frau
die Brunnen in sich trägt von Astronomie
und Strategie,
Magie und Medizin.
Ich bin Geschlecht und Durst
mit Bedacht will ich lernen sie zu lesen
daß ich die neue Zeit verstehe
1976
Aus die horen 135. Hölderlin träumte. Schwedische Lyrik 1965-1980. Pfade, Grade & Tendenzen –Zweisprachige Originalausgabe. Ein Projekt des Europäischen Übersetzer-Kollegiums Straelen. Ausgewählt und kommentiert von Tobias Berggren, Ulrich Bracher, Gunnar Harding, Bengt Holmqvist und Klaus-Jürgen Liedtke. Übersetzt von Ralph Aurand, Lieselotte Baustian, Ursel und Ulrich Bracher, Senta Kapoun, Birgitta Kicherer, Anna-Liese Kornitzky, Klaus-Jürgen Liedtke und Herta Weber-Stumfohl – unter Mitwirkung von Gunilla Rising Hintz. Redaktion: Bengt Holmqvist, Peter K. Kirchhof, Anna-Liese Kornitzky, Klaus-Jürgen Liedtke und Johann P. Tammen.
Som ett bibliotek är min älskades själ
men hon rör sig som en hind
Ögonen är Platons skrifter
Angelos Majsång är hennes läppar
Över tungspetsen rör sig Amor och Bacchus
och Georgican med sina goda råd
för lantbruk och biskötsel är hennes bröst
doftande av timjan och lavendel
I insidan av hennes handled
läser jag: “Lovad vare du, Herre
för syster vattnet, som är nyttigt och ödmjukt,
dyrbart och kyskt.”
Ja, mycken kunskap ryms i henne
stor nyfikenhet, motsägelser,
hänförelse
och jag, en man från landet, önskar
få ta del av hennes råd.
Hon är den nya kvinnan
som rymmer brunnar av astronomi
och strategi,
magi och medicin.
Jag är kön och törst.
Med eftertanke vill jag lära mig
att läsa henne
att jag må förstå den nya tiden
A.a.O. S. 90/96
Kategorie: Schweden, SchwedischSchlagworte: 1970er Jahre, Astronomie in der Lyrik, Bibliothek als Metapher, die horen 135, Europäisches Übersetzer-Kollegium, Feminine Weisheit, Franz von Assisi, Göran Tunström, Georgica, Klaus-Jürgen Liedtke, Liebesgedicht, Literatur der 1970er, Literaturübersetzung, Moderne nordische Poesie, Mythologische Metaphern, Neue Frau, Platon, Poetische Frauenbilder, Schwedische Lyrik, Sinnlichkeit und Wissen, Strategie und Magie, Tobias Berggren, Zweisprachige Lyrik
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