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Veröffentlicht am 8. Januar 2025 von lyrikzeitung
Raoul Schrott
(* 17. Januar 1964 in Landeck, Tirol)
Der letzte mündliche Weltschöpfungsmythos entstand um 1850 und stammt von den Maori. Vermittelt wird er von der gerade schwanger gewordenen Ahellegen Moore, die einen Gang mit ihrem Mann in die Höhlen von Waitomo erzählt, wo Glühwürmchen unterirdische Universen aufleuchten lassen.
im anfang war nichts • te kore • das vollkommene nichts
te kore • das nichts in dem nichts bestand • te whinwhia
te kore • ein nichts • te rawea • in dem nichts geschah
i noho a lo roto • i te aha o te ao
he pouri te ao • he wai katoa • kaore he ao • he marama
he maramatanga
alles erstand aus dem nichts und das nichts mehrte sich aus dem nichts kam kraft • fülle • und lebendiger atem und Io war innen war tief und fern im atem des raums im dunkel des alls • überall war wasser doch nirgendwo glomm ein dämmern auf • weder ein horizont noch licht
(…)
he pouri kau • he wa katoa • a
nana i timata tenei kupu : kia noho kore • noho ia • po
ko po whai ao
alles erstand aus dem nichts und das nichts mehrte sich aus der mehrung kam der gedanke • aus dem gedanken kam die erinnerung • aus der erinnerung das begehren
Aus: Raoul Schrott: Erste Erde. Epos. München: dtv, 2018 (zuvor Hanser 2016), S. 35-37
Kategorie: Österreich, Deutsch, Maori, NeuseelandSchlagworte: Raoul Schrott
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