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Veröffentlicht am 4. Dezember 2024 von lyrikzeitung
Barbara Köhler
(* 11. April 1959 in Burgstädt; † 8. Januar 2021 in Mülheim an der Ruhr)
Anrede zwo: Diotima an Bellarmin
Ein Ende ist besser als gar kein Anfang.
Russisches Roulette spielen mit einer Platzpatrone und Himbeersirup an der Schläfe. Oder den neuen Text zum alten Lied: Diotima oder Die wahre Liebe verreckt.
Sprich nicht weiter. Euch dieses Gejammer in den Hals zurück zu stopfen wäre eine Auferstehung wert.
Manchmal treffe ich einen stumm und heiß und ich erfahre wieder nur mich. Sprache, fremd: Du sagen und gehört werden. Liebes. Neutral bleiben. Und vielleicht meine ich auch eine Frau, Augen voller Dunkel. Und vielleicht sollte das aufhören: Wörter wie Mann und Frau einander vorzuwerfen.
Sprache Ohneland. Deutsches Roulette endet mit Rien ne va plus.
Sprich weiter. Woran sich halten.
Aneinander nunja; wenig genug sind wir. Sogar dieser Plural eine Hypothese. Immerhin: in meiner Handschrift erkenne ich die Züge von anderen. Selbst Briefe tippe ich mit der Maschine: lesbar.
Lebbar, das auch.
Sprich weiter
April 1985
Aus: Barbara Köhler: Deutsches Roulette. Gedichte. 1984-1989. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1991, S. 12
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Barbara Köhler
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