Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 13. Oktober 2023 von lyrikzeitung
Gerrit Engelke
(* 21. Oktober 1890 in Hannover; † 13. Oktober 1918 in Etaples bei Cambrai, Frankreich, gefallen heute vor 105 Jahren, wenige Wochen vor Ende der Kampfhandlungen)
DIE STADT LEBT Um die Großstadt sinkt die Welt in Schlaf. Felder gilben, Wälder ächzen überall. Wie Blätter fallen draußen alle Tage, Vom Zeitwind weggeweht. Die Stadt weiß nichts vom bunten Aufschrei der Natur, Vom letzten aufgepeitschten Blätterwirbel, Die Stadt hört nicht von Berg und Stoppelflur Den trauergroßen, herben Schlafgesang. Ob Ebene und Wald in welkes Sterben fallen, Ob draußen tost Vergänglichkeit, Im Stadtberg brüllen Straßen, Hämmer hallen: Die Lärmstadt dampft in Unrast ohne Zeit.
Zuerst erschienen 1923. Aus: Gerrit Engelke, Rhythmus des neuen Europa. Das Gesamtwerk. Mit einer Einführung herausgegeben von Hermann Blome. Hannover: Postskriptum, 1979, S. 53
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Gerrit Engelke
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Neueste Kommentare