Mehr als 1500 Nachrichtenbeiträge zu Grass‘ Israelgedicht meldet Google. Literarisch ist es ja nicht so bedeutend, daß man sich lang aufhalten müßte. Und die Welt ist wie sie ist, Empörung zwecklos. Die Boulevardblätter verteidigen Israel, Linke geben Grass recht. Und bei den Stammtischen wird Grass punkten.
Was sagt das Ausland? Focus zitiert „La Repubblica“:
„Günter Grass tritt wieder auf den Plan. Und er tut dies mit einem lyrischen Text, der dazu bestimmt ist, einen Streit auszulösen. Der Literatur-Nobelpreisträger meint, dass Israel die wahre Gefahr für den Frieden ist und nicht der Iran. Die israelische atomare Abschreckung ist es und nicht das Arsenal, von dem es heißt, Mahmud Ahmadinedschad baue es auf. Das Ergebnis seines Gedichts besteht allein darin, ein konfuses Rauschen zu erzeugen, eine unmögliche Gleichstellung von Israel mit dem Iran, eine unglaubwürdige Verdrängung jener Bedrohung, die das Regime in Teheran für Jerusalem darstellt. (…)
In diesem ganzen (Konflikt) ist das Schweigen Europas ohrenbetäubend. Das Europa nach dem deutschen Maß von heute ist ein politischer Zwerg, eine schweigende Zuschauerin. Es wird jedoch kein Gedicht sein, das Europa aus dieser Ecke herausholt. Und sicherlich nicht dieses Gedicht.“
Die linksliberale „La Repubblica“ gehört zu den Zeitungen, die das Grass-Gedicht abgedruckt haben.…
Bei der New York Times finden sich online nur Blogbeiträge. Auch der Link zum Gedichttext geht zur Süddeutschen:
In the poem, titled “What Must Be Said,” Mr. Grass, 84, asks why he has remained silent about Israel’s nuclear might — which Israel has never publicly confirmed — and concludes that he had been constrained by a broader fear of being judged an anti-Semite.
Und Irans Nachrichtenagentur lobt Grass, weil er die Heuchelei des Westens entlarve.
Die „Große Scheibenelektrisiermaschine“ aus dem Physikalischen Kabinett im Kulturhistorischen Museum Görlitz und das Gedicht „Parabase“ von Johann Wolfgang von Goethe bilden im April den Rahmen für Gedichte zum Thema „Forschergeist“. …
Forschergeist kann sich aber nicht nur in der Wissenschaft zeigen. Dass man mit ihm auch die eigene Sprache erkunden kann, zeigen die Gedichte vieler Lyriker. Im April freuen wir uns daher auf eure Gedichte zum Thema Forschergeist: Dichtet über berühmte Forscher, bahnbrechende Erkenntnisse, darüber, was diese Forscher antreibt und worüber sie wohl denken. Vielleicht springt ja der Funke über und ihr schickt uns auch Gedichte zur Scheibenelektrisiermaschine?
Einsendeschluss ist der 30. April 2012! / DLF
Parabase
Freudig war vor vielen Jahren
Eifrig so der Geist bestrebt,
Zu erforschen, zu erfahren,
Wie Natur im Schaffen lebt.
Und es ist das ewig Eine,
Das sich vielfach offenbart.
Klein das Große, groß das Kleine,
Alles nach der eignen Art.
Immer wechselnd, fest sich haltend,
Nah und fern und fern und nah;
So gestaltend, umgestaltend –
Zum Erstaunen bin ich da.
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| Das Gedicht von Günter Grass: „Was gesagt werden muss“
In dem Gedicht „Was gesagt werden muss“ greift Literaturnobelpreisträger Günter Grass Israel scharf an. Wir dokumentieren das in der „Süddeutschen Zeitung“ erschienene Gedicht im Wortlaut. Günter Grass mischt sich wieder ein: In einem Gedicht geht der … |
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| Israelkritik: Grass‘ Anti-Israel-Gedicht steckt voller NS-Stereotypen
Günter Grass‘ Anti-Israel-Gedicht „Was gesagt werden muss“ transportiert zahlreiche Denkfiguren der NS–Ideologie. Von Tilman Krause Das Foto zeigt das Gedicht des Schriftstellers Günter Grass mit dem Titel „Was gesagt werden muss“ in der „Süddeutschen … |
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| Publizist Henryk M. Broder zu Gedicht von Günter Grass: „Damals war er ein SS …
Antisemitismus unterm Deckmäntelchen der Kunst: Der Publizist Henryk M. Broder geht hart mit dem Anti-Israel-Gedicht vonGünter Grass ins Gericht. Der Nobelpreisträger sei damit zu seinen nationalsozialistischen Ursprüngen zurückgekehrt. |
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| Historiker Wolffsohn über Grass-Gedicht „Der Mann ist die Summe seiner Vorurteile“
Mit dem Gedicht „Was gesagt werden muss“ stehe er klar in dieser Tradition, stellt der Historiker fest. Er wirft dem Nobelpreisträger vor, keine Ahnung von dem Thema zu haben. SPIEGEL ONLINE: Wie gefällt Ihnen das Gedicht von Günter Grass? |
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| Gedicht von Günter Grass: Grass nennt Israel Gefahr für den Weltfrieden
Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat in einem Gedicht Israel und Deutschland kritisiert. Israel könne mit deutscher Waffenhilfe ein Verbrechen begehen, wenn es den Iran angreife, so der Autor. Vor dem Hintergrund des Atomstreits mit dem Iran hat … |
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| Gedicht zum Konflikt zwischen Israel und Iran – Was gesagt werden muss
In seinem Gedicht mit dem Titel „Was gesagt werden muss“ fordert der Literaturnobelpreisträger deshalb, Israel dürfe keine deutschen U-Boote mehr bekommen. von den Regierungen beider Länder zugelassen wird. Mir gefällt, daß ein prominenter,… |
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| Gedicht von Günter Grass: Atommacht Israel gefährdet den Frieden
„Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden“, schrieb der 84-jährige Autor in einem am Mittwoch von der „Süddeutschen Zeitung“ und anderen internationalen Blättern veröffentlichten Gedicht mit dem Titel „Was gesagt werden muss“. |
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| Günter Grass Der Antisemitismus will raus
So denkt ES in ihm: Günter Grass schreibt ein Gedicht über Israel, das Sigmund Freud jubeln ließe. Denn es gibt tiefe Einblicke in sein Unterbewusstsein. Antisemitismus ist pfui, Antisemitismus ist wieder da. Beide Sätze sind richtig, man muss nur zwei … |
Dieser Google Alert wird einmal täglich von Google zur Verfügung gestellt.
Woche der altgriechischen Poesie in L&Poe 2.-8.4.

Satyr mit Kantharos und Lyra. Tondo eines Attisch-rotfigurigen Kylix,
460-450 v. Chr. Aus Vulci. (Wikimedia Commons)
Immanuel Musäus (Greifswald) schreibt:
Ein kleiner Fetzen. Nicht von einem alten Griechen, sondern von mir, aber auf Altgriechisch. Habe ich mal gedichtet oder vielmehr zusammengeflickt (ist aber kein Cento im strengen Sinn) zur Illustration der poetischen Etymologie, anhand des Namens „Europa“, mit Parecheseis und Paronomasien usw. Und natürlich kann die Übersetzung das alles nicht mitnehmen, zur Hilfe sind die einschlägigen Wörter aber kursiv gedruckt.
… ἐπ᾽ εὐρέα νῶτα θαλάσσης
ἁρπάξας Κρήτηνδε κατήγαγεν εὐρυόπα Ζεύς
Εὐρώπην οὐ κόλπον ἀν᾽ εὐρώεντα θαλάσσης
ἀλλ᾽ ἕσσας ἐπὶ θῖνι θαλάσσης εὐρυπόροιο
θῆκεν τ᾽ εὔρωστον καὶ ἀγήραον ἤματα πάντα.
… Auf die weite Fläche des Meeres
raubte der weithin schallende Zeus Europa und brachte sie nach Kreta,
nicht auf irgendeine modrige Bucht des Meeres,
sondern am Strand des weit befahrenen Meeres setzte er sie ab
und machte sie rüstig und alterlos für alle Zeit.
Was sie nach der Lesung der letztjährigen Preisträgerin Marion Poschmann zu Gehör brachte – Impressionen aus einer „Dante-Gegend irgendwo vor Assisi“, wo Sankt Franziskus Heiligen-Viten fälschte, und eine spröde Personenstudie aus ihrer norddeutsche Heimat – ließ den typischen Bossong-Ton vernehmen: so intellektuell-leichtfüßig wie bodenständig, Gegenwart und Geschichte mit überraschenden Wendungen verquickend, flott im Tempo.
„Ich will nur Mädchen sein, nicht in Arkadien leben“, heftete sie einem verklärenden Verehrer ans Revers. Eine Richtungsweisung. Lieber ein Wuchergewächs im literarischen Tropenhaus. Vor allem Taschenspielerhaftem sei diese Lyrik ebenso gefeit wie vor dem schwärmerischen Ton, lobte der Journalist Tobias Lehmkuhl, der in seiner brillanten Preisrede gleichwohl immer wieder Rainer Maria Rilke zitierte, den schwärmerischsten Besucher von Worpswede. „Kleine Kraftwerke“ seien die Gedichte dieser „ehrlichen Berichterstatterin: komprimierte Energiequellen“. / Stefan Tolksdorf, Badische Zeitung
Titelblatt der Süddeutschen Zeitung von heute:
Günter Grass warnt vor einem Krieg gegen Iran. In seinem Gedicht mit dem Titel ‚Was gesagt werden muss‘ fordert der Literaturnobelpreisträger deshalb, Israel dürfe keine deutschen U-Boote mehr bekommen.
Im Feuilleton auf Seite 11 steht das komplette Gedicht, Probe aus dem Mittelteil:
Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,
der das von einem Maulhelden unterjochte
und zum organisierten Jubel gelenkte
iranische Volk auslöschen könnte,
weil in dessen Machtbereich der Bau
einer Atombombe vermutet wird.
Doch warum untersage ich mir,
jenes andere Land beim Namen zu nennen,
in dem seit Jahren – wenn auch geheimgehalten –
ein wachsend nukleares Potential verfügbar
aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung
zugänglich ist?
(In der Zeitung El País kann man es komplett und frei auf Spanisch lesen, ich sag mal, angesichts der poetischen Qualität des Textes kann man verlustfrei auf diese zurückgreifen. Es soll heute auch in der „New York Times“ und in „La Repubblica“ stehen, wo es aber zumindest bislang nicht online zugänglich ist.)
Nachtrag: Hier veröffentlicht es die Süddeutsche ebenfalls komplett. Man muß nur nach jedem Punkt eine Leerzeile dazudenken. Obwohl es das „Gedicht“ auch nicht rettet.
In der Welt antwortet Henryk M. Broder:
Grass hat schon immer zu Größenwahn geneigt, nun aber ist er vollkommen durchgeknallt. Ganztätig mit dem Verfassen brüchiger Verse beschäftigt, hat er keine der vielen Reden des iranischen Staatspräsidenten mitbekommen, in denen er von der Notwendigkeit spricht, das „Krebsgeschwür“, das Palästina besetzt hält, aus der Region zu entfernen. Denn das ist nur „Maulheldentum“, das man nicht ernst nehmen muss, so wie die Existenz einer einzigen Bombe „unbewiesen“ ist, bis sie zum Einsatz kommt. …
Grass hatte schon immer ein Problem mit Juden, aber so deutlich wie in diesem „Gedicht“ hat er es noch nie artikuliert. In einem Interview mit „Spiegel Online“ im Oktober 2001 sagte er, wie er sich die Lösung der Palästina-Frage vorstellt: „Israel muss nicht nur besetzte Gebiete räumen. Auch die Besitznahme palästinensischen Bodens und seine israelische Besiedlung ist eine kriminelle Handlung. Das muss nicht nur aufhören, sondern rückgängig gemacht werden. Sonst kehrt dort kein Frieden ein.“
Das war nicht mehr und nicht weniger als eine Aufforderung an Israel, nicht nur Nablus und Hebron, sondern auch Tel Aviv und Haifa aufzugeben. …
Die Deutschen werden den Juden nie verzeihen, was sie ihnen angetan haben. Damit im Nahen Osten endlich Frieden einkehrt und auch Günter Grass seinen Seelenfrieden findet, soll Israel „Geschichte werden“. So sagt es der iranische Präsident, und davon träumt auch der Dichter beim Häuten der Zwiebel.
Was gesagt werden muss ist, dass es zur europäischen Tradition gehört, die Juden vor dem Pessach-Fest des Ritualmords anzuklagen. Früher waren es christliche Kinder, deren Blut die Juden angeblich zur Herstellung der Mazzen verwendeten, heute ist es das iranische Volk, das der jüdische Staat angeblich auslöschen will.
Was auch gesagt werden muss ist, dass Israel der einzige Staat auf der Welt ist, dessen Existenzrecht öffentlich angezweifelt wird. So war es schon am Tag seiner Gründung, und so ist es auch heute noch.
Wir wollen in Frieden mit unseren Nachbarn in der Region leben. Und wir sind nicht bereit, die Rolle zu übernehmen, die Günter Grass uns bei der Vergangenheitsbewältigung des deutschen Volkes zuweist.
Emanuel Nashon, Gesandter des Staates Israel, Botschaft des Staates Israel, 04.04.12
Woche der altgriechischen Poesie in L&Poe 2.-8.4.

Satyr mit Kantharos und Lyra. Tondo eines Attisch-rotfigurigen Kylix,
460-450 v. Chr. Aus Vulci. (Wikimedia Commons)
Jeder, dem etwas an Literatur liegt, landet irgendwann bei Sappho. (Arnfrid Astel)
1916 veröffentlichte Ezra Pound ein Gedicht mit dem Titel „Papyrus“:
Spring ……
Too long ……
Gongula ……
Inspiriert wurde er durch die kurz zuvor erfolgte Veröffentlichung einiger Sapphofragmente. Die Fragmente, die auf antiken Pergamenten oder Papyri überliefert sind (seit 1905 waren kistenweise Papyrusfragmente aus den Resten der Stadt Oxyrhynchus aus dem ägyptischen Wüstensand oder gar aus dem Mund mumifizierter Krokodile geborgen und nach England gebracht worden, wo die Entzifferung andauert. Bis 1915 wurden neben Texten von Euklid oder Pindar nicht weniger als 56 Fragmente von Sapphotexten entdeckt. Die Fragmente faszinierten Pound und seine Freundin Hilda Doolittle, die auf der Suche nach einer modernen Poesie waren. Pound schrieb: „Willst du den Inbegriff der Sache, geh zu Sappho, Catull, Villon, zu Heine, wo er in Schwung ist, zu Gautier, wo er nicht allzu frostig ist, oder, falls du diese Sprachen nicht kannst, suche den geruhsamen Chaucer auf.“*
Sapphos Name wurde so berühmt, daß in vielen Teilen der Welt dichtende Frauen nach ihr benannt wurden, wie die deutsche Sappho (Anna Luisa Karschin), die pommersche Sappho (Sibylla Schwarz). Ihr Werk dagegen verschwand fast völlig. Die Antike kannte 9 Bände. Heute kennen wir neben weniger als einer Handvoll ganz oder in größeren Teilen überlieferter Gedichte über hundert Fragmente, manche in der Art von Pounds „Papyrus“. Fragmentträger sind Papyri, Pergamente, Tonscherben oder erhaltene Werke anderer Autoren, die sie zitieren. Auch Aristoteles ist ein solcher Zitatträger. Im 1. Buch seiner Rhetorik schreibt er:
(…) aller Schändlichkeiten – einerlei ob in Wort, Tat oder Absicht – schämt man sich, wie Sappho Alkaios, als dieser schrieb: „Etwas sagen will ich, doch mich hindert der Anstand“, erwiderte:
Wenn zu Edlem und Erhabenem Verlangen dich hielte
und nicht böse Worte die Zunge sagen wollt‘,
dann füllte nicht Scham deine Augen,
sondern du sprächest das Rechte nur. **
*) Ezra Pound: Dichtung und Prosa, Berlin: Ullstein 1959, S. 148 (übersetzt von Eva Hesse).
**) Aristoteles: Rhetorik. Übersetzt und herausgegeben von Gernot Krapinger, Stuttgart: Reclam 1999, S. 44.

Einige deutsche Übersetzungen:
Wilhelm Heinse
Alkaios. Ich möchte Dir etwas sagen, aber die Scham verwehrt es mir. Sappho. Wenn es Verlangen nach Gutem und Schönem wäre, so würde Scham Deine Augen nicht ergriffen, Deine Zunge nicht gezittert haben, Böses zu sagen, Du würdest von etwas Gerechtem reden.
Wilhelm Heinse: Sämmtliche Schriften, E. Graul, 1857. Bände 4-5

Hans Rupé:
Alkaios:
So gerne möcht‘ ich reden, allein mich hindert die Scham ….
Sappho:
Verlangte dich nach edlem und Schönem nur
und flockte deine Zunge beim bösen Wort,
so senkte nicht die Scham dein Auge,
sondern du redetest frei, wie’s recht ist.
Aus: Sappho. Übertragen von Hans Rupé mit dreizehn Zeichnungen von Renée Sintenis. Berlin: Holle & Co., o.J., unpag.
Raoul Schrott:
[Alkaios zu Sappho]
Ich möchte dir etwas sagen doch
eigentlich trau ich mich nicht –
[Sappho zu Alkaios]
Alles was gut und recht ist mein lieber
wenn du was andres als bumsen
im kopf hättest dann wäre es dir längst
schon über die lippen gekommen
Aus: Raoul Schrott: Die Erfindung der Poesie. Gedichte aus den ersten viertausend Jahren. Frankfurt/Main: Eichborn 1997, S. 137.
21 anspruchsvolle Titel liegen bei Roughbooks mittlerweile vor. Bertram Reineckes „Sleutel voor de hoogduitsche Spraakkunst“ ist die Nummer 19. Der Titel trägt eine doppelte Botschaft. Einmal ist es der namentliche Verweis auf ein historisches Sprachlehrbuch. In einer kleinen Textserie montiert Reinecke Phrasen aus dem Lehrbuch aneinander, mit dem einst junge Menschen nicht nur Hochdeutsch lernten, sondern auch eine Welt von Sitten, Weltsichten und Vorurteilen kennen lernten. Denn selbst wenn sich Lehrbuchautoren Mühe geben: Sie kommen nicht aus ihrer Haut. Selbst die einfachsten Aussagesätze verraten ihren Ursprung. „Welchen Besen hat der Bediente?“ – „Er hat den seinigen.“ Ganz verräterisch sind die Besitzanzeigen. Manche dieser kurzen Texte lesen sich in der Raffung, die Reinecke vornimmt, wie die Suche der Polizei nach einem ganz gewieften Dieb.
Um Dieberei geht es auch in anderen Texten. Denn nichts war ja in den letzten Jahren der Faulen-Kredite-Blase so hochaktuell wie die holländische Tulpenkrise von 1637/1638, die Reinecke im Stil eines Sonetts von Andreas Gryphius verarbeitet: „O Teur erworben Gut!“ Womit man schon mittendrin ist in Reineckes Art, mit den Themen der Gegenwart umzugehen: Er collagiert. Das tun auch andere Dichter. Manche variieren dann auch, persiflieren, imitieren, zitieren, schreiben Hommagen oder nutzen einfach die Stilmittel ihrer Vorbilder, und zwar so, dass der Leser es merkt. Denn darum geht es: Man akzeptiert den Lesenden als Gleichgesinnten und traut ihm zu, die Wurzeln der Gedichte zu kennen und wiederzuerkennen. …
Wenn Reinecke dann freilich die Dichter des 17. Jahrhunderts – Simon Dach etwa – zum technischen Muster nimmt, um ein moderneres Thema und das Motiv eines heutigen Dichters zu verarbeiten, wird spürbar, wie komplex Sprachmaterial tatsächlich funktioniert und wie stark es mit dem Gestus der Epoche (hier des deutschen Barock) verquickt ist. Was zumindest bei den großen deutschen Barockdichtern bis heute eine nicht geringe Faszination ausmacht. Schon eins der nächsten Gedichte im Stil der Christiana Mariana von Ziegler zeigt, wie sehr nur ein Jahrhundert später der Stil über den Inhalt dominierte. Die Zieglerin, Tochter des Leipziger Bürgermeisters Romanus, wird zwar zur Aufklärung gezählt. Doch gerade in der Lyrik konnten sich die deutschen Dichter in der Mitte des 18. Jahrhunderts nicht dazu durchringen, wieder wesentlich zu werden, wie es Lessing forderte. Man tändelt und disputiert und reimt mehr über Dichterey, als dass man dichtet.
Was Reinecke in fröhlicher Variation persifliert, bis hin zum Schäfergetändel der Zeit: „Ob gleich die, so er liebt, ihn nur mit Worten speist“. / Ralf Julke, Leipziger Internet Zeitung
Bertram Reinecke „Sleutel voor de hoogduitsche Spraakkunst“, Roughbook, Leipzig, Berlin und Solothurn 2012, 8,50 Euro www.roughbooks.ch
Bei Fixpoetry Armin Steigenberger über das neue Edit:
Die Gedichte des polnischen Dichters Miron Białoszewski, übersetzt von Dagmara Kraus, frappieren. Sie wirken auf den ersten Blick simpel und sehr reduziert.
STUDIUM DES SCHLÜSSELS
Der Schlüssel
riecht wie Nagelwasser
schmeckt nach Elektrizität
und als Frucht
ist er herb
unreif
an sich ganz und gar
Kern.
Oft auf lapidare Dinge wie Sinneseindrücke fokussiert geben sie alltägliche Dingen wieder, entfachen dennoch, meist zum Ende hin, in Texten wie Bemusung oder einer selbstironischen „Ode“ über einen bekommenen und wieder genommenen Ofen oft ihr ganzes sprachgewaltiges Potenzial. …
Ebenfalls sehr spielerisch schrieben Elfriede Czurda und Ferdinand Schmatz je ein, Michael Lentz zwei Anagramme nach einem Text von Carlfriedrich Claus, rinde der bäume. Christian Steinbacher rundet mit einer „Anagrammfolge“ von gleich 6 Texten den Zyklus ab, von daher ist die Kapitelüberschrift „Vier Gedichte“ ein glattes Understatement. Es wären so gesehen 10 Einzelanagramme, nicht eingerechnet den Ausgangstext von Carlfriedrich Claus – jenes visionären experimentellen Künstlers, der die Grenzen von Stimme, Papier und Schrift zu Rändern werden ließ, zu Nähten, die die Wirklichkeit neu zusammensetzten, steht in einer Fußnote. Alle Texte lösen auf ihre Weise originell den Anspruch ein.
Außerdem u.a. über Konstantin Ames, Georg Leß und amerikanische Essays
Edit 57, Papier für neue Texte, hrsg. von Literaturverein Edit e. V., 2012
Redaktion: Jörn Dege, Kerstin Preiwuß, Mathias Zeiske
Der Maltesische Dichterbund (Għaqda Poeti Maltin) wird praktisch bei der Vergabe staatlicher Kulturfördermittel ignoriert, beklagt die verbandseigene Zeitschrift Versi.
Außerdem würdigt sie mit Fr Anastasju Cuschieri einen der bedeutendsten Dichter Maltas anläßlich seines 50. Todestages.
Die Contemporary Maltese Poets Corner ist dem Dichter Charles Mifsud gewidmet mit den Gedichten Qed Jisbaħ, Fil-Waqt li Niftakar und Kemm se jdum il-Pa?
Stefano Farrugias Gedicht Flaxbekk (Flashback), mit dem er den National Poetry Contest und den Amante Buontempo Prize 2011 gewann, wird ebenfalls abgedruckt zuzsammen mit weiteren Gedichten in verschiedenen Sprachen.
Versi kostet €1. / Alfred Palma, Times of Malta 1.4.
Woche der altgriechischen Poesie in L&Poe 2.-8.4.

Satyr mit Kantharos und Lyra. Tondo eines Attisch-rotfigurigen Kylix,
460-450 v. Chr. Aus Vulci. (Wikimedia Commons)
Von Dirk Uwe Hansen (Greifswald)
Ephesus ist eine Stadt, die sowohl in der Woche der türkischen wie der griechische Poesie erwähnt werden sollte. Dass sie dadurch gute Chancen hätte, zu einem Symbol der Völkerverständigung zu werden, ist gleichwohl unwahrscheinlich.
Ein lohnendes Reiseziel dagegen ist sie heute wie schon in der Antike, berühmt für ihren prächtigen Artemistempel und, so heißt es, für ihre Bordelle. Im fünften Buch der Anthologia Graeca findet sich in Form eines Epigramms ein Brief des Dichters Rufin aus Ephesus an seine daheimgebliebene Geliebte, die er Elpis (Hoffnung) nennt:
Ῥουφῖνος τῇ ‚μῇ γλυκερωτάτῃ Ἐλπίδι πολλὰ
χαίρειν, εἰ χαίρειν χωρὶς ἐμοῦ δύναται.
οὐκέτι βαστάζω, μὰ τὰ σ‘ ὄμματα, τὴν φιλέρημον
καὶ τὴν μουνολεχῆ σεῖο διαζυγίην·
ἀλλ‘ αἰεὶ δακρύοισι πεφυρμένος ἢ ‚πὶ Κορησσὸν
ἔρχομαι ἢ μεγάλης νηὸν ἐς Ἀρτέμιδος.
αὔριον ἀλλὰ πάτρη με δεδέξεται, ἐς δὲ σὸν ὄμμα
πτήσομαι, ἐρρῶσθαι μυρία σ‘ εὐχόμενος.
5,9
Rufin wünscht seiner süßen Elpis, die er nicht mehr lieben kann,
als er sie schon liebt, Gutes, wenn es ihr denn ohne mich gut gehen kann.
Bei deinen Augen, die Einsamkeit ertrage ich nicht und auch nicht,
fern vom gemeinsamen Joch allein im Bett zu liegen;
so gehe ich immer wieder und unter Tränen zum Koressos
oder zum Tempel der großen Artemis. Aber morgen
empfängt mich die Heimat wieder, morgen fliege ich in deine Augen!
Und tausendmal wünsche ich dir alles Gute.
(Übersetzung: Dirk Uwe Hansen)
Einsam ist er, der Dichter, schlaflos in der Nacht und ruhelos am Tag. Treibt sich am Hafen herum, von wo aus die Schiffe nach Hause fahren, oder schüttet der jungfräulichen Göttin sein Herz aus. So will er wenigstens ein kleines Briefchen an die Liebste schreiben. Hübsch. Ein nettes Gedicht. Doch Rufin ist kein netter Dichter. Rufin ist, zusammen mit Straton, der raffinierteste und cleverste der Dichter in der griechischen Anthologie. Und dieses Gedicht ist nicht nur nett, es hat einen doppelten Boden und darunter einen zweiten Text, der viel weniger nett, dafür aber unterhaltsamer ist. Um an diesen zweiten Text heranzukommen, muss man das Gedicht im Original lesen; und man muss es laut lesen. Oder sich helfen lassen. Zum Glück gibt es eine solche Hilfe: Regina Höscheles Kommentar (Verrückt nach Frauen. Der Epigrammatiker Rufin, Tübingen 2006) bringt uns auf die Spur der Zwei- und Mehrdeutigkeiten des Textes: So beginnt und endet das Epigramm zwar mit klassischen Briefeinleitungs- und Abschlussformeln, sie werden aber gebrochen und mehrdeutig gemacht, man muss beim Vortrag der letzten Zeile nur ein wenig die Pausen verschieben, um den Sinn radikal zu ändern. Der Stadtteil Koressos, das Hafenviertel, trägt die Kore, das Mädchen, als die beiden ersten Silben in seinem Namen. Der Artemistempel liegt gegenüber auf der anderen Seite der Stadt. Wer vom einem zum anderen geht, durchstreift also ganz Ephesus.
Mehr noch: durch die Elision, das Ausstoßen eines von zwei in der Wortfuge aufeinanderprallenden Vokale, klingt das Possessivpronomen in der ersten Zeile für den Hörer wie eine Verneinung. Und ist Elpis nicht doch ein ungewöhnlicher Name für eine Geliebte?
Das ist alles vereinfacht und überspitzt, wers genauer wissen will, lese Höschele; am Ende steht dann zwischen den Zeilen (und ohne literarische Ausschmückungen) etwa folgender Text:
Liebe Vertrösterin,
du bist süß, das sind andere auch. Ich wünsche dir, dass es dir ohne mich so gut geht wie möglich. Ich halte es, das schwöre ich bei deinen Augen, nicht mehr aus, liege allein ohne dich im einsamen Bett und lasse meine Tränen verströmen1 oder streune durch die Stadt, vom Mädchen-Viertel, zum Tempel der großen Artemis (mit seinen schönen Priesterinnen). Aber morgen kommt wenigstens dieses Gedicht nach Hause und vor deine Augen, ich dagegen muss mich hier noch von tausend Frauen verabschieden.
Elpis musste sich für eine der beiden Versionen entscheiden. Wir können sie zum Glück beide nehmen.
1Ein Schelm, der Böses dabei denkt, mag recht haben. Für den metaphorischen Gebrauch von „Tränen verströmen“ für ejakulieren weiß Höschele auch eine Parallele zu nennen.
Literatur
Anthologia Graeca
Dirk Uwe Hansen; Jens Gerlach; Christoph Kugelmeier; Peter von Möllendorff; Kyriakos Savvidis
Band 1: Bücher 1 bis 5
Band 72 der Reihe „Bibliothek der griechischen Literatur“
Anton Hiersemann Verlag
ISBN 978-3-7772-1117-6
2011, Leinen, XXII, 195 Seiten, 235 x 160 mm
149 €
Stuttgart : Hiersemann, 2011-
Bibliothek der griechischen Literatur, Bd. 72.Regina Höschele: Verrückt nach Frauen. Der Epigrammatiker Rufin (Classica Monacensia)
EUR 48,00
Broschiert: 156 Seiten
Verlag: Narr; Auflage: 1. Aufl. (1. Juni 2006)
Jemand den gleichen?
Für das letzte Schild an einem Pfeiler des Bürgerturmes haben sich jetzt private Spender gefunden, die sich mit einem besinnlichen Gedicht verewigt haben wollen. / hier
Denn die Parolen und Losungen der „literarischen Rowdys“, wie sie jetzt beschimpft wurden, lauteten:
Solche Provokationen entfachten den lautstarken Protest der tonangebenden Literaturfunktionäre. Publikationen wurden unterbunden, die Veranstaltungen angegriffen und diffamiert. Das Ende läutete ein Schmähartikel in der Zeitschrift „Smena“ vom 9. April 1930 ein, in dem den Oberiuten Widerstand gegen die Diktatur des Proletariats unterstellt wird.
Das war das praktische Verbot. Oberiu war die letzte eigenständige „linke“ avantgardistische Gruppierung in Leningrad vor der offiziellen Gleichschaltung.
Zu Lebzeiten sind deshalb nur zwei Gedichte von Charms in Almanachen erschienen, für sein 1927 fertiggestelltes Buchmanuskript „Die Leitung der Dinge“ fand er keinen Verlag. Um 1930 muss ihm klar gewesen sein, dass er nur für sich und den Freundeskreis schrieb. / Rainer Schmitz, DLF
Daniil Charmes:
Werkausgabe in vier Bänden. Galiani Verlag, Berlin 2010 bis 2011. Herausgegeben von Vladimir Glozer und Alexander Nitzberg. Aus dem Russischen von Beate Rausch und Alexander Nitzberg. Je 24,95 EuroGudrun Lehmann:
Fallen und Verschwinden Daniil Charms. Leben und Werk. Wuppertal Arco Verlag 2010. 39,90 EuroMarina Durnowo:
Mein Leben mit Daniil Charms. Aus Gesprächen zusammengestellt von Vladimir Glozer. Galiani Verlag, Berlin 2010. 16,95 Euro
Dieser Essay widmet sich zum einen, dem literarischen Buchprogramm des 2011 von Julietta Fix in Hamburg ins Leben gerufenen FIXPOETRY.Verlags, das mich gleich mit mehreren druckfrischen Büchern vom Hocker reißt, zum anderen schallt die eine oder andere Frage hinsichtlich der Vergabe von Literaturpreisen, die sich während der begeisternden Lektüre von Brigitte Struzyks bei FIXPOETRY erschienenem Gedichtbuch alles offen hartnäckig, querköpfig, unduldsam hinter der Stirn plaziert, in den von allerlei Getier bevölkerten Wald im Hinterland hinein. …
Das Gedicht material comfort begeistert mich derart, daß ich es wieder und wieder lese – allein schon diese Auftakt-Verse: and against all odds / i did find god. Die ›phantastische‹ alliterative Kombination phlogiston flowers wirkt im Zusammenhang der Verse elektrisch aufgeladen, gleichsam magnetisch zieht sie mich an wie die ehemalige 100-Watt-Glühbirne das Insekt, und ich lese, „bis die Wimpern vor Müdigkeit leise klingen“ (Elias Canetti). Flowers / pebbles … are the all-powerful paradoxical stone / exothermic needs / child’s delight / silence / fault in the firing – material comfort ist, in Worteinheit mit dem anschließenden Gebet appropriate alphabetical, ein Gedicht, das ich mit Wonne lese. – This graphic book of remembrance is a book against seas of oblivion. I whisper: Thank you.
Der FIXPOETRY.Verlag hat also angefangen, so richtig Dampf zu machen: Mit Johannes CS Franks Erinnerungen an Kupfercreme, Susanne Eules‘ ubern ruckn des antlantiks den rand des nachmittags und Brigitte Struzyks Drachen über der Leninallee, alle im März 2012 erschienen, steigt der Verlag bereits ein Jahr nach der Gründung in die erste Liga der jungen Literaturverlage im deutschen Sprachraum auf. Und für die Leser, die der Vergleich mit dem Sport befremden mag (denn Sport ist bekanntlich auch Mord – Literatur etwa nicht?), formuliere ich es so: Das sind Bücher, denen ich nach dem für alle Bücher selbstverständlichen Willkommensgruß so richtig gern Unterschlupf biete in meinem kleinen Wörterhaus. Das sind Bücher, die mich auf- und erregen, die den Metabolismus dermaßen in Schwung bringen, daß ich auf einmal wieder federleicht durchs Dasein schwebe und Mrs Columbo mit Jubelrufen auf die Nerven gehe (hoffentlich nicht …). Auch Jan Deckers Buch Der Abdecker mit Essay, Lyrik und Prosa schlägt eine ganz eigenwillige Tonart an, deren Sequenzen ich sehr gerne folge. Christine Hoba ist eine feine Entdeckung mit Gedichten, die mein Interesse anhaltend binden, im selben Buch bringt Christian Kreis das Sowohl-als-Auch der ewigen Dilemmas im unersättlichen Dasein ganz „einfach“ auf den Punkt: Mundraub // Ich werde meine Lippen / mit Sekundenkleber bestreichen / dich küssen und dann / einfach fortgehen. …
Im vergangenen Jahr bereits läßt mich unter den Premiere-Titeln das eine oder andere FIXPOETRY-Buch aufhorchen, dessen Leseeindruck ich in dem am 1. Januar 2012 veröffentlichten Essay Von Buch zu Buch. Lesezeiten 2011 kurz festhalte: „So weise ich frech auf den Band da kapo mit CS-Gas hin, in dem ich kaltherzblütig aufnotierte (montierte) Gedichte von Kai Pohl und Clemens Schittko lese, von denen ich mich am 5. Dezember zwischen 16 und 17 Uhr frei und willig in die Zange nehmen lasse. Der gemeinschaftliche Band ist 2011 im Hamburger FIXPOETRY.Verlag erschienen – wie auch die Anthologie Brennpunkte mit Gedichten von sechs Autorinnen aus der Schweiz sowie Brigitte Struzyks alles offen – – – von wegen „alles offen“: Im Gedicht Verkehrt heißt es im ersten Vers Verflogen kam der Vogel an und später (hier klopft Christa Wolf an die Tür): Kein Ort hier, nirgends offen.“
Während ich Brigitte Struzyks originelles, vor vitalen Versen strotzendes Lyrikbuch alles offen las, kamen mir erste, via Mail, Skype oder Telefon geäußerte, Mutmaßungen, wer denn den anstehenden Peter-Huchel-Preis gewinnen könnte, zu Ohren. Ich dachte im Anschluß an die über weite Strecken fesselnde Lektüre, daß Brigitte Struzyk diesen Preis mit alles offen durchaus gewinnen könnte, es wäre eine gute Entscheidung, hoffte im stillen jedoch auf Ulrich Zieger und Aufwartungen im Gehäus und ahnte, daß Joachim Zünders wahrhaft gute Rauchgeister sich im Hinblick auf den Preis in Luft auflösen würden. Ich kann die Entscheidung für Nora Bossongs schönes Gedichtbuch Sommer vor dem Mauern nachvollziehen, das ich sehr gern gelesen habe, wie ebenfalls im Essay Von Buch zu Buch nachzulesen ist, und während ich das hier aufnotiere, bin ich ganz bei Susan Sontag, die im 1964 publizierten Essay Notes on Camp betont: Camp taste is, above all, a mode of enjoyment, of appreciation – not judgment. Camp is generous. It wants to enjoy. It only seems like malice, cynicism. (Or, if it is cynicism, it’s not a ruthless but a sweet cynicism.) / Theo Breuer, Poetenladen
APRIL is National Poetry Month, which means different things in different places on Long Island, but at least three events will celebrate Walt Whitman, the island’s own “good gray poet,” who was born in West Hills in 1819. …
At Whitman’s birthplace in West Hills, meanwhile, a monthlong project called “Poem in Your Pocket” will work like this: Visitors will be able to take home examples of Whitman’s shorter poems, printed on “paper that will easily be folded in half or quarters to fit in the pocket,” said Cynthia Shor, executive director of the Walt Whitman Birthplace Association, which operates the center. Later, those who took the poems will be able to hand them, or read them aloud, to (possibly surprised) co-workers, friends and neighbors. / The New York Times
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