„Ich traf eins und fragte es, was Poesie sei. Es versetzte mir, Nützlichkeit sei das Letzte. Und dieses heißt Reißwolf und jenes heißt Ökoöl. Oder Poesie per Livestream. Oder Life Conditioner. Eine seltene Säure. Jeder Engel geht einem schrecklich auf die Nerven. Andere Gerichte sind Elegien. Viel Glück beim Sampling! Oder bei der Engführung. Da falle ich aus den Wolken. Wir, das Volk, Ich das Ich, lebendig und auf jedem Dokuspaßkanal. Wer Geschichtsknoppers liebt, sollte jetzt besser gehen. Zu wünschenswert. Sagt ‚Tschüss‘ dem dreifach gesattelten Pferd.“
Ames, Bresemann, Genschel, Kornappel und Lange lesen Gedichte & der Josquin-DJ macht Musik.
Samstag, 23.2.
20:00
playing with eels
Urbanstraße 32, 10967 Berlin
»Oskar Huth – Orgelbauer, Maler, schreibunwilliger Poet – war über vier Jahrzehnte in Berliner Künstler- und Literatenkreisen geschätzt für seine treffend-skurrilen Wortprägungen wie für die Kunst, zu mitternächtlicher Stunde auf einem verstimmten Klavier den Geist Schuberts zu beschwören.« So sah ihn der Fotograf und Zeichner Alf Trenk im Nachwort zum »Überlebenslauf«. In der postum aus Tonbandmitschnitten montierten Quasi-Autobiographie läßt er auch wissen, wer sonst ihn literarisch verarbeitete: Günter Grass, Robert Wolfgang Schnell, Matthias Koeppel, Günter Bruno Fuchs. (…)
In Wilmersdorf dann unter den Augen von Blockwart und Nachbarn gleich neben dem Luftschutzkeller Pässe und Buttermarken für versteckte Juden und andere Verfolgte zu fälschen – nach dem 20. Juli 1944 auch für die Mitverschwörer Kunrat und Ludwig von Hammerstein –, erinnert an Edgar Allan Poes »Entwendeten Brief«: Das Corpus delicti liegt offen herum und wird nur deshalb nicht entdeckt. An die 60 Juden rettete Huth so vor den Mördern. Wobei er die Marken selber einlöste und die Butter – stets zu Fuß – in den Verstecken ablieferte. / Eike Stedefeldt, junge Welt
Der Kabarettist Dietrich Kittner ist tot. Er starb am Freitag im Alter von 77 Jahren in Bad Radkersburg in der Steiermark, wo er seit längerem lebte. Aber was heißt schon Kabarett? »Kabarett ist ja nur in Dikaturen verboten«, erzählte er 2010 dieser Zeitung, »die BRD ist aber bekanntermaßen eine Demokratie! Da gibt es einen Trick: Man sendet Comedy und Klamotte, Komiker und Kunstfurzer unter dem Oberbegriff Kabarett. Es gibt ja begnadete Komiker und Comedians, aber Kabarett ist das eben nicht. Übrigens, es muß ein Beamter gewesen sein, der das Wort Kleinkunst erfunden hat.« / Christof Meueler, junge Welt
schreiben – die Kunst, die voraus und davon eilenden Gedanken im entscheidenden Moment wieder einzufangen
Hansjürgen Bulkowski
Ihren Unterhalt verdient die Dichterin mit Lektoraten, ab und an eröffnet sie Ausstellungen oder bekommt ein kleines Salär für eine Lesung. Doch alles, was Kerstin Becker tut, entspringt einer Begeisterung für Sprache, Kunst und Literatur. Im letzten Jahr erschien ihr poetisches Debüt „Fasernackte Verse“, eine Sammlung eigenwilliger Texte von bemerkenswerter sprachlicher Vielfalt, im Verlag Fixpoetry bei der engagierten Herausgeberin Julietta Fix in Hamburg. Zudem ist sie seit Langem für TextTour, eine Veranstaltungsreihe zum literarischen Austausch zwischen Dresdner Autorinnen und Autoren aktiv. Und im letzten Sommer wirkte sie an einer herrlichen „Freiluftanthologie“ in Dresden-Gohlis mit, die in Zusammenarbeit mit dem Kunsthof Gohlis und einem Dresdner Unternehmer, der wind- und wasserdichte Hüllen sponserte, entstehen konnte. Dort nämlich wurden Gedichte ganz unterschiedlicher Dichter aus ihren Buchdeckeln und dem Reservat unter der Leselampe befreit, und wehten in Bäumen und Sträuchern. Dass einige von ihnen sogar gestohlen wurden, freut die Dichterin.
Nach ihrer eigenen Poetik befragt, lächelt sie versonnen und antwortet: „Jemandem ans Herz gehen können – das ist zwar nicht angesagt, aber trotzdem.“ / Undine Materni, Sächsische Zeitung 11.2.
Kerstin Becker, Fasernackte Verse. Verlag Fixpoetry, Hamburg 2012; 12 €
Zwei Sätze reichen, um den kulturellen Hintergrund des Haiku zu erläutern: «Winzig erscheinen uns der Japaner selbst, seine Frauen, Häuser, Geräte, Gedichte. Aber er hat das Menschenmögliche in der Prägnanz, Plastik und Schärfe des Kurzgedichtes geleistet.» (…)
Auch Schiller bezieht im Vorübergehen zarte Prügel: «Das Rosa seiner Liebeslyrik ist staubig.» (…)
Natürlich hat Klabund wild kompiliert, natürlich sind zumal die völkerpsychologischen Betrachtungen von abenteuerlicher – allerdings zeittypischer – Leichtfertigkeit. Auf der anderen Seite betont der aufrechte Pazifist unermüdlich die Bedeutung des kulturellen Austauschs und verteidigt die Autonomie der Literatur gegen jede politische Inanspruchnahme. / Manfred Koch, NZZ 13.2.
Klabund: Literaturgeschichte. Die deutsche und die fremde Dichtung von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hrsg. von Ralf Georg Bogner. Elfenbein-Verlag, Berlin 2012. 380 S., Fr. 55.–.
Der Leser ist dabei in einem fast schon skandalösen Mass gefordert, das vielsprachige Palimpsest zu entziffern und den verborgenen Zusammenhang der Textfragmente aufzuspüren. Kein Wunder, dass dieses moderne Epos, definiert als «längeres Gedicht unter Einschluss von Geschichte», mit seinem hybriden Anspielungsreichtum inzwischen eine wahre Pound-Industrie alexandrinischer Quellenjäger und Deuter ins Brot gesetzt hat. (Gegen die dabei zutage geförderte Detailflut hilft am besten der Blick in Hugh Kenners grosse und bleibende Synthese «The Pound Era», 1971.)
Die wichtigsten Schlüssel für das Verständnis der scheinbar disparaten Montagepartikel stellen gleich die ersten Cantos bereit: Mythos, Metamorphose und Autobiografie. Der Auftakt erweist sich als verknappte Übertragung von Odysseus‘ Hadesreise bei Homer; angereichert mit Echos der altenglischen Elegie «The Seafarer» und übersetzt nach einer lateinischen Version der Renaissance. Damit projiziert Pound drei epochale Neuanfänge in seinen eigenen modernistischen Aufbruch und thematisiert die «Übersetzung» als Prinzip kultureller Regeneration: Pound als Odysseus, unbehauster Seefahrer und Kulturmittler, der die Schatten der Vergangenheit durch seine Opferblutspende zum Reden bringt. (…)
Gerade in seiner Gänze zeigt es sich: Das grosse Experiment ist weit mehr als ein museales Exponat. Es ist, in seinen Himmel- und Höllenfahrten, seiner synthetischen Kraft und Verstiegenheit, das unmögliche Epos des 20. Jahrhunderts und zugleich ein ungeschminktes Selbstporträt, «warts and all», seines poetischen Odysseus. Die Kohärenz liegt im Fragmentarischen, wo sonst? «It coheres all right / even if my notes do not cohere.» / Werner von Koppenfels, NZZ 16.2.
Ezra Pound: Die Cantos. In der Übersetzung von Eva Hesse und Manfred Pfister. Ediert von Manfred Pfister und Heinz Ickstadt. Kommentiert von Heinz Ickstadt und Eva Hesse. Zweisprachige Ausgabe. Arche-Literatur-Verlag, Zürich – Hamburg 2012. 1480 S., Fr. 166.–.
Die Unwirklichkeit der Bilder, ja ihre Surrealität kulminiert in dem Vers „Sterne er wie Blumen pflückt“, mit dem Brentano eine poetisch-existentielle Formel anklingen lässt, die er mehrfach in verschiedenen Gedichten eingesetzt hat: „O Stern und Blume, Geist und Zeit/Lieb, Leid und Zeit und Ewigkeit!“. / Hans-Joachim Simm über ein Gedicht von Clemens Brentano, Frankfurter Anthologie der FAZ
Schließlich werden die Sätze von „Howl“ (zu Deutsch: „das Geheul“) in einem surrealen Comic zum Leben erweckt – auf leichte, unbekümmerte Weise schweben Gedanken durch die Luft, wandeln sich zu Skeletten oder brennenden Körpern, vermengen sich zu einem verträumten Videoclip, der einen roten Faden bildet und nebenher zeigt, wie absurd es ist, Literatur objektiv zu bewerten. / Hans Czerny, Weser-Kurier
Ralf Rothmann erhält den mit 20.000 Euro dotierten Friedrich Hölderlin-Preis 2013 der Stadt Bad Homburg. Der Förderpreis in der Höhe von 7.500 Euro geht an den Schweizer Arno Camenisch.
Die Jury ehrt Rothmann „für sein literarisches Werk, das sich in Gedichten, Erzählungen und Romanen durch atmosphärische Dichte und sprachliche Genauigkeit auszeichnet.“ Sein Œuvre weise über den Tag hinaus und habe sich auch dadurch repräsentativen Rang erworben, heißt es in der Begründung weiter. Die Jury setzte sich aus Jochen Hieber (FAZ), Oberbürgermeister Michael Korwisi, Kulturdezernentin Beate Fleige, Anne Bohnenkamp-Renken (Freies Deutsches Hochstift), Heinz Drügh (Johann-Wolfgang-Goethe-Universität), Gerhard Kurz (Hölderlin-Gesellschaft) und Klaus Merz (Vorjahrespreisträger) zusammen. (…)
Arno Camenisch erhält den Förderpreis „für die sprachartistische Erzähltrilogie über Landschaft und Leute seiner Graubündner Herkunft. Souverän spielt der Autor in den so kurzen wie konzisen Romanen Sez Ner, Hinter dem Bahnhof und Ustrinkata mit den Idiomen, die ihn prägten: mit dem Rätoromanischen, dem Schweizerdeutschen und mit unserer Hochsprache.“ / buecher.at
Der kleine Berenberg-Verlag fügt seinen großen Verdiensten um abseitige und schön gemachte Bücher nun weitere hinzu: Jetzt erscheint hier auch Lyrik – und, wie zu erwarten war, solche jenseits des Mainstreams und im besten Sinne eigenartig.
Neben dem jungen US-Amerikaner Jeffrey Yang wird der Argentinier Sergio Raimondi, von dem hierzulande bislang kaum ein Mensch gehört hat, mit Auszügen aus seinem „kommentierten Wörterbuch“ vorgestellt: von A wie „Architecture, vers une“ (wie eine der ersten Publikationen von Le Corbusier 1923 hieß) bis Z wie „Zafra“ (das durch die kubanische Planwirtschaft bekannt gewordene Wort für Zuckerrohrernte). / Katharina Döbler, DLR
Sergio Raimondi: Für ein kommentiertes Wörterbuch
Aus dem Spanischen von Timo Berger
Berenberg Verlag, Berlin 2012
95 Seiten, 19 Euro
Frankreich begeht vom 9.-24.3. zum 15. Mal das Festival „Frühling der Dichter“, das in diesem Jahr unter dem Motto «la grâce, la légèreté et la liberté» (Anmut, Leichtigkeit, Freiheit) steht. Auf einer Pressekonferenz erklärte der künstlerische Leiter des Festivals, Jean-Pierre Siméon, man wolle die Präsenz der Poesie in der Stadt bekräftigen. Er zitierte Paul Éluard: „das Gedicht ist der kürzeste Weg von einem Menschen zum nächsten“*. Er vergaß auch nicht die Krise zu erwähnen, die sich aus der Kürzung der Fördermittel ergibt und schloß mit dem Aufruf: „Das 21. Jahrhundert wird poetisch sein oder es wird nicht sein.“**
*) zur gefälligen Verwendung nicht nur am Valentinstag empfohlen
**) Kennern der französischen Literatur des 20. Jahrunderts verständlicher als Nichtkennern.
Das Raue – Aufbrüche auf ungebahnte Wege
Autoren: Angelika Janz, Jürgen Buchmann, Robert Wohlleben
Moderator: Bertram Reinecke
Ein barocker Dichterwettstreit, die Dichtergruppe um Arno Holz, Fragmenttexte von Angelika Janz
Marino griff bewusst über den verbindlichen stilistischen Kanon hinaus und befreite die Zeichen von Ihrer Bindung an den sachlichen Gehalt. Die Eigenstofflichkeit der Zeichen beginnt sich vorlaut in den Sinn einzumischen, die Laute führen seltsame Tänze auf … Von den Zeitgenossen wurde er dafür angegriffen, sein (unterlegener) Kontrahent in einer zunächst in Sonetten ausgetragenen Fehde versuchte gar, ihn zu erschießen.
Während Marino die Konventionen des Gedichts durch Überspitzung hintergeht, beginnen Arno Holz und seine Mitstreiter sie durch radikalen Verzicht auf hergebrachte Schmuckmittel in vorher nie dagewesener Konsequenz zu umgehen. Wie macht man das Gespräch über Alltagsdinge in schlichter Rede kunstfähig?
Angelika Janz in der Konsequenz der Zuspitzung des Ingeniums eher ein Nachfahre Marionos, generiert ihre Fragmenttexte aus zufälligen Textfundstücken und setzt so auch das naturalistische Begehren auf überraschende Weise fort. Der materiale Aspekt lässt diese Textfragmente gleichzeitig zu Artefakten der bildenden Kunst werden.
Ein barocker Dichterwettstreit, die Dichtergruppe um Arno Holz, Fragmenttexte von Angelika Janz
Veranstalter: Verlag Reinecke & Voß , Freiraum Verlag
15.3., 21:00 Uhr
galerie KUB
kantstr. 18
04275 leipzig
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Feuerwerk der Literatur: Von ”Esti” bis ”Hola Chicas!”
Europas größtes Literaturfest ”Leipzig liest” vereint vom 14. bis 17. März 2013 rund 2.900 Autoren und Mitwirkende, 2.800 Veranstaltungen und mehr als 365 Leseorte. Das Lesefestival präsentiert hohe Literatur aus dem In- und Ausland, Thriller und Fantasyromane, Kinder- und Jugendbücher, Comics und Mangas, Sachbücher und Ratgeber sowie Hörbücher und CDs. ”Ob Starautoren oder Debütanten, Prominente oder Sternchen – die Literaturwelt lädt Leser, Zuhörer und Zuschauer nach Leipzig ein, sich auf Entdeckungsreise zu begeben und Mensch und Werk hautnah zu erleben”, erklärt Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse.
Hochliteratur aus deutschsprachigen Ländern steht ebenso auf dem Programm wie anspruchsvolle Literatur aus Frankreich, Israel, den USA oder den Staaten Mittel- und Osteuropas. Freunde deutschsprachiger Literatur können sich auf Begegnungen mit Thomas Brussig, Anna Katharina Hahn, Christoph Hein, Reinhard Jirgl, Abbas Khider, Georg Klein, Ursula Krechel, Judith Kuckart, Dirk Kurbjuweit, Eva Menasse, Clemens Meyer, Hans Joachim Schädlich, Martin Walser oder Feridun Zaimoglu freuen. Auch internationale Autoren wie Páter Esterházy und György Konrâd aus Ungarn, der Jungstar Zoran Ferić aus Kroatien, der Europäer Aris Fioretos mit schwedisch-österreichisch-griechischen Wurzeln, der französische Philosoph Andrá Glucksmann, der belarussische Philosoph Valancin Akudovic, die israelischen Schriftsteller Yoram Kaniuk oder Amos Oz, der britische Schriftsteller John Lanchester sowie Serhij Zhadan aus der Ukraine stellen ihre jüngsten Bücher in Leipzig vor.
Die Stadt, die Orte und die Partner
”Eine Entdeckungstour wert sind die 365 Leseorte in der Stadt Leipzig – Kirchen, Anwaltskanzleien, Wein- und Delikatessenläden, Handwerksbetriebe, Shops oder Forschungszentren”, erläutert Buchmessedirektor Oliver Zille. ”Der Erfolg von Europas größtem Lesefestival beruht auf dem Engagement und der Kreativität unserer Partner.” Veranstaltet wird das Lesefestival von der Leipziger Messe in Zusammenarbeit mit der Stadt Leipzig, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V., dem Mitteldeutschen Rundfunk, dem Club Bertelsmann, dem Kuratorium ”Haus des Buches” e.V. Leipzig sowie den an der Messe beteiligten Verlagen.
Zu den alljährlichen Höhepunkten gehört das ”Blaue Sofa”, eine Veranstaltungsreihe unter Regie des Clubs Bertelsmann. Literaturstars aus dem In- und Ausland geben im zentralen Eingangsbereich der Leipziger Buchmesse Einblicke in ihr Leben und Werk. Jüdische Lebenswelten gilt es in der gleichnamigen Programmreihe des Clubs Bertelsmann zu ergründen. ”Bei unseren Aktivitäten auf den Buchmessen sind uns zwei Dinge wichtig: Erstens wollen wir die Autoren herausstellen, deren Bücher und Themen wir für ungewöhnlich, bewegend, anregend und hoffentlich auch wirkungsvoll relevant halten”, erläutert Christiane Munsberg, verantwortlich für Kultur beim Club Bertelsmann. ”Da die Verlage zu den Buchmessen viele internationale Autoren einladen, freuen wir uns, dass von den 82 Autoren, mit denen wir in Leipzig Gespräche und Lesungen veranstalten, knapp die Hälfte aus dem Ausland kommen, wie Andrea Hirata, Robert Schindel und Göran Rosenberg. Zweitens wird in Leipzig unsere kuratorische Arbeit durch Kooperationen mit Medien und Institutionen aufgewertet. Gemeinsam erreichen wir so ein größeres, interessanteres und interessierteres Publikum. Beispielsweise präsentieren wir mit der Stanford University den Literaturwissenschaftler Amir Eshel, der eine neue Ethik der Geschichts- und Literaturbetrachtung entworfen hat – in Auseinandersetzung mit den aktuellen Debatten der Philosophie und Kulturkritik sowie mit wichtigen zeitgenössischen Autoren aus den USA, Israel und Deutschland”, so Munsberg.
Auch der MDR setzt auf eine Mischung aus berühmten Literaten wie György Konrâd, prominenten Autoren wie Ben Becker oder Else Buschheuer sowie Nachwuchsschriftstellern wie Florentine Joop oder Florian Freistetter. Die Palette der Veranstaltungen reicht von Autorengesprächen über Lesungen und die Literaturparty LitPop bis zu Sendungen und Live-Hörspielen sowie Konzerten im Rahmen des Musikprojektes CLARA.
Preisverdächtige Literatur
Eine Art Reiseführer für Belletristik, Sachbücher und Übersetzungen in deutscher Sprache ist der Preis der Leipziger Buchmesse. Am ersten Tag des Lesefestes werden die Gewinner ausgezeichnet. Sieger und Nominierte präsentieren sich und ihre Bücher am ersten und zweiten Messetag dem Leipziger Publikum. In der Kategorie ”Belletristik” sind nominiert: Ralph Dohrmann ”Kronhardt”, Lisa Kränzler ”Nachhinein”, Birk Meinhard ”Brüder und Schwestern”, David Wagner ”Leben” sowie Anna Weidenholzer ”Der Winter tut den Fischen gut”.
Bestsellerautoren zu Gast in Leipzig
Zahlreiche Bestsellerautoren werden zum Leipziger Bücherfrühling von einem großen Publikum erwartet: Die US-Amerikaner Shalom Auslander, Dave Eggers, Joey Goebel und der Comiczeichner Chris Ware, der Israeli Edgar Keret, Sarah Quigley aus Neuseeland, die deutschsprachigen Autoren Emily Bold, Jakob Hein, Dora Heldt, Sabine Ebert, Tilman Rammstedt, Astrid Rosenfeld sowie Publizisten und Sachbuchautoren wie Götz Aly, Jakob Augstein, Margot Käßmann, Claus Kleber und Katharina Saalfrank reisen in die Sachsenmetropole. In der Veranstaltung ”buecher.macher” diskutiert Felicitas von Lovenberg unter anderem mit Jo Lendle und Judith Schalansky über nicht weniger als ”Die Zukunft der Bücher”.
Leipzig politisch
Politiker aller Parteien geben sich zum Superwahljahr ein Stelldichein in Leipzig. Spannende Debatten und interessante Geschichten bieten Claudia Roth und Antje Vollmer von Bündnis90/Die Grünen, Marina Weisband von der Piratenpartei, Johannes Beermann und Thomas de Mazière von der CDU, Gregor Gysi und Wolfgang Zimmermann, Die Linke, sowie die SPD-Politiker Egon Bahr, Hans Eichel, Burkhard Jung, Friedrich Schorlemmer, Peer Steinbrück und Wolfgang Tiefensee.
Promis, Bios und Einkaufszettel
Der Schauspieler Heiner Lauterbach zählt zu Deutschlands bekanntesten Film- und Fernsehgesichtern. Zur diesjährigen Leipziger Buchmesse wird er seine druckfrische Biografie vorstellen. Unter dem Titel ”Man lebt nur zweimal” zieht er seine persönliche Bilanz zum 60. Geburtstag und erzählt offen und selbstkritisch über seinen Lebenswandel, Liebe, Erfolg, Gesundheit und Verantwortung. Lauterbach ist nicht der einzige, der mit einer Biografie zur Buchmesse anreist: Waldemar Hartmann, Christine Kaufmann, Joy Fleming sowie Wolfgang Winkler & Jaecki Schwarz und Werner Böhm alias Gottlieb Wendehals haben ebenfalls einiges über ihr Leben zu berichten. Auch Michail Gorbatschow stellt in Leipzig seine Autobiografie ”Alles zu seiner Zeit. Mein Leben” vor. Und Egon Bahr wirft mit seinem Buch ”Das musst du erzählen” einen Blick auf seinen Freund Willy Brandt.
Laufsteg Leipzig: Unter dem Titel ”Hola Chicas!” erzählt Jorge Gonzalez, Modelcoach und Catwalk-Trainer, über seinen bisherigen Lebensweg. Einen ”Fashion Rath für die Frau” erteilt Modedesigner Thomas Rath. Beide waren Jurymitglieder der Pro7 TV-Show ”Germany’s next Topmodel”.
Die Schauspielerin Andrea Sawatzki begibt sich mit ihrem Debütroman ”Ein allzu braves Mädchen” auf neues Terrain. RTL-Moderatorin Katja Burkard möchte mit ihrem Kinderbuchdebüt ”Rundherum und hin und her – Zähneputzen ist nicht schwer” Kinder auf spielerische Weise zum regelmäßigen Zähneputzen animieren. Der Schauspieler Hanns Zischler legt einen Text- und Fotoband zu seiner Heimatstadt Berlin vor. Und Komiker Wigald Boning präsentiert dem Leipziger Publikum sein Buch über Einkaufszettel.
Unabhängig, ungewöhnlich und unentdeckt?
Unabhängige Verlage stellen in Leipzig ein Programm mit anspruchsvollen Themen und literarischen Formen jenseits des Massengeschmacks und der gängigen Hauptströmungen vor. Hierzu gehört die preisverdächtige Schriftstellerin Lisa Kränzler ebenso wie Thrillerautor Anselm Neft oder die Lyriker Thilo Krause und Nora Gomringer.
Das komplette Programm ist online auch auf mobilen Endgeräten unter www.leipzig-liest.de verfügbar.
Dieser Text ist eine Pressemeldung der Leipziger Buchmesse, alle Schreibweisen fremdsprachiger Namen sowie wertende Adjektive etc. sind Eigentum der Aussender. Lediglich bei der Verschlagwortung habe ich mich um korrekte Schreibung bemüht.
Lustig (also signifikant) scheint mir die (unfreiwillige?) Opposition Hochliteratur – anspruchsvolle Literatur in diesem Satz: „Hochliteratur aus deutschsprachigen Ländern steht ebenso auf dem Programm wie anspruchsvolle Literatur aus Frankreich, Israel, den USA oder den Staaten Mittel- und Osteuropas.“ Auch der Platz der Lyrik in der langen Meldung ist korrekt im Sinne von ihrem Platz im Denken der Aussender – also in der Wirklichkeit – entsprechend: am unteren Rand. Diese Passage ist so schön (verräterisch), daß ich sie hier noch einmal komplett einrücke:
Unabhängig, ungewöhnlich und unentdeckt?
Unabhängige Verlage stellen in Leipzig ein Programm mit anspruchsvollen Themen und literarischen Formen jenseits des Massengeschmacks und der gängigen Hauptströmungen vor. Hierzu gehört die preisverdächtige Schriftstellerin Lisa Kränzler ebenso wie Thrillerautor Anselm Neft oder die Lyriker Thilo Krause und Nora Gomringer.
Freuen wir uns auf die Entdeckung Nora Gomringers durch die Leipziger Messe!
Filips und Rinck sind Übersetzer – ein Übersetzer sieht ein Gedicht anders als ein Leser. Der Leser liest das Gedicht, liest im Gedicht, liest durch das Gedicht. Der Übersetzer ist mit all den Gedichten konfrontiert, die nicht da sind, die knapp neben dem Gedicht liegen, den spannenden Anklängen, den naheliegenden Wörtern, die es alle nicht, aber nur fast nicht ins Gedicht geschafft haben, er sucht sich eine Wortfolge zusammen, die er zur Übersetzung des Werks kürt, oft bedauernd, vermute ich, denn um viele der abgeschlagenen Bedeutungssplitter ist es schade. Lässt sich nicht ändern? Decisions, my friend?
Warum nicht mal anders. Warum nicht mal aus dem Naheliegenden nehmen, das auch-richtige, das anders-richtige verwenden? Ach was – warum da stehen bleiben? Konsumenten füttern – ist das alles, was Gedichte können? Dieses Sprühen neben dem Text, wem gehört es? Muss man das abstellen, nur weil es nicht mehr Übersetzung des alten Textes ist sondern neu, Gegenwart mit demselben Keim?
So lese ich das Para-Riding: mit den Facetten eines Textes spielen, sie bewegen, sie auf die Zunge legen, am Gaumen reiben und nachspüren, was alles am und um den Text herum sprudelt und flüstert. Nicht mehr übersetzen, sondern rüberholen, überholen, neu machen:
What is to start?
It is to have feet to start with.
What is to end?
It is to have nothing to start again with,
And not to wish.
What is to see?
It is to know in part.
Was ist Starten? Füße haben. Starten.
Enden? Keine Ahnung. Neustart. Bums.
Sehen? Sieh halt hin. Denk dir dein Teil.
/ Franz Hofner, Fixpoetry
Para-Riding von Laura (Riding) Jackson. Übersetzung: Christian Filips und Monika Rinck, roughbook 015, Berlin und Solothurn, September 2011
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