Palindromisch

Ein Foto von einem Gedicht erobert die Twitter- und Facebookwelt und wird auch von großen deutschen oder amerikanischen Medienkonzernen übernommen (hoffentlich haben sie nachgefragt – hier bei Huffingtonpost). Hätten sie auch ein klein wenig recherchiert, hätten sie den Verfassernamen hinzufügen können, der auf dem „Meme“ (hier bei Twitter) nicht enthalten ist. Es stammt von Chanie Gorkin,  „11th grader at an all girls‘ high school in Brooklyn, NY.“ Es ist ein Zeilenpalindromgedicht, das von unten nach oben gelesen die entgegengesetzte Mitteilung ergibt. (Hier der Originaltext).

(Für die Facebookwelt wünschte ich, wenigstens meine vielen Freunde würden auf das „Teilen“ genannte Weiterleiten von „Memes“ verzichten. Selbst wenn einem die „Botschaft“ gefällt – es ist nicht nur die Frage des Copyrights, das Schlimmste an dieser Form der Netz-„Kommunikation“ ist die brutale Schlichtheit einer Meinungsbildung per von anonymen Quellen übernommenen und tausendfach mit Mausklick verbreiteten, aus jedem Zusammenhang gerissenen Zitatfetzen. Teilen statt Denken. Und das entwickelt sich jetzt? Ach so, hat schon.)

Leben des Dichters 4

Leben des Dichters Ezra Pound in Auszügen (4)

1897 bis 1900 lernte er an der Cheltenham Military Academy. Die Knaben trugen Uniformen im Bürgerkriegs-Look und lernten Latein, Englisch, Geschichte, Arithmetik, Schießen und Exerzieren. Am wichtigsten aber: sich den Autoritäten unterordnen.

Mit 13 unternahm er eine dreimonatige Europareise mit seiner Mutter und Frances Weston (Tante Frank) nach England, Belgien, Deutschland, der Schweiz und Italien.

 

Hans-Eckhardt Wenzel 60

Der Liedtexter und Sänger, Schauspieler und Lyriker Hans-Eckhardt Wenzel genießt hierzulande so etwas wie Kultstatus. Er hat die Gruppe „Karls Enkel“ mitbegründet, hat mit Steffen Mensching ein Clowns-Duo gebildet, und er dichtet und komponiert seit 40 Jahren wunderbare Lieder im Geiste seiner großen Vorbilder – des US-amerikanischen Singer-Songwriters Woodie Guthrie und des österreichischen Lyrikers Theodor Kramer. Am 31. Juli wurde er 60 Jahre alt. / MDR

Sommerlese

in Marie Luise Knotts Tagtigall mit Hans Thill

Verse sind Übersetzungen – in Worte und Klänge übersetzte Erlebnisse, Einfälle und Erinnerungen („Ich sage das Wort, das seine Flügel faltet“), die Thill wieder und wieder dreht und wendet („Surensammler, Sammelsurium“), kollagiert und miteinander kollidierend ins Glühen bringt. Dabei entstehen beflügelte Zeilen

Von den Wäldern haben wir noch
Die Buchstaben. Der ruhige Schritt einer Eiche,
Reisig, das sich öffnet und schließt wie ein Herz,
eine Glastür am Flughafen 

Jedes Gedicht trägt eine Schönheit mit sich, die es nicht gleich vorweist, sagt Ulf Stolterfoht, Hans Thills Verleger, und tatsächlich speist sich die Schönheit nicht zuletzt aus dem Eindruck des Nicht-Verstehens. Denn Schreiben kann Welten imaginieren, die „nichts sind als Luft“ (Paavo Haavikko).

Hans Thill, Das Buch der Dörfer, Matthes & Seitz, Berlin 2014.
Hans Thill, Ratgeber für Zeugleute, Brueterich Press, Berlin 2015.

Emily Dickinson

Beauty – be not caused- It Is –

beginnt ein Gedicht.

Schönheit macht man nicht – Sie ist –

Man kann sie lesen und wiederlesen, 1408 Seiten lang.

Emily Dickinson, Sämtliche Gedichteherausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort von Gunhild Kübler, Hanser Verlag, München 2015.

sowie Anna Maria Carpi und Angela Krauß.

American Life in Poetry: Column 527

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

Seventy years ago, when I entered Beardshear Elementary in Ames, Iowa, the school employed a custodian, Mr. Shockley, who had for an office a closet under the stairs. I wish I could thank him for mopping up all our vomit and helping us buckle our galoshes. Here’s a fine poem about custodians by David Livewell, from New Jersey, whose most recent book of poems is Shackamaxon (Truman State Univ. Press, 2012).

Custodians

Retired from other trades, they wore
Work clothes again to mop the johns
And feed the furnace loads of coal.
Their roughened faces matched the bronze

Of the school bell the nun would swing
To start the day. They limped but smiled,
Explored the secret, oldest nooks:
The steeple’s clock, dark attics piled

With inkwell desks, the caves beneath
The stage on Bingo night. The pastor
Bowed to the powers in their hands:
Fuses and fire alarms, the plaster

Smoothing a flaking wall, the keys
To countless locks. They fixed the lights
In the crawl space above the nave
And tolled the bells for funeral rites.

Maintain what dead men made. Time blurs
Their scripted names and well-waxed floors,
Those keepers winking through the years
And whistling down the corridors.

We do not accept unsolicited submissions. American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln.

Poem copyright ©2014 by David Livewell, “Custodians,” from Southwest Review (Vol. 99, no. 2, 2014). Poem reprinted by permission of David Livewell and Southwest Review. Introduction copyright © 2015 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006.

 

Iris Dement sings Akhmatova

A powerful experience led Iris Dement into The Trackless Woods, the songwriter’s sixth album. Based on the work of celebrated modernist Russian poet Anna Akhmatova, the record is due out August 7 on her own FlariElla Records label. Dement discovered Akhmatova accidentally when she opened an anthology of Russian verse lent to her by a friend. Instantaneously, Dement felt directed.

„I read ‚Like A White Stone.'“ she tells Exclaim! „I’ll tell you the truth — I felt like somebody tapped me on the shoulder and said, clear as day, ‚Iris, set that to music.‘ It did not come out of some conscious desire on my part; I had no plan to do anything like that. I said, ‚I don’t know how to do that,‘ and I heard, clear as day, ‚I will help you.‘ I know that’s not a very modern story, but that’s the story.“ / Sarah Greene, exclaim.ca

American Life in Poetry: Column 528

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

A couple I know adopted three very small children from a distant country, and the children had never been constrained in any way. The airliner’s seatbelts were so fearful for them that they screamed all the way back to the States. But since then their lives have been wonderfully happy. And here’s a similar story, this too with a good ending, by Patrick Hicks of South Dakota.

The Strangers

After we picked you up at the Omaha airport,
we clamped you into a new car seat
and listened to you yowl
beneath the streetlights of Nebraska.

Our hotel suite was plump with toys,
ready, we hoped, to soothe you into America.
But for a solid hour you watched the door,
shrieking, Umma, the Korean word for mother.

Once or twice you glanced back at us
and, in this netherworld where a door home
had slammed shut forever, your terrified eyes
paced between the past and the future.

Umma, you screamed, Umma!
But your foster mother back in Seoul never appeared.

Your new mother and I lay on the bed,
cooing your birth name,
until, at last, you collapsed into our arms.

In time, even terror must yield to sleep.

We do not accept unsolicited submissions. American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln.

Poem copyright ©2014 by Patrick Hicks, “The Strangers,” from Adoptable, (Salmon Poetry, 2014). Poem reprinted by permission of Patrick Hicks and the publisher. Introduction copyright © 2015 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006.

 

Grenzgängerin

In einem frühen Manifest postulierte Ann Cotten einst, dass Literatur nicht der Unterhaltung diene. Die 1982 im US-Mittelwest-Staat Iowa geborene Schriftstellerin trat vor allem als Lyrikerin in Erscheinung. 2013 präsentierte sie ihr Prosadebüt Der schaudernde Fächer (Suhrkamp). Der Band besteht aus siebzehn Erzählungen, bei denen die in Wien und Berlin lebende Autorin ihrem eigenwillig-experimentellen Schreibstil sowie der Lust an verstörenden Sprachspielen treu bleibt – und auch der Vorliebe für Gedichte, die sich hier an diversen Stellen in den Text einschleichen.

Wenn sie schiefe Bilder und Vergleiche ebenso wenig scheut wie wilde Satzkonstruktionen oder philosophische Exkurse, dann lässt sich Cotten von Heimito von Doderer und Robert Musil inspirieren. Ein sinnliches und kunstvolles Spiel mit der Sprache, das bestens mit dem Thema – Liebe, Annäherung und Abstoßung – korrespondiert. Cottens Protagonisten leben in dem Zwiespalt, einerseits die Liebe samt allen Risiken und Nebenwirkungen zu ersehnen, andererseits gleichzeitig vor ihr zu flüchten. Und letztlich geht es der Grenzgängerin zwischen sanfter Sensibilität und wilden Obszönitäten um die Suche nach der Balance zwischen Kunst und Leben. / Gerhard Dorfi, Der Standard 31.7.2015

Demokratisch

Der Band Laut und Luise genießt den Status eines unangefochtenen Klassikers. Was aber wäre, wenn das Büchlein ausgerechnet heute, am 90. Geburtstag Jandls, zum ersten Mal erschiene? Es würde, so steht zu befürchten, von niemandem rezensiert. Lyrikbände werden von den Kritikern der überregionalen Presse kaum noch angegriffen. Zu groß scheint das Risiko, sich in den Augen einschlägig Bewanderter zu disqualifizieren. Moderne Gedichte, so heißt es, müssten erst mühsam entziffert werden. Jandl vermeidet genau das, was einer als „dunkel“ und „hermetisch“ verschrienen Lyrik im Urteil der Allgemeinheit so schlecht zu Gesicht steht.

Er reißt die Sprachfenster auf und sorgt für Durchlüftung. Er bricht die Poesie auf deren einfachste Elemente herunter. Jandls Dichtkunst ist demokratisch. Sie zeigt, woraus unsere Annahmen über die Welt zuallererst gemacht sind: aus Sprache. Die entsteht im Mund. Oft stellt sich für den Artikulierenden schon die Barriere der Zähne als unüberwindliches Hindernis heraus: „thechdthen jahr / thüdothdbahnhof / thechdthen jahr / wath tholl / wath tholl / der machen“, heißt es dazu in dem herzzerreißenden Adoleszenzgedicht 16 jahr. / Ronald Pohl, Der Standard

Allen Ginsberg, Prophet

Allen Ginsberg gehört in eine lange prophetische Tradition in der amerikanischen Literatur, an deren Anfang Walt Whitman stand. Ginsbergs Verse beeinflussten die Poeten des Rock, wurden selbst zu Rock und griffen in gesellschaftliche Verhältnisse ein. Mit der Gruppe The Fugs demonstrierte er gegen den Krieg in Vietnam, mit The Clash gegen die Contras in Nicaragua. Seine „biblische“ Sprache brachte überkommene Verhältnisse zum Tanzen und Mauern zum Einstürzen.

18 Jahre nach Ginsbergs Tod haben sich die Risse in der amerikanischen Gesellschaft verändert, aber sie sind noch immer sichtbar. / Klaus Emrich, DLR

American Life in Poetry: Column 526

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

I once attended a memorial service at which a friend’s ashes were put in the Platte River at first light, just as thousands of Sandhill Cranes were lifting off the water, crying. Flowing water has just what it takes to carry someone away in fine style. Here’s a poem by Kyle Harvey, who lives in Colorado.

Settler’s Creek

You’d been gone four months by then,
but we brought you along anyway.

On my back, you rested
riding inside a wooden box.

The idea was to lay you gently
at the water’s surface,

but our clumsy hands spilled you,
and it was hard to tell whether you went head

or feet first, but it didn’t much matter
anyway, I suppose.

You would float on down the creek
until you had reached the next and so on.

My father gave a little wave and joked,
“We’ll see you back on down in Denver, Dad.”

We stood there in silence
listening to you chuckle

under the bridge and over
the first set of riffles downstream.

We do not accept unsolicited submissions. American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln.

Poem copyright © 2013 by Kyle Harvey, “Settler’s Creek,” from Hyacinth (Lithic Press, 2013). Poem reprinted by permission of Kyle Harvey and Lithic Press. Introduction copyright © 2015 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006.

Lyrik auf France Culture?

Die Lyrik verschwindet zusehends vom Sender France Culture. Der frühere Direktor Olivier Poivre d’Arvor teilte vor einigen Wochen mit, daß die letzte der Lyrik gewidmete Sendung «Ça rime à quoi» (Das reimt sich / Worauf reimt sich das / Was ist der Punkt) eingestellt wird. Eine Nachricht, die in literarischen Kreisen einen bitteren Beigeschmack hinterläßt. Jetzt wurde eine Petition auf change.org gestartet, die fordert, wieder eine wöchentliche Sendung für Lyrik einzuführen.

In der Petition wird auch das Verschwinden weiterer Sendungen in den letzten Jahren angesprochen, Panorama, Poésie sur parole und Du jour au lendemain. Man verlangt ja nicht gleich die Rückkehr einer Sendung wie Club d’essai des Dichters Jean Tardieu (6 Wochenstunden!). Aber eine Stunde in der Woche, das werdet ihr doch aushalten!*

Mehr

*) Früher hieß es: Ende der Bescheidenheit, aber das ist ferner denn je.

Hier gehts zur Petition.

Poetopie

wir aber flüchten umher – erdweit finden wir uns wieder

Hansjürgen Bulkowski

American Life in Poetry: Column 525

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

Here’s a fine poem about two generations of husbands, by Pauletta Hansel of Ohio.

Husbands

My mother likes a man who works. She likes
my husband’s muddy knees, grass stains on the cuffs.
She loved my father, though when weekends came
he’d sleep till nine and would not lift
his eyes up from the page to move the feet
she’d vacuum under. On Saturdays my husband
digs the holes for her new roses,
softening the clay with peat and compost.
He changes bulbs she can no longer reach
and understands the inside of her toaster.
My father’s feet would carry him from chair
to bookshelf, back again till Monday came.
My mother likes to tell my husband
sit down in this chair and put your feet up.

We do not accept unsolicited submissions. American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln.

Poem copyright ©2011 by Pauletta Hansel from her most recent book of poems, The Lives We Live in Houses, (Wind Publications, 2011). Poem reprinted by permission of Pauletta Hansel and the publisher.
Introduction copyright © 2015 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006.

Mythos Polen?

„Die Poesie ist unsere nationale Domäne. Wir sind Meister im Gedichteschreiben. Gäbe es darin Europa- oder Weltmeisterschaften, würden wir immer auf dem Siegerpodest stehen.“

Artur Burszta, Leiter des Breslauer „Literaturbüros“, ist durchaus stolz auf die Bedeutung der Lyrik in Polen. Im Publizieren von Lyrik sind die Polen mit Sicherheit Meister. Die Nationalbibliothek registrierte im vergangenen Jahr 2050 belletristische Bücher. Über Dreiviertel von ihnen, nicht weniger als 1552, enthalten Gedichte.* Die romantische Tradition wirft einen langen Schatten.

„Ich würd‘ mein Volk als lebendiges Lied erschaffen.
So’n Lied ist Kraft, ist Wirksamkeit,
So’n Lied – es ist Unsterblichkeit!
Gib mir die Seelen!
Ich will die gleiche Macht über sie wie Du!“

Das Volk als lebendiges Lied erschaffen will der romantische Aufständische Konrad in Adam Mickiewiczs Nationalepos „Die Ahnenfeier“, weil die Existenz des Volkes höchst unsicher ist. Polen ist mit der dritten Polnischen Teilung durch die europäischen Großmächte 1793 von der Landkarte verschwunden. Die Dichtung von Adam Mickiewicz, Juliusz Słowacki und anderen Romantikern hält das Nationalbewusstsein lebendig, so dass sich im Ersten Weltkrieg Józef Piłsudski auf sie berufen kann, der Marschall, der sein Land befreite und mit starker Hand regierte.

„Durch Piłsudski und Słowacki ist Polen wiedergeboren. Denn der Eifer Piłsudskis stammt auch aus dieser Poesie. Es gab natürlich auch andere Faktoren, aber die Literatur spielte eine unglaublich wichtige Rolle.“

Der Dichter und Essayist Adam Zagajewski weiß, dass es damals auch andere Strömungen gab. In seinem Gedicht „Herostrates“ trat Jan Lechoń 1917 für eine Dichtung ein, die frei von nationalistisch-patriotischen Tönen und Märtyrer-Mythen ist:

„Im Frühling sollte man den Frühling sehen, und kein Polen.“

Doch nach dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges übernahm die polnische Poesie wieder ihre besondere Aufgabe in der Nation, meint Adam Zagajewski:

„In den Ländern wie Schweiz spielt die Lyrik die Rolle eines ‚Sonntagsetwas‘, niemand liest ein bisschen, wenn schon, dann am Sonntag. Aber in Polen, als das Land in Trümmern lag, las man Gedichte nach Wahrheitssuche. Denn das ganze Netz der Kommunikation war zerstört. Dazu kam noch die kommunistische Macht, die nicht beliebt war. Wenn das Leben so reduziert ist, dann kommt für Polen die Poesie.“

Die jüngeren Dichter Darek Foks, Marta Podgórnik, Adam Wiedemann, Katarzyna Fetlińska, Jacek Gutorow und Dariusz Sośnicki sind von solchen Aufgaben befreit. Sie gehen frei mit der Sprache um, vermeiden jedes Pathos und pflegen sprachliche Eigenarten. / Arkadiusz Luba, Deutschlandradio

Die erwähnten jüngeren Dichter sind soeben ins Deutsche übersetzt worden − zu lesen in der Essener Literaturzeitschrift Schreibheft und im Band „Polnisch Poetisch. Esther Kinsky im Gespräch mit sechs polnischen Dichter“, erschienen im Berliner Verlag Buchbund.

*) Und in Deutschland? Über 15000 belletristische Titel meldet die Statistik für 2013. Lyrik wird da nicht einmal ausgewiesen. Das Feuilleton nimmt nur ein paar Dutzend Titel wahr, die Dunkelziffer dürfte bei vielen hundert, vielleicht gar um eintausend liegen, das wäre ein Fünfzehntel.