Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 21. Februar 2026 von lyrikzeitung
172 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Heute mal wieder etwas Prominentes. Sogar so prominent, dass es zu den „berühmtesten deutschen Gedichten“ gezählt wird. In einer so betitelten Sammlung sind Gedichte von 73 AutorInnen enthalten, unter ihnen nur 7 Frauen. Ich entscheide mich für Ingeborg Bachmann und wähle aus ihren 4 vertretenen Gedichten eins aus.
Alle Tage
Der Krieg wird nicht mehr erklärt,
sondern fortgesetzt. Das Unerhörte
ist alltäglich geworden. Der Held
bleibt den Kämpfen fern. Der Schwache
ist in die Feuerzonen gerückt.
Die Uniform des Tages ist die Geduld,
die Auszeichnung der armselige Stern
der Hoffnung über dem Herzen.
Er wird verliehen,
wenn nichts mehr geschieht,
wenn das Trommelfeuer verstummt,
wenn der Feind unsichtbar geworden ist
und der Schatten ewiger Rüstung
den Himmel bedeckt.
Er wird verliehen
für die Flucht von den Fahnen,
für die Tapferkeit vor dem Freund,
für den Verrat unwürdiger Geheimnisse
und die Nichtachtung
jeglichen Befehls.
Aus: Die berühmtesten deutschen Gedichte. Auf der Grundlage von 300 Gedichtsammlungen ermittelt und zusammengestellt von Hans Braam. Mit einem Vorwort von Helmut Schanze. Stuttgart: Kröner, 2019 (2., aktualisierte Auflage), S. 276
Kategorie: Österreich, DeutschSchlagworte: 20. Jahrhundert, Alle Tage, Alle Tage Gedicht, berühmteste deutsche Gedichte, Hans Braam, Ingeborg Bachmann, Kanon, Kröner Verlag, Krieg, Krieg und Alltag, Nachkriegsliteratur, Nachkriegslyrik, Politische Lyrik
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Neueste Kommentare