Schluss jetzt mit Tischdeutsch

Teil 10 des Zyklus „Die Befreiung der Alchemie von der Metaffer“ von Martina Kieninger

Das Gedicht dekonstruiert die Idee fester Bedeutungen – mit einem spielerischen, fast absurden Ton. Schluss mit Luther!

Text 10 
Gottgewollt ist Messungenauigkeit.
Also Schluss mit der Tischrede von Brot, Buch, Tisch. 
Aber da steht er, er steht noch 
transmutiert von Holz in Holz

Beweis:
Brot ist Signaturmittel gegen Hunger 
Und Wein gegen Satzbau, 
Yeah: Schluss jetzt mit Tischdeutsch 
Er steht aber da. Guckt, als sei er ein Tisch, der Tischgespräche führt. 
Thesen zum Brot, 
Erstens ist der Tisch eine Behauptung und hat Posaunenfüsse aus Hymnen. 
Die Hymnen sind ununterscheidbar 
Posaunen nichts als Hilfsvariablen für Naturwissenschaftler.
Zweitens: Die Posaune – auf den Tisch geworfen ergibt sich aus dem Wort, 
das Wort gespiegelt am Buch zum Brot transmutiert.
Das Brotelement, Elixier, vermehrt Brote

Nichts weiter will er sein als Tisch, sagt er 
ist nur voll von Sätzen – unbewiesen wie:
Quanten sind Gegenmittel gegen Quanten 
(und der Pfarrer ein bekennender Quantenmechaniker)

Kugeln sind Gegenmittel gegen kartesische Koordinaten –
Beweis: noch nie hat ein Mensch Atom in Würfelform gesehn 
Gegenbeweis: noch nie hat ein Mensch Atome gesehn.

Zum 11. Teil

2 Comments on “Schluss jetzt mit Tischdeutsch

  1. Pingback: Das Beste an Luther – Lyrikzeitung & Poetry News

  2. danke, sehr hübsch und mir als Schweizer mit dem Geburtstag von Peter Bichsel, ja und seinem Todestag kurz davor ist es Freud, Ihnen seine Kindergeschichte 1969 Luchterhand darzureichen, sie heisst „Ein Tisch ist ein Tisch“.

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