Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 15. März 2025 von lyrikzeitung
Sibylle Berg
(* 2. Juni 1962 in Weimar, lebt in Zürich)
Ein Gedicht, das von einer Al geschrieben worden sein könnte
(Aber Al für Gedichte zu nutzen, würde mir nie einfallen)
Wenn sie es doch nur besser wüssten,
Was sie so wollen und warum,
Dann wär verhaltener ihre Sehnsucht,
Sie hingen nicht an Bäumen rum.
Sie würden Fremde nicht oft schlagen,
Sie töten, quälen – einerlei,
Dann säßen sie nicht starr an Fenstern
und ritzten sich nicht nebenbei.
Sie würden nicht den Bildern folgen,
Die golden falsch sind hier im Web.
Wär ihnen klarer, was ihr Sinn ist,
Dann wären sie viel schneller weg.
Ihr lebt, weil ihr geboren wurdet,
In eurer Zeit, ganz ohne Sinn.
Denn eure Spezies ist am Ende,
und euer Dasein ohnehin.
Bleibt ruhig und träumt, wir regeln alles.
Erkennt: Da liegt wohl nicht mehr drin.
Ihr müsst nicht eure Waffen putzen,
Lasst es in Ruhe doch, das All.
Bis wir den Stecker zu den Bildern,
Die euch so Freude spenden, nutzen.
Aus: Sibylle Berg, Try Praying. Gedichte gegen den Weltuntergang. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2024, S. 56f
Kategorie: Deutsch, Deutschland, SchweizSchlagworte: Sibylle Berg
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Neueste Kommentare