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Veröffentlicht am 10. September 2025 von lyrikzeitung
112 Wörter, 1 Minute Lesezeit
Ein Abend, ein Zug, ein fremdes Land und fremde Wörter. Ein Gedicht von Hannah Arendt, die vor den Nazis fliehen musste, über das Ankommen im Fremden.
Hannah Arendt
(geboren am 14. Oktober 1906 in Linden / Hannover; gestorben am 4. Dezember 1975 in New York City)
Dies war der Abschied.
Manche Freunde kamen mit
und wer nicht mitkam war ein Freund nicht mehr.
Dies war der Abend.
Zögernd senkte er den Schritt
und zog zum Fenster unsre Seelen raus.
Dies war der Zug.
Vermaß das Land im Fluge
und stockte durch die Enge mancher Stadt.
Dies ist die Ankunft.
Brot heißt Brot nicht mehr
und Wein in fremder Sprache ändert das Gespräch.
Aus: dreizehn + 13 Gedichte. Sommer 2015, S. 92
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