99. American Life in Poetry: Column 301

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

Some of us are fortunate to find companions among the other creatures, and in this poem by T. Alan Broughton of Vermont, we sense a kind of friendship without dependency between our species and another.

Great Blue Heron

I drive past him each day in the swamp where he stands
on one leg, hunched as if dreaming of his own form
the surface reflects. Often I nearly forget to turn left,
buy fish and wine, be home in time to cook and chill.
Today the bird stays with me, as if I am moving through
the heron’s dream to share his sky or water—places
he will rise into on slow flapping wings or where
his long bill darts to catch unwary frogs. I’ve seen
his slate blue feathers lift him as dangling legs
fold back, I’ve seen him fly through the dying sun
and out again, entering night, entering my own sleep.
I only know this bird by a name we’ve wrapped him in,
and when I stand on my porch, fish in the broiler,
wine glass sweating against my palm, glint of sailboats
tacking home on dusky water, I try to imagine him
slowly descending to his nest, wise as he was
or ever will be, filling each moment with that moment’s
act or silence, and the evening folds itself around me.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2010 by T. Alan Broughton from his most recent book of poetry, A World Remembered, Carnegie Mellon University Press, 2010. Reprinted by permission of T. Alan Broughton and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

 

98. Junge Lyrik

Jochen Kelter hat zwei Gedichtbände gelesen, und da die Autoren „jung“ sind, sind ihre Gedichte vielleicht nicht zuende gegart oder -goren? Letzteres behauptet die Überschrift des Südkurier: „Junge Lyriker, unausgegorene Gedichte“. Vielleicht liegts auch nicht (nur) am Alter, sondern an der Manier „jüngerer deutscher Lyrik“, die, hier urteilt das südbadische Blatt anders als die Kritiker der großstädtischen Blätter, „zur Diskreditierung der Lyrik beim Publikum beigetragen“ habe. So schreibt er über Roman Graf (32):

Mag sein, dass der Autor, ganz in der Tradition jüngerer deutscher Lyrik, den artistischen Anspruch so hoch schraubt, dass darüber die Verständlichkeit der Poeme, ihre Nachvollziehbarkeit für den Leser, die Leserin auf der Strecke bleiben. Diese neue Innerlichkeit, die den Leser als zu vernachlässigende Größe behandelt, hat neben anderen Faktoren zur Diskreditierung der Lyrik beim Publikum beigetragen.

Auch die sieben Stücke des Kapitels „Sappho – Labor“, die sich als Nachdichtungen der antiken Poetin verstehen, erschließen sich kaum. Parallelen finden sich allenfalls in der Fragmentierung der Gedichte, die im Fall der Sappho allerdings nicht gewollt ist, und in vokabularischen Anspielungen wie „Mond u. Plejaden“. Wenn der Kritiker der „Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag“ befindet, Graf verstehe sich „auf die Umsetzung kleinster Wahrnehmungen in eine dichte, poetische Sprache“, so soll das immerhin erwähnt sein. Gleichwohl bleibt mir der Eindruck, ein völlig anderes Buch in den Händen gehabt zu haben.

Sascha Garzetti: „Vom Heranwachsen der Sterne“. Wolfbach Verlag, Zürich. Preis?! (sic!)

Roman Graf: „Zur Irrfahrt verführt“. Limmat Verlag, Zürich, 87 Seiten, SFR 26,50

97. Es kommen härtere Tage

Ingeborg Bachmann veröffentlichte 1953 ein Gedicht, dessen erste Zeile lakonisch verkündet: „Es kommen härtere Tage“. Das Inferno des Krieges lag acht Jahre zurück. Im März ’53 starb Stalin. Am 17.Juni erhoben sich die Arbeiter gegen die DDR-Diktatur. In Korea herrschte ein fragiler Waffenstillstand. Im August ließ die Sowjetunion eine erste Wasserstoffbombe testen. Der Kalte Krieg tobte. Die Unsicherheit im frei gebliebenen Westeuropa war groß.

In diesem Aggregatzustand der Nachkriegsgesellschaft beendete Bachmann die erste Strophe ihres Gedichts mit den Zeilen: „Dein Blick spurt im Nebel: / die auf Widerruf gestundete Zeit / wird sichtbar am Horizont.“

Auch heute ist unter der Oberfläche des Business as usual die Unsicherheit mit Händen zu greifen. / Paul Schulmeister, Die Presse

 

96. Pomerania non cantat,

Pommern singt nicht, sagte man. Als das romantische Deutschland sang, malten die Pommern, schrieb der Pommernflüchtling Hans Werner Richter.

Bei pomlit finden Sie ein gutes Gedicht des pommerschen Malers Philipp Otto Runge, einen Text von Walter G. Goes über Kurt Tucholsky und eine Einführung in das essayistische Werk der in Vorpommern lebenden Künstlerin und Autorin Angelika Janz.

95. Ibadan

John Pepper Clark ist ein führender nigerianischer Lyriker, Dramatiker, Essayist und Erzähler. Er ist auch bekannt für seinen philosophischen Essay „Das Beispiel Shakespeares“ und seinen vehementen Einspruch gegen den Rassismus in seinem Buch „Amerika ihr Amerika“. Er lebt zurückgezogen und engagiert sich für die Allgemeinheit, ein Rebell, der die harte Wahrheit verficht, indem er sie hinter harmlosen Anspielungen und ködernden Metaphern verbirgt. Seine poetische Schlichtheit ist nur eine Camouflage der brutalen Wahrheit.

In Clarks poetischer Welt lebt der Mensch nicht in romantischer, idyllischer Isolation. Er befindet sich in der Natur, die für ihn zugleich seine (morbide) Physiologie und Umwelt ist. Sein Gedicht „Ibadan“ zum Beispiel handelt zuerst von der Schönheit einer demokratischen Landschaft, wo Moderne und Antike in Nachbarschaft leben, Verfall und Erneuerung Schulter an Schulter existieren; wo die Reichen und die Armen miteinander kuscheln, Rost und Gold.

Musa Idris Okpanachi, allafrica.com

Musa Idris Okpanachi, Ph.D. is a poet and senior Lecturer, at the English Linguistics at the Department of English, University of Maiduguri .

94. General und Dichter

William Haines Lytle, Anwalt, Dichter, General im amerikanischen Bürgerkrieg, fiel 1866 in der Schlacht bei Chickamauga. Er war einer der bekanntesten Dichter des Landes zu einer Zeit, als die Dichtung populär war und die meisten Amerikaner Gedichte lasen und auswendig lernten. Viele konnten sein bekanntestes Gedicht, „Antonius und Cleopatra“, mit ironischen Anspielungen auf einen im Gefecht getöteten Soldaten, aufsagen. Auch die Konföderierten schätzten den Dichter und bewachten den Leichnam, bis er von Unionssoldaten abgeholt wurde. / cincinnati.com

Letzte Strophe von „Antony and Cleopatra „:

I am dying, Egypt, dying!
Hark! the insulting foeman’s cry;
They are coming—quick, my falchion!
Let me front them ere I die.
Ah, no more amid the battle 45
Shall my heart exulting swell;
Isis and Osiris guard thee—
Cleopatra—Rome—farewell!

 

93. Republik des Buches

Dass es eigentlich nicht gut um die Kultur des Lesens in dem Land steht, das vier Nobelpreisträger für Literatur hervorgebracht hat, ergab eine Umfrage: Demnach haben nur 38 Prozent der Polen, die älter als 15 Jahre sind, im vergangenen Jahr ein Buch gelesen. Die Hauptstadt gab nun ein Pilotprojekt mit dem Namen ‚Republik des Buches‘ bekannt: Aus den verstaubten Bibliotheken sollen Orte der Begegnung werden, die auch für junge Leute interessant sind. / THOMAS URBAN, Süddeutsche Zeitung 11.12.

 

92. Rosen

Die späten Rosen welkten noch nicht ganz, und überhaupt erfrieren sie eher. Diese, Heiligabend fotografierten, stehen seit 5 Stunden vor dem Wintereinbruch im November auf meinem Tisch - aus dem Vorgarten gerettet.

91. Meine Anthologie 66: Mubarak Wassat, Das Morgengrauen bricht an

Das Morgengrauen bricht an 

Endlich bricht verwundet das Morgengrauen an, nachdem es seine Flügel aus den Ketten des Mythos befreit hat. In dieser Zeit fließt tiefrot die Freude aus unseren Nasen, die uns nicht mehr erkennen.
Wir sind nicht die einzigen Ratlosen!

 

Aus: Khalid Al-Maaly (Hg.): Zwischen Zauber und Zeichen. Moderne arabische Lyrik von 1945 bis heute. Berlin: Das arabische Buch 2000, S. 373.
Mubarak Wassat wurde 1954 in Marokko geboren. Er arbeitet als Lehrer und Übersetzer (u.a. Mallarmé und Breton).

90. Lyrieeleison

Wenn Gedichte nicht besprochen werden, muß man es selbst machen. Klaus Grunenberg (wenn ich die Verwandtschaftsbeziehungen richtig interpretiere) tut das, bzw. läßt es die Kritiker Ed Moercke und Mark Beil-Ritzi tun. Am Heiligabend schon zum 100. Mal. Moercke beginnt so:

Wieder so ein Gedicht, wo wir meinen, einiges zu verstehen. Und trotzdem, wenn ein Bild dabei wäre, könnten wir mehr erkennen. Hier nun ist ein Bild vorhanden. Es zeigt einen einsamen Judenfriedhof und sogleich erkennen wir die Zusammenhänge im Gedicht besser.

 

89. Arnstadts Dichter

1

Völlig irritiert nahm Ludwig Bechstein 1821 sein erstes Honorar als Lyriker entgegen. Während seiner Apothekerlehre in Arnstadt hatte er erste literarische Versuche unternommen und auch drei Gedichte an die „D’olzische Jugendzeitung“ geschickt, aber keineswegs mit einem Obulus für die Veröffentlichung gerechnet. Kurz darauf erschien sein erstes Buch, „Thüringische Volksmährchen“, und obwohl Bechstein in den folgenden Jahrzehnten weiterhin viele Gedichte, Romane und Erzählungen veröffentlichte, verbinden wir seinen Namen heute doch zuallererst mit den großen Sagen- und Märchensammlungen.

2

Als sich ein Gehörleiden verschlimmert, wendet sie sich verstärkt der Lyrik zu und beschließt mit ihrer Rückkehr nach Arnstadt, Schriftstellerin zu werden. Unter dem Pseudonym „Marlitt“ veröffentlicht sie 13 Romane und wird zur gefragtesten Autorin der Zeitschrift „Gartenlaube“.

3

Große Beliebtheit genoss auch der Theologe, Philologe und Pädagoge Wilhelm Hey (1789-1854), der 1932 als Superintendent nach Ichtershausen bei Arnstadt berufen wurde. Aus seiner Feder stammen die Kinderlieder „Weißt du, wieviel Sterne stehen“ und „Alle Jahre wieder“, und er gilt, neben Heinrich Hoffmann von Fallersleben und Friedrich Güll, als Begründer des Genres.

/ Franziska Nössig, Ostthüringer Zeitung 23.12.

Da Weihnachten ist, hier noch ein Gedicht der Marlitt:

Eugenie Marlitt

Schneesturm.

Droben schwarze Wolken jagen
Pfeilgeschwind,
Seine schaurig wilden Klagen
Stöhnt der Wind.
Durch verfall’ner Mauer Spalten
Wirbelt Schnee,
Wie von finst’rer Macht gehalten
Starrt der See.
Und kein goldnes Sterngewimmel
Leuchtet mild,
Wie verschlossen dräut der Himmel
Schwarz und wild…
Da zerreißt der Sturm die mächt’ge
Wolkenschicht
Und ein lichter Stern das nächt’ge
Graus durchbricht!
Strahl ins Herz mir, gold’ner Schimmer,
Lind und sacht. –
Seine Sterne leuchten immer –
Drin ist Nacht!

88. Verschlüsselte Liebeserklärung

„Klage der Ceres“ sei die Antwort auf Goethes „Alexis und Dora“ gewesen, ein Poem, das als Liebesgedicht an Schiller gelesen wird.

Die Autorin benutzt den Begriff der Erlebnisdichtung wieder völlig unbefangen und kann sich dafür auf Goethes Selbstverständnis als Lyriker berufen. Vor zwanzig Jahren, auf dem Höhepunkt der postrukturalistischen Intertextualitätsdebatte, wäre sie damit auf wenig Verständnis bei den germanistischen Kollegen gestoßen, inzwischen jedoch hat sich die Einstellung zur biografischen Forschung mit ihrer Konturierung von Erlebnishintergründen wieder entspannt. Goethe habe mit seinem Gedicht „Nähe des Geliebten“ Schiller (und keineswegs einer Frau aus seinem Bekanntenkreis) seine Verehrung signalisieren wollen. Da stehen die bekannten Zeilen, die man früher nicht mit Schiller in Verbindung gebracht hat: „Ich bin bei dir; du seist auch noch so ferne,/ Du bist mir nah!“ Nach außen hin hätten die beiden Autoren Distanz gewahrt, sich auch im – für die Nachwelt bestimmten – Briefwechsel zu keinen Gefühlsergüssen hinreißen lassen, doch in der Tarnungssprache der Lyrik sei es ihnen gelungen, verschlüsselte Botschaften der Freundschaft und Liebe zu übermitteln. / Paul Michael Lützeler, Die Welt

Katharina Mommsen: Kein Rettungsmittel als die Liebe. Schillers und Goethes Bündnis im Spiegel ihrer Dichtungen. Wallstein, Göttingen. 379 S., 28 Euro.

87. Glücksfall

Wie kaum ein zweiter Lyriker der Gegenwart kommt Wagner einem Ideal von Dichtung nahe, nach welchem Gehalt sich nicht diskursiv durch das Wort vermittelt, sondern evokativ in und mit dem Wort.

Ein Glücksfall sind Wagners Gedichte aber auch darin, dass diese Lyrik sich nicht im Elfenbeinturm von Dichtung als in sich kreisender, selbstgenügsamer Formübung einschließt – sowenig wie im Palastbau preziös verrätselter Innerlichkeit wie so häufig in zeitgenössischer Lyrik. Mit allen Sinnen öffnet die seine sich zur Welt. So nah bei den Dingen, so gesättigt mit Wirklichkeit ist Lyrik selten – ohne dass diese Gedichte sich in Formfragen auch nur im Geringsten etwas vergäben, im Gegenteil: Der Versvirtuose Jan Wagner ist ein Formkünstler erster Güte. / Hans-Dieter Fronz, Badische Zeitung 24.12.

Jan Wagner: Australien. Gedichte, Berlin Verlag, Berlin 2010, 106 Seiten, 18 Euro.

86. Versöhnlich

Diese Lyrik ist auf Verständnis aus – und im Grundton versöhnlich. Ungezwungen reimt Fels, Jg. 1946, Herz auf Schmerz, beschwört die Liebe, ruft Gott und die Engel an und freut sich über das Leben. / Kirstin Breitenfellner, Falter 22.12.

Egal wo das Ende der Welt liegt
Ludwig Fels
2010 | Jung und Jung, Salzburg
136 Seiten
EUR 20,00

85. Uljana Wolf auswärts

Uljana Wolf las zusammen mit den Autoren Maggie Nelson, Guy Bennett and Stephen Motika aus Los Angeles in der Villa Aurora in Venice/ Cal. in einer Veranstaltungsserie, die lokale Autoren und Musiker mit internationaler und Avantgardekunst vereint. Uljana Wolf war im Herbst Poet in Residence im Haus. Ihr jüngster Gedichtband  Falsche Freunde erscheint 2011 bei der Ugly Duckling Press unter dem Titel DICHTionary (Übersetzung Susan Bernofsky). / Goetheinstitut New York