Iran lobt Grass für Israel-kritisches Gedicht. Will der Iran damit bestätigen, dass „das iranische Volk von einem Maulhelden unterjocht und zum organisierten Jubel gelenkt wird“? Natürlich nicht. Diese Stelle des Gedichts von Günther Grass kommt auf den staatlichen Webseiten nicht vor; zumindest nicht so, wie Grass sie gedichtet hat.
Fars News, die Webseite der iranischen Revolutionsgarde, lässt die zweite Strophe einfach weg. Die halbstaatliche Mehrnews veränderte die zweite Strophe so, als wäre mit dem Maulhelden Netanjahu gemeint. / Dust and Trash
Offener Brief an Günter Grass
Von
Javad Asadian
Dichter und Schriftsteller
10.04.2012
hier
Die toten blutdurstigen Seelen, die das Land der Kultur und Gedichte seit über 30 Jahren okkupiert und ausgeplündert haben, jubelten über Ihre Darbietung von Wahrheitsverdrehung.
Sie sind ein Meister des Schweigens. Die Mullahs vollziehen öffentlich das Verbrechen gegen die Menschheit im Iran. Mit Terror, Mord, Selbstmordanschlägen mischen sie sich in der ganzen Region ein, nur um die moderne Lebensform zu vernichten und die Scharia, die Koranischen Gesetze als Maßstab der Dinge zu bestimmen.
Sie sind ein Meister der Verdrehung. Khomeini, Khamenei, Ahmadinejad betrieben innerhalb ihrer islamischen Herrschaft von Anfang an die Politik der Vernichtung Israels. Basiert auf islamischen Gründen, ist das jüdische Land neben Amerika als Hauptfeind der Mullahs deklariert.
Die Vernichtung Israels ist Staatstheorie der Islamischen Republik, die in Wirklichkeit den Weltfrieden bedroht.
Sie haben den Repräsentanten eines Massenmörderregimes als „Maulhelden“ bezeichnet, also als jemanden, der seinen Worten keine Taten folgen lässt. Sie haben diesem Regime ideologische Waffen für seinen Terror gegen die Iraner geliefert, und die islamistischen Schergen haben sich dafür umgehend bei Ihnen bedankt.
Es stellt sich die Frage, ob Sie in der Holocaustverleugnung des Islamischen Regimes ihre deutsche Seele wiedergefunden haben? Wie sonst soll man erklären, dass Sie über die Verbrechen der Mullahs schweigen und versuchen, die Welt zum Schweigen bringen?
Damit Sie Frieden mit ihrer Vergangenheit schließen können, soll das Regime im Iran Rückendeckung für die Fortsetzung dieser Vergangenheit bekommen. In einer Welt der Heuchelei und des Appeasements muss jedoch die Tatsache immer wieder betont werden, dass die islamische Regierung im Iran mit ihren Greisen im nationalen Bewusstsein der Iraner schon längst gestorben ist. Ihre Herrschaft ist nur noch mit Massenmord aufrechtzuerhalten – begleitet vom Schweigen von Intellektuellen wie Herrn Günter Grass.
Berlin vergibt jährlich ca. dreizehn Arbeitsstipendien in Höhe von 12.000 Euro, davon gingen dieses Jahr sechs Stück an Lyrikerinnen und Lyriker (siehe hier).
Bayern vergibt zweijährlich (erstmals 2010, dieses Jahr zum zweiten mal) „bis zu sechs“ Arbeitsstipendien in Höhe von 6.000 Euro, davon ging eines an einen Lyriker (Àxel Sanjosé).
Ergibt:
12.000 Euro x 1/Jahr x 6 Lyriker/innen = 72.000 Euro für die Lyrik in Berlin
6.000 Euro x 0,5/Jahr x 1 Lyriker/in = 3.000 Euro für die Lyrik in Bayern
24:1 für Berlin.
(Weiß jemand andere Zahlen?)
Lyrik ist gut für die Massen, während Prosa den schädlichen Individualismus unterstützt. Der „Große Kommandant“ will die Subjektivität eliminieren. Denn Denken bedeutet Widerstand und ist somit Verrat am Führer. Ebenso wird übrigens die traditionelle arabische Musik zugunsten von martialischer Blechmusik abgeschafft. Liebeslieder könnten schließlich zu Melancholie führen, zu Genuss und Meditation, was individualistisch und somit antipatriotisch ist.Wegen Landes-, genauer, Führerverrat wird Fathi denn auch seine Literatursendung im Fernsehen weggenommen und auch sein Schöpfer, der Autor Nihad Siris, durfte seit 2001 nicht mehr fürs Fernsehen arbeiten (wofür er zuvor die erfolgreiche, 25-teilige Serie „Seidenmarkt“ schrieb). / Sabine Vogel, FR 12.4.
Nihad Siris: Ali Hassans Intrige. Aus dem Arabischen von Regina Karachouli. Lenos Pocket, Basel 2012. 174 S., 12,90 Euro.
Vgl.: Nur Hirtenvölker bevorzugen die Poesie / 30. Das arabische Gedicht
Dies ist der 2. Termin der Lyrik Reihe in den Räumlichkeiten des FLATZ Museums in Dornbirn mit dabei: Norbert Mayer (Schwarzach), Alfred Vogel (Bezau), Kai Pohl (Berlin) und Clemens Schittko (Berlin).
Norbert Mayer und Alfred Vogel bestreiten ein literarisch- musikalisches Heimspiel, das in der «Wälder»-Dialektklangwelt seine Wurzeln hat. Vor ein paar Jahren hätten beiden beinahe den ORF-MundART-Wettbewerb gewonnen, wären die Juroren nicht zur Überzeugung gelangt, dass es sich bei den Darbietungen des exquisiten Duos leider nicht um Lieder handle. Peter Füßl, Chefredakteur der Zeitschrift «Kultur» kann sich dennoch trösten: denn – so meint er – was der wortgewaltige Norbert Mayer und der Perkussionist Alfred Vogel so alles zu bieten haben, lässt keinerlei Sehnsucht nach einer gesanglichen Darbietung aufkommen.
Eine weitgehend andere sprachliche Sozialisation als die des Bregenzerwaldes haben die beiden Autoren, die den zweiten Teil des Abends gestalten, genossen. Der 1964 in Wittenburg/ Mecklenburg geborene Kai Pohl hat eine bewegte Karriere als Dreher, Heizer, Kraftfahrer und Bühnenmaler hinter sich. Nun lebt er als Autor, bildender Künstler und Grafikdesigner in Berlin. Seit 1986 veröffentlicht er in Anthologien und Zeitschriften und genießt als Mitbegründer der «Epidemie der Künste» und Redakteur der Zeitschrift «floppy myriapoda – Subkommando für die freie Assoziation» (2007) gewissermaßen Kultstatus.
Nicht minder prominent in der einschlägigen Poesie-Szene ist Clemens Schittko. Der 1978 in Berlin (DDR) geborene Lyriker hat sich nach seiner Ausbildung als Gebäudereiniger und Verlagskaufmann mit dem nicht ganz abgeschlossenen Studium der Literatur-, Musikwissenschaft und Philosophie befasst. Gelegentlich arbeitete er auch als Fensterputzer und Lektor. Für seine politische Lyrik erhielt er 2010 den «lauter niemand»-Preis der gleichnamigen deutschsprachigen Literaturzeitschrift.
17. April 2012, 20 Uhr
Lyrik bei FLATZ
mit Norbert Mayer (Schwarzach), Alfred Vogel (Bezau), Kai Pohl (Berlin) und Clemens Schittko (Berlin). Führung durch das FLATZ Museum um 19 Uhr
FLATZ Museum (2. Stock)
Marktstraße 33
A -6850 Dornbirn
http://www.flatzmuseum.at
/ Tages Woche
Ist das etwa doch ein politisches Lied? Ein garstiges Lied? Nein, so wollen wir hier nicht enden. Rasch ins geheimnisvolle Morgenland, zu Meister Du Fu mit seinen strengen chinesischen Zeichen. Zwar war er ein engagierter Dichter, doch selbst nach größten Katastrophen schenkte er Trost durch Dauerhaftes: „Das Reich ist zerstört, aber Berge und Flüsse bestehen weiter.“ Das muss auch einmal gesagt werden. / Norbert Mayer, Die Presse
Wozu gibt es Gedichte, diese „aparten Ausnahmen“ von der allgemeinen Sprachverwendung, und was verbindet selbst noch ein Gedicht der Gegenwart mit den Ursprüngen dessen, was seit dem 18. Jahrhundert Lyrik heißt? Es ist eine relativ schlichte Frage, die Heinz Schlaffer, emeritierter Literaturprofessor und für seine brillant nüchterne Diktion bekannter Publizist, an den Anfang seiner Untersuchung stellt. …
Dreh- und Angelpunkt seiner Untersuchung ist die These, dass der ursprüngliche Zweck der Lyrik zwar verschwunden ist, das moderne Gedicht aber noch immer „vom Erbe archaischer Funktionen“ zehrt. Ob ägyptische und indische Gebete, hebräische Psalmen, frühgriechische Hymnen und Oden, althochdeutsche Zaubersprüche: die ältesten überlieferten Gedichte bezeugen, dass die komplizierte Form des Sprechens, die wir Lyrik nennen, vor allem einen Zweck hatte, nämlich den, mit den Göttern in Kontakt zu treten.
Auch wenn heute kein Mensch mehr daran glaubt, dass die Poesie die „Muttersprache der Götter“ ist, der man durch geschickte Handhabung nahekommen kann, lebt im Enthusiasmus lyrischen Sprechens etwas vom Wunsch fort, es möge eine Sprache jenseits menschlicher Logik geben. / Meike Feßmann, Tagesspiegel
Heinz Schlaffer: Geistersprache. Zweck und Mittel der Lyrik. Hanser Verlag, München 2012. 208 Seiten, 18,90 €.
Mehr: Jörg Magenau, DLR
Das war zu befürchten. Der Nobelpreisträger organisiert eine der größten Lyrikdiskussionen und tausend Hobbydichter zücken die Bleistifte. Darunter der Politiker und Grassfreund Egon Bahr:
Freund Israels bleibe ich, auch wenn seine Regierung Fehler macht.
Freund von Grass bleibe ich trotz der Fehler in seinem Gedicht.
Ein Dichter ist keine Regierung und ein Gedicht keine Atomwaffe.
In der Sorge vor einem Erstschlag ist Grass mit der amerikanischen
Außenministerin einig, wenn sie vor einem Präventivschlag warnt.
(…)
/ mehr
Sie machen Literatur zum Ausdrucksmittel der Kultur ihres Landes: Der Sorbe Kito Lorenc und der Serbe Miodrag Pavlović werden in diesem Jahr mit dem Petrarca-Preis geehrt. Mit der Auszeichnung soll die Arbeit europäischer Schriftsteller gewürdigt werden, die trotz ihrer Bedeutung für ihre heimatliche Literatur in Deutschland nicht ihrem Rang gemäß wahrgenommen wurden. Die beiden Preisträger teilen sich den mit 20.000 Euro dotierten Preis.
Kito Lorenc, 1938 in Schleife geboren, hat sein ganzes Leben für den Erhalt der sorbischen Sprache und Kultur gekämpft: als Mitarbeiter am Institut für Sorbische Volksforschung in Bautzen, als Dramaturg am Sorbischen Theater und als sorbisch-deutscher Lyriker.
Miodrag Pavlović, 1928 in Novi Sad geboren, war zunächst Arzt und später Mitarbeiter eines Verlags in Belgrad. Heute lebt er in Süddeutschland. Sein lyrisches und erzählendes Werk ist in der Übersetzung von Peter Urban auch in Deutschland zugänglich.
Der von Hubert Burda gestiftete Petrarca-Preis wird am 23. Juni in Marbach verliehen. Der Verleihung des Petrarca-Preises findet alljährlich an verschiedenen Orten statt und soll auch in Marbach wieder als „Gipfeltreffen des Geistes“ und als „Fest der Poesie“ den Austausch in den Vordergrund stellen.
Der US-Autor Dave Eggers sagte seine Teilnahme an der Verleihung des Literaturpreises „Albatros“ der Günter Grass Stiftung am Freitag in Bremen ab. Eggers bleibe fern, „weil er im Lichte der momentanen Debatte vor allem endlose Fragen zu Grass, Israel und dem Iran beantworten müsste“, hieß es in einer kurzen Stellungnahme der Agentur des Schriftstellers, die der Verlag Kiepenheuer & Witsch übermittelte. / Mehr
My pick for National Poetry Month is the great Romantic poet William Wordsworth’s „Tintern Abbey.“ One of the richest and most iconic poems in the English language, „Tintern Abbey“ is long, difficult to classify, strange and sublime, magical and marvelous. / Priscilla Gilman, fox news
[Monika] Taubitz[‚] Lyrik findet heute in Polen eine große Leserschaft. „Ich habe das Gefühl, dass meine Lyrik dort so verstanden wird, wie sie gemeint ist“, sagt sie. / Südkurier
Die Debatte um ein spätes Gedicht von Günter Grass bringt auch einiges Gute zutage. Soviel Beschäftigung mit Lyrik war nie, sagen wir fast nie. Soviel Debatte um Antisemitismus ist auch selten. Zwar wird nicht unbedingt genaues Hinsehen und Unterscheiden gefördert, dafür Glaubensstärke und Gefühl. Die Beiträge der professionellen Schreiber sind genauso aufschlußreich (so man Aufschluß sucht) wie die der fälschlich oft „schweigende Mehrheit“ Genannten. Ein Leser schreibt:
Entschuldigung, aber Marcel Reich-Ranicki sollte sich das Gedicht vielleicht nochmals in aller Ruhe durchlesen und mit den negativen und diskriminierenden Wörtern „ekelhaft“ und „wertlos“ etwas vorsichtiger umgehen.
Günter Grass bezeichnet die Iraner als unterjochtes Volk und ich halte diese Einschätzung nicht für „wertlos“, sondern für ebenso richtig wie wichtig. Gedichte sind wie Meditationen, man muss sie einwirken lassen und verinnerlichen und sollte sich erst dann zu Wort melden, wenn man sie nicht nur mit dem Intellekt verstanden, sondern auch mit dem Herzen gefühlt hat.
/ Mehr
Ich empfehle auch diesen Beitrag im Freitag
Magnus Klaue: Locker vom Lyrikhocker
mit Einschluß der Leserdebatte, an der man sieht, daß es eng wird für die Redaktion, wenn sie sich zu weit von ihrer straff blogorganisierten Leserschaft entfernt. Ein paar Splitter:
Als Nicht-Germanist erlaube ich mir, Herrn Klaue – und ihm nur stellvertretend für die freitag-Kulturredaktion – zuzurufen: Schuster, bleibt bei euren Leisten!!! Lasst bitte auch im Kulturbereich nur dann Menschen zu politischen Themen schreiben, wenn diese wenigstens zwei Zoll Tiefgang in der Sache haben! … Liebe Kulturredaktion, es ist euer gutes Recht, anderer Meinung als G. Grass zu sein, aber ich muss doch sehr bitten, die Auseinandersetzung mit Ernsthaftigkeit und an Fakten orientiert zu führen. Ich bin jedenfalls kein freitags-Abonnent, um mir den gleichen dünnen Quark (siehe auch O. Guez „Der lange Schatten der Shoah“) reinzufahren, den auch Vulgär-Journalisten von Springer und Konsorten verzapfen!
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Jetzt Frage ich mich: Was kann man als Bürger für einer Verbesserung dieser unhaltbaren Zustände tun? Vielleicht eine Petition einreichen: Mehr Bildung für Journalisten und Medienakteure?
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Jetzt wende ich mich an diese Zeitung, an diese Redaktion:
Der Freitag hat jetzt schon eine ganze lange Reihe von Texten veröffentlicht, die in dieses Horn stoßen – wofür steht diese Zeitung?
Hier ein mehr strategischer Beitrag von einem Aktivisten, der in seiner Community (FC steht offenbar für Freitag Community) als ebenso literatur– wie politikwissenschaftlicher Fachmann anerkannt wird:
Mit dem Ausdruck „in den Focus nehmen“ meinte ich, dass Broder eine echten publizistischen Angriff auf den Freitag startete, der wirklich gefährlich wäre. Davon kann bisher keine Rede sein, dazu ist Broder gar nicht in der Lage. Sobald tatsächlich irgend ein Idiot irgendetwas wirklich gefährlich Dusseliges in den freitag-Blog schriebe, könnte die Redaktion das gar nicht so schnell löschen, dass es nicht irgendein anderer Idiot, als „Verlautbarung des Freitag“ irgendwo anders publizierte, womit es unlöschbar im Internet verankert wäre. Dieses Risiko geht der Freitag von Anfang an ein, er weiß das, aber er weiß auch, dass ernsthafte Leute daraus keine falschen Schlüsse im Sinne z.B. der während der Grote-Diskussion formulierten Vorstellungen ziehen würden. Die on- und offline-Leserschaft des Freitag ist m.E. zu homogen, als dass solche Angriffe das zerstören könnten. Schließlich wurde soetwas bisher in mehreren Wellen immer wieder, aber erfolglos versucht. Dass in der FC bei ein paar Wirrköpfen so getan wird, als punkte Broder irgendwo, wo er nicht sowieso verankert sei, liegt nur daran, dass sie mit ihm einer Meinung sind, denn zu glauben, dass eine Mitteilung aus der Redaktion des Tenors „Broder ist böse zu uns“ irgend eine wünschbare Wirkung entfaltete, könnte nur naiv genannt werden.
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