Doch nicht das Wiedergeben von Stimmungen, sondern das durchdachte Spiel mit den Lyriktraditionen sei seine Herangehensweise, wie er am Beispiel seiner „Antiliebesgedichte“, wie er es nennt, erläutert. „Ich möchte mit so einem Gedicht das Liebesgedicht in Frage stellen.“ Nicht um das Anbeten, sondern um das Zweifeln in Beziehungen gehe es in einem davon. „Aber es gibt auch ein zärtliches“, so Kehle über „Berufsverkehr“. „Hier schaut einer seiner Liebsten hinterher, wie sie im Berufsverkehr verschwindet. Das hat eine gewisse Zartheit.
(…) Neben der Frage, ob und wie es möglich sei rein technisch zu dichten, kommt das Gespräch auf die Marginalstellung der Lyrik im Literaturbetrieb. Trotz dieser plant das Kulturbüro für Juni wieder ein Poesiefestival, für das Kehle wie schon 2010 als Berater tätig ist. / Julia Russ, Südkurier
„Wieviele Divisionen hat der Papst?“ Spöttische Frage des großen Stalin. Was ihn nicht hinderte, auch tausende Schriftsteller zu verfolgen, darunter den großen Dichter Mandelstam, der einen kleinen Spottvers über Stalin schrieb.
Das große China geht noch weiter. Man hat ja genug Leute für jegliche Aufgaben. Welchen Schaden kann ein kleiner Gedichtband in deutscher Sprache dem großen China zufügen? Tatsache ist, daß es ein schmaler Band aus einem kleinen Lyrikverlag auf den Index verbotener Bücher gebracht hat:
Auf einer Seite bannedbook findet sich dieser Eintrag:
《大屠杀:古拉格情诗选》由彼得?霍夫曼译自中文。Hochroth出版社,2012年柏林市,28页,平装本。ISBN 978-3-902871-00-8,6,00 €
http://www.bannedbook.org/forum10/topic2162.html
Google übersetzt merkwürdigerweise so aus dem Chinesischen:
„Holocaust: Gulag Situation Selected Poems“ aus dem Chinesischen von Peter übersetzte Hoffman?. Hochroth Press, 2012 Berlin, 28 Seiten, kartoniert. ISBN 978-3-902871-00-8, 6,00 €
Die ISBN aber entspricht diesem Titel:
Liao Yiwu: Massaker: Frühe Gedichte. Aus dem Chinesischen von Hans Peter Hoffmann. hochroth Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-902871-00-8.
Kann es sein, daß sie das Wort „Massaker“ wegzensiert haben?
Schnappschuß von der Seite:
In Lesung und Gespräch: Jack Underwood (UK) und Ulf Stolterfoht (D)
Moderation: Martin Jankowski (Berliner Literarische Aktion)
Mittwoch, 27. Februar 2013, 20 Uhr
Literaturwerkstatt Berlin, Knaackstr. 97 (Kulturbrauerei), 10435 Berlin
Eintritt: 5 € / erm. 3 €
***
Was ist los in der englischen Dichtung? Im zweisprachigen Poetic Dialogue zwischen London und Berlin treten der britische Poet Jack Underwood und der Berliner Lyriker Ulf Stolterfoht ins Gespräch. Beide lesen aus eigens angefertigten Übersetzungen ihrer Gedichte und sprechen über die neuesten Entwicklungen in Sachen Lyrik.
Jack Underwood (* 1984 Norwich) ist einer der aktivsten jungen Lyriker der Londoner Literaturszene. Er gehörte 2007 zu den Gewinnern des Eric Gregory Awards. Seine Gedichte erschienen bei Poetry London und Rialto, in zahlreichen Anthologien sowie 2009 im Verlag Faber & Faber im „Faber New Poets“ Programm. Underwood schreibt regelmäßig für die Zeitschriften Poetry London und Ambit. Nach seinem Abschluss an der Norwich School of Art and Design im Jahr 2005 promovierte er am Goldsmiths College, wo er nun englische Literatur und Creative Writing lehrt. Jack Underwood arbeitet auch als Librettist und Musiker und ist Mitherausgeber der regelmäßig erscheinenden Lyrik-Anthologien „Stop Sharpening Your Knives“.
Ulf Stolterfoht (*1963 Stuttgart) lebt nach dem Studium der Germanistik und Allgemeinen Sprachwissenschaft in Tübingen und Bochum in Berlin. Einem großen Publikum bekannt wurde er durch den Gewinn des open mike im Jahr 1994 sowie durch die Lyrikbandreihe »fachsprachen« (Urs Engeler Editor), die seit 1998 erscheint. Ulf Stolterfoht wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, etwa 2008 mit dem Peter-Huchel-Preis. Zuletzt erschien 2012 »Das deutsche Dichterabzeichen« (Reinecke & Voß).
Im von Schriftsteller Martin Jankowski (*1965 Greifswald) moderierten Dialog treffen beide Dichter erstmals aufeinander und stellen ihre aktuellen Arbeiten in Lesung und Gespräch vor.
Der zweite poetische Dialog zwischen London und Berlin setzt die Auftaktveranstaltung vom November 2012 fort. DieVeranstaltung der Berliner Literarischen Aktion e.V. wird gefördert vom Britisch Council mit freundlicher Unterstützung der Literaturwerkstatt Berlin.
HERZLICH WILLKOMMEN!
Welcome… see you on Wednesday.
—
Berliner Literarische Aktion e.V.
Kastanienallee 2
D – 10435 Berlin
Tel.: ++49 (0) 30 / 53 15 59 63
email: info@berliner-literarische-aktion.de
www.berliner-literarische-aktion.de
Der berühmte Dichter Du Fu wird seit langem als Chinas Shakespeare bezeichnet, aber wenn die Literaturgeschichte Respekt vor dem Alter hat, wird sie einräumen müssen, daß der chinesische Worteschmied dem Barden von Avon 800 Jahre voraushat. / China Daily
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Here’s a lovely poem for the caregivers among us, by Terri Kirby Erickson, who lives in North Carolina.
Sponge Bath
Draped in towels,
my grandmother sits in a hard-backed
chair, a white bowl
of soapy water on the floor.
She lifts her frail arm, then rests it,
gratefully, in her daughter’s palm.
Gliding a wet
washcloth, my mother’s hand
becomes a cloud, and every bruise, a rain-
drenched flower.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2011 by Terri Kirby Erickson from her most recent book of poems, In the Palms of Angels, Press 53, 2011. Poem reprinted by permission of Terri Kirby Erickson and the publisher. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Zum 11. mal wurde am 22.2. (dem 13. Tag des ersten Mondmonats) im Tempel der Literatur in Hanoi der Tag der vietnamesischen Poesie begangen.
Das Motto lautete: „Die Jugend mit dem Vaterland“.
Das Highlight der Ausstellung zum Tag der Poesie ist die Sammlung zur Würdigung des 70. Jahrestages von „Kultur für nationale Rettung“ mit Arbeiten der vietnamesischen Schriftsteller, darunter die Gewinner des Ho Chi Minh-Preises für Literatur und Kunst, namentlich Tô Huu, Nguyên Hông, Nguyên Dinh Thi, Van Cao, Nguyên Huy Tuong, Nam Cao, Ngô Tât Tô, Dang Thai Mai, Hoc Phi, Tô Hoai…
Durch Teilnahme an dieser Veranstaltung haben die angehenden Dichter die Möglichkeit, ihre Liebe zu ihrer Heimat, Nation, zur Poesie natürlich, und vor allem das Talent von Präsident Ho Chi Minh in diesem Bereich auszudrücken. Sie wetteifern in den Sparten Schreiben und Deklamation sowie Rezitation von Gedichten von Präsident Ho Chi Minh. / Vietnamplus
Angelika Janz
Ungestützte Behauptungen
(Über die Angstfreundschaft)
Sind Romanciers in der Recherche,
die Essayisten auf Retorte,
sind Prosaisten trüber Witze (ohne Worte),
die Dichteschreiber:
sonders blaß,
wenn Krieg ist?
Je mehr die Panikhitze
die Gerüchtetreiber stimmt,
sind rühriger die Lüricker.
Politikker, die sind nun mal
wörtlich vermummt.
Und Kritiker aus Liebe
zum Maß im Mittelmaß
verstummt.
ein winziges Insekt eilt geschäftig über die Tischplatte – noch weiß es nichts von deinem Finger, der über ihm schwebt und es im nächsten Augenblick zerdrücken wird
Hansjürgen Bulkowski
Franz Xaver Kroetz im Welt-Interview:
In Ihrem Gedichtband „Heimat Welt“ von 1996 fordern Sie „Stacheldraht“ für Ihre Sätze und „Sicherheitsverwahrung“ für Ihre Gedanken. Wie gefährlich kann Lyrik sein?
Ich neige ja grundsätzlich zur Destruktion – auch mir selbst gegenüber. Bei dem Gedicht, das Sie zitieren, habe ich im Rückblick das Gefühl, als wollte da einer seine rebellische Gesinnung thematisieren. Aus heutiger Sicht erscheint mir das gefährlich: Dass der Autor sich im Gedicht quasi an eine rebellische Existenz heranschleicht, die er in Wirklichkeit aber niemals eingelöst hat: „Kir Royal“ hat er gespielt.
Und sonst – was hat gefehlt?
Er ist niemals zur RAF gegangen und gestorben! Um es mal zuzuspitzen. Und er war immer ein Mercedesfahrer. (Schlägt mit der Faust auf den Tisch.) In diesem Gedicht steckt mein großer Wunsch nach einer Existenz, die Spuren hinterlässt – es muss ja nicht mit Waffen sein, sondern es kann auch der Einsatz für ein Dritte-Welt-Projekt sein. Rückblickend lese ich das mit Interesse: Das ist ein Teil meiner Biografie, dieser ewige Wunsch, politisch und gesellschaftlich zu wirken. Aber nur weil man in die DKP eintritt und dort ein paar Operettenauftritte hat, ändert man die Welt nicht.
Er war Schriftsteller, Herausgeber, Regisseur von Dokumentarfilmen und Reportagen, Ethnhologe. Alain Gheerbrant starb am 21.2. im Alter von 92 Jahren. 2010 erschien der Gedichtband „L’Homme troué“ (vielleicht: Der löcherige Mann). / ActuaLitté
Schon am 20.1. starb in Japan mit 101 Jahren die Dichterin Toyo Shibata. Ihr letzter Gedichtband wurde 1,6 Millionen mal verkauft. / ActuaLitté (hier mehr)
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Kansas is flat and we all know that. So, where does a boy go when he feels like sledding down a hill? Casey Pycior, raised in Kansas, tells us.
Sledding in Wichita
As cars pass, laboring through the slush,
a boy, bundled against the stiff wind
in his snow suit, gloves, and scarf,
leans on his upright toboggan,
waiting his turn atop
the snow-packed overpass—
the highest point in town.
First one car exits, and then another,
each creeping down the icy ramp.
The brown grass pokes through
the two grooves carved in the short hill.
As the second car fishtails to a stop at the bottom,
brake lights glowing on the dirty snow,
the boy’s turn comes.
His trip to the bottom is swift—
only a second or two—
and he bails out just before the curb.
It’s not much, but it’s sledding in Wichita.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2011 by Casey Pycior and reprinted by permission of the poet. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
When we began this column in 2005, I determined not to include any of my own poems because I wanted to introduce our readers to the work of as many of the other American poets as I could. But from time to time someone has requested that I publish one of my own. So here’s a seasonal poem, for those who’ve asked.
Christmas Mail
Cards in each mailbox,
angel, manger, star and lamb,
as the rural carrier,
driving the snowy roads,
hears from her bundles
the plaintive bleating of sheep,
the shuffle of sandals,
the clopping of camels.
At stop after stop,
she opens the little tin door
and places deep in the shadows
the shepherds and wise men,
the donkeys lank and weary,
the cow who chews and muses.
And from her Styrofoam cup,
white as a star and perched
on the dashboard, leading her
ever into the distance,
there is a hint of hazelnut,
and then a touch of myrrh.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2012 by Ted Kooser, whose most recent book of poems is Together, Brooding Heron Press, 2012. Poem reprinted by permission of Ted Kooser. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
In Deutschland geschriebene Dichtung gehört zu der besten in der Welt
sagt das künftige Deutsche Zentrum. Allerdings wohl nicht der Nachwuchs:
Das Lektorat des Literarischen März 2013 hat in den vergangenen Wochen aus 469 Bewerbungen neun junge Autoren aus Deutschland und der Schweiz ausgewählt. Sie kämpfen am 22. und 23. März in der Centralstation um den mit 8000 Euro dotierten Leonce-und-Lena-Preis. Besonders stark ist Berlin mit vier Lyrikern vertreten.
Die Auswahl für den bedeutendsten Nachwuchspreis deutschsprachiger Lyrik sei den Verantwortlichen in diesem Jahr schwergefallen, berichtete Lektoratsmitglied Christian Döring bei einer Pressekonferenz. „Es gab keine herausragenden Einsendungen oder prägnante Stimmen, die sich besonders herauskristallisiert haben“, sagte der Literaturkritiker. Er hat die Finalisten zusammen mit seinen Kollegen Fritz Deppert und Hanne F. Juritz ausgewählt.
Den Texten habe es nicht an Qualität gemangelt, sondern eher an literarischer Innovation. Dennoch hätten die Werke von Myriam Keil (Hamburg), Sina Klein (Düsseldorf), Levin Westermann (Biel/Schweiz), Sascha Kokot und Marlen Pelny (beide Leipzig) sowie Georg Leß, Tobias Roth, Katharina Schultens und Uljana Wolf (alle Berlin), die Lektoren am Schluss überzeugt.
Von der Website des Wettbewerbs:
Das Lektorat entscheidet unter Ausschluss des Rechtsweges darüber, welche Autorinnen und Autoren zum Wettbewerb eingeladen werden. Die ausgewählten Autorinnen und Autoren erhalten bis Ende 2012 eine Einladung.
Lektorat
Fritz Deppert, Christian Döring, Hanne F. Juritz
Jury
Sibylle Cramer, Ulrike Draesner, Kurt Drawert, Jan Koneffke, Joachim Sartorius
Die Vorjury (Lektorat) bestand bei (Neube-)Gründung des Leonce-und-Lena-Preises 1979 aus Fritz Deppert (* 1932), Karl Krolow (1915-1999) und Wolfgang Weyrauch (1904-1980). Hanne F. Juritz (* 1932, Leonce-und-Lena-Preis 1972) und Christian Döring als Benjamin (* 1954) kamen hinzu.
Jury 2011:
Sibylle Cramer, Kurt Drawert, Jan Koneffke, Raoul Schrott (wegen Krankheit ausgeschieden), Monika Rinck
Jury 2009:
Sibylle Cramer, Kurt Drawert, Jan Koneffke, Raoul Schrott
Jury 2007:
Sibylle Cramer, Kurt Drawert, Jan Koneffke, Brigitte Oleschinski, Raoul Schrott
Jury 2005:
Sibylle Cramer, Kurt Drawert, Jan Koneffke, Brigitte Oleschinski, Raoul Schrott
Letzte Preisträger:
Als deutsche Antwort auf die britische Komikertruppe Monty Python sieht Regisseur Heiner Kondschak den Dichter und Zeichner Robert Gernhardt. Jetzt wird sein Schaffen am Theater Lindenhof gewürdigt.
Heiner Kondschak, Komponist und Musiker und den Lindenhof-Besuchern wohl bekannt von Inszenierungen wie „Die Geierwally“ oder „Don Quijote“, hat Gedichte vertont. Aber nicht irgendwelche, sondern die seines literarischen Jugendschwarms Robert Gernhardt.
Robert Gernhardt ist vielen Leuten nur bekannt als derjenige, dessen Reime Otto Waalkes zu Ruhm verholfen haben, musste Heiner Kondschak bei seiner Arbeit für den neuen Theaterabend des Lindenhofs erleben. Kondschak selber ist seit den 70er-Jahren ein glühender Fan des Dichters. In dieser Zeit hat Gernhardt nach dem Ende der Satire-Magazins „Pardon“ die „Titanic“ mitbegründet und die „Neue Frankfurter Schule“ mitinitiiert.
Sein Witz und sein sprachliches Können haben, gepaart mit seiner intelligenten Art, die politische Korrektheit und die Grenzen der Anständigkeit auch hie und da zu sprengen, unter anderem zur Verleihung des Wilhelm-Busch-Preises geführt. (…)
Aber warum Gernhardt, der so gar nichts mit dem Schwäbischen zu tun hat? „Wir wollten“, so klärt Intendant Bernhard Hurm auf, „für eine kurze Zeit die mythischen alten Stoffe des Erzähltheaters unterbrechen.“ / Tanja Marquardt, Südwest Presse
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