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Veröffentlicht am 20. Januar 2026 von lyrikzeitung
232 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Stephen Knight
(* 1960 in Swansea, Wales)
Bei Ungeheuern
Auf dem Weg zum Bett a) Die Treppe stur
nach oben gehen. Stufenzahl merken. Nie zum Flur
der Treppe rasen oder versuchen, auf diese Tour
Schatten in die Ecke zu jagen.
b) Unterm Bett Bücher und Comics in Stellung bringen –
Es empfiehlt sich noch immer die Bibel. c) Klingen
aus Solingen unweit vom Kopf verstreuen. Vor allen Dingen
vorher polieren. Vati freundlich
darum bitten, sie für einen zu schleifen.
d) Stets ins Bett springen: Ungeheuer streifen
hinterm Bettvolant umher bis zum Reifen
des Taus im Garten.
e) Vorm Einschlafen die Lage mit dem Gesicht zur Tür wählen.
Die ganze Nacht so verharren. Zu empfehlen
sind Schnüre, um nicht zu verrutschen, dann f) Schafe zählen,
um die Knoten nicht überzustrapazieren.
NB: Sein Bett stets vom Fenster ein gutes Stück weit
weg postieren, und dem Zimmer bei Tage die Möglichkeit
geben zu atmen, doch niemals, niemals in der Zeit,
wenn die grauen Abende der Nacht weichen.
g) Beobachten, wie, wenn die Sonne versinkt,
die Gardine mit den sonderbarsten Gestalten winkt.
Dem ihnen aberkannten Grinsen gelingt
es, sich in der Stille neu zu formieren.
Beim Vernehmen des Herzschlags auf dem Kissen
h) Jeden Ton zählen, bei Nicht-mehr-Wissen,
wieviele Stufen bedacht werden müssen,
ehe das Blut in den Adern steht
i) Nachsehn, wie's den Klingen geht.
Aus dem Englischen von Thomas Gruber, aus: Schreibheft 46, 1995, S. 176
Kategorie: Englisch, Großbritannien, WalesSchlagworte: Übersetzung Thomas Gruber, Bei Ungeheuern, englischsprachige Lyrik, Gedicht des Tages, ironische Lyrik, Kindheitsangst Lyrik, Lyrikzeitung, poetische Anleitung, Schreibheft 46, Stephen Knight, Thomas Gruber
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