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Veröffentlicht am 26. Oktober 2014 von lyrikzeitung
Trakl, ein Liedermacher der Vorweltkriegsszene („ein Lied zur Guitarre, das in einer fremden Schenke erklingt“). Der kaputte Typ. Der soziale Versager. Der schwierige, bis unmögliche Freund. Nahezu alles misslang ihm im Leben, und buchstäblich alles gelang ihm im Gedicht. Trakl lebte ein Leben, das auf Gedichte ausgerichtet war. Nur öffentlich vortragen konnte er sie nicht.
Die einzige Lesung, die Trakl gab – zusammen mit dem Prosaisten Robert Michel am 10. Dezember 1913 bei einer im Innsbrucker Musikvereinssaal in der Museumstraße abgehaltenen Veranstaltung der legendären Zeitschrift „Der Brenner“, zu diesem Zeitpunkt längst Trakls wichtigstes Publikationsorgan –, litt denn offenbar unter der betont leisen Art seines Vortrags.
Nicht dass Trakl seine Stimme versagt hätte, vielmehr hat er seinen eigenen acht vorgetragenen Gedichten – sie gehören zu den Höhepunkten seines lyrischen Werks („Die junge Magd“, „Sebastian im Traum“, „Abendmuse“, „Elis“, „Sonja“, „Afra“, „Kaspar Hauser Lied“, „Helian“) – ihre wirkungsvolle stimmliche Umsetzung versagt. Oder war das Leise seiner Stimme einfach seiner notorischen Befangenheit und Nervosität geschuldet? / Rüdiger Görner, Die Presse
Kategorie: Österreich, DeutschSchlagworte: Georg Trakl, Rüdiger Görner, Robert Michel
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