Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 13. Juni 2025 von lyrikzeitung

Adolf Meschendörfer
(* 8. Mai 1877 in Kronstadt, Österreich-Ungarn, heute Rumänien; † 4. Juli 1963 ebenda)
Der Komet
Allnächtlich lodern die ewigen Feuer
Wie goldene Bäume strotzend empor.
Sie brüllen und seufzen, geistern und lachen,
Und nie vernimmt sie ein sterbliches Ohr.
Es rütteln an ihren silbernen Ketten
Der Löwe, der Stier und der Große Bär,
Aus brodelnden Welten fährt zischend ein Tropfen
Hinunter in das schwarzgähnende Meer.
Da hebt erst der Mensch die schweren Lider,
Der jochgekrümmte Nacken wird frei,
Nun staunt er, nun lallt er verzückte Worte
Und weint und erkennt seine Sklaverei:
„Du seliger Bote aus seligen Höhen,
Du sahst an endlosen Tafeln sie dort,
Die schimmernden, funkelnden, goldenen Paare
Und hörtest des Lebens unsterbliches Wort.
Du glühender Künder himmlischer Feste,
Du sahst und hörtest die Ewigkeit!
Du Heiland, zerbrich unsere Todesgrüfte!
Du flammender Deuter von Gott, Raum und Zeit!"
Aus: „In Dornbüschen hat Zeit sich schwer verfangen“ : Expressionismus in den deutschsprachigen Literaturen Rumäniens ; eine Anthologie / Michael Markel (Hg.). Regensburg : Pustet, 2015, S. 14.
Kategorie: Österreich, Deutsch, RumänienSchlagworte: Adolf Meschendörfer
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Neueste Kommentare