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Veröffentlicht am 14. Juli 2016 von lyrikzeitung
Oder um mit einem Vers zu fragen: «Und in der Tat, warum sollte jemand das lesen?» Allein der Sprache wegen! Weil hier jemand, im Wortsinn, Verse schmiedet. Weil hier im Reim zusammengezwungen wird, was nie und nimmer sonst zusammenkommt. Und weil hier auseinanderbricht, was man sich getrennt sonst nicht denken würde.
Für die Mühsal, die diese Lektüre, es sei nicht verschwiegen, kostet, entschädigt am Ende allein der ingeniöse Sprachwitz Ann Cottens. Wenn sie etwa «Klang» auf «Bumerang» reimt, dann ist das nicht nur lustig: Es fasst ins genaue Wort, was die hochkomplexe Reimstruktur der Spenser-Strophe macht: Alles kehrt immer wieder zurück. Jeder Klang schlägt den Leser zwei, drei, vier Verse später wieder als Bumerang vor den Kopf. Das bereitet ein köstliches Vergnügen, wie es nur die boshaften Parodien können. / Roman Bucheli, Neue Zürcher Zeitung
Ann Cotten: Verbannt! Versepos. Suhrkamp-Verlag, Berlin 2016. 168 S., Fr. 23.90.
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Ann Cotten, Roman Bucheli
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