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395 Wörter, 2 Minuten Lesezeit
(aber nur, wenn Sie auch Niederländisch lesen)
Remco Campert
(* 28. Juli 1929 in Den Haag; † 4. Juli 2022 in Amsterdam)
Dichtung bewirkt nichts/
... poetry makes nothing happen (W.H. Auden)
– oder etwa doch?
Poesie ist eine Tat
Poesie ist eine Tat
der Bestätigung. Ich bestätige,
dass ich lebe, dass ich nicht allein lebe.
Poesie ist eine Zukunft, denken
an die nächste Woche, an ein anderes Land,
an dich, wenn du alt bist.
Poesie ist mein Atem, bewegt
meine Füße, manchmal zögernd,
über die Erde, die das so will.
Voltaire hatte die Pocken, aber
heilte sich selbst u. a. durch das Trinken
von 120 Litern Limonade: Das ist Poesie.
Oder nimm die Brandung. Zerschlagen
auf den Felsen ist sie nicht wirklich geschlagen,
sondern macht weiter, und darin liegt Poesie.
Jedes Wort, das geschrieben wird,
ist ein Anschlag auf das Alter.
Schließlich siegt der Tod, ja sicher,
aber der Tod ist nur die Stille im Raum,
nachdem das letzte Wort verklungen ist.
Der Tod ist eine Rührung.
Aus: Het huis waarin ik woonde, De Bezige Bij, 1955
Aus dem Niederländischen von Ulrich Faure. Die Übersetzung und der Originaltext in der zweisprachigen Literaturzeitschrift Trimaran. Lyrikmagazin für Deutschland, Flandern und die Niederlande. #01/2019, S. 11.
Das „Motto“ steht in dieser Zeitschrift in einer linken Spalte neben dem Gedichtanfang, das ganze steht am Ende eines Interviews mit Carl De Strycker. Es wird nicht ganz klar, ob es von Campert dem Gedicht vorangestellt ist oder von De Strycker, der über niederländische Poesie spricht.
..poetry makes nothing
happen' (W.H. Auden) Of toch?
Poëzie is een daad
Poëzie is een daad
van bevestiging. Ik bevestig
dat ik leef, dat ik niet alleen leef.
Poëzie is een toekomst, denken
aan volgende week, aan een ander land,
aan jou als je oud bent.
Poëzie is mijn adem, beweegt
mijn voeten, aarzelend soms,
over de aarde die daarom vraagt.
Voltaire had pokken, maar
genas zichzelf door o. a. te drinken
120 liter limonade: dat is poëzie.
Of neem de branding. Stukgeslagen
op de rotsen is zij niet werkelijk verslagen,
maar herneemt zich en is daarin poëzie.
Elk woord dat wordt geschreven
is een aanslag op de ouderdom.
Tenslotte wint de dood, jazeker,
maar de dood is slechts de stilte in de zaal
nadat het laatste woord geklonken heeft.
De dood is een ontroering.
Remco Campert
Uit: Het huis waarin ik woonde, De Bezige Bij, 1955
Ebd. S. 10
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