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Veröffentlicht am 11. September 2023 von lyrikzeitung
Ko Un
(* 1. August 1933 in Kunsan, Provinz Nord-Chŏlla, Südkorea)
Geständnis Ein Geständnis, sagst du? Den roten Arsch herzeigen wie die Affen, ist noch nicht ehrlich. Was abends beim Saufen geredet wird, ist noch nicht die Wahrheit. Wie steht's da bei dir? Ich bin unglaublich böse. Leidenschaftslos verkauf ich die siebziger, die achtziger Jahre; eine gute Gelegenheit, ungerührt verkauf ich alles. Heutzutage diese Heucheleien, Angebereien – Moment mal, da hast du die Wahrheiten von gestern vor Augen! Es gibt kein Heute, nein, gibt es nicht. Wie's in der Wüste nichts gibt, gibt es für mich kein Heute. Welch unheimliche Stille! Irgend etwas wird explodieren. Ich kenne die Hölle. O ihr auf der Halbinsel Korea stationierten herrlichen Raketen! Es kommt die Zeit der Wüsten, und kein Fetzen mehr eines Leichnams wird zu finden sein, so daß umherkriechend nur noch die Gespenster sind.
Aus dem Koreanischen von Woon-jung Chei und Siegfried Schaarschmidt, in: Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1996, S. 67
Kategorie: Korea, Koreanisch, SüdkoreaSchlagworte: Ko Un, Siegfried Schaarschmidt, Woon-jung Chei
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