77. Valeria Nowodworskaja †

Valeria Nowodworskaja, die rebellische russische Aktivistin und Autorin, die am 12. Juli in Moskau starb, war im Ausland praktisch unbekannt und zu Hause von skandalnudelhafter Bekanntheit. Gegner verspotteten sie, oft mit krude misogynen Tönen, als wahnsinnige russenhassende Hexe; selbst für viele Verbündete war sie peinlich, eine lächerliche alte Frau, die das Vorurteil bestärkte, die marginalisierte liberale Opposition sei verrückt. Im Tode wurde sie von ebender Opposition schnell geradezu heiliggesprochen. Viele sagten, sie verstünden erst jetzt, welche große Seele da in ihrer Mitte gelebt hatte. „Was wir nur flüsterten, sagte sie laut heraus“, schrieb der frühere Tycoon und politische Häftling Michail Chodorkowski. „Was wir bereit waren hinzunehmen lehnte sie ab.“ (…)

Es liegt Symbolik darin, daß, wie der russisch-ukrainische Kommentator Vitali Portnikow sagte, Nowodworskaja in dem Augenblick starb, als das Regime Putins sich völlig als der Gangsterstaat entpuppte, von dem sie immer sprach. Einige betrauern ihren Tod als Ende einer Ära und Hinscheiden des „letzten Dissidenten“. Andere sahen in ihrem Leben die Verkörperung unbesiegter Freiheit und hofften, ihr Tod würde andere Kämpfer inspirieren. Ein weitverbreiteter Tweet (fälschlich der populären Sängerin Alla Pugatschowa zugeschrieben) lautete: „Wenn eine Million Menschen in Moskau zu ihrer Beerdigung gehen und nicht wieder weggehen, ist Putin erledigt. Kommt, Russen!“ Das ist nicht geschehen; aber genug Junge und Alte kamen, um sich von dieser einzigartigen Frau zu verabschieden, standen Stunden in der drückenden Sonne und bewahrten den Glauben an ihren Geist. Als ihr Sarg das Sacharowzentrum verließ, sang die Menge: “Heroes do not die.” / Cathy Young, Real Clear Politics

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..