20. Li Bifeng

Li Bifeng war einmal Steuerbeamter in Mianyang, einer Stadt in der Provinz Sichuan, aber seit ihm das Gefängnis zur Heimat wurde, ist er nur mehr Dichter.

Kein bekannter, nein. Li Bifeng ist eine jener armen Seelen, nach denen kein Hahn kräht, eigentlich. Es ist 1989, das Frühjahr der Rebellion in China, als der junge Beamte Li sich auf die Seite der Studenten schlägt. Dafür kassiert er die ersten fünf Jahre Haft. Er wird entlassen, bekommt einen Sohn. Dann springt er einer Gruppe protestierender Textilarbeiter zur Seite, welche die Autobahn blockieren. 1998 das zweite Urteil: sieben Jahre Haft.

„Er war immer in Eile und immer am falschen Ort.“ Liao Yiwu hat das geschrieben, der Schriftsteller, dem die Flucht ins Berliner Exil gelungen ist. Die beiden hatten sich im Gefängnis kennengelernt. Sie waren dort nicht die einzigen Politischen, aber die einzigen Poeten, so ließen sie sich, schreibt Liao „in aller Heimlichkeit viel Wärme zukommen; jene Art von Wärme, die sich Ratten zuteilwerden lassen, wenn sie ihr Fell aneinander reiben“. / Kai Strittmatter, Süddeutsche Zeitung

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