Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
„National gesinnte“ und/oder rechtsradikale Kreise verbreiten gern und regelmäßig die Geschichte des von „den Polen“ widerrechtlich einbehaltenen (nein „geraubten“, ach ja, damals als polnische Horden in das schutzlose Deutsche Reich einfielen und unsere Nationalheiligtümer raubten!) „Deutschlandlieds“. So erst kürzlich wieder die „Preußische Allgemeine Zeitung“,… Continue Reading „95. Wo liegt das „Deutschlandlied“?“
Seit einem Vierteljahrhundert publiziert sie Bücher mit Titeln, die verdeutlichen, dass es ihr nicht um eine „realistisch“ verstandene Literatur geht: „Tintenfisch auf Reisen“, „Wie der Wind im Ei“, „Opium für Ovid“, „Überseezungen“, „Das nackte Auge“ und eben jetzt „Abenteuer der deutschen Grammatik“. Gemeinsam ist… Continue Reading „93. „Wir arbeiten an der Änderungs- / Grammatik““
‚Ich bin 2fellos größer als du‘ / sprach zum Einer der Zweier. // ‚3ster Kerl, prahle nicht so!‘ / knurrte der größere Dreier. // ‚Und ich!‘ rief der Einer, ‚bin zwar der Kl1te, / aber dafür bestimmt auch der F1te.‘ // ‚Nein, mir gibt… Continue Reading „92. Hans Manz 80“
Und tatsächlich ist es eine schleichend sterbende Sprache, in der die aus Grovella im piemontesischen Formazza-Tal stammende Anna Maria Bacher ihre Gedichte schreibt, schliesslich gaben im Jahr 2003 an einer repräsentativen Umfrage nur noch 12 Prozent der wenigen Bewohner dieses Tals an, von «walserscher»… Continue Reading „91. «Kfarwät Schpurä» in «Walser-Titsch»“
In vier ungewöhnlich grossformatigen Bänden liegt auf über 1800 Seiten das dichterische Werk von Larry Eigner erstmals gesammelt vor. Die Monumentalität dieser Ausgabe entspricht der wahrhaft herkulischen Leistung des Dichters, der aufgrund einer zerebralen Schädigung von Geburt an gelähmt war und allein mit dem… Continue Reading „90. Typewriter edition“
Geladen ward zur Präsentation des druckfrischen Lyrikbändchens „Der Heißatem, der Augenblitz“. Erotische Gedichte von Kristian Pech, verschönert durch „Physiognomische Studien“ seines „leibeigenen Hofmalers“ (Zitat Scheuerecker) Hans Scheuerecker. Die beiden sind mit Pausen seit drei Jahrzehnten Freunde, ein Paar reiz-voller Kontraste: Pech, in dessen Beschreibung… Continue Reading „89. Augenblitz“
Litauen ist ein Land der Lyrik. Das liegt zuerst einmal daran, dass die archaischste heute noch gesprochene indoeuropäische Sprache über einen Formen- und Klangreichtum verfügt, der seinesgleichen sucht. Zum anderen hat die sowjetische Zensur bis zur Wiederherstellung des unabhängigen Staates vor zwei Jahrzehnten dafür… Continue Reading „88. Land der Lyrik“
Die NZZ diagnostiziert grundsätzliche Lesebereitschaft des Publikums trotz deutschsprachiger Avantgardelyrik, schreibt der Perlentaucher: Auch wenn die Lyrik in Zeitschriften, im Netz oder auf Festivals blüht, meint Jürgen Brocan, macht sich beim Leser Überdruss breit. „Die Lyrik heute gleicht jedoch nicht selten einem Laborversuch, dessen Ergebnisse dem Publikum in… Continue Reading „87. Zu viel Originalität“
Ein Text wie dieser hier benutzt gerade mal ungefähr 0,08 Prozent aller Schriftzeichen der Welt, richtiger: aller bislang digital erfassten Zeichen von toten, lebendigen, uralten und sehr neuen Schriftsystemen. Das sind zur Zeit 109242, und sie bilden eine der faszinierendsten Sammlungen der letzten Jahrzehnte.… Continue Reading „86. 109242 Zeichen“
Dass er nach dem Gefängnis dieses Buch geschrieben hat, zeigt, dass es die Sprache war, die ihn wieder hat zum Menschen werden lassen. Ganz verlassen hatte sie ihn auch vorher nicht: Im Anhang des Buchs sind 30 „Liebeslieder aus dem Gulag“ abgedruckt, 30 Gedichte,… Continue Reading „85. Erschienen“
Wer vor einigen Jahren in den Filialen des isländischen Billigsupermarktes Bónus einkaufte, konnte sich davon überzeugen, dass die Isländer noch immer ein besonderes Verhältnis zu ihrer Literatur haben. Neben den üblichen Schokoriegeln und Kaugummis stand dort an den Kassen ein Gedichtband im Regal, dessen… Continue Reading „84. Bónus-Gedichte“
Gewohnt pointiert brachte der Lyrik-Experte Bernd Leistner einmal seine Haltung zur Poesie auf den Punkt: „Er sei in Sachen Dichtung wie ein Eunuch; er könne es beschreiben, aber nicht machen.“ Nun legte er doch einen Band mit seinen Gedichten vor. FIGARO sendet den Mitschnitt… Continue Reading „83. Altväterisch“
Neueste Kommentare