Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Zwei französische Antiquare entdeckten vor zwei Jahren auf einem Trödelmarkt einen Packen alter Fotos. Darunter ein Foto im Postkartenformat, das sieben Personen auf der Terrasse des „Hotel de l’univers“ in Aden, Jemen zeigt. Ein historisches Dokument: zum ersten Mal kann man das Gesicht des… Continue Reading „91. Rimbauds Gesicht“
Selten begegnet man einem Gedichtband, der eine so sorgfältig gestaltete thematische Gesamtkonzeption mit weitreichender Gedanklichkeit und sinnlich wahrnehmbarer, konkreter Bilderwelt verbindet, ohne das denkende, fühlende und redende Ich auszuschließen. Es ist allerdings kein von den Befunden überwältigtes Ich, das bekennt, wie es leidet oder… Continue Reading „90. Zerpflückungswünsche, Verwirrungsmuster“
Zumeist sind diese Texte knapp, die Zeilen kurz und alle Formulierungen auf ganz Konkretes fokussiert. Auch wenn ihr Sinn vielfach verrätselt scheinen mag und gängiger Bedeutungssuche zunächst wenig zugänglich, entsteht ihr Reiz und Witz oftmals im Spielerischen, als wollten sie die Welt- und Sprachpartikel… Continue Reading „89. „Heimliches Nicken / im übertragenen Sinn““
Im vergangenen Jahr erschien «Geheimbrief», ein weiterer Band der Dichterin und der erste ihrer «Schmerztrilogie» (der zweite Band wird Anfang Mai herauskommen). In diesen Gedichten geht es um den Schmerz und die Einsamkeit eines Menschen, der im Alter der Flüchtigkeit dessen inne wird, was… Continue Reading „88. Erika Burkarts Schmerztrilogie“
Mit diesem ebenso aufwendig wie liebevoll gestalteten Ziegelstein von einem Buch endet das Programm des Ammann-Verlags in Zürich. Schweren Herzens hat sich Egon Ammann bereits im vergangenen Jahr entschlossen, 2010 die Geschäfte einzustellen. Der Schwanengesang ist die vorliegende Gedicht-Anthologie von Wulf Kirsten. Zwanzig Jahre… Continue Reading „87. Ammanns Schwanengesang“
Wie – Gedichte? Für die einen komplett unzugänglich, geraten andere ins Schwärmen. Ein Kommentar von Börsenblatt-Redakteur Stefan Hauck. Die Zahl derer, die sich von den Bildern der Klangzauberer und Sprachmagier verführen lassen, nimmt zu: Es wird öffentlich gelesen, über Poesie debattiert, die Verlage trauen… Continue Reading „86. Schwärmen“
In der Zeit #15 erklärt Silke Scheuermann, was ihr heilig ist: Zu Engeln hatte ich seit jeher ein gutes Verhältnis. Das fing im katholischen Kindergarten an, als ich die Erzengel in ungefähr 700 Zeichnungen verewigte und zu Weihnachten goldene Pappflügel trug fürs Krippenspiel. Das… Continue Reading „85. Hamburger Engel“
Lili Marleen als Auftakt eines Abends über Jazz und Lyrik aus dem Hamburg der 1920er-Jahre am Dienstag Abend im prall gefüllten Literaturhaus funktioniert wie keine klassische Ouvertüre: In der instrumentalen Version des Pianisten Matthäus Winnitzki spielt die Landser-Hymne die verschiedenen Register des Abends an… Continue Reading „84. Hamburger Moderne?“
Der koreanische Lyriker Ko Un hat sein episches Großprojekt „Maninbo“ (Zehntausend Lebensläufe) abgeschlossen. 1986 erschien der erste Band, nach 25 Jahren sind es 30 Bände. Der heute 77jährige konzipierte das Werk, als er während eines Militärputsches im Jahr 1980 unter dem falschen Vorwurf des… Continue Reading „83. 4001 Gedichte über 5600 Menschen“
Es war nicht nur der Sarah-Sound. Es war der Lyrik-Sound. Lyrik lesen in der DDR bedeutete für junge Menschen mehr. Es war so etwas wie ein Code. Man war schon ein bisschen anders als die anderen, man gehörte schon ein bisschen zu einem Zirkel.… Continue Reading „82. Der Lyrik-Code“
Als der russische Futurist Welimir Chlebnikow um 1909 in Gedichtform einen «Dingaufstand» beschrieb, bei dem die Dinge ihre herkömmlichen Bezeichnungen abwerfen, um sich neu zu einem gewaltigen Maschinenwesen – halb Kran, halb Kranich – zu formieren, eröffnete er damit eine Debatte, die in der… Continue Reading „81. Dingaufstand“
Gleichsam als Einleitungsformel sind dem Band drei Tekerleme – Gedichte, welche die «Sinnlosigkeit und verkehrte Welt» widerspiegeln – vorangestellt; zwei wurden von Dichtern des 15. Jahrhunderts verfasst, eins aber auch von Orhan Veli, der 1950 starb. So wird deutlich, dass das Spiel mit der… Continue Reading „80. Tekerleme“
Sie trägt ihre Gedichte auswendig vor, im Stehen, und mit jeder Hebung wiegt sie sich ein bisschen mehr in den Rhythmus der Sprache hinein. Assonanzen und Reime steigen wie Luftbläschen auf und zerplatzen, jede Schlusswendung ist der Auftakt zu einem neuen Text, und zwischen… Continue Reading „79. Patrizia Cavalli deutsch“
Lyrik hatte hierzulande ein Gesicht, das ihre: ein schmales, zur Seite geneigtes Gesicht mit grossen sehnsuchtsvollen Augen, umrahmt von hellen Locken. Lyrik hatte ihre zarte, weissgewandete Gestalt. Bis heute gilt Erika Burkart als die Lyrikerin der deutschsprachigen Schweiz. Mit Jahrgang 1922 gehörte sie zu… Continue Reading „78. Am Mittwoch ist die Dichterin Erika Burkart im Alter von 88 Jahren gestorben“
– lernt man jedenfalls im Germanistikstudium (vielleicht außer in *** und ### ) 1) Dabei weiß jeder Medienkonsument, daß wir uns fast nur für den Autor interessieren. Wer soll schließlich all die Gedichtbände kaufen und gar noch lesen? Biografien aber kaufen wir gern. Eine… Continue Reading „77. Der Autor ist tot“
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