Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
In Griechenland, auf Reisen mit ihrer Freundin Irene Anfang der 1960er Jahre, notiert die nunmehr 28-jährige Susan Sontag: „Heute Abend (als sie am Hafen war) habe ich eine Stunde damit verbracht, zu masturbieren + mit einem Spiegel meine Möse zu betrachten. Als sie zurückkam,… Continue Reading „151. Nichts entdeckt“
„Schönheit ohne Sinnlichkeit gleicht einer Brust, der die Brustwarze fehlt“ – so lautet das Motto, welches Gerald Zschorsch für seinen neuen Gedichtband gewählt hat. Es stammt von Ernst Jünger. Ludwig Reiners in seiner wohlanständigen Stilfibel fand diesen Vergleich „hart an der Grenze des Erträglichen“,… Continue Reading „150. Neue Gedichte von Gerald Zschorsch“
Außerdem hat sich sido auch des, zugegeben sehr naheliegenden Vergleiches, von Rappern mit Dichtern bedient. Aufgrund der Popularität der jeweils verbreiteten Lyrik seien Rapper heute im Prinzip in einer ähnlicher Position wie damals ein Goethe. „Goethe war ein Star zu seiner Zeit, weil es keinen anderen… Continue Reading „149. Wie Goethe“
Es sind wenige Grundwörter, „Schatten“, „Wind“, „Licht“ oder „Sonne“, die Chiellino wieder und wieder verwendet. Genitivmetaphern wie die „Wellen der Fremde“ oder die „Wechselstuben der Begierde“ stehen neben Sentenzen und bedeutungsheischenden Strophen, die wahllos Konkretes und Abstraktes vermischen: „Bereinigt von Erwartungen und Geboten, /… Continue Reading „148. „Wechselstuben der Begierde““
Das Nasobem, von dem Morgenstern noch mit Recht dichtete: „Es steht noch nicht im Meyer und auch im Brockhaus nicht, es trat aus meiner Leyer zum ersten Mal ans Licht“, schaffte es bereits 1935 in die großen Lexika und wird als Erfindung des Dichters sogar… Continue Reading „147. La grande Lalula“
In seiner Schrift „Was ist Surrealismus?“ hat Max Ernst seine Methode des radikalen Uminterpretierens von Bestehendem und Zufällig-Erzeugtem anschaulich erläutert: Es sind die Übergänge vom Bekannten ins Unbekannte und die Zwischenzustände zwischen dem Rätselhaften und dem Deutbaren, die ihn zum Weiterdenken und zum Gestalten… Continue Reading „146. Was ist Surrealismus?“
»Fahrtenschreiber« – ein Wort, in dem viel Technik und wenig Poesie zu stecken scheint. Doch weit gefehlt: José F. A. Olivers neuer gleichnamiger Gedichtband spiegelt Eindrücke für alle Sinne von Reisen durch Deutschland und Osteuropa wider. Behandelte der Hausacher Lyriker mit seiner vorherigen Sammlung… Continue Reading „145. »Fahrtenschreiber«“
Wie ich einem Kommentar entnehme, ist die erste Nummer der hier im Februar etwas skeptisch angekündigten Lyrikzeitschrift „Kaskaden“ nun erschienen und kann hier herunter geladen werden. Neben Unbekannten finden sich mit Lutz Steinbrück, Peter Ettl oder Christian Kreis auch Leute in der ersten Nummer,… Continue Reading „144. Kaskaden“
Poetik II Ich meinte Worte seien leicht wie Flaumfedern glänzend wie Seide rund wie die Knie von Mädchen sorgenfrei wie Vogelgefieder Ich meinte gehorsam folgten sie jedem Ruf und man könnte Bilder aus ihnen bauen deren Vieldeutigkeit Reichtum in sich birgt In meinem Leben… Continue Reading „143. Meine Anthologie 37: Tadeusz Różewicz, Poetik II“
In seinen Liedern hat Hans Söllner Politiker und Polizisten beleidigt. Dafür musste er hohe Strafen zahlen. So lange, bis er es sich nicht mehr leisten konnte. Söllner: Ich habe mich immer an einen Spruch vom Strauß gehalten: Wir sind Bayern, wir langen halt ein… Continue Reading „142. „Einmal singen kostete mich 40 000 Euro, nochmal singen 80 000““
Hören Sie bei der BBC ein Gespräch mit der saudischen Lyrikerin Hissa Hilal, die vollverschleiert, aber mit unverschleierten Worten die Männerwelt herausfordert. Frau Hilal hat bereits Gedichte veröffentlicht und war Lyrikredakteurin der arabischen Tageszeitung al-Hayat. Ihr werden Chancen auf den 1,3-Millionen-Dollar-Lyrikpreis des Abu Dhabi-Fernsehens zugesprochen.… Continue Reading „141. Unverschleiert“
Faktor kam 1978 von Prag nach Ost-Berlin und wurde neben Bert Papenfuß schnell zu einem Protagonisten (und Außenseiter) der Prenzlauer-Berg-Szene. Sein Alter ego Georg geistert schon lange durch Faktors verzerrt autobiographisch grundierte Bücher. Früher machte Georg sich Sorgen um seine Zukunft, und sein Autor… Continue Reading „140. „Detailliert, verräterisch, intim, erschöpfend““
PHYCOMYCES Der Biologe: Gelänge es, eure Instinkte zu messen, wir drehten am Schlüssel zum Leben. Der Pilz: Vergebliche Mühe. Die Quanten, die meine Reaktionen regeln, umtanzen wie Flöhe eure Mechanik. Jetzt borgt euch Geduid bei den Dichtern. Jeder Vorstoß, den sie in unbewußtes Gelände… Continue Reading „139. Meine Anthologie 36: Lothar Klünner, Phycomyces“
Der Lyriker Wulf Kirsten bekommt in diesem Jahr den Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Preis. Der in Weimar lebende Künstler achte „wie Ringelnatz auch das Kleine, Unscheinbare“ heißt es in der Begründung. Zu der mit 15 000 Euro dotierten Auszeichnung gehört auch die Vergabe eines Nachwuchspreises. Für den… Continue Reading „138. Joachim-Ringelnatz-Preis für Wulf Kirsten“
Ronald M. Schernikau, der Sohn, war zu Beginn der achtziger Jahre eine Hoffnung der deutschen Literatur gewesen. Er vereinte Glamour und Intellekt, Zickigkeit und Menschenliebe mit Formbewusstsein. Obendrein war er stolz auf seine ausgesprochen klaren politischen Ansichten. Er würde Himmel und Hölle in Bewegung… Continue Reading „137. Traumheimat“
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