Monat: Dezember 2009

39. „Wunderbar verrückt“

„Toller geht’s nicht – Ihr seid ja wunderbar verrückt!“ hatte einer ins Gästebuch zu der geheimnisvollen Ramklangkomposition „Troposphères“ von Sascha Lino Lemke in den Labyrinth-ähnlichen Kreisen in der Kampnagelfabrik in Hamburg geschrieben. Den schriftlichen Ausbruch kann man gerne für Konzeption und Durchführung des sechstägigen… Continue Reading „39. „Wunderbar verrückt““

38. Seume-Preis für Helga M. Novak

Der Seume-Literaturpreis der Stadt Grimma ist am Sonnabend an die Schriftstellerin Helga M. Novak verliehen worden. Der Internationale Seume-Verein begründete die Wahl mit dem „eigenen, unverwechselbaren Ton“, den die Autorin besonders in ihrer Lyrik finde. … Seit 1987 wohnt Novak in einem kleinen Dorf… Continue Reading „38. Seume-Preis für Helga M. Novak“

37. Don’ts

Die Zeitschrift ist nicht schlecht – sie wär noch besser ohne eine gewisse Redseligkeit. Die auch ihre Rezensenten befallen mag. 2 dont’s beim Schreiben über Literatur, das erste: don’t renommier! Ah, da ist es: Jetzt kann man Josef Hader mal von einer anderen Seite… Continue Reading „37. Don’ts“

36. bodyworlds

Simone Kornappel (Hamburg)

35. Meine Anthologie 11: Anziehung

Anziehung Nebel zieht auf, das Wetter schlägt um. Der Mond versammelt Wolken im Kreis. Das Eis auf dem See hat Risse und reibt sich. Komm über den See. aus: Sarah Kirsch: Zaubersprüche. Berlin und Weimar: Aufbau Verlag 1973, S. 5.

34. Meine Anthologie 10: Zaubernüsse

Silke Peters Wassernüsse, vermißt in Moore, Speicher der Sonnen fielen hinein Erinnerungsnüsse krallen im Grund Muster über Muster zu lesen Und dunkle Wasser halten Ungeheuer fest, einen halben Tag lang tief. sind Männer im Moor ertrunken, wie die Sonnen Ein Pesthauch weht schillernd. wie… Continue Reading „34. Meine Anthologie 10: Zaubernüsse“

33. Minenfeld

Die besten Gedichte habe er im Getto geschrieben, sagte Abraham Sutzkever. Der jiddische Dichter, der heute 96-jährig in Israel lebt, war 27 Jahre alt, als die Wehrmacht Litauen besetzte. In Wilna, dem heutigen Vilnius, errichteten die Deutschen ein Getto und erschossen Tausende von Juden… Continue Reading „33. Minenfeld“

32. Das Bodenlose

Demus‘ anteilnehmende und in Bezug auf Dichtung, Philosophie und Kunst so feinsinnige Briefe werden Celan nach dem Weggang aus Wien nach Paris bald veranlassen, den Jüngeren mit „Bruder“ anzureden, eine Anrede, die lange Zeit von beiden beibehalten wird und in Celans gesamter Korrespondenz singulär… Continue Reading „32. Das Bodenlose“

31. Geschwollener Schweinkram

Mit sechzig plus hat man seinen Beitrag für die Fortdauer der Gattung längst abgeleistet und wird entspannter. Das ist die hohe Zeit des Maul-Eros. Als rüstiger Verbalerotiker kann man sich auf die Vorarbeit der Altvorderen stützen. Brecht, Martin Walser oder Friedrich Schlegel konnten immer… Continue Reading „31. Geschwollener Schweinkram“

30. Milz, Leber, Lunge

ich hab die Milz gefunden, die Leber, die Lunge, schreibt Simone Kornappel unter Bezug auf den Beitrag Körpertexte und zwar in einem (famosen) Gedicht von Tomaž Šalamun Aber das sind Ausnahmen (Leseprobe aus: Aber das sind Ausnahmen, Gedichte, 2004, Edition Korrespondenzen – Übertragung Peter… Continue Reading „30. Milz, Leber, Lunge“

29. Wolfgang Kubin über Chinas Literatur und die Buchmesse

Kubin: Naja, China hat ja nicht die besten Schriftsteller mitgebracht, über die es verfügt. Es hat keinen einzigen richtig guten weltweit anerkannten Dichter mitgebracht. Damit hätte man punkten können. Es hat sie alle zu Hause gelassen, stattdessen die Wald- und Wiesendichter mitgeschleppt, die keiner… Continue Reading „29. Wolfgang Kubin über Chinas Literatur und die Buchmesse“

28. Abessinien

Südliches Sonett An weiße Mauern scheint die Sonne streng und friedlich, ein schwerer Hauch von Nichts und Allem rührt die Pinien, und Bänke schmücken leer den Dorfplatz. Unermüdlich trennt Schatten Staub von Staub mit immer neuen Linien. Die Welt ist fern und nah, so… Continue Reading „28. Abessinien“

27. Act loco

Denke global, handle „verrückt“ (wie wir Lateiner sagen). Folgende Nachricht erreicht mich: am freitag, also heute, wird um 20 oder 21 uhr (genaueres auf dem fleischervorstadt-blog) eine aktion am ajz-ground-zero stattfinden. unter der losung „kulturelle raumerhaltung ist unsere art von stadtverwaltung“ oder so ähnlich… Continue Reading „27. Act loco“

26. Tod des Dichters

Was sich beim Tod von Rimbauds Körper abspielt, ist keineswegs, wie Claudel kleinlicherweise glaubte, eine klerikale Frage. Es handelt sich um pure Christologie: „Was er spricht, sind Träume“, notiert noch einmal die weibliche Hälfte, die schwesterliche Hälfte Rimbauds, der Teil Rimbauds, der Schwester war.… Continue Reading „26. Tod des Dichters“

25. Ihre Gedichte leuchten

Für Laudatorin Petra Ganglbauer sind die Gedichte von Silke Peters „aufgeladen; knisternde, kurze Stücke, die Zeit lassen, die Raum lassen für ihre Fortschreibung im Kopf des Lesers oder der Leserin“. Sie seien geheimnisvoll, „mit ungewöhnlichen Fährten und bewusst gesetzten Entgleisungen ausgestattet“. Ihre Gedichte „schillern… Continue Reading „25. Ihre Gedichte leuchten“