Betrug mit Hafis-„Übersetzungen“

Von Regina Berlinghof

„Übersetzer“ Daniel Ladinsky gibt eigene Verse als die des persischen Dichters Hafis aus

Pseudo-Hafis-Übersetzungen beim Penguin-Verlag (amerikanische Ausgabe) und Benziger-Verlag, Düsseldorf (zu Patmos gehörend) mit deutscher Übersetzung  der englischen Ladinsky-Verse

Seit einigen Jahren vertreibt der Penguin-Verlag Übersetzungen des großen persischen Dichters Hafis in der „Übersetzung“ von Daniel Ladinsky. Eine Auswahl dieser Übersetzungen erschien auch als Nachübersetzung aus dem Englischen im deutschen Benziger-Verlag, Düsseldorf (zur Patmosgruppe gehörend): „Die Liebe erleuchtet den Himmel“.

Nur handelt es sich bei keinem dieser Verse um eine Übersetzung. Kein einziger Vers läßt sich in der Gesamtausgabe der Werke des Hafis, im „Diwan“, wiederfinden. Daniel Ladinsky hat sich allenfalls von Hafis zu eigenen Gedichten inspirieren lassen und gibt diese nun als „übersetzte“ Verse des „Great Sufi Master“ heraus. Den im Internet bereits vorhandenen Betrugsvorwürfen ist er bislang ausgewichen und hat dafür den Begriff der „translation“ aufgeweicht. Er hat keinen einzigen Nachweis vorgebracht, welche originalsprachlichen Hafisverse er seinen „Übersetzungen“ zugrunde gelegt hat. So, wie sich seine „Übersetzungen“ auch lesen, kann er das gar nicht.

Hier ein paar hübsche Beispiele im Original-Layout:

„WHO WILL FEED MY CAT? (S. 145)

I
Will need
Someone to feed my cat
When I leave this world,
Though my cat is not ordinary.
She only has three paws:
Fire, air,
Water.

A HOLE IN A FLUTE (S. 203)

I am
A hole in a flute
That the Christ’s breath moves through
Listen to this
Music.

I am the concert
>From the mouth of every
Creature
Singing with the myriad
Chords.

MISMATCHED NEWLYWEDS (S. 40)

Like
A pair
Of mismatched newlyweds,
One of whom still feels very insecure,
I keep turning to God
Saying,
‚Kiss
Me.’“

COURTEOUS TO THE ANT (S. 87)

God
Blooms
>From the shoulder
Of the
Elephant
Who becomes
Courteous
To
The
Ant.

THE HATCHECK GIRL (s. 197)

Why
Are there
So few in the court
Of a perfect
Saint?

Because
Every time you are near Him
You have to leave pieces
Of your
Ego

With
The hatcheck
Girl

Who won’t give them
Back––

O
O
O
U
C
H
.“

Jeder Hafisliebhaber und jede Fachfrau, die diese „Übersetzungen“ zu Gesicht bekommen, werden bestätigen, daß ihnen diese Hafissentenzen gänzlich unbekannt sind.

Ich habe bereits vor einem Jahr, als ich von Lesern auf die deutsche Nachübersetzung aufmerksam gemacht wurde, die deutsche Penguin-Vertretung gewarnt und dringend zu einer Überprüfung geraten. Geschehen ist nichts.

Im Internet fand ich vor einem Jahr bereits die Stellungnahme

• des türkisch-amerikanischen Dichters Murat Nemet-Nejat (http://home.jps.net/~nada/hafiz.htm),

Die weiteren WEB-Äußerungen, die sich äußerst kritisch bis sarkastisch mit Ladinsky auseinandersetzen, sind:

• der persische Iranist Professor Heshmat Moayyad (leider nur auf persisch)  http://www.talash.de/n16/34.htm (Herr Dr. Eschraghi hat in Auszügen den Text ins Deutsche übersetzt und am Ende seines Gutachtens angefügt.)

• Selbst bei Amazon.com finden sich inzwischen einige Leserbewertungen, die Ladinskys „Übersetzung“ nur noch als „fraud“ (Betrug) bezeichnen. Die deutsche Amazon.de-Redaktion hat die gekürzte Fassung meines Webtagebucheintrags vom 16.5.05 (http://www.regina-berlinghof.de/tagebuch200505.htm#16) bei den Leserbewertungen des Benziger-Buches bislang nicht veröffentlicht und damit zensiert.

Glücklicherweise hat sich im Juni dieses Jahres der Frankfurter Orientalist und Religionswissenschaftler Dr. Armin Eschraghi zu einem Gutachten bereit erklärt. Er vergleicht die Plumpheit und Offensichtlichkeit der Ladinsky-Fälschungen mit denen der Hitlertagebücher.

Die vollständige Version seines Gutachtens, das die deutsche Penguin-Vertretung und der Benziger-Verlag vollständig bereits im Juni erhalten haben, finden Sie auf der Verlagshomepage unter http://www.yinyang-verlag.de/Eschraghi_Ladinsky_Hafez_16.6.2005.pdf . Diese Presseerklärung finden Sie dort unter

http://www.yinyang-verlag.de/YYPressemitteilung_Hafis_Ladinsky.pdf

Wer in diesem Fall die Irreführung von Lesern und Käufern bemäntelt, totschweigt oder in Kauf nimmt, öffnet Tür und Tor für weiteren Mißbrauch. Dann dürfen wir in Zukunft mit Übersetzungen und Werken eines Pseudo-Goethe, Pseudo-Shakespeare, Pseudo-Grass, Pseudo-Jelinek rechnen, die unbekannte, aber geschäftstüchtige Autoren unter dem Namen literarischer Größen der Öffentlichkeit unterjubeln.

Penguin und Benziger (Patmos) können sich nicht mehr auf „Unwissenheit“ berufen. Trotz der Warnungen vom letzten Jahr an Penguin und des neuen Gutachtens von Dr. Eschraghi im Juni dieses Jahres an beide Verlage gehen die Verkäufe der Titel als „Hafis-Übersetzungen“ munter weiter.

Die Käufer erwerben 0 % Hafis und 100 % Ladinsky, eine Irreführung von Kunden und Lesern, die zu strafrechtlichen Maßnahmen berechtigt. Ich möchte gegen Kollegen nicht so weit gehen. Aber ich erwarte, daß der Penguin-Verlag und der Benziger-Verlag sowie alle Verlage, die Hafisübersetzungen auf der Basis einer Ladinsky-„Übersetzung“ anbieten, diese Titel umgehend aus ihrem Programm nehmen und die Leser und Käufer über ihre gefälschte Hafisausgaben aufklären und sich entschuldigen.

Wer sich Falschgeld hat andrehen lassen, ist nicht berechtigt, dieses Falschgeld weiterzugeben. Das muß auch für den Verkauf von Falschgeld-Büchern gelten.

Ob die Leser und Käufer dieser „Übersetzungen“ Schadensersatzansprüche wegen Betruges geltend machen werden, soll diesen überlassen bleiben.

Hiermit sei jedenfalls die Öffentlichkeit vor Ladinsky und seinen „Übersetzungen“ gewarnt. Sie erwerben keine Hafisverse, sondern Ladinsky-Fälschungen, die sie unter diesem Namen vermutlich nie gekauft hätten.

Mit freundlichen Grüßen,

Regina Berlinghof

Kurzbiographie von Dr. Armin Eschraghi:

Studium der Orientalistik/Islamwissenschaft, Philosphie und Vergleichenden Religionswissen schaft an der Johann-Wolfgang-Goethe Universität in Frankfurt am Main.

1999 Abschluss des Studiums, Thema der Magisterarbeit war ein unveröffentlichter Text aus der islamischen Mystik: „Der mystische Pfad zu Gott. ‘Umar as-Suhrawardîs Schrift „Der versiegelte Wein“ (ar-Rahîq al-Makhtûm li-dhawî l-‘uqûl wa’l-fuhûm). Einleitung, Text und Übersetzung.“

2004 Promotion mit dem Thema: „Die frühen Schriften des Sayyid ´Alí-Muhammad Shírází „Báb“ (1819-1850) vor dem Hintergrund der Shaikhiyya im schi´itischen Islam. Das Beispiel der Risála fí Ithbát an-Nubuwwa al-Khássa. Einleitung, Edition und Erläuterungen“. Die Dissertation wurde bei Brill (Leiden), 2004 veröffentlicht.

Von 2003-2005 Lehrbeauftragter für persische Sprache und Literatur an der Liebig-Universität (Gießen). Derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Orientalischen Seminar der Goethe Universität (Frankfurt am Main), Schwerpunkt: Moderne und klassische persische Literatur.

Mit freundlichen Grüßen,

Regina Berlinghof

_______________________________

YINYANG MEDIA VERLAG
Regina Berlinghof eKfr.
Im Tal 1
D-65779 Kelkheim / Ts.
Germany

Phone: +49 (6195) 9000 10
Fax:     +49 (6195) 9000 08
mobile: +49 (177) 349 2645

regina.berlinghof@yinyang-verlag.de
http://www.yinyang-verlag.de

One Comment on “Betrug mit Hafis-„Übersetzungen“

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