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55. Lyrische Bruderschaft

Von Felix Philipp Ingold

Ein Leben Shakespeares, nachgedichtet von Armin Senser

“William Shakespeare”, so kann man es in Wikipedia und auch anderswo lesen, “war ein englischer Dramatiker, Lyriker und Schauspieler (1564-1616). Er gehört zu den bedeutendsten und am meisten aufgeführten und verfilmten Dramatikern der Weltliteratur, schrieb etwa 38 Dramen und Versdichtungen, darunter eine Sammlung von Sonetten.” Das Werk dieses Autors ist in beliebig viele Sprachen übersetzt, nach immer wieder andern hermeneutischen Ansätzen gedeutet und anhand von unterschiedlichsten Kriterien als globaler Klassiker kanonisiert worden.

Zu der nach wie vor ungebrochenen Präsenz und Wirkungsmacht dieses Werks bildet die verschattete Persönlichkeit des Autors einen geradezu provokanten Kontrast. Nur ein paar wenige Koordinaten seines vermutlich recht unspektakulären Lebenswegs sind zweifelsfrei nachzuweisen, und selbst die Urheberschaft an seinen Stücken und Gedichten bleibt in letzter Instanz bis heute ungeklärt.

Bis heute hat denn auch das Interesse – oder wenigstens die Neugier – in Bezug auf Shakespeares Künstler-, Geschäfts-, Geschlechts-, Familien- und Glaubensleben stetig zugenommen, und die Tatsache, dass gegenwärtig, angeregt durch Kurt Kreilers diesbezügliche Forschungsergebnisse, erneut eine weltweite Debatte über die “wahre” Identität des Verfassers geführt wird, macht deutlich, wie gross das Faszinosum dieser fortbestehenden literaturgeschichtlichen Leerstelle noch immer ist. Bestätigt wird das Faszinosum auch durch zahlreiche andere (wissenschaftliche, essayistische, erzählerische) Publikationen der vergangenen Jahre, vorab jene von Peter Ackroyd und Walter Klier, von Stephen Greenblatt oder Harold Bloom.

Wenn nun der Dichter Armin Senser unter dem ebenso lapidaren wie anspruchsvollen Titel “Shakespeare” einen Versroman vorlegt, der auf mehr als 300 Druckseiten ein weiteres “Leben” des kaum fassbaren, von zahllosen Mutmassungen und Spekulationen zusätzlich verschatteten Autors entfaltet, mag dies vorab trendbedingt sein, verdient aber gleichwohl Beachtung schon deshalb, weil hier auf attraktive biographische Konjekturen verzichtet wird zu Gunsten eines dichterischen Grossprojekts, das als solches – Tausende von “Versen” sollen sich zu einem “Roman” fügen – Aufmerksamkeit erzwingt und gewürdigt werden will.

Senser arbeitet sich am Modell des Blankverses ab, gestattet sich dabei allerdings mancherlei Freiheiten, mitunter auch die, den Endreim einzusetzen. Weshalb und wozu der vorliegende Roman jedoch überhaupt versifiziert werden musste, ist nicht ohne Weiteres einzusehen. Der umfängliche Text besteht zur Hauptsache aus direkter, auf verschiedene Sprecher verteilter Rede, die sich nicht so sehr durch poetische Qualität auszeichnet als vielmehr durch betonte Schnodderigkeit, durch allerlei Jargonismen, zahlreiche Wiederholungen und Pleonasmen, die nur vereinzelt ‒ dann freilich machtvoll genug – mit lyrischen oder aphoristischen Versatzstücken kontrastiert werden. Offenkundig hat sich Senser eine dichterische Sprechweise angeeignet, wie man sie, formal sehr viel strenger gefasst, von Joseph Brodsky oder Durs Grünbein kennt, die ihrerseits bei der Poetik der altrömischen Epistel (etwa bei Horaz, bei Ovid) anknüpfen und dabei ebenfalls aktuelle umgangssprachliche Elemente einsetzen.

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Zu Armin Sensers Versroman liefert William Shakespeare ‒ vom Blankvers einmal abgesehen ‒ weniger den Stoff als den Vorwand oder die Folie, die auf eigene, eigenwillige Weise überschrieben wird, ohne dass dabei neue Fakten, Daten, Dokumente beigebracht werden (was auch gar nicht zu erwarten ist bei dieser Textsorte). Statt wie die meisten Shakespeare-Biographen den Stückeschreiber und Theaterintendanten aus Stratford als eine Art Schöpfergott hochleben zu lassen, der nicht nur seine Bühnenfiguren, sondern auch uns Nachgeborene überhaupt erst zu “wahren Menschen” gemacht habe, nähert sich Senser seinem Protagonisten völlig ungeniert an, begegnet ihm auf virtueller Augenhöhe, behandelt und kommentiert ihn wie einen vertrauten Kumpel vom Stammtisch, vom Spielautomaten oder von der Fanmeile. Naturgemäss wird er durch diese “Erniedrigung” des Kulturhelden seinerseits “erhöht”, er wird zu dessen Alter ego, er darf ihn umstandslos duzen, nennt ihn beiläufig “Will”, befragt und berät ihn unbefangen, und ebenso unbefangen lässt er die Menschen aus Shakespeares nächster Umgebung in direkter Rede zu Wort kommen.

Allzu gross ist seine diesbezügliche Auswahl nicht – das Personal beschränkt sich auf die Familie, auf Berufskollegen und Mätressen des erfolgreichen, geschäftstüchtigen, lebensfreudigen, dabei wenig verlässlichen, eher wankelmütigen und verantwortungsscheuen Theatermanns, dessen Genialität nichts daran ändert, dass er sich als ein “Mensch wie du und ich” durch seine kurvenreiche Vita manövriert, bald hochgemut und aufbrausend, bald zaudernd, zweifelnd und schwindelnd ‒ immer jedoch der unbestechliche Beobachter seiner Umwelt und seiner selbst, ein Mann, dem so profane Dinge wie die Untreue seiner Ehefrau, der Tod eines Sohns, Querelen mit Konkurrenten und Gläubigern gleichermassen zu schaffen machen und der sich bloss nebenbei für das zu engagieren scheint, was wir als seine Meisterwerke kennen. Senser versucht diesem Shakespeare klarzumachen, nein – einzureden, was Sache ist:

Was ist das für eine Welt. Was für Menschen.
Beide werden nun erforscht. Als müsste man sehen,
um zu verstehn, und verstehen, um einzusehen.
Dich überzeugt das nicht: es lässt dich nur schreiben.

Es schreibt sich von selbst, als ob sich die Sprache des Ärgers
bedienen würde. Als wäre die Anspannung dein Metrum.
Die Verachtung dein Wortschatz, der Ekel dein Vers.
Und du ein blosser Betrachter, ein Neutrum.

Es dämmert. Dein Rücken schmerzt, die Schulter brennt.
Den Fingernagel abgekaut, öffnest du ein Fenster …

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139. “Böhmen am Meer”

gilt seit Ingeborg Bachmanns Gedicht als zumeist literarische Projektion eines utopischen Idealzustands, aber in der Realität grenzte Böhmen bereits unter Ottokar II. Premysl an die Adria und das Böhmen Karls IV. an die Ostsee. / Ö1

(Shakespeare nicht zu vergessen. In dessen “Wintermärchen” gibt es ein Land “Bohemia. A desert country near the sea.” 3. Akt, Szene 3. Die Briten waren schon immer fern von Europa.)

Vgl. auch hier und hier.

„Böhmen am Meer“ heißt auch ein Stück von Volker Braun, uraufgeführt 1992 am Schiller-Theater Berlin, Regie Thomas Langhoff

(Und schon 1974 steht in seinem Gedicht “Prag”, bezogen auf die Niederschlagung des “Prager Frühlings” von 1968: “Böhmen/ Am Meer/ Von Blut?”, Volker Braun: Gegen die symmetrische Welt. Halle 1974)

107. Shakespeare-Roman in Versen

Gemessen an der Bedeutung seiner Werke, wissen wir wenig Gesichertes über das Leben William Shakespeares. Bekannt sind die Lebensdaten, alles andere schluckt das Dunkel der Überlieferungslücken. Biografen bleiben auf Mutmassungen angewiesen. Wieso also sollte eine solche Biografie nicht gleich erfunden werden, erzählt als Roman? Dies mochte sich der 1964 in Biel geborene und heute in Berlin lebende Lyriker Armin Senser gefragt haben, der seit Ende der neunziger Jahre mit rhapsodischer Lyrik das Gedicht als erzählerisches Genre und zumal auch als ein eminentes Medium der Reflexion zu gestalten wusste.

Doch musste Armin Sensers erfundene Shakespeare-Biografie (die sich übrigens in den Eckdaten weitgehend an die Überlieferung hält) gleich ein «Roman in Versen» sein, wie das Buch im Untertitel heisst? Kann so etwas gutgehen? Die Antwort lautet ganz entschieden: Das kann nur so gutgehen. Das hat lediglich zum geringeren Teil damit zu tun, dass die freie Imagination mit der Form – im Rhythmus, in den vielfach im Reim gebundenen Versen – gebändigt wird. Wichtiger und höher zu veranschlagen dürfte das reflexive Potenzial der gebundenen Sprache sein. Als Vers objektiviert sich die erzählerische Anschauung in der Abstraktion des Formzwangs und erhält in solcher Zuspitzung eine gedankliche Schärfung, zu der die Prosa ohne Stilbrüche kaum in der Lage wäre. / Roman Bucheli, NZZ 21.6.

Armin Senser: Shakespeare. Ein Roman in Versen. Edition Akzente, Hanser-Verlag, München 2011. 328 S., Fr. 32.90.

20. Harald Gerlachs Porträtgedichte

Selbst wenn Harald Gerlach nicht mehr als diese 100 Porträtgedichte hinterlassen hätte, wäre er ein bedeutender Lyriker zu nennen. Diese Sammlung ist aber nur ein kleiner Ausschnitt aus einem überaus umfangreichen Werk, das Gedichtbände, Romane und Dramen ebenso umfasst wie zahllose Essays und Radiofeatures.

Geordnet ist der von Bettina Olbrich (Leimen) und Ulrich Kaufmann (Jena) kompilierte und herausgegebene Band nicht in der Reihenfolge der Entstehung der Texte, sondern – das ist ein legitimes Verfahren – nach den Lebensdaten der Porträtierten. Den Auftakt bildet daher ein Gedicht auf Pontius Pilatus und den Abschluss ein autobiografisch-surreales Porträtgedicht, das mit einem Vers ausklingt, der auch dem Buch den Titel lieh: “aber du der ich / war”. Es finden sich ferner Texte auf Luther, Shakespeare,Johann Christian Günther, Johann Gottfried Seume, Schiller, Hölderlin, Bettina von Arnim,Nietzsche, Brigitte Struzyk und Wulf Kirsten. All diese und viele weitere Persönlichkeiten waren für Harald Gerlach Weggefährten im Geiste.

“aber du der ich war” ist ein gewichtiger Gedichtband, der einen Beitrag leistet, dass man sich auch künftig an Harald Gerlach und seine Dichtung erinnert. / Kai Agthe Thüringische Landes-Zeitung

Harald Gerlach: aber du der ich war. 100 Porträtgedichte aus drei Jahrzehnten. Hrsg. vonBettina Olbrich und Ulrich Kaufmann. Wartburg-Verlag, Weimar, 151 S., 16 Euro

68. Kehrseite

Ob es einem gefällt oder nicht, das Englische war über Jahrhunderte das Hauptmedium der irischen Kultur und die Iren hatten das Glück, von einem Volk mit einer verdammt guten Sprache kolonisiert worden zu sein.

Um auf Heaney zurückzukommen, so lag seine Inspiration wohl teilweise bei [den Iren] WB Yeats und Patrick Kavanagh, aber er erkannte auch stets an, wieviel er Shakespeare, Wordsworth und Gerard Manley Hopkins verdankt. Sein Geschenk einer Übersetzung des Beowulf (das Gegenstück zur Übersetzung des Táin durch einen englischen Dichter) ist das Eingeständnis seiner Schuldigkeit dem Englischen [Englishness] gegenüber. / gleiche Quelle wir #67

46. Akademie ehrt Übersetzer

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den mit 15.000 Euro dotierten Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung an Frank Günther für seine Shakespeare-Übertragungen ins Deutsche.

Den Friedrich-Gundolf-Preis für die Vermittlung deutscher Kultur im Ausland erhält der katalanische Übersetzer und Lyriker Feliu Formosa. Der Preis ist mit 12.500,- Euro dotiert.

Beide Preise werden am 15. Mai 2011 in Stockholm im Rahmen der Frühjahrstagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehen.

Frank Günther, 1947 in Freiburg im Breisgau geboren, wird für seine Übersetzung des Gesamtwerks von William Shakespeare ins Deutsche ausgezeichnet. Das „übersetzerische Mammutprojekt“, das Günther in den 1970er Jahren begonnen hat, soll bis 2014 abgeschlossen sein. Das über Jahrzehnte gehaltene Niveau seiner Übertragungen aus den unterschiedlichen Gattungen und Schaffensphasen des Dramatikers ist ebenso bewundernswert wie sein sprachlicher Einfallsreichtum. Günthers Übertragungen sind eine lustvolle Polyphonie der Stile, die sich immer als lebendige Neuentdeckung Shakespeares für unsere Zeit verstehen. Was Günther vor allem auszeichnet, ist die seltene Verbindung von philologischer, theaterpraktischer und kritischer Kompetenz.

Frank Günther studierte Anglistik, Germanistik und Theatergeschichte in Mainz und Bochum und war dann als Regisseur an mehreren Theatern tätig, bevor die Arbeit an der Übersetzung der Shakespeare-Werke zu seiner Hauptbeschäftigung wurde. Anerkennung erfuhren seine Über-setzungen nicht nur durch zahlreiche Aufführungen, sondern auch durch die Verleihung des Christoph-Martin-Wieland-Preises 2001 und des Übersetzerpreises der Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Stiftung 2006. 2007/8 hatte er die August Wilhelm von Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung an der FU Berlin inne. Seine Shakespeare-Übersetzungen erscheinen im Verlag ars vivendi und in der renommierten Klassiker-Reihe beim Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv). Frank Günther lebt im oberschwäbischen Rot.

Mit Feliu Formosa, 1934 in Sabadell (Spanien) geboren, ehrt die Deutsche Akademie einen herausragenden Vermittler und Übersetzer deutscher Literatur ins Katalanische und Spanische. Die Liste der von ihm übersetzten Werke reicht von Thomas Bernhard bis Peter Weiss – quer durch das Alphabet der deutschen Literatur. Derzeit übersetzt er das Stück von Peter Handke „Die Unvernünftigen sterben aus“ ins Katalanische. Bekannt sind seine Übertragungen von Bertolt Brecht, Friedrich Dürrenmatt, Heinrich von Kleist, Joseph Roth und Franz Kafka. Besonders erwähnenswert ist sein Verdienst, Brechts Theater in Spanien zu einer Zeit auf die Bühne gebracht zu haben, als Brecht-Aufführungen zensiert und sogar verboten wurden. Formosa übersetzt nicht nur Prosa und Lyrik, sondern gehört selbst zu den großen katalanischen Lyrikern.

Nach dem Studium der Romanischen Philologie in Barcelona und der Germanistik in Heidelberg arbeitete in den sechziger und siebziger Jahren als Schauspieler und Regisseur vor allem in der freien Theaterszene. Formosa lehrte lange Jahre am Städtischen Theaterwissenschaftlichen Institut in Barcelona und unterrichtete literarische Übersetzung an der Universität Pompeu Fabra. Er wurde vielfach als Übersetzer und Autor ausgezeichnet, unter anderem mit dem Premio Nacional a la Obra de Traductor, 1994, und dem Premi Nacional de Teatre de la Generalitat de Catalunya, 2002. Formosa lebt in Barcelona.

Nachtrag

Feliu Formosa hat über hundert Stücke/Romane/Gedichtbände ins Katalanische und Spanische übertragen, an Lyrik u.a. Trakl, Heine, Brecht, Rose Ausländer und zwei Bände deutscher Lyrik vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Er selber ist einer der wichtigsten zeitgenössischen Lyriker im katalanischsprachigen Raum; im August vergangenen Jahres druckte Akzente eine Auswahl seiner Gedichte (katal./dt.) ab.

123. Shakespeare lesen und gesund bleiben

The Sonnets of Shakespeare have a place beside the play of Hamlet in contention for the doubtful honor of being the cause of more perplexity and controversy than any other literary work in the English tongue. More persons, otherwise seemingly normal members of society, have thought that they were the first to understand one or the other of these works, or have professed to make illuminating discoveries regarding them, than could be computed as critics of any writing since the Iliad. If the present editor can come to the end of his task with any feeling of complacency, it is because he has spent some years with the Sonnets and still finds himself without a revelation. In other words, his complacency must be due only to the existence of some evidence that he is still sane — a poor substitute, no doubt, for the enthusiasm of the seer.

Introduction. “THE SONNETS”  OF SHAKESPEARE. From the Quarto of 1609 with variorum readings and commentary. EDITED BY Raymond Macdonald Alden. BOSTON & NEW YORK Houghton Mifflin Company 1916 (Download)

 

44. Sozial(-poetisch)es Netz

Ich war wohl ein Dreivierteljahr nicht bei Facebook. Ist das schon asozial? Wohl.

Jedenfalls muß ich feststellen: Facebook hat sich während meiner Abwesenheit in ein total poetisches Medium verwandelt?! Das erste, was ich sehe: Richard Duraj hat eine Shakespeare-Version gedichtet und seit 2 Stunden diskutiert man über den Vers unter Berücksichtigung der Erbtheorie… nicht schlecht.

8. Dancing the Poem

Can a poem be danced? Can the human body capture the dips and beats of a Shakespearean sonnet? Can the body reflect the expressive, sometimes inflammatory voice of the spoken word?

These questions, and many more, were explored Monday night in the Visions & Voices event, Dancing the Poem. /  TIMOTHY CLAYTON · Daily Trojan

 

22. Sonne, Mond und ISS

Sonne und Mond spielen in der Dichtung seit mindestens 4.000 Jahren eine Rolle. Das muß man nicht belegen. Peter Rühmkorf hat über den Mondwahnsinn in der deutschen Literatur geschrieben. Hier ein paar nur sehr grob chronologisch sortierte Beispiele für die Sonne:

  • Du erscheinst vollkommen am Horizont des Himmels (Echnaton)
  • Fear no more the heat o’ the sun (Shakespeare)
  • My mistress’ eyes are nothing like the sun (Dito)
  • The day’s grown old; the fainting sun has but a little way to run (Cotton)
  • Geh unter, schöne Sonne, sie achteten / nur wenig dein (Hölderlin)
  • Und die Sonne machte den weiten Ritt / um die Welt. (Arndt)
  • Wie sank die Sonne glüh und schwer (Droste-Hülshoff)
  • While we slumber and sleep the sun leaps up from the deep (Rossetti)
  • Le soleil du matin doucement chauffe et dore (Verlaine)
  • I’ll tell you how the sun rose (Dickinson)
  • Sonne hat ihn gesotten. (Heym)
  • And here face down beneath the sun (MacLeish)
  • sonne! die du uns leuchtest und sengst die fofemberwiese (Okopenko)
  • Plötzlich ging die Sonne aus (Bayer)
  • Here Comes The Sun (Harrison)
  • We were born of a sun stroke (Mohammed)

ISS-Gedichte gibts noch nicht so lang, aber es gibt sie. Vgl. hier und hier.

Hier nun ein Foto von gestern mit Mond und ISS vor der Sonne:

Quelle