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22. Lyrik auf die Straßen

Beim diesjährigen Sydney Writers’ Festival vom 18.-26. Mai werden die Müllautos zu Poesieträgern. Auf 11 Fahrzeuge werden Verse berühmter Dichter aufgesprüht, darunter W.B. Yeats, Judith Wright und Rainer Maria Rilke.

Hier die Liste der Titel:

  1. Rainer Maria Rilke (from “Archaic Torso of Apollo”) (tr: Stephen Mitchell)
  2. Gig Ryan (from “When I Consider”)
  3. Peter Porter (from “The Unicorn in Love”)
  4. Jessy Randall (“Why I had Children”)
  5. Martin Harrison (from “Walking Back from the Dam”)
  6. David Campbell (“Mothers and Daughters”)
  7. John Berryman (from “Eleven Addresses to the Lord”)
  8. W. B. Yeats (from “Vacillation”)
  9. Kevin Hart (from “Dark Bird”)
  10. Judith Wright (from “Sonnet”)
  11. Kay Ryan (“Fool’s Errands”)
  12. John Berryman (from “Op. posth. no. 13”)
  13. Laurie Duggan (from “Letter to John Forbes”)
  14. joanne burns (“revisionism”)
  15. John Berryman (from “Overseas Prayer”)
  16. Marilyn Hacker (“Villanelle for D.G.B.”)
  17. L. K. Holt (from “From Inside the MRI Scanner”)
  18. Judith Wright (from “Woman to Child”)
  19. S. K. Kelen (from “Reality Check”)

City of Sydney

Sydney Writers’ Festival

Sydney Poetry

136. Cover Story

100 Jahre alt ist die Zeitschrift Poetry. In den ersten zehn Jahren wurde sie die führende Lyrikzeitschrift in englischer Sprache. Die Zeitschrift entdeckte Gwendolyn Brooks, James Merrill und John Ashbery. T. S. Eliots “Love Song of J. Alfred Prufrock” erschien hier wie Beiträge von Ezra Pound, H.D., Robert Frost, Langston Hughes, Edna St. Vincent Millay, Marianne Moore, William Butler Yeats, Rabindranath Tagore, William Carlos Williams, Joyce Kilmer, Carl Sandburg, Charlotte Wilder, Robert Creeley, Wallace Stevens, Basil Bunting, Yone Noguchi, Carl Rakosi, Dorothy Richardson, Peter Viereck, Louis Zukofsky, Charles Reznikoff, E.E. Cummings, Frank O’Hara, Allen Ginsberg, Ernest Hemingway, James Joyce, Gertrude Stein und Tennessee Williams.

Heute hat sie eine Auflage von 30.000 Stück und druckt 300 Gedichte im Jahr, die sie aus 100,000 Einsendungen auswählen kann. Eine mehrfache Einsenderin, die immer abgelehnt wurde, Ruth Lilly, schenkte der Zeitschrift vor 9 Jahren 200 Millionen Dollar.

Zum Jubiläum hier ein Essay von Paul F. Gehl über die typographische Geschichte der Zeitschrift. 

 

(Zahlen und Namen von Wikipedia)

39. Mehr als ein gutes Dutzend. Lyrik 2011 (1)

Anthologie ∙ Einzeltitel ∙ Essayband ∙ Zeitschrift

Zusammengelesen von Theo Breuer, Mitarbeit Michael Gratz

Wird in den nächsten 6 Tagen in alphabetischer Folge ergänzt. Nachträge der Leser sind durchaus erwünscht und erbeten und können hier als Kommentar eingetragen werden.  (Bitte erst unter dem jeweiligen Buchstaben eintragen, hier also nur A + B. – Die ergänzten Titel werden in die Liste übernommen, in den Kommentaren können Sie nachlesen, was unserm geballten Sachverstand entgangen war, M.G.)

Auf dem Weg in ein poetisches Neuland, den jedes gelun­gene Gedicht geht (und dem damit zugleich das Kunst­stück gelingt, dieses Neuland als längst vertraut erschei­nen zu lassen), sind also die formalen Möglichkeiten so vielfältig wie die Anzahl denkbarer Gedichte, befreit von den Fesseln eines festgelegten Formenkanons.

Jan Wagner

  1. Silja Aðalsteinsdóttir, Jón Bjarni Atlason und Björn Kozempel (Hg.): Isländische Lyrik. Berlin: Insel 2011. 223 S.
  2. Kurd Adler · Gedichte (edition grillenfänger 29). 34 Seiten, Broschüre, Klammerheftung, Potsdam, udo degener verlag 2011.
  3. Gerd Adloff. Versensporn – Heft für lyrische Reize Nr. 4. Edition POESIE SCHMECKT GUT, Jena 2011.
  4. Pegah Ahmadi „Mir war nicht kalt“, Gedichte, Sujet Verlag 2011
  5. Ahne · Gedichte, die ich mal aufgeschrieben habe. Voland & Quist, Dresden und Leipzig 2011., 95 Seiten.
  6. Bernhard Albers · Der Fall Michael Guttenbrunner. Eine Verteidigungsschrift (Guttenbrunner-Studien Bd. 3; Rimbaud-Taschenbuch Nr. 73). 8 Abb., 52 Seiten, brosch., Aachen, Rimbaud Verlag 2011.
  7. Amanda Aizpuriete (Hg.): Kur Dieviņi paliksi. Wo Gott wirst du bleiben dann. Lettische Volkspoesie. Ausgewählt von Amanda Aizpuriete. Nachgedichtet von Manfred Peter Hein anhand der Übersetzung von Horst Bernhardt (Fäkätä 13). Queich Verlag Germersheim. Imprint des SAXA Verlags 2011. 20 S.
  8. Andreas Altmann · Axel Helbig (Hg.) ∙ Es gibt eine andere Welt. Neue Gedichte. Eine Anthologie aus Sachsen mit Gedichten von Uta Ackermann, Lars-Arvid Brischke, Uwe Claus, Renatus De­ckert, Margot Ehrich, Swen Friedel, Peter Gosse, Martina Hefter, Jayne-Ann Igel, Manfred Jendryschik, Thilo Krause, Kito Lo­renc, Dieter Mucke, Uwe Nösner, Kerstin Preiwuß, Bertram Reinecke, Ulrike Almut Sandig, Sandra Trojan, Günter Ullmann, Guntram Vesper, Michael Wüstefeld, Ulrich Zieger u.v.a., Nachwort von Peter Geist, 400 Seiten, Hardcover mit Schutzum­schlag, poe­tenladen, Leipzig 2011.
  9. Klaus Anders · Andreas Struve (Hg.) · So schmeckt ein Stern. Norwegische Lyrik des 20. Jahrhun­derts, über­setzt und kommentiert von Klaus Anders und Andreas Struve, Gedichte von Olaf Aukrust, Paul-Helge Haugen, Kristofer Uppdal u.v.a., 254 Seiten, Klappenbroschur, Edition Ru­gerup, Berlin · S-Hörby 2011.
  10. Eugénio de Andrade · Das Salz der Sprache & Die Furchen des Durstes – O Sal da Língua & Os Sulcos da Sede. Gedichte [zweisprachig]. Aus dem Portugiesischen von Juana und Tobias Burghardt. Mit einem Nachwort von Tobias Burghardt. 199 Seiten, broschiert, Edition Delta, Stuttgart 2011.
  11. Guillaume Apollinaire · Poesiealbum 294. Herausgegeben und ausgewählt von Richard Pietraß. Grafik Raoul Dufy. Märkischer Verlag Wilhemshorst 2011.
  12. Michael Arenz ∙ Noch nicht ganz aber fast, 42 Seiten, geheftete Broschur, Silver Horse Edition, Marklko­fen 2011.
  13. Michael Arenz (Hg.) ∙ Der Mongole wartet. Zeitschrift für Literatur und Kunst, 22. Ausgabe: Lyrik ∙ Prosa ∙ bildende Kunst, Gedichte Michael Arenz ∙ Peter Ettl ∙ Bernd harlem Fischle ∙ Erna Fitzner ∙ Florian Günther ∙ Kai Pohl ∙ Ruth Velser ∙ Johannes Witek ∙ Maximilian Zander, 504 Seiten, Zenon Ver­lag, Düs­seldorf 2011.
  14. Tone Avenstroup, Stefan Döring, Bert Papenfuß, Michael Peschke, Stefan Ret, Hugo Velarde (Hg.): Gegner. Quartalsschrift. H. 29, September 2011. Gedichte von Jóanes Nielsen, Prosa von Lothar Trolle, Ilia Kitup, Johannes Jansen u.v.a.
  15. Bassirou Ayeva, Cahier D’exil, Gedichte französisch-deutsch, Sujet Verlag 2011
  16. “Matthias” BAADER Holst·  Versensporn 2. Exdition Poesie schmeckt gut. Jena 2011
  17. Ulrike Bail ∙ wundklee streut aus. 47 gedichte über theodora, 103 Seiten, Broschur, CONTE Verlag, Saarbrü­cken 2011.
  18. Hugo Ball ∙ Zinnoberzack, Zeter und Mordio. Alle DADA-Texte, herausgegeben von Eckhard Faul, 144 Seiten, Klappenbroschur, Wallstein Verlag, Göttingen 2011.
  19. Hans Jürgen Balmes, Jörg Bong, Alexander Roesler und Oliver Vogel (Hg.): Neue Rundschau, 122. Jahrgang, Heft 1/ 2011. Thesen zur Literaturkritik. Lyrikosmose 3, zusammengestellt von Michael Braun und Michael Lentz, Gedichte von Konstantin Ames,  Franz Richard Behrens, Ulrich Koch, Dagmara Kraus, Renate Rasp, Werner Riegel, Jürgen Theobaldy. Carte Blanche, Gedichte von Uwe Dick. 248 S.
  20. Mary Jo Bang, Eskapaden, luxbooks, 2011.
  21. Maximilian Barck (Hg.): Kunst- und Literaturzeitschrift HERZATTACKE. Sonderband 2011: Wolfgang Hilbig. Mit Texten von Andreas Altmann, Maximilian Barck, Rita Bischof, Thomas Böhme, Rene Char, Francis Scott Fitzgerald, Eberhard Häfner, Andreas Koziol, E. O. Kuilman, Stéphane Mallarmé, Thomas Martin, Gérard de Nerval, Gert Neumann, Philipp Passeur, Simone Katrin Paul, Arthur Rimbaud, André Schinkel und Ilona Stumpe-Speer. Kunstverein HERZATTACKE e. V.
  22. Roland Bärwinkel: Bevor es zu spät wird. Wartburg Verlag: Edition Muschelkalk der Literarischen Gesellschaft Thüringen, Band 34.
  23. Christoph W. Bauer: getaktet in herzstärkender fremde. Haymon. 20 Seiten
  24. Christoph W. Bauer: mein lieben mein hassen mein mittendrin du. Haymon. 89 Seiten
  25. Sandra Beasley: Die Abtastnadel in der Rille eines traurigen Lieds. Gedichte (übersetzt von Ron Winkler), hochroth Verlag 2011.
  26. BELLA triste 30. [Pappschachtel] Beiträge von Niklas Bardeli ∙ Christian Filips ∙ Monika Rinck ∙ Bo Wiget ∙ Dieter M. Gräf ∙ Hendrik Jackson ∙ Judith Schalansky ∙ Marius Schmidt ∙ Philipp Schönthaler  ∙ Michael Stavaric ∙ Laetizia Praiss ∙ Andreas Töpfer ∙ Robert Wenrich ∙ Uljana Wolf ∙ Christian Hawkey
  27. Hans Bender ∙ O Abendstunde. Ausgewählte Gedichte, mit einem Nachwort von Arnold Stadler, 40 Seiten, handfadengebundene Broschur, Verlag Ulrich Keicher, Warmbronn 2011.
  28. Timo Berger, Rike Bolte, Juan Carlos Guédez Méndez, Enno Stahl (Hg.): Frachtgut Überseepoesie (Latinale 2011). Remesa Poética de Ultramar: Neue Gedichte aus Lateinamerika und Deutschland / Nuevos Poemas de Latinoamérica y Alemania«. Mit llustrationen von Mónica León, unter Verwendung des Logo von Ana Albero. Mit Gedichten von Luis Alberto Arellano, Damaris Calderón, Luis Chaves, Martín Gambarotta, Maricela Guerrero, Victoria Guerrero, Adrian Kasnitz, Odile Kennel, Björn Kuhligk, Stan Lafleur, Swantje Lichtenstein, Marie T. Martin, Benjamín Moreno, Jinn Pogy, Minerva Reynosa, Monika Rinck, Tom Schulz, Enno Stahl, Ernesto Suárez, Andira Watson, Uljana Wolf. sUkUltUr, November 2011.
  29. Aloysius Bertrand, Gaspard de la nuit, Übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Jürgen Buchmann, Reinecke & Voß, Leipzig 2011, 150 Seiten.
  30. Wolf Biermann: Fliegen mit fremden Federn. Nachdichtungen und Adaptionen. Hoffmann und Campe 2011, 526 S. Aus dem Griechischen, Portugiesischen, Spanischen, Koreanischen, Tschechischen, Italienischen, Schwyzerdütschen, Schwedischen, Englischen, Russischen, Hebräischen, Jiddischen, Lettischen, Finnischen, Litauischen, Estnischen, Französischen. Texte u.a. von José Marti, Ernesto Cardenal, Victor Jara, Giacomo Leopardi, Mani Matter, William Shakespeare, Robert Burns, William Butler Yeats, Andrew Marvell, Robert Frost, John Keats, John Donne, e.e. cummings, W.H. Auden, George Orwell, Dylan Thomas, Bob Dylan, Bulat Okudshawa, Sergej Jessenin, Novella Matwejewa, Wladimir Wyssozki, Andrej Wosnessenski, Julij Daniel, Jizchak Katzenelson, Elie Wiesel, Hirsch Glik, Uri Zvi Grinberg, Mordechaj Gebirtig, Pierre-Jean de Béranger, Boris Vian, Louis Aragon, Jacques Prévert, George Brassens, Guillaume Apollinaire, Paul Verlaine, Arthur Rimbaud.
  31. Bilhana: Gestohlene Lust. Hg. u. aus dem Sanskrit übersetzt von Albertine Trutmann. München: C.H. beck textura 2011. 128 S.
  32. Horst Bingel, Stafettenlauf. Gedichte aus dem Nachlaß. Corvinus Presse
  33. Paulus Böhmer ∙ Teigwaren auf der Terrasse nachts. 36 Seiten. Ostheim/Rhön, Peter Engstler 2011.
  34. Dietrich Bode (Hg.): Blumen, Gärten, Landschaften. Bilder und Gedichte. Reclam. 183 Seiten, 75 farbige Abbildungen (Gestaltung: Susanne Zippel).
  35. Rike Bolte und Ulrike Prinz (Hg.): Transversalia. Horizontes con versos. Horizonte in verkehrten Versen. Verlagshaus J. Frank. Quartheft 31, Edition Polyphon. 220 S.
  36. Jürgen Born: Endlosreise. (Schock Edition Fünf mal zwölf Gedichte Herausgegeben von Kai Pohl)
  37. Nora Bossong ∙ Sommer vor den Mauern, 96 Seiten, Hardcover, Edition Lyrik Kabinett bei Hanser, Mün­chen 2011.
  38. Michael Braun · Kathrin Dittner · Martin Rector (Hg.): Gegenstrophe. Blätter zur Lyrik 3. Mit Texten und Gedichten von Paulus Böhmer · Michael Braun · Cornelia Jentzsch · Simone Kornappel · Michael Krüger · Nadja Küchenmeister · Michael Lentz · Dirk von Petersdorff · Marion Poschmann · Martin Rector · Bertram Reinecke · Jan Volker Röhnert · Àxel Sanjosé · Jan Wagner · Levin Westermann. 120 Seiten, Hardcover, Wehrhahn Verlag, Hannover 2011. (http://www.wehrhahn-verlag.de/index.php?section=03&subsection=details&id=596)
  39. Michael Braun (Hg.): Lyrikkalender 2012. 740 Seiten, Tagesabreißkalender zum Stellen und Hängen, Verlag das Wunderhorn, Heidelberg 2011 (http://www.wunderhorn.de/wunderhorn/content/buecher/pool/978_3_88423_365_8/index_ger.html)
  40. Bess Brenck-Kalischer. Versensporn – Heft für lyrische Reize Nr. 3. Edition POESIE SCHMECKT GUT, Jena 2011.
  41. Tom Bresemann · Berliner Fenster, 94 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Berlin Verlag, Berlin 2011.
  42. Rainer Weiss, Martin Bruch (Hg.): „Kein herz ungeteilt”. 99 Haiku von Frauen. Frankfurt/Main: Weissbooks 2011. 96 S. Mit Farbseiten zum Ausklappen, Illustrationen im Siebdruck. Beiträge von Barbara Bongartz, Daniela Danz, Tanja Dückers, Nora Gomringer, Martina Hefter, Ursula Krechel, Swantje Lichtenstein, Elsemarie Maletzke, Ilma Rakusa, Silke Scheuermann, Sabine Scho, Anja Utler u.a.
  43. Helwig Brunner. Vorläufige Tage: Prosagedichte. Leykam
  44. Helwig Brunner + Stefan Schmitzer. gemacht/gedicht/gefunden: über lyrik streiten. Droschl.
  45. Werner Bucher ∙ Spazieren mit dem gelbgrünen Puma, 98 Seiten, Broschur mit Schutzum­schlag, Verlag im Waldgut, CH-Frauenfeld 2011.
  46. Werner Bucher · Malcolm Green · Spazieren mit dem gelbgrünen Puma, CD und Booklet, orte-Verlag, CH-Oberegg 2011.
  47. Werner Bucher · Rütegger Gedichte, 108 Seiten, Klappbroschur, orte-Verlag, CH-Oberegg 2011.
  48. Werner Bucher ∙ Jolanda Fäh ∙ Virgilio Masciadri (Hg.) ∙ Poesie Agenda 2012, Cartoons, ∙ Ge­dichte, ∙ Bil­der ∙ Zitate von Michael Arenz ∙ Hans Bender ∙ Gottfried Benn ∙ Claus Bremer ∙ Blaise Cendrars ∙ René Char ∙ Simon Dach ∙ Margot Ehrich ∙ Peter Ettl ∙ Lawrence Ferlinghetti ∙ Brigitte Fuchs ∙ Alexander Xaver Gwerder ∙ Friedrich Hölderlin ∙ Hadayatullah Hübsch ∙ Alfred Ilk ∙ Kla­bund ∙ Axel Kutsch ∙ Ivo Lederger­ber ∙ Erwin Messmer ∙ Andreas Noga ∙ Frank O’Hara ∙ Vera Piller ∙ Salvatore Quasimodo ∙ Joachim Ringel­natz ∙ Christian Saalberg ∙ Barbara Traber ∙ Jürgen Völkert-Marten ∙ William Carlos Williams ∙ Maximilian Zander u.v.a., 256 Seiten, Broschur, orte-Verlag, CH-Oberegg 2011.
  49. Werner Bucher ∙ Virgilio Masciadri (Hg.) orte. Schweizer Literaturzeitschrift. Nr. 167, Mai/Juni 2011. Sag was zur Nacht – oder: die Gomringers sind hier. Enthält: Werner Bucher: Claus Bremer – von der konkreten Poesie bis zur Einsicht, dass wir andere sind. Gedichte von Eugen Gomringer, Nora Gomringer, Virgilio Masciadri; Beiträge über Eugen Gomringer, Nora Gomringer, Forugh Farrokhzad.
  50. Christoph Buchwald ∙ Kathrin Schmidt (Hg.) ∙ Jahrbuch der Lyrik 2011, Gedichte von 138 Au­torinnen und Autoren, darunter Urs Allemann ∙ Friedrich Ani ∙ Anke Bastrop ∙ Thomas Böhme ∙ Mara-Daria Cojo­caru ∙ Crauss ∙ Carolin Dabrowski ∙ Róža Domašcyna ∙ Elke Engelhardt ∙ Elke Erb ∙ Karin Fellner ∙ Ludwig Fels ∙ Mara Gen­schel ∙ Tina Ilse Gintrowski ∙ Caroline Hartge ∙ Mi­chael Hüttenberger ∙ Jan Imgrund ∙ Mag­dalena Jagelke ∙ Manfred Jendryschik ∙ Synke Köhler ∙ Axel Kutsch ∙ Christian Lehnert ∙ Vesna Lubina ∙ Ma­rie T. Martin ∙ Friederike Mayröcker ∙ Mar­cus Neuert ∙ Harry Oberländer ∙ Hellmuth Opitz ∙ Eva Paula Pick ∙ Richard Pietraß ∙ Jan Volker Röhnert ∙ Hendrik Rost ∙ Ulrike Almut Sandig ∙ Vera Schindler-Wunderlich ∙ Marita Tank ∙ Hans Thill ∙ Isabella Vogel ∙ Ernest Wichner ∙ Bastian Winkler ∙ Eva Christina Zeller ∙ Michael Zoch u.v.a., Essays von Jürgen Brôcan · Andre Rudolph · Christa Wißkir­chen u.v.a., Nachworte von Chris­toph Buchwald und Kathrin Schmidt, 272 Seiten, Klappenbroschur, Deutsche Verlags-An­stalt, Mün­chen 2011.
  51. Hansjürgen Bulkowski, Und wie! Corvinus Presse.
  52. Hans Georg Bulla, „Wechselgetriebe – Ausgewählte Gedichte und Notate“, herausgegeben von Gerd Kolter, mit Zeichnungen von Peter Marggraf und einem Nachwort von Hermann Kinder, 174 Seiten, Leinen mit Schutzumschlag, Bücher der Nyland-Stiftung, Köln, Aisthesis-Verlag, Bielefeld 2011.
  53. Erika Burkart: Nachtschicht. / Ernst Halter: Schattenzone. Weissbooks. 150 S.
  54. John Burnside · Versuch über das Licht, zweisprachige Ausgabe, aus dem Englischen und mit einem Nachwort versehen von Iain Galbraith, 138 Seiten, Hardcover, Edition Lyrik Kabinett bei Hanser, München 2011.
  55. Matthias Buth, Weltummundung, Gedichte, Verlag Ralf Liebe, Weilerswist 2011.

88. Rabindranath Tagore

Rabindranath Tagore war der erste Shooting Star der Weltliteratur. Als der 51-jährige Bengale 1912 nach London reiste, kannte ihn im Westen niemand. Der polyglotte Sohn einer Bramahnen-Familie übersetzte rund 100 seiner Gedichte ins Englische, für ihre Veröffentlichung sorgte William Butler Yeats. Ihre nie gehörte Metaphorik faszinierte das Publikum. 1913 erhielt er als erster nichteuropäischer Autor den Nobelpreis.

Bis 1925 erschienen allein in Deutschland 24 Bücher von ihm mit einer Gesamtauflage von rund einer Million Exemplaren. …

In Indien ist sein Rang bis heute unumstritten. Eines seiner Lieder dient als Nationalhymne. Tagore gilt als kultureller Lehrmeister, dessen bildungs- und sozialreformerische Visionen immer noch wegweisend sind. Zum 150. Geburtstag schickt die indische Regierung nun eine Auswahl seiner Gemälde auf Welt-Tournee. 98 sind jetzt in Dahlem zu sehen. / Oliver Heilwagen, Tagesspiegel

Museum für Asiatische Kunst, Lansstr. 8 (Dahlem), bis 30. Oktober, Di–Fr 10–18, Sa/So 11–18 Uhr.

75. Poetry Foundation Announces Library Open House

CHICAGO — The Poetry Foundation, publisher of Poetrymagazine, will host an open house to celebrate the expanded hours and programs of its library. Festivities include readings by local poets of favorite poems from the library collection, poetry fortune-telling, poetry recording sessions, and a scavenger hunt. Wine and light refreshments will be served.

The Poetry Foundation Library houses the organization’s 30,000-volume collection—including books dating back to 1916—which had previously been in storage at Chicago’s Newberry Library. The noncirculating collection is now open to the public at the Poetry Foundation’s new home.

The first floor of the Poetry Foundation Library houses single-author volumes of poetry as well as a children’s area filled with more than 3,000 volumes of poetry books written for young people. The second floor contains anthologies and prose, including criticism, literary history, and biography.

The library’s special collections feature some notable volumes, including W.B. Yeats’s 1939 Cuala Press edition of On the Boilerand Louis Zukofsky’s 1956 collection Some Time. According to Poetry Foundation librarian Katherine Litwin, “The collection contains an amazing number of first- and limited-edition titles. As we continue to inventory the collection, we will undoubtedly discover many more treasures.” The Californians by Robinson Jeffers, published 95 years ago, currently ranks as the library’s oldest book, and a 1935 edition of The Dream Keeper by Langston Hughes features Hughes’s inscription to Poetry’s founding editor Harriet Monroe.

More highlights from the special collections include a first edition of Delmore Schwartz’s Vaudeville for a Princess, an early version of The Sleeping Fury by Louise Bogan, and a first U.S. edition of Ariel by Sylvia Plath.

The Poetry Foundation Library will extend its hours this fall and expand its children’s programming. The library, now open to the general public on Tuesdays and Thursdays from 11 a.m. until 4 p.m., will also be open Fridays from 11 a.m. to 4 p.m. as of September 9. Beginning September 14, the library will be open on Wednesdays exclusively for young patrons and their guardians from 10 a.m. to 5 p.m., when librarians will be on hand to help young people with poetry-related homework and projects. Also on Wednesdays, and beginning September 21, the library will host Poemtime, an event introducing children age five and under to poetry through fun, interactive games.

The Poetry Foundation is open to the public from 11 a.m. until 4 p.m. Monday through Friday.

For more information about this and other Poetry Foundation events, please visit www.poetryfoundation.org/events.

68. Kehrseite

Ob es einem gefällt oder nicht, das Englische war über Jahrhunderte das Hauptmedium der irischen Kultur und die Iren hatten das Glück, von einem Volk mit einer verdammt guten Sprache kolonisiert worden zu sein.

Um auf Heaney zurückzukommen, so lag seine Inspiration wohl teilweise bei [den Iren] WB Yeats und Patrick Kavanagh, aber er erkannte auch stets an, wieviel er Shakespeare, Wordsworth und Gerard Manley Hopkins verdankt. Sein Geschenk einer Übersetzung des Beowulf (das Gegenstück zur Übersetzung des Táin durch einen englischen Dichter) ist das Eingeständnis seiner Schuldigkeit dem Englischen [Englishness] gegenüber. / gleiche Quelle wir #67

27. Fourth Season of Poetry Everywhere Debuts

Public television brings poetry into homes nationwide with a collection of 40 short poetry films

CHICAGO—The Poetry Foundation is pleased to announce the debut of a new season of Poetry Everywhere with Garrison Keillor. This April, the short poetry film series returns to public television and the Web with a broad spectrum of poetic voices. Produced by WGBH Boston and David Grubin Productions, in association with the Poetry Foundation, publisher of Poetrymagazine, the project offers 40 short poetry films during unexpected moments in the public television broadcast schedule.

Poetry Everywhere brings great poems, in gemlike productions, to the eyes, ears, and hearts of its viewers,” says Poetry Foundation president John Barr. “A poem at a time, it enriches our lives.”

Building on Poetry Everywhere’s existing collection of 32 short poetry films, the project’s fourth season on public television adds eight new poets reading their own works: Galway Kinnell, “After Making Love We Hear Footsteps”; Dorianne Laux, “Dust”; Joseph Millar, “American Wedding”; Kwame Dawes, “Tornado Child”; Matthew Dickman, “Slow Dance”; Kay Ryan, “Turtle”; Rita Dove, “American Smooth”; and Bob Hicok, “Calling him back from layoff.”

Once again, Garrison Keillor serves as series narrator. Keillor’s introductions to the poems and poets provide audiences with wonderful insights into each poet’s background. An enthusiastic supporter of poetry, he regularly features it on his public radio programs A Prairie Home Companion and The Writer’s Almanac,and in his poetry anthologies, Good Poems; Good Poems for Hard Times; and the forthcoming Good Poems, American Places(to be released in April).

“With Poetry Everywhere, our goal is to provide new platforms for poetry,” says WGBH’s Brigid Sullivan, series executive producer. “Whether our viewers seek out poems online, on public television, or through new classroom tools on Teachers’ Domain, our mission is to present these great works across a range of mediums and increase the overall accessibility of poetry to new audiences.”

David Grubin, the producer of the series, concurs. “Television, and now the Internet—pervasive mass cultural mediums—can make the voice of a single human being especially vivid,” Grubin says. “We are hoping that these poems will be a reason to pause in our busy lives, providing a moment for introspection, inspiration, even revelation.”

New online resources help bring Poetry Everywhere into the classroom
New to the project this season is the Poetry Everywherecollection on Teachers’ Domain (WGBH’s library of free media resources, available online at www.teachersdomain.org). Here, educators will find resources—such as short introductions and discussion questions—to bring the films into the classroom. The updated collection at Teachers’ Domain comprises 35 poets, including Adrienne Rich, Naomi Shihab Nye, Mark Doty, Martin Espada, Kwame Dawes, and Marilyn Chin. These resources can be found online at www.teachersdomain.org/special/pe08-wx/.

Selections from Poetry Everywhere also are offered on iTunes U and YouTube.

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Weiterlesen

169. Das “ekstatisch-empirisch-esoterische mOMent” der Direkten Dichtung oder: Das Scheinparadoxon der Jülicher Transrealistik (EEE-Teil 1)

“Seine Tendenz zur Normalität entsprach einer Persönlichkeit, die durch die Konfrontation mit dem Unbewußten nicht entwickelt, sondern nur gesprengt worden wäre. (…) Man kann wohl sagen, daß das heutige Kulturbewußtsein, insofern es sich philosophisch reflektiert, die Idee des Unbewußten und deren Konsequenzen noch nicht aufgenommen hat, obwohl es seit mehr als einem halben Jahrhundert damit konfrontiert ist. Die allgemeine und grundlegende Einsicht, daß unsere psychische Existenz zwei Pole hat, bleibt noch immer eine Aufgabe der Zukunft.”
Carl Gustav Jung (‘ERINNERUNGEN, TRÄUME, GEDANKEN’, 1961)

G&GN-Institut, Berlin-Neukölle (Ende Februar 2010) / Angeregt durch die beiden jüngsten Kommentare seitens Thien Tran & Anonymus über angeblich esoterische Tendenzen innerhalb der Lyrik von Tom de Toys, versucht das G&GN-Institut nun anhand von öffentlich zugänglichen sowie noch unpublizierten Texten diverser Institutsmitarbeiter diese Interpretation der Direkten Dichtung nachzuvollziehen und vorallem zu verstehen, ob sich der “junge” Literaturbetrieb generell von der DIREKTEN DOKUMENTATION “SEELISCHER” DIMENSIONEN ZUGUNSTEN EINER SOGENANNTEN “SACHLICHEN” EBENE distanziert oder inwiefern es sich um ein Mißverständnis handelt, das die ambivalente Bedeutung des Begriffs Esoterik mit sich bringt, wenn dieser absurderweise in die Nähe von Zen gerückt wird, also einer Haltung, deren traditionelles Anliegen es ist, die Wirklichkeit gerade nicht als “geheim” zu empfinden sondern als ERFAHRBARES TOTALES “JETZT”:

“Als ein Meister des Zen einmal gefragt wurde, was Zen sei, erwiderte er: ‘Eure Alltagsgedanken.’ Ist das nicht klar und ehrlich? Zen hat gar nichts zu tun mit Sektierergeist irgendwelcher Art. Christen können Zen ebenso ausüben wie Buddhisten, genau so, wie große und kleine Fische zufrieden miteinander im selben Ozean leben. Zen ist der Ozean, Zen ist die Luft, Zen ist das Gebirge, Zen ist Donner und Blitz, Frühlingsblume, Sommerhitze und Winterschnee; ja mehr als das, Zen ist der Mensch. Unter all seinen Förmlichkeiten, Überlieferungen und Überbauten, die sich in seiner langen Geschichte angehäuft haben, im Grunde lebt dieser Kern des Zen fort. Sein Hauptverdienst liegt darin, daß wir in diese letzte Wirklichkeit hineinzuschauen vermögen, ohne irgendwelche Ablenkung. (…) Alles in allem: Zen ist -was nachdrücklichst betont sei- eine Sache persönlichen Erlebens. Gibt es irgend etwas in der Welt, was man als reine Erfahrung bezeichnen könnte, so ist es Zen. Weder ein Berg von Büchern, noch eine Unzahl von Lehrern machen je einen Menschen zum Meister des Zen. Das Leben selbst muß in der Mitte seines Flusses erfaßt werden…”
Daisetz Teitaro Suzuki (1958, in: ‘DIE GROSSE BEFREIUNG’; übersetzt 1969: Rascher-Verlag)

“Lieber Tom, ach, wenn Du hier unser deutschsprachiger Zen-Meister-Dichter bist, (…), dann hat das, was Du tust nur wenig mit Buddhismus zu tun, zumal Dein Verständnis der Null wohl eher ESOTERIK ist, eine aufdringliche Mischung aus christlichem Gedankengut (Glaube, Liebe, Hoffnung) und fernöstlicher Schule oder Philosophie (…)”
Thien Tran (5.2.10, Lyrikmail-Kommentar zum Gedicht #2139 “Reduktion I”)

“ach, herr de toys, aus ihnen spricht wie immer der blanke neid. und alles nur, weil sie es mit ihrer esoterischen lyrik nie in die von ihnen erwähnten anthologien schaffen. nichts für ungut, herr kollege.”
Ein unter falschem Namen auftretender Anonymus (19.2.10, L&Poe-Kommentar zum Ticker “Poesielabel Perplex”, 17.2.10)

“Es ist ganz sicher, daß das Geheimnisvolle zum Träumen verleitet und der Welt eine Tiefendimension gibt, und daß im Gegensatz dazu die tagtäglichen Dinge an Reiz verlieren. Deshalb hegen die Esoteriker gern das Geheimnisvolle. (…) Die Etymologie des Wortes ‘Esoterik’ läßt die Notion des Geheimen mitschwingen, indem sie zu verstehen gibt, daß man keinen Zugang zu einem Symbol, einem Mythos oder zur Wirklichkeitswelt haben kann ohne ein persönliches Bemühen um eine stufenweise, progressive Erläuterung, d.h. ohne eine Art Hermeneutik. Ferner gibt es auch kein allerletztes Geheimnis, sobald man einmal entschieden hat, daß alles geheim sein soll.
Antoine Faivre (1992, in: ‘ESOTERIK’; übersetzt 1996: Aurum-Verlag, Edition Roter Löwe)

Antoine Faivre (vom Religionswissenschaftlichen Institut der Sorbonne, Paris) rückt so manchen berühmten Dichter in seinem Buch “Esoterik” (1992, Presses Universitaires de France) in die Nähe des Esoterischen: Oscar Venceslas Milosz, William B. Yeats, Aleksandr Blok, den Surrealisten André Breton, Fernando Pessoa und den deutschen Maler & Dichter Joseph Anton Schneiderfranken (alias Bo-Yin-Ra, 1876-1943: “Das Buch der Gespräche”, 1920). Über den Seelenforscher Carl Gustav Jung (1875-1961) schreibt er, dessen “nicht reduktionistische Orientierung seines Denkens hat ihm die Entdeckung erlaubt, daß alchemistische Transmutation und die Symbolik ihrer markierten Pfade eine hochpositive – da trans-formierende – Arbeit der Psyche auf der Suche nach ihrem eigenen Gefüge, nach ihrer ‘Individuation’, darstellt.” Hier drängt sich uns die Verwunderung auf, daß gerade im wörtlichsten Sinne “junge” Dichter genau das abzulehnen scheinen, was doch gerade ein Markenzeichen der Jugend ist: DAS TIEFE RINGEN UM SINN UND LETZTE FRAGEN. In anderen Epochen wie der Beat-Generation (hier könnten nun unzählige Zitate von Alan Watts bis Allen Ginsberg folgen!) war die “esoterische Suche” die Voraussetzung für schriftstellerische Tätigkeit schlechthin, nur nannte man das damals eher “spirituell” oder sogar “religiös”, was aber im Kontrast zu jeder angestrebten Versachlichung von emotionalen Ereignissen als synonym mißverstanden wird. Bedenkt man die seelische Besessenheit, mit der Malewitsch sein “Schwarzes Quadrat” entwickelte, oder die Konkrete Poesie ebenso wie manch sprachmagisch inspirierter Dada geradezu zwanghaft versuchten, eine EXISTENZIELLE ESSENZ der sogenannten “Wirklichkeit” künstlerisch einzufangen, dann erstaunt umso mehr, warum sich eine ganze junge Generation von deutschen Dichtern ideologisch von “esoterischen Ebenen” abgrenzen muß, um ihren vermeintlichen “Stil” als Conradi-salonfähig zu legitimieren, der dann allerdings absurderweise vor lauter neologistischen, grammatikalischen und metaphorischen Originalitätsbemühungen derart ins Willkürlich-Hermetische abdriftet (wie z.B. die Tranig naiv-faszinierte Fastfood-Verwertung der Zahl Null zeigt), daß nicht nur der Echtpop-Veteran Brinkmann sondern selbst Celan (der ja ganz offensichtlich bei vielen der Fraktion “Jetzt” als Vorbild gilt) noch unesoterischer wirken!

Bruno Brachland, Nr.11, 6./7.2.1999

ÜBER(N)ACH(T)

sich im alltäglichen
spiel verlieren
während die regierung
sämtliche gesetze ändert
jeden nächstbesten
ersatz gutheißen
der Das echte LEBEN
wirklich MACHT
so wirklich
daß es scheint
als ob Nichts fehle
jedenfalls nichts greifbares
obwohl selbst seele nur
noch ein wahnhaftes wort
für unmögliche wünsche War
in zeiten wo fast
Alles körperlich entgrenzt
um die beweise gegen
gott nachzuvollziehen
bis die sinne SINN erzeugen
ohne große geister zu beschwören

Seltsamerweise lassen sich seit einigen Jahren sogar gleich zwei parallele Trends in der Gesellschaft beobachten, die nicht gegensätzlicher sein könnten: einerseits wird viel medialer Wind um die angebliche Renaissance der Gattung Lyrik gemacht (obwohl selbst Auschwitz nur zu ihrem Fake-Suizid führte und bei den literarischen Adlon-Popperzombies mündet), andererseits tendieren immer mehr Menschen zur “ganzheitlichen” (bzw. grenzwissenschaftlichen) Beschäftigung mit sich selbst bzw ihrem SELBST: Yoga, Taijiquan, Zazen, transpersonale Psychotherapie, Quantenphysik, Astrologie und Astronomie, Neurophilosophie und “sogar” Lyrik stehen bei solchen Menschen hoch im Kurs, die sich NICHT OBERFLÄCHLICH sondern “sinnsuchend” mit sich selbst auseinander- und zusammensetzen wollen! Darum ist ein gewisser reziproker Effekt der zeitgenössischen Lyrik umso spannender: der Bedarf nach “innovatiefen” Gedanken steigt zwar allgemein, aber wird eben nicht von solchen “hoch”-literarisch sublimierten Texten befriedigt, die in ihren eigenen elitär-kapitalistischen Zirkeln zirkulieren. Repräsentativ ausgerichtete Leseshows in Rathäusern und Museen sowie Preisspektakel in Vereinen und Verlagen möchten zwar gern all jenen Millionen Menschen, die diesen meist katastrophal langweiligen Literaturorgien in Anzug und Doktortitel nicht live beiwohnten, suggerieren, sie hätten den einzig wichtigen Event des Vortages verpaßt und damit quasi “sich selbst” (denn laut Hilde Domin spiegelt ja der Dichter den seelischen Tiefgang des Lesers in einem exemplarisch erlebten und darum poetisch verwertbaren Augenblick), aber das Aberwitzige daran ist, daß eben diese suggestive Kraft der germanistischen Inzucht-Boulevardpresse das schlechthin esoterischste Element am ganzen Betrieb darstellt, weil es ähnlich hypnotisch funktioniert wie Laufstegmode: je durchsichtiger die kaiserlichen Klamotten desto kostbarer, weil sie einen “ernsten” (offiziös-legalen) Blick auf die letzte tabuisierte Wahrheit gestatten: das nackte Fleisch, das ansonsten nur für Chirurgen und Bordells reserviert bleibt!

DNÄ (Der Nachäffer), 27.1.1999

ESOTERISCHE ENTROPIE (E²-TERRE)

jahrtausende
am eignen leibe
abgearbeitet
mit letztem mut
die sätze produziert die
glaubensschulen über-
treffen ohne eine
neue botschaft zu
verkünden frei und
frech die fülle
des weltganzen als
DIE EIGENTLICHE LEERE
sch(w)ätzen lernen nur
aufgrund der grundlosen
anwesenheit
gesetze schaffen weitere
gesetze regeln die gesetze
um das leuchten mancher
zellen zu versachlichen
den lebenshunger in das
internet verbannen !
wo der integrale frieden
– einsam und vernetzt –
STILLSCHWEIGEND
ausgesessen wird anstatt
die postmodernen parks
mit liebenden zu über-
sähen Jetzt
Ist Endlich Etwas klar:
das echte loch ermöglicht
zentnerschweren kindern
WIRKLICHKEIT
auf allen ebenen

An anderer Stelle bemerkten wir bereits, daß sich bei einer Umfrage im Umfeld des G&GN-Instituts herausstellte, daß “normalsterbliche” Lyrikfans (Leselaien) aus anderen Berufsfeldern (wie Medizin, Jura, Müllabfuhr und Schneeschaufeln) meist große Probleme damit haben, die neuere Lyrik für ihr seelisches Alltagsleben kreativ anstatt nur respektiv-konsumistisch zu verwerten, weil das pseudosachlich-ÜBERINDIREKTE (metaphorische oder semiphilosophische) Moment preisgekrönter Texte schnell zu einer instinktiven Interpretationsblockade führt, die sich natürlich durch übereifriges höfliches Applaudieren auch journalistisch leicht vertuschen läßt. Trotzdem weiß jeder insgeheim, daß das erhoffte “nackte Fleisch” schimmlig war. Prophylaktisch publiziert darum so mancher stolze Dichter natürlich auch überkompensatorische Ausnahmetexte (die manchmal bis ins slamtauglich Komödiantische reichen müssen!), die zwar ontogenetisch ihre Frustration über die eigene stilistische Redundanz ausbalancieren sollen (was dann aber aufgrund des Mangels an metapoetologischer Basis eher prätenziös anrührt), aber im laufenden Betrieb zur billigen Abwechslung mithilfe über-direkter erotischer, politischer oder vulgärsprachlicher Effekte dient, um den “Ernst” des ansonsten übersublimierten “zeitgemäßen” Stils zu untermauern. Was allerdings wirklich zeitgenössisch relevant und sogar zeitgemäß ist, oder besser: war – DAS stellt sich historisch leider oft erst posthum heraus, und selbst dann ist oft noch nicht einmal das Werk selber gemeint, sondern dessen plötzliche “sensationelle” Markttauglichkeit ausschlaggebend, denn der Tod (als materieller Schock) bleibt als letztes Kleidungsstück der ontischen Nacktheit (neben der Liebe als spiritueller Schock) jenes große esoterische Element, das weder Preisträger noch Präsidenten mit noch so vielen Nadelstreifen neokonservativ liberal (gewollt “lässig”) übermalen können. Und DIESER Respekt vor den letzten “geheimnislosen Geheimnissen” unseres Daseins hat eine mystische Tragweite, der man nicht gerecht wird, indem man nur ein “großes” WORT als selbstreferenzielles Buchstabenkombinat aus dem historisch bewährten Baukastensystem der “letzten” (poetisch anmutenden) Wörter taktisch in ein Gedicht einbettet wie eine schnell hingepustete gefrorene Riesenseifenblase – umgeben von flirrend heißer Luft, die den Mißbrauch der freien Buchstaben als Monitorstrichverband relativieren sollen. Eine Null bleibt eine Null bleibt eine Null… gegen diese mystisch-monströse XXL-Matrix der mathematischen Leerstelle (dem erfahrbaren Loch!) hilft weder die eine noch die andere Pille, hier bleibt jeder Dualismuß von Eins bis Unendlich auf der asymptotischen Rennpiste nach diversen Erschöpfungs- und Erhebungsschleifen liegen! Und vielleicht klingelt erst dort irgendwo in diesem unerhört transtopisch aufgerichteten gekrümmten Elementarraumzeitgefüge das Handy mit der entscheidenden SMS: “Kommst Du mit ins Grüne? Die Sonne scheint!”

ONLINE-QUELLENANGABEN:
Thien Tran (5.2.2010, Lyrikmail-Kommentar zum Gedicht #2139 “Reduktion I”):
http://www.lyrikpost.de/blog/2010/02/04/lyrikmail-2139-tran/#comment-10625
http://lyrikzeitung.wordpress.com/2010/02/17/poesielabel-perplex/
Bruno Brachland, Nr.11, 6./7.2.1999 “ÜBER(N)ACH(T)”:
http://www.wulle.de/GGN/BrunoBrachland/uebernacht.html
DNÄ (Der Nachäffer), 27.1.1999 “ESOTERISCHE ENTROPIE (E²-TERRE)”:
http://www.wulle.de/GGN/DerNachaeffer/esoterischeentropie.html
ERSTVERÖFFENTLICHUNG DIESER PRESSEMELDUNG AM 25.2.2010 @ MYSPACE-BLOG:
http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendId=482406116&blogId=529870971

44. USA: “Wieder eine wenig bekannte Europäerin”

Die New York Times veröffentlicht einen AP-Artikel, der so beginnt:

Herta Müller, eine wenig bekannte, in Rumänien geborene Autorin, die wegen der kritischen Darstellung des Lebens hinter dem Eisernen Vorhang verfolgt wurde, gewinnt den Literaturnobelpreis 2009 – eine Auszeichnung, die auf den 20. Jahrestag des Zusammenbruchs des Kommunismus verweisen soll.

Die Entscheidung wird die Kontroverse um die Tendenz der Akademie beleben, den Preis an europäische Autoren zu vergeben.*

Nunja – wer etwas “wenig bekannt” nennt, verortet sich selbst. Ich will mich ja nicht mit Amerika vergleichen: mir ist der Name ein Begriff, seit ich in den 70er Jahren zum erstenmal einen Satz von ihr in einer rumäniendeutschen Zeitschrift las. Eine irre, elektrisierende Prosa! Von deutschen Zeitungen jedenfalls erwarte ich zuversichtlich, wenn ein in Deutschland wenig gedruckter Autor ausgezeichnet wird, was schon vorgekommen ist, daß sie nicht nörgeln, sondern erschrocken sagen: O, das müssen wir schnell nachholen! In den Staaten ist man nicht so zimperlich:

Der allgemeine Konsens in den letzten Jahren [allgemein-amerikanisch, soll das heißen!] sei, daß der Nobelpreis ein “Witz” sei, wie Roger Straus, Ko-Gründer von Farrar, Straus and Giroux einmal sagte, oder, wie es Charles McGrath, früherer Herausgeber der New York Times Book Review, diplomatischer ausdrückte, ein “großes Mysterium”. / L&Poe 2006    Okt #37.    Nobelwetten und Damenfußball

Weiter hieß es in dem damaligen Bericht über amerikanische Reaktionen:

Der ideale Kandidat für den Nobelpreis wäre eine Lesbe aus Asien, so zitiert der Meinungs-Leader (bzw. seine Autorin),  und deutet gar an, Czeslaw Milosz 1980 und William Butler Yeats 1923 hätten den Preis primär aus politischen Gründen bekommen.

* Also Europäer wie Nagib Mahfus, 1988 (Ägypten), Octavio Paz, 1990 (Mexiko), Nadine Gordimer, 1991 (Südafrika), Derek Walcott, 1992 (Karibik), Toni Morrison, 1993 (Afro-USA), Kenzaburo Oe, 1994 (Japan), Gao Xingjian, 2000 (China – nach offiziell chinesischer Ansicht aber Franzose), V. S. Naipaul, 2001 (Karibik), J. M. Coetzee, 2003 (Südafrika),  Orhan Pamuk, 2006 (Türkei), Doris Lessing, 2007 (Britin, geboren in Iran). Irgendwie stimmts schon – nicht nur bei Pamuk.

93. Selbstverständlich Pound

Ein Meisterstück, ein Geniestreich (könnte man sagen; wenn man das nicht über viele Nummern dieser Zeitschrift sagen könnte). Schreibheft Nr. 69 ist fast vollständig dem Dichter Ezra Pound gewidmet, von dem ein polizeiliches Foto vom 26. Mai 1945 aus Pisa den Titel ziert. Es beginnt mit Traumtexten von Roberto Bolaño, in denen Pound  nicht explizit vorkommt, aber Li Po, Baudelaire, Archilochos, Anaïs Nin (“Mir träumte von einem Neunundsechziger mit Anaïs Nin auf einer riesigen Basaltplatte”), Robert Desnos, Roque Dalton und viele andere. Im anschließenden Playboy-Interview gibt Bolaño seine private Hitliste: “Nicanor Parra steht über allen, auch über Pablo Neruda, Vicente Huidobro und Gabriela Mistral. … Wäre Joyce anstelle von Eliot, ich wählte Joyce. Wäre Pound anstelle von Eliot, selbstverständlich Pound.”

Dann ein umfängliches Dossier über Ezra Pound im St. Elizabeths Hospital für kriminelle Geisteskranke mit Gedichten von Lawrence Ferlinghetti, E.E. Cummings, Basil Bunting, Elizabeth Bishop, William Carlos Williams, Kornelijus Platelis, Marcel Beyer, Ulf Stolterfoht und Alban Nikolai Herbst (Ezra Pound im Käfig); Briefwechseln mit H.D., Wyndham Lewis, Marshall McLuhan und E.E. Cummings und Prosabeiträgen u.a. von T.S. Eliot, Charles Olson (“Hier spricht Yeats”!), William Carlos Williams, W.H. Auden, George Orwell und Benedikt Ledebur sowie einem Gespräch, das u.a. Pier Paolo Pasolini für das italienische Fernsehen mit Pound führte.

Schließlich visuelle Gedichte des Katalanen Joan Brossa und eine Rezension der Werkausgabe von Rainer M. Gerhardt (dem ersten deutschen Pound-Übersetzer) durch Michael Braun.

Marcel Beyer übersetzt Cummings’ Jugendgedicht “pound pound pound” um es zu untersuchen, da es ihn ratlos gemacht habe wie selten ein Gedicht. Den 13 Zeilen des Gedichts läßt er über vier Seiten Kommentar folgen. “pound pound pound” , die erste Zeile, enthält eine unübersetzbare Mehrdeutigkeit, da es neben dem Namen (Cummings schrieb grundsätzlich alles klein, auch Eigennamen und das große “i”) noch etliche andere Bedeutungen hat, darunter stoßen, stampfen, rammen, hämmern.  Beyer übersetzt: poch, poch, poch. Sein Kommentar dröselt ein weitgespanntes intertextuelles Netz zur englischen Lyriktradition und -moderne auf. Anscheinend ist es eine (“verquaste”, Beyer) Auseinandersetzung des ehrgeizigen jungen Dichters mit Pound und Eliot, die ihn nicht als Gleichen unter Gleichen sehen wollten. Was Cummings so verquast andeute, treffe ihn selber, der zu der Zeit noch nicht frei von “gelegentlichen Trivialitäts- und Kitschattacken” sei. Das Zitat, das Beyer zum Beleg zitiert, verkürzt er allerdings auf beinah unzulässige Weise: “man lese etwa sein eigenes Drehorgelgedicht, ‘at the head of this street a gasping organ is waving”, in dem er sich als ‘queer monkey with a little oldish  doll-like face’ auf den Leierkasten setzt.” Nach “waving” geht es aber weiter: “is waving moth-eaten tunes”. Der Leierkasten schwingt mottenzerfressene Töne. Die muß man wohl in Betracht ziehen oder ins Gehör, nicht? Beyer schließt: “Von pound pound pound – das wird niemand bezweifeln – [tu ich doch auch nicht!] ist es noch ein weiter Weg bis zum selbstgewissen “crazy jay blue” (…), diesem zarten Vogelgruß, den Cummings Ende der fünfziger Jahre dem “demon” und “thief crook cynic”, dem “trickstervillain”, dem “raucous rogue & vivid voltaire” , dem “beautiful anarchist”, dem alten Blauhäher Ezra Pound senden wird.”

Wenn ich an dem spannenden, so lesenswerten wie instruktiven Heft etwas zu mäkeln hätte, es wär: daß den übersetzten Gedichten nicht das Original zugesellt wird. Die paar Seiten müßten doch noch drin sein? Die letzte Strophe von William Carlos Williams’ Gedicht “To my friend Ezra Pound” übersetzt Norbert Hummelt so:

Dein Englisch
ist nicht eigentümlich genug
Als Autor von Gedichten
erweist du dich als untüchtig, um nicht zu sagen
wucherisch.

Williams’ letztes Wort ist natürlich usurious: Pounds Zauberwort “usura”. Das Wort sie sollen lassen stahn.

Hier sozusagen zum Ausgleich Cummings’ Gedicht vom blauen Eichelhäher im Wortlaut:

crazy jay blue)
demon laughshriek
ing at me
your scorn of easily
hatred of timid
& loathing for (dull all
regular righteous
comfortable)unworlds
thief crook cynic
(swimfloatdrifting
fragment of heaven)
trickstervillain
raucous rogue &
vivid voltaire
you beautiful anarchist
(i salute thee