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Im Netz seit 1.1.2001

30. Der George-Ton

Als ich Stefan George entdeckte, verstreute Gedichte, dann ein Reclamband und Antiquarisches, warnten mich alle: Den findest du gut? Sogar eine Studentin aus Kairo, die bei einem DDR-Germanisten Deutsch gelernt hatte und die es nach Greifswald verschlug,  sagte es mir.

Ja, ich fand ihn gut und erst recht interessant.

In letzter Zeit scheint Zustimmung zu überwiegen, ach was: Verehrung. Biographie auf Biographie zelebriert das Heilige Deutschland*, Fauxpas, aber den heiligen Dichter doch? Ein Held des konservativen Feuilletons, endlich wieder…

Ein angesagter Dichter. Aber man wird doch lästern dürfen. Der George-Ton.

O wir verstehen ja, was die Konservativen entzückt. Da gelten noch Werte. Ein Mann ist ein Mann, stark, edel und mutig, der Dienst ist notwendig, der Feind ist tückisch und wird besiegt, im Wald haust (nicht wohnt) Unheil, reichlich Fahnen und Glocken begleiten das Tun der Edlen, der Teich ist ein Weiher, die Wege Pfade, die Ufer Gestade, man betet zu Wolkenthronen, und immer ein Führer führt uns in der Not:

Er kennt kein sinnen und kein wanken ·
Die bösen fühlten seine wut ·
Die armen die zu fuss ihm sanken
Verteilten sich sein ganzes gut.

Er wird mich immer unterweisen
Im graden wandel vor dem Herrn ·
Mein bruder ist aus wachs und eisen ·
In seinem schutze weil ich gern.

Amen. Die Jamben hauen die Welt zu handhabbaren Stücken. Da troff erfüllung aus geweihten händen.

Metrum, Reim, Wortwahl, alles steht im Dienst der Ordnung. Auf die Adjektive ist Verlaß. Die Stadt ist hehr, das Kleinod köstlich, die Jugend frisch, der Äther rein, das “Haupt” – na was wohl, blond. Kurz, Georges Verse bestehen aus dem, was Gottfried Benn den seraphischen Ton nennt.

Selbst in den guten Gedichten gibt es so Stellen. Eins der besten und berühmtesten:

Komm in den totgesagten park und schau:
Der schimmer ferner lächelnder gestade ·
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.

Dort nimm das tiefe gelb · das weiche grau
Von birken und von buchs · der wind ist lau ·
Die späten rosen welkten noch nicht ganz ·
Erlese küsse sie und flicht den kranz ·

Vergiss auch diese lezten astern nicht ·
Den purpur um die ranken wilder reben
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.

Hier stimmt ja gar nicht, was der Spötter über die Adjektive sagte. Der totgesagte Park: mit einem einzigen überraschenden Adjektiv entsteht ein Vorgang, der uns packt. Die Gestade, Weiher und Pfade zugestanden: sie werden von den Adjektiven gemildert, wo nicht ins Überraschende gewendet: lächelnde gestade, unverhofftes blau. Die dritte Zeile ist eine Sensation (das Wort bedeutet eigentlich Empfindung, Gefühl). Nicht in seinen Verlaine-Übersetzungen: hier ist er Verlaine ganz nah. Ein fast perfektes Gedicht: einzig die letzte Zeile der mittleren Strophe gemahnt an die Süßigkeit des Georgetons in den kostbaren (erlesenen)  Verben für effeminierte Tätigkeit. Die schöngezeichnete Natur wird – erst hier und nur hier – ins Sakrale gewendet. Die letzte Strophe kehrt zu Konkretem zurück und mündet in den Auftrag an den Dichter. Das letzte Wort, “gesicht”, wird durch die konkrete Tätigkeit des “Verwindens” und das detailreiche Herbstbild aus dem Sakralen (das unsere Heinis so lieben) ins Künstlerische gewendet.

***

Daß ein  jüngerer Dichter auf George verweist, war mir zuerst bei Thomas Kling aufgefallen. Seine Anthologie “Sprachspeicher” bringt nur ein Gedicht von Nietzsche, aber 6 von George. 6 ist die Höchstzahl, die bekommen nur die Größten: Walther von der Vogelweide, Goethe, Hölderlin, Rilke, Trakl, Benn und Celan. Und eben George. Dann geht es runter, Heine 5, Droste 4, Brecht 2. Ganz und gar nicht gegenkanonisch.

Und doch fällt auf, daß seine Auswahl gegen den Strich gebürstet ist. Auf der Suche nach schwachen Stellen, Parfüm und Gips wird man gar nicht fündig. Kein einziges seraphisches Gedicht. Bis auf den totgesagten park: Wenig Bekanntes. Überraschendes. George hat Poesie, ja Humor! Die Kinder flennen. Bis er sie festet. Mit diesen 6 Gedichten läßt sich starten.

_______________

* Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg rief das, als er erschossen wurde. Oder war es „Es lebe das geheime Deutschland!“? Jedenfalls irgendwas mit George. Auf einen Verriß des Stauffenbergfilms schrieb jemand (Originalwortlaut):

Lieber Kritiker,
dieser Film war sein Geld wert und natürlich sitzen in diesem Saal auch Neonazis. Den lettzten Satz den Sie andeuten stammt von Oberst Stauffenberg. Er war nie so ein Widerstandskämpfer wie alle glauben, trotzdem wird er als das verehrt. Sein letzter Satz: „Es lebe das heilige Deutschland“ steht für seine Liebe zu seinem Vaterland, er ist und war ein Patriot und ist mit seinen letzten Worten auch so gestorben. Hätte er das nicht gesagt, wäre er ein vollkommender Verräter gewesen.

Es lebe das heilige Deutschland!

(Man sieht, heilig und richtig gehn nicht immer konform). Hier mehr http://sherman.blogsport.de/2009/01/27/lang-lebe-das-heilige-deutschland-oder-warum-stauffenberg-kein-held-ist/

45. Der siebenbürgische Meistersänger

Im Jahr 1206 fanden sich die sechs bedeutendsten deutschen Dichter auf der thüringischen Wartburg zusammen, um einen künstlerischen Wettstreit auszutragen. Es galt, den Landesfürsten Hermann bestmöglich zu preisen, wobei dem Verlierer der Tod drohte.

Zu den Teilnehmern des legendären „Sängerkrieges auf der Wartburg“ zählten Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach und Heinrich von Ofterdingen, der in dem Wettkampf unterlag. Doch er behauptete, betrogen worden zu sein, und erbat sich einen neutralen Richter aus: den märchenhaften Klingsor, der in Siebenbürgen residierte, „den berühmtesten deutschen Meistersänger“. / Bernhard Spring, Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien

118. War Walther Franke?

Seit rund 40 Jahren gräbt sich der Germanist und Historiker Gerhard Wagner aus Höchberg durch Archive und forscht damit nach eigenen Worten in einem Raum, in dem noch nie jemand geforscht hat“. Aus einer Indizienkette heraus kommt er zu der Erkenntnis, dass der Dichter als Sohn des Ritters Walther von Stollberg 1170 geboren und 1220* als königlicher Vogt in Herlheim gestorben ist.

Allerdings sind die Thesen, die Wagner in seinem 2008 erschienenen Buch „Herr Walther von der Vogelweide – ein Minnesänger aus dem Steigerwald“ belegt, umstritten. Und obwohl 2002 seine erste Veröffentlichung zu diesem Thema erschienen ist, wartet Wagner bis heute darauf „dass jemand kommt und mich widerlegt“. Ein bisschen hat er den Verdacht, dass man einen „nicht von der Uni Stammenden“ eben nicht ernst nehmen will. / Mainpost Schwebheim

*) weiter unten im Text steht: 1230

78. Lyrikstationen 2009 (1)

Fortsetzungsessay von Theo Breuer

1

Unheimlich –

im Morgen Nebel Niesel Regen schweift

habe jetzt einen flow von Gedichten
Friederike Mayröcker

Es regt sich nichts, lese ich in einem Gedicht von Adrian Kasnitz in Den Tag zu lan­gen Drähten (sehr schön in dieser Sammlung von fünfunddreißig Gedichten das Seamus Heaney nachempfundene Gedicht Draht), werde aus der Lektüre heraus­katapultiert und lande in den Illmenauer Bergen, wo die Stille unheimlich unheim­lich ist:

Über allen Gipfeln
Ist Ruh’
In allen Wipfeln
Spürest Du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde
Warte nur, balde
Ruhest Du auch.

Unheimlich. Mir gefriert das Blut, wenn ich diese Verse lese, und gleichzeitig beginnt es zu wallen. Dieses Gedicht gehört zu den Gedichten, die mich herauszerren aus dem soeben gelebten Moment: Ich schließe die Augen und steige, wie der chinesi­sche Maler in sein Bild, zwischen den offenen Versen in das Gedicht hinein und werde, für Augenblicke, gleichmütig verharrend der Schubertschen Vertonung lau­schend, zu diesem Gedicht. In Matthias Kehles Lyrik-Blog lese ich Jaime Gil de Biedmas Worte: Immer dachte ich, daß ich Dichter sein wollte, aber im Grunde wäre ich lieber Gedicht. Aber außergewöhnlich gelungen und besonders originell muß es sein. So wäre ich immer wieder gern Jakob van Hoddis’ 1911 entstandenes Gedicht

Weltende

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Das Glücken eines Gedichts wird von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr weniger selbst­verständlich. Die ersten Gedichte vor rund dreitausend Jahren zu verfassen war zum einen ein gigantischer Schritt aus der lyrischen Sprach­losigkeit heraus, zum anderen trafen die Verfasser der ersten Verse der Menschheit nicht auf den sich gleichsam per­manent potenzierenden Ballast der Tradition. Als Dichter kann ich nicht so tun, als schriebe ich das erste Gedicht aller Zeiten – obwohl ich fürs be­sondere Gelingen u.a. auch gerade diese Grundhaltung brauche.

Ich setze mich beim Schrei­ben unablässig auseinander mit der Geschichte der für mich erreichbaren uni­versa­len Lyrik aus aller Welt, mit dem mittelalterlichen, baro­cken, romantischen, klassischen, dem modernen, post­mo­dernen und zeitgenössi­schen Gedicht, mit Hans Arp, Gottfried Benn, Rolf Dieter Brinkmann, Paul Celan, An­nette von Droste-Hülshoff, Hans Magnus Enzensberger, Elke Erb, Peter Ettl, Walter Helmut Fritz, Friedrich Hölderlin, Ernst Jandl, Thomas Kling, Axel Kutsch, Else Lasker-Schüler, Christoph Meckel, Helga M. Novak, Os­wald von Wolkenstein, Oskar Pastior, Rainer Maria Rilke, Jan Röhnert, Walle Sayer, Kurt Schwitters, Georg Trakl, Christian Uetz, Olaf Velte, Walther von der Vogelweide, Uljana Wolf, Annemarie Zor­nack (usw.), ent­scheide bei je­dem Gedicht, ob ich auf das Gedicht verzichte, das, für sich be­trachtet, keines­wegs mißlungen sein muß, gemessen an bereits ge­schriebe­nen ver­gleichbaren Gedichten aber nicht unbe­dingt gut abschneidet, näher betrach­tet also nicht not­wendig ist und un­veröffentlicht bleiben kann.

ihre dichtung hat eine meinen hals ausren­kende höhe erreicht, die so sehr weiter zu stei­gern ihre absicht ist, daß sie das alter von 150 zu erreichen prokla­miert hat.
Ernst Jandl

Friederike Mayröcker (Wörter wie rasende Sternschnuppen niederprasselnd) über­legt sich vermutlich eher selten, ob sie auf ein Gedicht verzichtet – wie auch, arbei­tet sie doch Tag für Tag immer bloß an dem einen Gedicht, das sie früh erfun­den und le­benslänglich veredelt hat. Ruhig lächelnd sehe ich sie in diesem Augen­blick konse­quent und lässig ihr mit Komma abgetrenntes, unverwechselbares usw. auf das in die Schreibmaschine eingespannte Blatt tippen.

Seit mehr als sechzig Jah­ren schreibt sie an diesem work in progress, ohne daß ich je Ermüdungserschei­nungen in ihren freimetrischen, langzeiligen, zwischen Syn­ästhesie und Katachrese schwin­genden Gedichtmontagen entdeckt hätte. 2009 er­weitert sie mit Scardanelli und dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif ihr in jeder Beziehung großes Werk um zwei weitere Bücher, deren virtuose Verwandlung der mit jedem Tag als immer zersplitterter erlebten Welt in Mayröckers Sprache mich wie jedes Mal bezaubern.

Ist Dichtung eine Form der Berührung von möglichen und wirklichen Welten? Ähnlich äußerte sich Friederike Mayröcker (die Titel locken aber die ungeheuren Bücher unge­lesen, auf dem Fußboden neben dem Bett), die in ihren neuen Gedichten so frisch und luftig und befreiend wirkt wie eh und je. Was aber sind mögli­che Welten, was wirkliche Wel­ten? Sie wird es nicht wissen, ich weiß es nicht. Es ist auch nicht weiter wesent­lich. Es gibt, glücklicherweise, diese dritte Welt, in der sich die beiden Welten berüh­ren, zu einer neuen verschmelzen. Und was für einer.

Was Friederike Mayröcker mir an lyrischen Berührungen und poetischen Verschmel­zungen schenkt, kann ich mit Wörtern schwer bloß beschreiben. Bei Richard Dove heißt es in einem Gedicht des großartigen Gedichtbuchs Syrische Skyline: FM c’est moi. Total und ur­sprüng­lich wirken diese in schwungvoller Spra­che und kapriziöser Form entworfenen, stets unvermittelt einsetz|endenden Gedichte, deren Sound sich entfaltet aus durch Allitera­tion, Anapher, Antithese, Assonanz, gelegentlich aufblit­zendem Binnen­reim, Paro­nomasie, Variation, Worthäufung, (verfremdetes, übermal­tes) Zitat usw. verknüpf­ten Assoziatio­nen, in denen buchstäb­lich ALLES zwischen Himmel und Erde – Alltag, Begegnung, Ekstase (T. S. Eliots grimmigem Gedichtauf­takt April is the cruel­lest month begegnet sie trunken frohlockend: mich betäubt die­ser April dieser süsze Monat so grün und zart), Emotion, Erinne­rung, Farbe, Freund­schaft, Liebe, Literatur, Korrespon­denz, Kunst, Melancholie (ich weine viel), Musik, Natur (Baum, Vogel, Pflanze), Reise, Sehn­sucht (ich möchte leben Hand in Hand mit Scardanelli), Spra­che, Traum, Um­welt, Wind und Wol­ken, Zu­fall, »usw.« – zu einem großen Gan­zen zusammen­fließt und die mich so teilhaben lassen an der Erschaffung dieser drit­ten Welt mit Na­men Freiheit: Ich lasse mich von meiner Sprache tragen, als sei ich aus­gestattet mit Fitti­chen und es trüge mich in die Lüfte, aber ich sehe es nicht und es musz von al­leine kommen ..

Friederike Mayröcker, die sich zu ihr Werk beeinflussenden Menschen wie H. C. Art­mann, Roland Barthes, Hélène Cixous, Jean Cocteau, Jacques Derrida, Gerhard Rühm, Friedrich Hölderlin, Ernst Jandl, Marguerite Duras, Jean Paul Sartre, Arno Schmidt und Gertrude Stein bekennt, gehört zu den von mir ganz besonders bevor­zugten Lieblingen unter den Lyrik schreibenden Menschen. So lautet mein radikal subjektives Verdikt naturgemäß: Von der May­röcker muß ich unbedingt jedes neue Buch lesen. In dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif treffe ich auf Seite 73 das Gedicht

»ich bin in Trauer tiefer als du denkst« (Dusan Kovacivics)

flackernder Schädel, meiner. Ein schräger Schein der Morgen-
sonne im Fenster Viereck graues Gewölk . . die zarte
Figur des Freundes der Freundin, danke mein
Kind
: die Stimme am Telefon, der alten Putzfrau der ich versprach
1 wenig Geld, danke mein Kind – es erinnerte mich an
T.S.Eliots Waste Land (danke mein Kind) oh ich sitze im kl.Garten
Am Mittelmeer, heute noch auf dem Wege zu dir aber
Nach Ischl. Die Meridian Rede des Paul Celan, hingeworfene
Vögel. Trage die alten Kittelchen : seien wärmer als frisches
Gewand usw., (be)schreibe die Wirklichkeitsform, sah aus dem blutenden
Fenster mit entzündetem Vergnügen und es heult der Wind (»will
Immer studieren«) zieh mich rasch an / religiöses Wolkenmeer, denke
so viel an dich möchte dich wiedersehen, so verzaubert die
Schreibkammer dasz ich weinen musz . . dies getippteste
Begräbnis : eine Art Waldes Maschine, wie die Wolken rasen
über den Himmel, als ich im kalten Zimmer (in Nässjö)
unter die Decke (raubte) verlesen während
die Schwalben funkelten und ich im Kalender schaute der wievielte
August, Klaus Schöning sagte in unserem Alter ist alles symbolisch

6.08.05

Thomas Kling unterstreicht: Die Mayröcker gehört zu den Unikatkünst­lern, und nicht zuletzt dieses Ver­dienst des unermüdli­chen Fortset­zens von Versuchs­anordnungen ist es, das ihr seit langem den Re­spekt von Autoren sichert, die gerade halb so alt sind wie sie oder noch jünger. Sie hat viele beeinflußt, das stellt sich immer deutli­cher heraus. Zu diesen zählen u.a. Marcel Beyer, Ulrike Draes­ner, Michael Donhau­ser, Thomas Kling, Michael Lentz (Die deutschsprachige Poesie ist derzeit die internati­onal bedeut­samste. Allein schon Friederike Mayröcker zu nen­nen genügt) und Peter Wa­terhouse. Mit John Ashbery und Les Murray bildet Friede­rike Mayröcker mein univer­sales Lyrikkleeblatt lebender Dichter. Ich sehe Friede­rike Mayröcker in ihrer von Büchern, Brie­fen, Heften, Zetteln übersä­ten vertrauten Wiener Woh­nung vor der Schreibmaschine sitzen, im Hintergrund läuft Musik von Johann Sebas­tian Bach und ihre Seele spannte / weit ihre Flügel aus, / flog durch die stillen Lande, / als flöge sie nach Haus, usw.

  • Richard Dove, Syrische Skyline
  • Hans Magnus Enzensberger, Rebus
  • Peter Ettl, Samtkrallen Wurzelflügler
  • Friederike Mayröcker, dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif
  • Friederike Mayröcker, Scardanelli
  • Walle Sayer, Kerngehäuse
  • Walter Helmut Fritz, Werkausgabe · poetenladen.de/theo-breuer-walter-helmut-fritz.htm
  • Adrian Kasnitz, Den Tag zu langen Drähten

122. Angelika Janz liest heute abend

Textenet

Gast bei textenet ist Angelika Janz. Sie wurde 1952 in Düsseldorf geboren und hat sich als Autorin und bildende Künstlerin seit den 70er Jahren zuerst in ihrem Herkunftsland Nordrhein-Westfalen und dann bundesweit und international bei Szenekennern einen Namen gemacht. Mancher, dem ich das sage, hält es für eine Übertreibung. Es ist aber keine. Die Betonung liegt auf Szenekennern. 1995 gab der österreichische Schriftsteller Franzobel – einer dieser Kenner mithin – in der Wiener „edition ch“ eine Auswahl ihrer Gedichte heraus, ich zitiere aus dem Nachwort:

„Längst ist überfällig, daß von Angelika Janz nun endlich auch Gedichte vorliegen. Gedichte, die auf den ersten Blick vielleicht überraschen mögen, weil sie traditioneller, vielleicht auch konventioneller gebaut sind als die von der Autorin weithin bekannten Fragmenttexte. Frühestens der zweite Blick erkennt die vor allem syntaktische Verwandtschaft zur Cutup-Methode der Fragmenttexte…“

Ihre Fragmenttexte sind in einem halb Dutzend schmaler Bände abgedruckt und finden auch den Weg in Anthologien, von Franzobels „Kritzikratzi. Anthologie gegenwärtiger visueller Poesie“ bis zur Reclamsammlung „Poetische Sprachspiele“, herausgegeben von Klaus Peter Dencker, wo sie zwischen Walther von der Vogelweide und Michael Lentz gefunden werden kann – natürlich ist auch Kuhlmann dabei, Oskar Pastior, Carlfriedrich Claus, nur Valeri Scherstjanoi fehlt dort aus mir unerfindlichen Gründen…

Hinzuzufügen bleibt, daß sie vor allem seit ihrem Umzug vom Rhein nach Vorpommern vermehrt Prosa schreibt. Poetologisches – ein großes Projekt treibt sie seit Jahren um – und auch sozialkritisches. Angelika Janz ist nicht nur eine genaue Beobachterin, sondern wirkt auch seit vielen Jahren mit viel Engagement und Selbstaufopferung an sozialen Projekten im ländlichen Raum, vor allem mit Kindern und Jugendlichen. Vergangenes Jahr wurde sie dafür in Leipzig mit dem Deutschen Lokalen Nachhaltigkeitspreis Zeitzeiche(N) ausgezeichnet. Auf dem festival textenet ist sie mehrfach präsent. (Klicken Sie ihren Namen in der Schlagwortwolke)

Video ihrer heutigen Lesung folgt in Kürze hier

Das alte Bagdad

Über das alte Bagdad informiert die NZZ:

Die ersten Troubadours sind letztlich Nachahmer einer Kunstform, die an arabischen Höfen zur Blüte kam. Ein Wegbereiter der provenzalischen Dichtersänger und damit wiederum Vorläufer der deutschen Minnesänger war Guillaume IX . Walther von der Vogelweide wäre mithin nicht denkbar ohne die arabische Hofmusik. / Cristina Erck, NZZ 19.2.03

13. Restaurierung des guten alten Kunstschönen

Restaurierung des guten alten Kunstschönen. “Gedicht und Gegenwart”

Graziendienste beim 18. Römerbad-Colloquium in Badenweiler:
Einen Rekord an emphatischem “Graziendienst” stellte gewiss Iso Camartin auf, als er die Schönheits-Sucht Charles Baudelaires und Giuseppe Ungarettis pries, ohne indes die Destruktionsenergien, Hass- und Hässlichkeits-Litaneien der modernen Lyrik in Betracht zu ziehen. Benns Gang durch die “Krebsbaracke” wurde ebenso ignoriert wie die lyrischen Schönheits-Vernichtungsstrategien des späten Ernst Jandl und des weltverfluchenden Rolf Dieter Brinkmann. Stattdessen verkündete man die entlastenden, die frohen Botschaften eines sozialverträglichen Humorismus (Robert Gernhardt) oder die fernen Gesänge eines Walther von der Vogelweide (Peter Wapnewski). / Michael Braun FR 21.2.01

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