Getagged: Thomas Kling
32. Vogelherdrecherche
“Vogelherd. mikrobucolica”, so heißt einer der geheimnisvollsten und zugleich konkretesten Gedichtzyklen des Dichters Thomas Kling, der 2005 im Alter von 48 Jahren starb. Das Hörspiel begibt sich auf Spurensuche und versucht dem Geheimnis seiner Texte nahezukommen. / mehr
vogelherdrecherche
Hörspiel von Ulrike Janssen
Unter Mitwirkung von Norbert Wehr
Sendetermin: 7. April 2013, 21.05 Uhr, NDR Info
Komposition: Gerd Bessler
Regie: Ulrike Janssen
Mit Susanne Reuter, Otto Sander
DLF / HR 2011 / 47 Min.
17. Oswald Egger wird Thomas-Kling-Poetikdozent
Ein Ort für Sprachkünste
Oswald Egger als Thomas-Kling-Poetikdozent der Kunststiftung NRW an die Universität Bonn berufen
Zum Sommersemester 2013 übernimmt der Hombroicher Lyriker Oswald Egger die Thomas-Kling-Poetikdozentur an der Universität Bonn. Die 2011 von der Kunststiftung NRW geschaffene Poetikdozentur wird zum dritten Mal besetzt. Sie ist nach dem 2005 verstorbenen Lyriker und Essayisten Thomas Kling (* 1957) benannt, der zehn Jahre auf der Raketenstation der Stiftung Insel Hombroich lebte und dessen Sprachkunst neue Maßstäbe setzte. Namhafte AutorInnen oder ÜbersetzerInnen aus dem Land werden von der Kunststiftung NRW für jeweils zwei Semester mit einem Stipendium ausgestattet, das ihnen eigene Lehrveranstaltungen ermöglicht. Die Auswahl treffen Vertreter der Stiftung und der Universität Bonn. Als Begleitprogramm organisiert das Literaturhaus Bonn drei Veranstaltungen mit dem Poetikdozenten.
„Die Kunststiftung NRW freut sich, mit Oswald Egger einen Poetikdozenten berufen zu können, der im Geiste von Thomas Kling den Lehrplan der Universität Bonn mit seiner Textkunst bereichern wird und die Dozentur an den Wirkungsort des Namensgebers rückbindet. Der große Anklang, den die Dozentur bei den Studierenden findet, hat die Stiftung dazu bewogen, die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Universität in den nächsten Jahren fortzuführen. Mit der Dozentur fördert die Kunststiftung NRW den grenzüberschreitenden Austausch zwischen Wissenschaft und Literatur“, so Dr. Fritz Behrens, Präsident der Kunststiftung NRW.
Mit Oswald Egger, der die Duisburger Lyrikerin Barbara Köhler ablöst, schließt sich ein Kreis, denn er lebt und arbeitet als Nachfolger von Thomas Kling auf der Raketenstation Hombroich. Oswald Eggers Poesie lotet die Sprache aus, er sondiert und transzendiert die Grenzen zwischen Mathematik und Poesie ebenso, wie er sich von der Vielfalt der Formen in der Natur inspirieren lässt.
Der gebürtige Südtiroler studierte Literatur und Philosophie in Wien. Er ist seit 2011 Professor für Sprache und Gestalt an der Muthesius Kunsthochschule Kiel. Seine Werke erhielten renommierte Auszeichnungen, wie den Peter-Huchel-Preis, den Oskar-Pastior-Preis sowie den Preis der Stiftung Buchkunst. Sein neuer Prosa-Band „Euer Lenz“ erscheint im Mai 2013 beim Suhrkamp Verlag.
Terminhinweis: Die Antrittsvorlesung des neuen Thomas-Kling-Poetikdozenten „Wie heiße ich noch einmal (wenn ich mir einer bin)?“ findet am Mittwoch, den 17. April 2013, um 19 Uhr, im Festsaal der Universität Bonn statt.
Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft
der Universität Bonn
121. Peter-Huchel-Preis.de
Es war eine Großtat für die Lyrik, die in Deutschland seit je an den Rändern des Literaturbetriebs angesiedelt ist. Der Huchel-Preis wurde schnell zur Institution – und die Zuerkennung so etwas wie ein Ritterschlag für die Angehörigen dieser Zunft; der eigentlichen Königsdisziplin unter den literarischen Genres. Die siebenköpfige Jury, deren Aufgabe es ist, den – so hat es die Satzung festgelegt – besten Lyrikband des Jahres zu küren, galt und gilt als hoch mögendes Gremium, in dem auf höchstem Niveau über dichterische Texte und ihre Poetologie verhandelt wird.
Die Liste der Preisträger liest sich wie ein Who is Who der deutschsprachigen Lyrik: Fast niemand von Rang unter den zeitgenössischen Dichtern zwischen Flensburg und Südtirol fehlt. Die wenigsten unter den Preisträgern sind danach in Vergessenheit geraten: Große Namen wie Friederike Mayröcker, Ernst Jandl, Adolf Endler, Wolfgang Hilbig und der zu früh gestorbene unvergessene Thomas Kling werden begleitet von Entdeckungen wie Uljana Wolf – die es als bisher einzige geschafft hat, für ihren Debütband ausgezeichnet zu werden – oder Nora Bossong. Dass in den vergangenen Jahren Lyriker der jungen bis mittleren Generation viele Preisträger stellten, kann als Indiz dafür gelten, dass die Lyrik seit einem guten Jahrzehnt einen kaum geahnten Aufschwung genommen hat.
Selten gab es so viele vielversprechende Talente wie in diesen Tagen – und deshalb kommt der Beitrag des SWR zum 30-jährigen Bestehen des Huchel-Preises im richtigen Augenblick. Keine Festschrift, wie sie Wolfgang Heidenreich zu 20 Jahren Huchel-Preis herausgebracht hat, sondern ein Internet-Auftritt: das SWR-Archiv der Preisträgergedichte, der Lob- und der Dankreden wird online präsentiert; ab dem 3. April, Geburtstag Huchels und Tag der Preisverleihung, ist es im Netz verfügbar. Gefördert mit Mitteln aus dem Innovationsfonds des Landes und begleitet von der Arbeitsstelle für die literarischen Gedenkstätten in Baden-Württemberg, zeichnet der neue Huchel-Jury-Vorsitzende und SWR-Redakteur Werner Witt für die Inhalte der neuen Homepage verantwortlich: Er hat die komplette Serie der bisher 29 Verleihungszeremonien akustisch verfügbar gemacht.
Das digitale Huchel-Archiv ist in dezentem Grün gehalten, übersichtlich und klar gestaltet. Man findet sich sofort zurecht – und braucht nur noch ins akustische Erleben einzusteigen: Bei Lyrik, die sich erst vollendet, wenn sie im Verlautbaren sinnlich wahrnehmbare Gestalt annimmt, ist das ein unschätzbarer Vorteil. Auch Reden wollen in der Regel lieber vernommen als gelesen werden. Und so trägt dieses sehr besondere Archiv ungemein zur Verlebendigung der zeitgenössischen Dichtung und zum Wachhalten ihres Gedächtnisses bei.
Immer schon wollte man Thomas Klings legendäre Performance (mit dem Schlagzeuger Frank Köllges) wieder hören oder den Klangzauberer Oswald Egger: Jetzt ist es möglich. Wie schön. Und das Portal soll sich in die Gegenwart hinein weiterentwickeln. Mag sein, dass es zur Plattform für die zeitgenössische Lyrik wird. Man wird sehen. / Bettina Schulte, Badische Zeitung
74. Bienensegen
Unter den bereits digitalisierten Beständen des Vatikanischen Archivs befindet sich auch die Handschrift des “Lorscher Bienensegens” aus dem 9./ 10. Jahrhundert. Es steht in der Homiletischen Sammelhandschrift Pal. lat. 220. Mittel- oder oberrheinisches Gebiet (?), frühes 9. Jh., auf Seite: 58r (am unteren Rand auf dem Kopf stehend notiert und sehr gut lesbar). Es handelt sich um eine der ältesten Reimdichtungen in althochdeutscher Sprache. In den meisten großen Lyrikanthologien folgt er gleich auf die Merseburger Zaubersprüche, und auch Thomas Kling nahm ihn in seinen Sprachspeicher mit eigener Übersetzung auf.
Beim Vergleich stellt man leicht fest, daß es beträchtliche Unterschiede zu den angeblich originalen Textfassungen in den meisten Anthologien gibt. Die von mir eingesehenen Bände (Kling, Conrady, Echtermeyer, Detering) verwenden einheitlich eine “normalisierte” Textfassung. Wenn man wissen will, was wirklich geschrieben steht, muß man die Handschriften konsultieren. Oder die Digitalisate.
Damals gab es noch nicht die Konvention, Zeilen am Versende umzubrechen. Üblicherweise schreibt man in den Ausgaben Langzeilen aus den zwei (außer am Anfang) gereimten Zeilen. Das im Prosastil notierte Manuskript erzwingt das aber nicht. Man könnte daher auch paarweise gereimte Kurzzeilen schreiben, etwa so:
Kirst, imbi ist hûcze
Nû fluic dû, vihu mînaz, hera
Fridu frôno in godes munt
Heim zi comonne gisunt
Sizi, sizi, bîna
Inbôt dir sancte Maria
Hurolob ni habe dû
Zi holce ni flûc dû
Noh dû mir nindrinnês
Noh dû mir nintuuinnêst
Sizi vilu stillo
Uuirki godes uuillon
Ich verwende hier allerdings die textlich bereinigte Fassung. Das zweite Verspaar
Fridu frôno in godes munt
Heim zi comonne gisunt
bei Kling:
im frieden des herrn, in gottes schutz …… kommt gesund nach haus.
lautet eigentlich:
Fridu frôno in munt godes
gisunt heim zi comonne
69. Catullsche Weise
“Wir wollen uns zu unseren Geschlechtsorganen bekennen/ auf die Catullsche Weise”, schrieb Günter Kunert 1966. Der sei so obszön, sagte mir eine Studentin vor 10 Jahren, als ich den Namen Catull erwähnte. (Ein paar Jahre später wirkte sie in einem Erotikfeature im Studentenradio mit und sprach Texte, die selbst mich verlegen machten). Orff vertonte ihn, Rudolf Borchardt, Wolfgang Tilgner, Thomas Kling und Raoul Schrott übersetzten ihn. Philologen locken:
Julia Haig Gaisser, angelsächsische Altphilologin, versucht es folgendermaßen: ‘Dieses Buch richtet sich an alle, die Dichtung lieben – egal in welcher Sprache. (…) Catulls Dichtung präsentiert dem Leser zwei scheinbare Hindernisse. Ein großer Teil (etwa ein Viertel) ist obszön, und alles ist auf Latein. Ich begegne diesen beiden Tatsachen direkt und ohne apologetische Haltung, denn ich bin der Auffassung, dass ein Leser des 21. Jahrhunderts weder vor dem einen noch vor dem anderen geschützt werden muss.’ Scheinbare Hindernisse sind das jedenfalls nicht. Das erste stellt überhaupt kein Hindernis dar, sondern eine Lockung; das zweite hingegen dürfte sich als sehr real erweisen. Doch geht Gaisser die Sache mit großer Besonnenheit an. Sie weiß, dass die Anziehungskraft Catulls vor allem in seiner emotionalen Intensität besteht. Die Fassungslosigkeit, wenn jemand feststellt, dass er denselben Menschen sowohl lieben als auch hassen muss, kann selbst heute noch unmittelbar zu Herzen gehen (zumal wenn das Erlebnis nicht mehr als zwei Verszeilen benötigt). Mit solchen kurzen Gedichten setzt Gaisser ein, um dann das historische Terrain zu erkunden. Sie erläutert die andersartige Polung der Sexualität bei den Römern, die nicht so sehr nach männlich und weiblich, hetero- und homosexuell sortierten als nach herrschendem Penetrator und duldendem Penetriertem; was auf Anhieb so angenehm tolerant aussieht, zeigt auf den zweiten Blick sein hässliches Machtgefälle. Nur vor diesem Hintergrund versteht man den Ton erotischer Aufschneiderei, der sich so oft bei Catull findet.
Subtiler als Niklas Holzberg, der vor einigen Jahren in seinem Catull-Buch das hier sprechende Ich völlig als die Spielfigur eines lang unverständlich gewordenen Spiels dekonstruierte, erinnert Gaisser auch anhand moderner Beispiele daran, wie sich in der Lyrik die Grenzen zwischen Person und Werk zu verwischen pflegen. Behutsam unternimmt sie es, so weit es geht, zu dem Menschen vorzudringen, der dies geschrieben hat. In Schutz nimmt sie ihn freilich nicht; sie stellt ihn ohne Weiteres auch als Schnösel der römischen Jeunesse dorée bloß, der über seinen Chef murrt, weil der ihn daran gehindert hat, sich bei seinem Volontärjahr in der Provinz hemmungslos zu bereichern. / Burkhard Müller, Süddeutsche Zeitung 8.2.
Julia Haig Gaisser: Catull. Dichter der Leidenschaft. Aus dem Englischen von Cornelius Hartz. Philipp von Zabern, Darmstadt 2012. 224 Seiten, 24,99 Euro.
[Cat. 85]
Odi et amo. Quare id faciam, fortasse requiris.
Nescio, sed fieri sentio et excrucior.Hassen und lieben zugleich muss ich. – Wie das? – Wenn ich’s wüsste!
Aber ich fühl’s, und das Herz möchte zerreißen in mir.
Eduard Mörike (1840)Ach, ich hasse und liebe. Du fragst, warum ich das tue.
Weiß nicht. Ich fühle nur: es geschieht und tut weh.
Max Brod (1914)
14. Kling-Comics
Fünf von Ihnen (Feuchtenberger, Yelin, tom Dieck, Schwarz und Bassewitz) setzten ein Gedicht des 2005 gestorbenen Lyrikers Thomas Kling in Comics um – alle dasselbe. „ausgerottete augn” heißt es, stammt aus dem berühmten Band „brennstabm” von 1991 und wurde wohl vor allem ausgesucht, weil darin das Wort „schmerzcomic” vorkommt.
Und daran hält sich das Quintett: Es sind radikale Lösungen, vor allem die nahezu abstrakte von Martin tom Dieck und die aus der Schrift in Gekritzel übergehende von Dirk von Bassewitz. Die ausgefallenste, nämlich inhaltlich ganz freie, hat Anke Feuchtenberger gemacht; sie ist mit fünfzehn Seiten auch die längste. Ich wüsste gern, ob dieser Comic wirklich eine Adaption des Kling-Gedichts ist, oder ob Anke Feuchtenberger eine passende bereits existierende Geschichte ausgesucht hat. / Andreas Platthaus, FAZ.net
„Neue Rundschau” Nr.3, 123. Jahrgang
101. Debatten
In einem thread versteckt läuft diese Diskussion (um Matthias Polityckis Proklamation der “Realpoesie”), die ich mal anonymisiert hier zitiere. Der “chat” hier gegeben as is d.h. eine Antwort steht nicht immer direkt unter dem letzten Kommentar. Vielleicht mag jemand weiterdiskutieren?
- “Lediglich wer behauptete, für sich selber (und niemand sonst) zu schreiben, war en vogue und auch gleich unter Genialitätsverdacht. Damit scheint es nun, zum Glück, erst einmal wieder vorbei.” tja, wer nicht damit leben kann, dass er seinen weg zum publikum aus eigener kraft gefunden hat, und anderen noch in die suppe spucken muss, weil er den genialitätspokal nicht auch noch dazu bekommt, sondern nur die verkaufszahlen, was ist der eigentlich? ein unerträglich eitler fatzke? ein schlechter gewinner?
Gefällt mir · 4 - nie verstanden habe ich, warum man, wenn man denn sein publikum doch nun erreicht hat, und man doch auch genau das wollte, noch auf denen herumtrampeln muss, die was anderes wollen.
Gefällt mir · 9 - es ist der ständige appell: du sollst wollen, was ich will, denn, was ich will, ist das einzig richtige, denn, es hat publikum. siehe, ich will das richtige, und du, du solipsistischer schreiber, du willst das falsche, du bist verderbt und schlecht und es reicht uns nicht, wenn deine verkaufszahlen mies sind und man dich nicht liest, wir wollen dich weg haben, du sollst uns nicht daran erinnern, dass man die dichtung auch aus ganz anderen gründen betreiben kann und sich in der tat nicht drum schert, ob es pläsiert.
Gefällt mir · 2 - Einen Appell sehe ich in dem Beitrag nicht, eher eine Bestandsaufnahme. Natürlich kann und soll jeder machen, was er will, was denn auch sonst? Worauf ich aber immer wieder stoße ist ein Widerspruch, der hierzu nicht passt: Nämlich dass auch all jene, die öffentlich dazu stehen, eben “etwas anderes” für ein winziges Publikum zu machen, sich spätestens beim zweiten Bier unter vier Augen darüber beklagen, dass sie keiner liest. Ja was denn nun?
- abgesehen vom argumentum ad verecundiam und der stelle mit der demut, die mich doch zum lachen brachte in anbetracht der feststellung, hier auch meinung, DAS GEDICHT sei aufgrund von selbst festgelegten kriterien die “führende lyrikzeitschrift”, etwas zum “manche ihrer Verse lernen sich von ganz alleine auswendig”:
erst vor kurzem las ich wieder einen auszug aus wiktor schklowskis “kunst als verfahren”, aus dem ich eine passage hier zitieren will, die ich überaus anregend finde. hier auf englisch.
“If we examine the general laws of perception, we see that as it becomes habitual, it also becomes automatic. So eventually all of our skills and experiences function unconsciously—automatically. If someone were to compare the sensation of holding a pen in his hand or speaking a foreign tongue for the very first time with the sensation of performing this same operation for the ten thousandth time, then he would no doubt agree with us. It is this process of automatization that explains the laws of our prose speech with its fragmentary phrases and half-articulated words.
The ideal expression of this process may be said to take place in algebra, where objects are replaced by symbols. In the rapid-fire flow of conversational speech, words are not fully articulated. The first sounds of names hardly enter our consciousness. In Language as Art, Pogodin tells of a boy who represented the sentence “Les montagnes de la Suisse sont belles” in the following sequence of initial letters: L, m, d, 1, S, s, b.
This abstractive character of thought suggests not only the method of algebra but also the choice of symbols (letters and, more precisely, initial letters). By means of this algebraic method of thinking, objects are grasped spatially, in the blink of an eye. We do not see them, we merely recognize them by their primary characteristics. The object passes before us, as if it were prepackaged. We know that it exists because of its position in space, but we see only its surface. Gradually, under the influence of this generalizing perception, the object fades away. This is as true of our perception of the object in action as of mere perception itself. It is precisely this perceptual character of the prose word that explains why it often reaches our ears in fragmentary form (see the article by L. P. Yakubinsky). This fact also accounts for much discord in mankind (and for all manner of slips of the tongue). In the process of algebrizing, of automatizing the object, the greatest economy of perceptual effort takes place. Objects are represented either by one single characteristic (for example, by number), or else by a formula that never even rises to the level of consciousness.”
und
“And so, in order to return sensation to our limbs, in order to make us feel objects, to make a stone feel stony, man has been given the tool of art. The purpose of art, then, is to lead us to a knowledge of a thing through the organ of sight instead of recognition. By “enstranging” objects and complicating form, the device of art makes perception long and “laborious.” The perceptual process in art has a purpose all its own and ought to be extended to the fullest. Art is a means of experiencing the process of creativity. The artifact itself is quite unimportant.”
ein wenig mehr davon hier
wollte man schklowski zustimmen, müsste man vermutlich feststellen, dass das, worauf realpoeten abzielen, keine poesie ist.
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- der widerspruch liegt woanders, nämlich in diesem ‘für’, literatur betreibt man ja nicht wie einen geschenkebasar, das mach ich für den zu weihnachten, und das für den zu ostern und damit beschenk ich mich nun selber. so zu denken finde ich völlig absurd, wenn ich mich an einen text mache, denn ich kann gar nicht ‘für’ irgendwen oder was schreiben, ich kann lediglich schreiben, was ich schreibe. und, sie beklagen sich nicht, dass man sie nicht liest, sie beklagen vielleicht, dass man sie nicht kauft, das ist was anderes, und völlig legitim. klar kann man auch weiterhin immer mit dem nachfrageargument seine werke heiligen, der artikel verrät aber wohl, dass es leider mit dem ‘heiligen’ nicht so gut klappt, denn irgendwas scheint dran zu sein, dass es eine utopie des eigenen gibt, die auch ein politycki nicht auszurotten im stande ist.
- es pläsiert entweder von ganz alleine – da muss man sich nicht scheren drum. Oder!
- und ganz ehrlich: mir wyrden verkaufszahlen vollauf genygen. aber ohne einen roche dafyr schreim zu myssen. lieber harry potter und danach – was sind wir knaben nicht glatt und fein was sollen wir länger schuster sein….
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- haha – den zwegat machen – raus aus den miesen …. das genie kann sich jeder meinzwegen sonstwohin stopfn…. grad styrmt der sturm und die uys halten die pappe auf der hytte fest. ….. schulfrei sonstwasfrei….
- Habe den Text auch mit Unbehagen gelesen, weil Politicky es sich mit diesem dualen hier Avantgarde da Verständlichkeit zu einfach macht, als ob das etwas über ein Gedicht aussagte, ob es dies oder das sei, es WILL vermutlich gar nicht dies oder das sein… Und im übrigen: “führende Literaturzeitschrift im deutschsprachigen Raum”- auch da wieder dieser superlativische und mir immer irgendwie hochnäsig erscheinende Ich-sag-euch-jetzt-mal-wer-der-beste-ist-Ton – das ist eine eher antipoetische Haltung für mich, sorry, Herr Politicky
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Gefällt mir · 1 - Wo zum … ist das erschienen? Wer druckt sowas?
- ich lasse mir nichts vormachen, das ist in wirklichkeit von helmut markwort geschrieben.
- warum sollte man nicht “fyrs publikum” schreiben? den trauernden zur freude? den jubelnden zu noch mehr freude? verschenktexte? einen schönen kalender mit einem schönen spruch fyr jeden schönen tag, der einem was gibt wie dankbare leser bemerken?
- haha – markwort – ja gibts den auch noch?????
- das war doch der von hörzu????? fryhkindliche traumata ….
- ok, dann nehme ich den ruhm und die untserblichkeit!
also ehrlich: alles was bisher in markt- und/oder mehrheits – weil gewinnkonforme kriterien zur qualitätsbestimmung überführt wurde, ist doch mittlerweile in die hose gegangen und so wird auch das gedicht irgendwann nicht mehr mit triple A nach hause gehen, wenn es dem düsteren lesermop nur immer hinwirft, was geschmeckt. ohne das was hier endlich ein ende zu finden hat, wüsste leser doch gar nicht wofür er mal wieder mit so verständlichen gedichten belohnt wird.
- ich empfehle folgendes produkt:
Der Lebensfreude-Kalender 2013
Der Lebensfreude-Kalender 2009
- es ist der kampf um den kanon, weil wir alle wissen, menschen sind davon beeinflusst, was andere wertschätzen, obs der eames sessel ist, die automarke, herrn purzel, oder coop himmelblau, und als literat mit ganz guten verkaufszahlen ahnt man vielleicht, man tanzt, wenn, nur einen sommer, und, das ist zu wenig, man will ja schließlich heute leben und nach dem tod aber auch noch gelesen werden, und, wäre ja gruselig, wenn man dann einfach wen wieder ausgraben würde, vielleicht dann auch gerade noch aus trotz wen völlig vergessenen…
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- echt….. wie hiess das: Tina, oder über die Unsterblichkeit…aschmidt
- ja frau s, das scheint so zu stimmen, auch wenn ich lieber die götter als lenker ohne portemonnaie für den kanon hätte. was soll das auch immer mit diesen quantitativen messungen!?
- der lebensfreudekalender erinnert mich an eine scene aus gondry s science of sleep, der erfolglose graphiker bietet seiner agentur einen flugzeugabsturzkalender an
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- das Ende sagt alles: man will an einem Prozess mitwirken, der “auf die endgültige Ablösung von der (lyrischen) Moderne hinausläuft” – Antimodernismus = Konservativismus, nicht vielfältige Lyrikszenerien, sondern eine (!) Mitte (Sedlmayr)! Das ist die Antwort auf die oben von S und anderen gestellte Frage, warum man das, was andere machen, bekämpft – aus Ideologie.
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- aber wovon motiviert kommt ein mensch zu solchen forderungen? kann der denn nicht auch auf beiden hochzeiten tanzen… der hat doch mit so einer versöhnlichen anekdote angefangen! ich frag mich, warum der so bissig ist.
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- …und dabei so traurig guckt.
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- eine lyrische “endlösung”, juchhei, na, da freuen wir uns doch mal gleich mit…
- g., ich glaube, da verwechseln sie was: mir zumindest ist niemand bekannt unter den dichter/innen, der/die sich darüber beklagt, zu wenig gelesen zu werden. wenn schon klagen, dann weil lyrik als kunstform allgemein so wenig beachtet und auch völlig falsch eingeschätzt wird – nämlich, so meine erfahrung, überhaupt nicht als zu akademisch und hermetisch, sondern als zu einfach, oder als zu sentimentales gewäsch. mein vater zb hat sich lange geweigert, lyrik zu lesen, weil er dachte, da gehts nur um beziehungszeugs und gefühlsausbrüche. oder es war ihm zu formloses alltagszeugs, eigentich stimmte er, ohne den zu kennen, völlig mit thomas klings meinung über die lyrik der achtziger überein. und das scheinen eigentlich viele leute der älteren generationen zu tun, unbewusst. leitner will seine leser klein halten, indem er ihnen “einfache” gedichte vorsetzt und ihnen sagt, schaut, das ist, was ihr verstehen könnt, ich habe das für euch in eurer sprache geschrieben. das finde ich einfach nur ekelhaft.
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- http://www.amazon.de/Zeit-zum-Leben-2013-Wunschgedichte-Kalender/dp/3880875758/ref=sr_1_3?s=books&ie=UTF8&qid=1350996455&sr=1-3
Zeit zum Leben 2013: Elli Michler – Wunschgedichte-Kalender
- http://www.youtube.com/watch?v=GUCrM5i_W3c
The Science of Sleep (trailer)
From the director of the Eternal Sunshine of the Spotless Mind. - sowas – in der Art?????
- Man merkt ja, wenn die Leser größer sind, vielleicht auch, dass man nicht mehr drüber schauen kann … die Leser MÜSSEN weniger verstehen, sonst wäre man ja nur einer unter ihnen … wenn jemand klagt, wie von W beschrieben werde ich auch misstrauisch. Vielleicht hat er die falschen Freunde, wenn er es nicht verwechselt wie oben beschrieben …
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- bundesverdienstkreuz am band, na, ob das bis in die ewigkeit reicht, wir wünschen es ihr.
- wie sagte frau mayröcker, ich weiß gar nicht, was er meint, ich verstehe jeden satz…
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- na, er guckt doch eher versöhnlich, nicht? solch eine ideologie kann eine abwehrhaltung sein gegen die intellektuelle, emotionale und auch existentielle zumutung, die ein großartiges gedicht darzustellen vermag. die fixierung komplexitätsreduzierender meinungen ist immer schon ein mittel gewesen, um sich (z.b. im so hermetisch-dschungeligen lyrikchaos) heimischer zu fühlen.
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- Wenn Tische Worte wären,
dann hätte der Hut
in der Hütte
Angst vor mir.Der Ofen trinkt Bier.
Dazwischen leben wir.
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- stop it
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- hier passt auch sehr schön: “Nichts am Gesagten war neu, der Text war bis in die letzte Formulierungseinzelheit hinein fertig durchstandardisiert und ohne jede inhaltliche Information, wurde aber so ausgetauscht, als würde mit ihm ein hochinteressantes Wissen, zugleich eine hochindividuelle Besonderheit des sich selbst damit darstellenden Sprechers mitgeteilt. Im Kern bestand diese Individualitätsmitteilung darin, dass nichts individuell Abweichendes von diesem Individuum her drohte, dass auch dieser Sprecher das von der Allgemeinheit Vorgeschriebene kannte und akzeptierte. Im richtigen Moment konnte die deprimierende Abgedroschenheit des auf dieser Art Dahergeredeten deshalb Wohlbefinden, ein Gefühl von Gefahrlosigkeit, Vertrautem und Vertrauen in gesellschaftliches Gehaltensein hervorrufen, im falschen Moment Abscheu, Ekel, Hass auf die Demenz der Normalität.” R. Goetz, Johann Holtrop
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- Jeder Tag
ist ein
Raum.Gedanken
sind
Möbel.Kühe
sind
Buchstaben.Zwar
ist das Quatsch,
aber
irgendwie
gut. - “Im Kern bestand diese Individualitätsmitteilung darin, dass nichts individuell Abweichendes von diesem Individuum her drohte, dass auch dieser Sprecher das von der Allgemeinheit Vorgeschriebene kannte und akzeptierte.” yes, indeed
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- Einfach schreiben, damit auch der Dümmste es versteht find ich persönlich genauso albern wie bewusst kompliziert zu schreiben, damit keiner es versteht. Nur für sich zu schreiben ist ok, mach ich auch hin und wieder. Warum man diese “nur für mich”-Texte dann veröffentlichen muss, erschließt sich mir nicht. Wenn man veröffentlichen will, sollte man beim Schreiben auch den Leser im Blick haben, denke ich. Zum Thema Beklagen: Ja, es wird beklagt, dass die Lyrik generell ein so kleines Publikum hat, viele beklagen auch, dass sie persönlich kein Publikum haben. Beides ist legitim, ersteres beklage ich auch ständig. Aber wenn man es beklagt, muss man auch zumindest versuchen, etwas dagegen zu tun. Leitner und Co tun das auf ihre Weise. Man muss deren Art nicht gut finden, aber eines haben sie den meisten Lyrikern voraus: Sie verstehen was von Marketing. Sie rümpfen nicht die Nase über Marktmechanismen, sondern machen sie sich erfolgreich zunutze. Es gibt sicher auch viele andere Arten, wie man das tun kann. Aber man muss es tun, denn ohne geht’s nicht, ohne wird die Lyrik klein bleiben, die Komplizierte wie die Verständliche. Und das muss nicht sein. Ich erlebe es andauernd, dass es möglich ist, Menschen, die vorher noch gar keine Berührung damit hatten, für Lyrik zu begeistern. Es geht, es ist machbar. Warum zieht man in der Lyrikszene nicht an einem Strang statt gegeneinander zu giften? Warum schließen sich nicht mal zehn kleine Verlage zusammen und organisieren eine große Messepräsentation? All das ist machbar, man muss es nur wollen…
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- Sie verhinderns doch gerade, indem sie den Leuten einreden, sie brauchten die sprachlichen Mittel nicht zu kennen und könnten doch das ganze haben. nein das ist nicht Popularoisierung, sondern Ersatz durch derivate, unabhängig davon, dass mal ein guter Text ihnen hineinrutschen mag.
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- Ich sagte gerade “man muss ihre Art ja nicht mögen, man kann’s auch anders machen”. Gut, dass es eine Diskussion gibt (wie so oft durch Leitner angestoßen). Aber diskutieren allein bringt’s nicht, jammern und nörgeln noch weniger. Selbst, anders, besser machen, das wäre mal was
- all das wird längst gemacht… und, kriegt man vielleicht mal aus den köpfen raus, dass irgendwer bewusst kompliziert schreibe, diese denke ist mir total fern.
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- Ja, es wird viel gemacht, aber kaum etwas Effektives, leider. An Effizienz und Wirkung macht Leitner von all jenen, die über ihn herziehen, keiner was vor. Und: es gibt diverse Lyriker, die bewusst kompliziert schreiben und das auch offen sagen. Ist ja auch kein Problem.
- naja ich halts für ineffektiv und sehe mein eigenes verlerisches Wirken als sinnvoller, mir fehlen natürlich aus ökonomishcen Gründen die Verstärker.
- sehr geehrter herr w, ich verfolge leitners tun kaum, und, dieser herr hat mir mal mit zu einem halben lustspielpreis verholfen, ich betreibe mein dichten nicht effizient, das ist wahr, und darum bin ich auf menschen angewiesen, die marketingstrategien dafür entwickeln, auch das ist klar, und, die gibt es ja, dennoch ist das beste marketing ein gutes produkt, das ist meine überzeugung, dass man sich trotzdem mit jeder menge anderem kram sein leben vollmüllt, geschenkt, ist erlaubt. darum gibts ja auch made in china, ich hab auch nix gegen trash, und, ach, egal, ein hoch auf anton g. und die erfindung des lyrikkalenders…
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- und, was das giften betrifft, man schaue mal, wer damit angefangen hat, und, was das klagen betrifft vielleicht auch… kookbooks klagt selten und macht einfach weiter…so what
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- ich erinnere mich dunkel, dass das dem herrn leitner so gar nicht passte…
- warum auch immer
- also – mir leuchtet die positive korrelation zwischen verkaufszahl und kwalliteit, die von herrn politicky im vorstehenden artikel hergestellt wird, nicht ein.
- Wenn ein gutes Produkt die beste Werbung wäre (schön wärs) würde der Buchmarkt anders aussehen. Und das was Sie sagten meine ich ja: Allein hat kaum einer in der Szene die Mittel, großes Marketing zu machen. Wenn sich einige Lyrikverlage mit ihren Autoren mal an einen runden Tisch setzen und in die Hände spucken würden sähe das schon ganz anders aus…
- iwo…. es gibt auch verkaufsschlager ohne marketing – siehe allert-wybranietz.
- doch, ein gutes produkt ist die beste werbung, nur keine, die gut funktioniert, das muss man aber den machern nicht vorwerfen, und wenn sie selbst sich nicht besser vermarkten können, ist das nicht ihr fehler.
- das ändert nichts an der qualität.
- Die sitzen schon und spukten in die Hände und nicht zu wenig und man sieht es auch, wenn man hinschaut. Es ist nur die Frage: will man ein gutes Produkt oder schaut man: Was kann man auf dem Markt platzieren und wählt danach das Produkt, dass dann eben auch Derivat sein kann … wenn die angestoßene Diskussion Deine Meinung G modifiziert und nicht bloß verfestigt hätte sie ja was gebracht … ansonsten sinds ja immer wieder dieselben Dinge die einen ärgert….
- Man kann sich auch wirklich alles schönreden…
- höre ich da einen Ansatz zur Selbstkritk?
- ja, ich kenne die Ansätze und Versuche. Groß gebracht haben sie bisher nichts. Also? Aufgeben?
- was daran jetzt schöngeredet sein soll, wenn man sich seine eigene unfähigkeit zur vermarktung eingesteht?
- Ich meinte eher die Haltung, die ich herauslese: Ich kann kein Marketing also ist’s auch egal und ich muss mich nicht weiter drum kümmern.
- ja, und? was ist daran schöngeredet? ich kann eben kein marketing, das macht es nicht besser, im gegenteil.
- Wenn ich von einem Buch begeistert bin, es mir Kraft, neue Einsichten oder neue Tools gibt … dann hat es was gebracht und wie nun andersherum: Wenn es einem Viertel der Leser eines Buches so geht dann sind es vielleicht mal schon hundert, denen man echt etwas fürs Leben gegeben hat. 8Und genau so bekomme ich von anderen Menschen anderen Schreibern regelmäßig etwas zurück) sabine behauptet das sie nichts mit Marketing am Hut hat. Gilt nicht für alle. Das ist zwar nicht mein Spezialgebiet, aber sonnabend beim Verlagsfest habe ich von allen Leipziger Verlagen am meisten Bücher verkauft und das mit einem Lyrikprogramm.
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- G – ehrlich: Mit Lyrikbänden gehts mir wie mit den Traktaten von Jehovas Zeugen – ich wills NICHT aufgeschwatzt kriegen. Wenn jetzt jemand kommt und mir sagt: das musste lesen – bin ich weg.
- B, auch ich freue mich über jeden einzelnen, den ich gewinnen kann und über jede Veranstaltung, bei der Bücher im zweistelligen Bereich weggehen. Aber sollte es nicht insgesamt mal das Ziel sein, dass die durchschnittliche Lyrikauflage vom drei in den vierstelligen Bereich wächst?
- M – ich freu mich darüber, denn sonst würden mir in der Masse der Veröffentlichungen viele gute Bücher entgehen.
- mir gehts mit vielem so. gutes marketing schwatzt eigentlich auch nicht auf, für mein empfinden, und leitner schwatzt aber ganz gern auf und politycki, und, funktioniert ja vielleicht auch. mit literatur und kunst geht es mir aber wie mit eigenen idiosynkrasien, die man schwerlich aus- oder eingeredet bekommen kann.
- naja kommt darauf an G. Sollte man nicht etwas den Leuten anbieten, was sie nur da bekommen? Bei anderen Sachen (Deine kenne ich zu schlecht) ist es ja so, dass das eine durch das andere ersetzbar ist. Also viele Leute, die sich nach “das Gedicht” zufrieden fühlen, die könnten auch ebensogut etwas anderes lesen und ich behaupte: tendenziell beseres, weil es nicht ihre Ideologie als kompetenter Leser streichelt und sie so zu Ignoranten erzieht.
- hah, dieses ziel hab ich erreicht, darf ich jetzt nicht mehr auf der seite der ignorierten stehen…
- Auf dem Dorf war ich der Einzige der Trakl las. Es war sehr wichtig. Die DDR Bonzen meinten, der sei entbehrlich … deswegen G hab ich eine Scheu gegen das Argument der reinen Zahl. Mehrheit legitimiert gar nichts, deswegen sind Verkaufszahlen nur fürs Überleben als bürgerliche Persönlichkeit wichtig und um Mittel an die Hand zu bekommen.
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- seltsamer weise hat man aber in der masse immer auch doch noch zu denen gefunden, die man nicht ständig wie sauerbier anpreist, man unterschätze auch nicht, dass menschen ganz gern auch selbst mal was entdecken, vielleicht nicht alle, aber doch auch einige, dass man sie entdecken kann, dazu müssen sie verkrichbar sein, sprich, irgendwo und irgendwie verlegt, ja, auch das ist wahr.
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- B, ja, grundsätzlich sicher richtig, das Problem aber ist nunmal leider, dass man erstmal dafür sorgen muss, dass die Menschen drauf aufmerksam werden. Das schafft Leitner – und ich bin sicher, das können auch andere schaffen.
- ich bin grundsaetzlich der Meinung, dass Verkaufserfolge besser sind als Foerderungen/Stipendien/Preise – ja, dann is doch aber auch gut! Verkauft und seid glycklich!
- Zu den Zahlen und Deinem DDR-Beispiel: Auch das ist richtig. Aber worum geht es denn hier? Leitner verkauft viel und bekommt viel Aufmerksamkeit. Das schmeckt einigen nicht, weil sie Leitners Arbeit eben kritisch betrachten und sich zugleich wünschen, dass die Lyrik insgesamt in ihrer Vielfalt mehr gekauft und gelesen wird. Und nur darum geht es mir ja auch: Zu fragen, wie sich das bewerkstelligen lässt. Ich denke: Das geht nur gemeinsam und gezielt.
- Muss mich jetzt hier mal ausklinken – die Arbeit ruft.
- was mir nicht schmeckt, ist diese kampfhaltung gegen die moderne, die leitner et al vertreten. da steh ich plötzlich wie selbstverständlich auf der seite czernins, sozusagen.
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- und was heißt unverständlich, was akademisch? sind meine gedichte unverständlich, kompliziert???
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- und was mich ein wenig nervt: dass diese diskussion auf meinem stream läuft anstatt auf der lyrikzeitung, wo sie jedenfalls ein bisschen öffentlichkeit hätte. was wichtig wäre.
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- “leitner [...] sagt, schaut, das ist, was ihr verstehen könnt, ich habe das für euch in eurer sprache geschrieben.”
–> Anton G. Luther !
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- im grunde sagt leitner, schaut, das ist das, womit ich mich noch befassen mag, alles andere interessiert doch eh nicht, mich nicht, euch nicht und alle anderen nicht. klarer fall von falscher konsens effekt würde ich behaupten…
65. Hombroich: Poesie
Raketenstation Hombroich
Vom 12. bis 15. September 2012 findet auf der Raketenstation Hombroich das dritte Colloquium für Poesie statt. 14 – unter den ästhetisch interessanten und relevanten – bedeutsame deutschsprachige Lyriker, Autoren und Philosophen treffen sich in einem informellen Forum zu Grundlagenfragen im poetischen Tun. Dezidiert außerhalb geläufiger Übereinkünfte und Gemeinplätze darüber, was das Denken der Sprache des Gedichts und des Denkens betrifft, soll hierbei das Projekt der Poesie frei von saisonaler Wahrnehmung und medialen Einschätzungen innerhalb des Betriebsgefüges literarischer Öffentlichkeit überdacht und fortgesetzt erweitert werden.
Die publikumsöffentliche Lesung aller Teilnehmer findet in Zusammenarbeit mit dem Förderverein der Stiftung Insel Hombroich am Samstag, dem 15. September 2012 um 18 Uhr in der Veranstaltungshalle auf der Raketenstation Hombroich statt.
Es lesen Urs Allemann, Franz Josef Czernin, Michael Donhauser, Oswald Egger, Christian Filips, Brigitta Falkner, Barbara Köhler, Benedikt Ledebur, Thomas Schestag, Farhad Showgi und Ulf Stolterfoht Texte von Autoren, welche der Insel verbunden waren oder assoziiert sind: Hans Arp, H.C. Artmann, Inger Christensen, Thomas Kling, Ernst Jandl, Oskar Pastior, Francis Picabia, Kurt Schwitters u.a.m.
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Veranstalter
Das böhmische Dorf.
Gemeinnützige Gesellschaft für Literatur und Kunst
Raketenstation Hombroich
D-41472 Neuss
tel +49(0) 2182 570 000
anmeldung@hombroich.com
Die Aktivitäten des böhmischen Dorfes werden unterstützt von der Literaturabteilung der Landesregierung NRW, von der Kunststiftung NRW sowie vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst, Wien.
94. Langes Kunstkammer
Am Anfang des Gedichtbandes überrascht uns Lange mit einem «Taglied», das in zarten, tastenden Fügungen vom Erwachen der Sinne am Morgen handelt, von einer poetischen Osmose zwischen dem lyrischen Ich und einer Welt, die immer mehr in den Bann der Digitalisierung gezogen wird. Solche liedhaften Verse setzt Lange immer wieder in scharfem Kontrast zu seinen hart gefügten Standfotos und Collagen deutscher Unheilsgeschichte. Im Gedicht «Ein Foxtrott nicht» werden etwa die Vokabulare und Bildwelten des Flugzeugbaus, der Waffentechnologie, der Vogelwelt und der Ölbild-Komposition eng miteinander verknüpft. Bilder aus der militärischen Sphäre stehen direkt neben Metaphern des Sentiments: «aus der Waffenkammer / hüpft der Kummer». In ihren harten Schnitten, Montagen und Übermalungen erinnern die Gedichte bisweilen an die «Schädelmagie» des 2005 verstorbenen Thomas Kling, mit dem Norbert Lange befreundet war. Dann wieder bezaubert der Autor mit «blitzend fein geschliffnen Wortbeilchen» und ganz leichthändigen Alltagsbildern. In dieser «Kunstkammer» gibt es viel zu entdecken: kryptische Geschichtscollagen, zarte Lieder und magische Dinggedichte. / Michael Braun, NZZ
Norbert Lange: Das Schiefe, das Harte und das Gemalene. Kunstkammer. Verlag Luxbooks, Wiesbaden 2012. 122 S., Fr. 31.40.
92. Zwei Frühvollendete
Buchebners zweite Inspirationsquelle ist, wie man in dem wunderbaren Sammelband ich die eule von wien nachlesen kann, weitaus verblüffender. Der Dichter, lose verankert in dem Literatenzirkel um den Wien-Heimkehrer Hermann Hakel, verehrt den US-Beat-Poeten Allen Ginsberg. Ihm denkt er die Rolle des Erlösers zu: “ginsberg wo bleibst du? nimm auf dein joch und komm über die hellblaue kette der appalachen …”, fleht dieser Orpheus aus der Obersteiermark sein Idol im fernen New Jersey an. Ginsberg soll nach Europa herüberkommen und die Ketten der Wohlstandsgesellschaft zerbrechen helfen.
Das gleichnamige Gedicht (ginsberg wo bleibst du?) gehört zu den bewegendsten Zeugnissen von Buchebners Rast- und Ruhelosigkeit. Der Autor gibt poetisch zu Protokoll, “an der atlantischen küste” zu stehen (“wo mag dein u-boot auftauchen aus der flut?”). Zugleich beneidet er den homosexuellen Priester der US-amerikanischen Gegenkultur um dessen Erfahrungsschätze, die Ginsberg scheinbar wie von selbst in den Schoß gefallen sind. “du hast apollinaire besucht eisenhower gesehen den jazz im birdland gehört”, zählt Buchebner atemlos begierig auf.
(…)
Kling gehörte zu den raren Sängerdichtern, in deren zu Performances erweiterten Lesungen das Ungezügelte, Schamanische scharf aufblitzte. Dieser Autor definierte die “dichterische Sprache als Wahrnehmungsinstrument”. Das nachgelassene Brevier-Buch Das brennende Archiv (Suhrkamp) mit Gedichten, Bildern und Interview-Zeugnissen ist eine Einladung, Kling nachzulesen. / Ronald Pohl, DER STANDARD 11.8.

