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Im Netz seit 1.1.2001

Frankfurter Lyriktage

Veranstaltungen

MI / 10 / 06 / 20:00

Frankfurt am Main
Dominikanerkloster

Marcel Beyer und Ensemble Modern
Lesungskonzert zur Eröffnung der Frankfurter Lyriktage

DO / 11 / 06 / 19:30

Frankfurt am Main
Historische Villa Metzler

Der Dichter Lutz Seiler

DO / 11 / 06 / 20:00

Frankfurt am Main
Blaues Haus

Martina Hefter, Jan Kuhlbrodt und Martin Piekar
Lyrik an der Theke

FR / 12 / 06 / 19:30

Frankfurt am Main
Haus am Dom

Nikola Madzirov, Ilma Rakusa und Aleš Šteger
Kreuzungen und Kartierungen

(mehr…)

Tadeusz Dąbrowski

“Ich bin ein Mensch – ein Mensch, der Gedichte schreibt”: Diesen einfachen Satz, der von dem kürzlich verstorbenen großen Lyriker Różewicz stammt, hat Tadeusz Dąbrowski einem seiner neuen Gedichte vorangestellt. Doch er könnte genauso gut als Motto des ganzen Bandes fungieren. Für ihn, schreibt Dąbrowski in jenem Gedicht, sei ein Dichter nur “ein Handwerker, besorgt um das Schicksal der Dichtung”, seine Metaphysik – nichts weiter als “ein Rad am Wagen”. So klingt auch seine Stimme klar und deutlich, obwohl er eigentlich kein einheitliches poetisches Idiom erkennen lässt. Im Gegenteil, nichts scheint ihm einen größeren Spaß zu machen als mit der Vieldeutigkeit der Sprache zu spielen. / Marta Kijowska, DLF

  • Tadeusz Dąbrowski: Die Bäume spielen Wald. Gedichte. Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall. Edition Lyrik Kabinett im Hanser Verlag, 97 S., 15,90 €.
  • Tadeusz Dąbrowski: Schwarzes Quadrat auf schwarzem Grund. Zweisprachig. Übersetzt von Andre Rudolph, Alexander Gumz und Monika Rinck. Wiesbaden: Luxbooks, 2010.

Internationales Lyrikertreffen Münster

vom 8. bis 10. Mai / Poetry im Vorfeld / Poesiepreis-Verleihung am Schlusstag

148129VMünster (SMS) Die klugen wie unterhaltsamen Prosa-Miniaturen, mit denen die Büchner-Preisträgerin Brigitte Kronauer deutsche Balladen kommentiert hat, wertet Hermann Wallmann als eine Art „Vorschule des anreichernden und bereichernden Lesens“. Sie öffnen das Auge für Details und bilden mit den modernen und klassischen Balladen, die Schauspieler Gerhard Mohr vom Theater Münster vortragen wird, einen sprachgewaltigen Auftakt für das Internationale Lyrikertreffen. Vom 8. bis 10. Mai steht Münster ganz im Zeichen der Dichtkunst. Drei Tage Lyrik pur – modern, lebendig und weltoffen.

Die 19. Ausgabe, gemeinsam ausgerichtet vom städtischen Kulturamt und Literaturverein Münster, verspricht mit ihren Kontrasten hochinteressante Einblicke in die Stimmenvielfalt aktueller Poesie. Lyriker von Renommee und aufstrebende junge Namen sind der Einladung des künstlerischen Leiters gefolgt, viele von ihnen – darunter Esther Kinsky, Uljana Wolf oder die Österreicherin Maja Haderlap – sind Träger wichtiger Literaturauszeichnungen. Hermann Wallmann: „Fast alle arbeiten auch als Übersetzer. Lyrik von heute bedeutet Belesenheit, Mehrsprachigkeit, poetologische Reflexion, internationalen Austausch.“

Dass die Übersetzung von Lyrik selbst schöpferische Leistung ist, das würdigt die Stadt Münster mit ihrem bundesweit einmaligen Preis für Internationale Poesie. Sie vergibt ihn – seit 1993 – traditionell am Schlusstag des Lyrikertreffens. „Diese Auszeichnung ist im besten Sinn eine Anerkennung für Verständigung, für Vermittlung über Sprachräume und Grenzen hinweg“, unterstreicht Kulturamtsleiterin Frauke Schnell die Aktualität. „Der Poesiepreis ist eine wichtige Auszeichnung in der Friedensstadt Münster.“ Mit Charles Bernstein wird ein Verfechter des „Schwierigen Gedichtes“ geehrt. Der Amerikaner gilt seit den 1970er Jahren als prominentester Vertreter der „language poetry“. Neben Bernstein geht der Preis an zwei Kollektive, die bei ihren Übersetzungen ungewöhnliche Wege beschreiten, sich vom Original lösen und dem übersetzten Gedicht eine eigene Sprache verleihen. Vertiefen lässt sich das beim Lyrikertreffen: Ein öffentlicher Workshop lädt zum Experimentieren mit Sprache und Sprechen ein.

Lyrik im Genre-Mix

Das ist eine spannende Verbindung zu Poetry 2015. Bereits im April beginnt ein umfangreiches Programm, in dem sich Lyrik mit anderen Künsten verbindet in Filmen, Sprechduetten, Musik, Fotografien, Videoclips. Beide, das Poetry-Programm und das Lyrikertreffen, widmen sich dem Thema Portrait. So gilt das „in memorian“ Helga M. Novak (1935-2013). Silke Scheuermann liest die expressiven Liebesgedichte der „Wutbürgerin“ (Tagesspiegel), die – aus der DDR ausgebürgert – isländische Staatsbürgerin wurde. Joachim Sartorius portraitiert mit Wallace M. Stevens einen der größten amerikanischen Dichter des 20. Jahrhunderts.

Abendlesungen

Auffälliges Thema in der Gegenwartslyrik ist Natur und Naturgeschichte – auch eines der Schwerpunktthemen in Münster. So nimmt Esther Kinsky (mit ihrem Roman „Am Fluss“ auf der Longlist des Deutschen Buchpreises) die Vegetation einer Landschaft zum Ausgangspunkt für ausgedehnte lyrische Streifzüge. Heinrich Detering, renommierter Literaturwissenschaftler aus Göttingen, holt Welt und Geschichte in den Vers. Maja Haderlap wendet sich der politisch registrierten Landschaft zu. Wie auch Daniela Danz, die sich der Chiffre „V“ wie Vaterland widmet und fragt, was Europa, was die Gesellschaft zusammenhält. Mit klugem Witz betrachtet der junge polnische Lyriker Tadeusz Dąbrowski die Welt. Strengen formalen Regeln unterwirft der Leipziger Thomas Kunst die Sprache, wenn er Geschichten in komplexen Sonettenkränzen erzählt. Der Leipziger – zugleich als Gitarrist in der improvisierten Musik zuhause – schreibt intensive Gedichte, erotische Liebesgeschichten, Zeilen vom Leben und vom Scheitern, die unter die Haut gehen.

Auf eine persönliche und lebensnahe Vermittlung für Lyrik setzen auch die Schullesungen. Viele Dichter kommen in die Klassenzimmer. Sie sind nicht nur in den Oberstufen zu Gast, sondern innerhalb des Angebotes „Kulturrucksack“ auch bei den 10- bis 14-Jährigen.

Kartenvorverkauf im Theater Münster, Telefon 59 09 100. Ein ausführliches Programmheft gibt es in der Münster Information, Stadthaus 1; www.lyrikertreffen.muenster.de

Ihre Gedichte schreiben Naturgeschichte: Die Lyrikerin Silke Scheuermann. Foto: Kirsten Bucher.

Ihre Gedichte schreiben Naturgeschichte: Die Lyrikerin Silke Scheuermann. Foto: Kirsten Bucher

Seine Gedichte wirken leicht und beschwingt: Tadeusz Dabrowski liest beim Lyrikertreffen in Münster. Foto: Renata Dabrowski

Seine Gedichte wirken leicht und beschwingt: Tadeusz Dabrowski liest beim Lyrikertreffen in Münster. Foto: Renata Dabrowski

Seine Werke sind musikalisch inspiriert: Der Autor und Gitarrist Thomas Kunst. Foto: Mayjia Gille

Seine Werke sind musikalisch inspiriert: Der Autor und Gitarrist Thomas Kunst. Foto: Mayjia Gille

Lyrikempfehlungen

Viele gute Gedichtbücher sind zwischen Anfang 2014 und März 2015 erschienen. Welche darunter sind außerordentlich bemerkenswert, interessant, überraschend? Kritiker, Lyriker und Vertreter literarischer Institutionen haben zwölf deutschsprachige und zwölf ins Deutsche übersetzte Gedichtbände ausgewählt, die sie für besonders empfehlenswert halten.

Die Empfehlungsliste erscheint einmal jährlich und wird von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Stiftung Lyrik Kabinett und der Literaturwerkstatt Berlin zur Leipziger Buchmesse und zum Welttag der Poesie in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bibliotheksverband präsentiert.

Wir wünschen den Lyrik-Empfehlungen breite öffentliche Aufmerksamkeit, damit die Stimmenvielfalt der Poesie weitere Leserinnen und Leser findet.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung und die Stiftung Lyrik Kabinett veröffentlichen jährlich eine Empfehlungsliste von Neuerscheinungen deutschsprachiger Lyrik und ins Deutsche übersetzter Lyrik. Neue Partner seit 2015 sind die Literaturwerkstatt Berlin und der Deutsche Bibiotheksverband.

Über die Empfehlungsliste entscheidet ein Gremium aus Lyrikern,Kritikern und Vertretern literarischer Institutionen. Dem Gremium gehören an:

  • Michael Braun (Kritiker)
  • Heinrich Detering (Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung)
  • Maria Gazzetti (Leiterin der Casa die Goethe)
  • Harald Hartung (Lyriker)
  • Ursula Haeusgen (Begründerin der Stiftung Lyrik Kabinett)
  • Florian Kessler (Journalist)
  • Michael Krüger (Schriftsteller)
  • Holger Pils (Leiter der Stiftung Lyrik Kabinett)
  • Monika Rinck (Lyrikerin)
  • Daniela Strigl (Kritikerin)
  • Jan Wagner (Lyriker)
  • Thomas Wohlfahrt (Leiter der Literaturwerkstatt Berlin)

Im Rahmen der Buchmesse Leipzig findet in zwei Veranstaltungen eine öffentliche Präsentation der Lyrik-Empfehlungen statt:

Freitag, den 13. März 2015
16 Uhr: Literaturforum Halle 4, Stand E101, Messegelände
20 Uhr: Gohliser Schlösschen, Menckestraße 23, Leipzig
mit Marcel Beyer, Michael Braun, Sonja vom Brocke, Tadeusz Dąbrowski, Heinrich Detering, Florian Kessler, Michael Krüger, Margitt Lehbert, Holger Pils, Jan Wagner und Thomas Wohlfahrt

Außerdem ein Gespräch über die Lyrik-Empfehlungen am
Samstag, den 14. März 2015
10 Uhr: 3sat – Kulturzeit, Glashalle, Stand 18, Messegelände
mit Jan Wagner und Holger Pils

Das PDF enthält die ausführlichen Listen »Deutschsprachige Lyrik« und »Internationale Lyrik in Übersetzung« mit Begründungen. Hier

Lyrik-Empfehlungen 2015
Deutschsprachige Lyrik

  • Marcel Beyer: Graphit. Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
  • Paulus Böhmer: Zum Wasser will alles Wasser will weg. Verlag Peter Engstler, Ostheim/Rhön 2014
  • Sonja vom Brocke: Venice singt. kookbooks, Berlin 2015
  • Daniela Danz: V. Wallstein Verlag, Göttingen 2014
  • Andrea Grill: Safari, innere Wildnis. Otto Müller Verlag, Salzburg 2014
  • Jürg Halter: Wir fürchten das Ende der Musik. Wallstein Verlag, Göttingen 2014
  • Christine Lavant: Zu Lebzeiten veröffentlichte Gedichte. Herausgegeben und mit Nachworten von Doris Moser und Fabjan Hafner, unter Mitarbeit von Brigitte Strasser. Wallstein Verlag, Göttingen 2014
  • Christoph Meckel: Tarnkappe. Gesammelte Gedichte. Herausgegeben von Wolfgang Matz. Carl Hanser Verlag, München 2015
  • Dirk von Petersdorff: Sirenenpop. Verlag C. H. Beck, München 2014
  • Silke Scheuermann: Skizze vom Gras. Schöffling & Co. Verlag, Frankfurt a.M. 2014
  • Jan Wagner: Regentonnenvariationen. Hanser Berlin, Berlin 2014
  • Judith Zander: manual numerale. DTV, München 2014

Internationale Lyrik in deutscher Übersetzung

  • Donald Berger: The Long Time/ Die währende Zeit. Poems / Gedichte. English / Deutsch. Aus dem Englischen von Christoph König. Wallstein Verlag, Göttingen 2015
  • Miron Białoszewski: Vom Eischlupf. Nachdichtungen. Herausgegeben von Dagmara Kraus, zahlreiche Übersetzer. Reinecke & Voß, Leipzig 2015
  • Yves Bonnefoy: Die lange Ankerkette. Aus dem Französischen von Elisabeth Edl und Wolfgang Matz. Carl Hanser Verlag, München 2014
  • Vladislav Chodasevič: Europäische Nacht. Ausgewählte Gedichte 1907 bis 1927. Aus dem Russischen von Adrian Wanner, mit einem Nachwort von Vladimir Nabokov. Arco Verlag, Wuppertal 2014
  • Tadeusz Dąbrowski: Die Bäume spielen Wald. Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall. Edition Lyrik Kabinett bei Hanser, Carl Hanser Verlag, München 2014
  • Emily Dickinson: Sämtliche Gedichte. Zweisprachig. Aus dem Englischen übersetzt und herausgegeben von Gunhild Kübler. Carl Hanser Verlag, München 2014
  • Lars Gustafsson: Das Feuer und die Töchter. Aus dem Schwedischen von Barbara M. Karlson und Verena Reichel. Carl Hanser Verlag, München 2014
  • Michel Houllebecq: Gestalt des letzten Ufers. Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel und Stephan Kleiner. Dumont Buchverlag, Köln 2014
  • Jouni Inkala: Der Gedankenstrich eines Augenblicks. Aus dem Finnischen von Stefan Moster. Wunderhorn Verlag, Heidelberg 2014
  • Les Murray: Aus einem See von Strophen. Hundert ausgewählte Gedichte. Aus dem australischen Englisch von Margitt Lehbert. Mit einem Nachwort von Thomas Poiss . Edition Rugerup, Berlin 2014
  • Edith Södergran / Elmer Diktonius / Rabbe Enckell / Gunnar Björling / Henry Parland: Finnlandschwedische Literatur der Avantgarde. Hrsg. und übersetzt von Klaus-Jürgen Liedtke. 5 Bände in Kassette. Kleinheinrich Verlag, Münster 2014
  • Danica Vukićević: Schamanin. Aus dem Serbischen von Matthias Jacob. Drava Verlag, Klagenfurt 2014

88. Tadeusz Dąbrowski

Die hinreißende Kompliziertheit des Polnischen verträgt sich gut mit Neuer Musik. Soviel stand am Ende des Festivals “Europäischer Dichter der Freiheit” fest, das die Stadt Danzig im März 2014 zum dritten Mal ausrichtete. Neue Impulse setzte dabei der Lyriker Tadeusz Dabrowski, mit dem erstmals ein künstlerischer Leiter das Festival kuratierte. Dieses widmet sich ganz der Lyrik in polnischer Übersetzung – nach Durs Grünbein 2012 gewann diesmal die Kroatin Dorta Jagic, von der sich einige Gedichte auf Deutsch im Internetportal “lyrikline.org” finden. Auch eigene Strophen wie “Zwischen der Ebbe der Gedanken und der Flut des Schlafs” ließ Dabrowski, Sohn einer Deutschen, vertonen.

Der 35-Jährige ist außerdem Essayist, Kritiker und Redakteur der Literaturzeitschrift “Topos” in Danzig. 2006 gab er mit “Poza Słowa” – was sowohl “Pose des Wortes” als auch “außerhalb des Wortes” bedeutet – eine bedeutende Anthologie für zeitgenössische Lyrik heraus. Doch im Grunde hält Tadeusz Dabrowski trotz all dieser vielfältigen Aktivitäten sich und seine Dichterkollegen für Einzelgänger, die man keineswegs zur Geselligkeit zwingen solle. Vielleicht hängt der ernste junge Mann mit den rotblonden Locken und der strengen dunklen Brille ja insgeheim der Auffassung des Malers Francis Bacon an, wonach es die Aufgabe des Künstlers sei, das Geheimnis zu vergrößern. / Katrin Hillgruber, Badische Zeitung

68. polenmARkT mit Dąbrowski und Gumz

“Wir entschuldigen uns für die intellektuell aufgeblasene Diskussion hier vorne. Doch das ist nur die Rache für den ersten Teil der Veranstaltung”, witzelt der polnische Lyriker Tadeusz Dąbrowski völlig unerwartet mitten im Gespräch mit Alexander Gumz.

Der erste Teil der Eröffnung des diesjährigen Polenmarktes bestand in einer Preisverleihung des “Förderpreises des Wissenschaftlichen Botschafters”, Jerzy Marganski der Republik Polen. (…)

Doch zurück zur intellektuell aufgeblasenen Diskussion: Wenngleich der polnische Lyriker im Mittelpunkt des Geschehens stand, wurden auch einige wenige Gedichte von Alexander Gumz vorgetragen. Das Erfrischende dabei ist, dass beide zu jener Kategorie von Lyrikern gehören, die wollen, dass ihre Texte auch von den Lesenden verstanden werden. Das mag vor hundert Jahren durchaus noch alltäglich gewesen sein. Häufig findet man heute völlig unverständliche Gedichte mit dem Etikett des “avantgardistischen” verknüpft. Worin das Bestehen soll, wird auch nicht deutlich. Es klingt aber wenigstens schön.

LYRIK IST MEHR ALS NUR POETISCHES DESIGN

Der Lyriker Tadeusz Dombrowki liest aus seinen Gedichten.

Der Lyriker Tadeusz Dabrowski liest aus seinen Gedichten. Ganz Links: Alexander Gumz

Tadeusz Dąbrowski hat es poetischer formuliert: “Wenn Lyrik zum poetischen Design wird, ist es keine Lyrik, sondern bloßes ästhetisches Spiel.” Zudem hebt er hevor, dass ein jedes Gedicht immer die Chance an das Publikum geben sollte, dass es jenes verstehen kann. Darüber hinaus sollte sich in jedem Gedicht immer auch eine Konstruktion der Wahrheit wiederfinden. Ist ein Gedicht nicht auf der Suche nach Wahrheit, so würde es seine eigentliche Funktion verlieren. “Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb meine Gedichte so klar sind.” Das sind sie in jedem Fall. Sie verfolgen ein sehr geradliniges, strukturiertes Konzept.

Die Inhalte sind extrem verdichtet und man versinkt recht schnell in den Versen. Es könnte unmittelbar neben dem Lesenden, in diesem Fall Hörenden, eine Bombe hochgehen. Er würde sich bestenfalls die Augen reiben und murmeln: “Was war jetzt los?” Seine Gedichte eröffnen den Raum zum grenzenlosen Denken. Die einzelnen Verse sind vollgepackt mit sprachlichen Bildern, dass man einerseits viele Möglichkeiten hat, ein Verständnis für das Gedicht entwickeln zu können, zugleich aber immer irgendwie das Gefühl hat, zu wissen, worum es geht.

Selbst wenn man es einem Dritten gegenüber wiederum nicht unbedingt in Worte fassen könnte. Und obwohl Dąbrowski zugleich meint, dass jedes Gedicht eine “Rebellion gegen alle vorgegebenen Strukturen” sei, stellt diese Aussage keinen Widerspruch zu dem klar strukturierten Aufbau seiner Lyrik dar. Der Bruch mit allen vorgegebenen Strukturen setzt sich aus der gelungenen Komposition der Worte zusammen. Sie sind ganz bewusst an bestimmte Stellen im Text gesetzt, dass sie einen geistigen Horizont eröffnen, der an den Grenzen des Universums sein Ende finden wird.

ANGST VOR SCHATTENDASEIN DER LYRIK

In dem Dichtergespräch wurde jedoch nicht nur die Lyrik der beiden thematisiert. Es stand auch die Zukunft der gesellschaftlichen Stellung der Lyrik im Mittelpunkt. Beide Autoren haben davor Angst, dass Lyrik zu einem Gegenstand sich elitär gebender Zirkel wird, die in einem hermethisch abgeriegelten Raum ein Schattendasein führt. “Wir können uns jetzt also gegenseitig unterbieten”, meinte Gumz, als beide feststellten, dass Lyrik im öffentlichen Bewusstsein zunehmend auf dem Rückzug sei. Um dieser Tendenz entgegen zu treten, lasen sie zum Abschluss noch ein paar Gedichte, bevor dann das Buffet eröffnet wurde. / Marco Wagner, Webmoritz

polenmARkT ist ein jährlich stattfindendes Festival in Greifswald. Hier das Programm.

112. Goldene Mitte der Poesie

IX. Lyrikfestival “Złoty Środek Poezji” (Goldene Mitte der Poesie) Kutno
21.-23.6.

Motto: “Nowa poezja, ojczyzna i dziewczyna” (Neue Poesie, Vaterland und Mädchen)

Kutno (Polen)
Kutnowski Dom Kultury ul. Żółkiewskiego 4 99-302 Kutno

Eingeladen sind

aus Polen Ewa Lipska, Tadeusz Dąbrowski, Sergiusz Sterna-Wachowiak

aus Deutschland Angelika Janz, Jan Wagner, Uljana Wolf.

Im Rahmen des Festivals finden Konzerte der Volksmusikbands Zdrowie Pięknych Pań und Gęsty Kożuch Kurzu, der singenden und melodeklamierenden Dichter Dawid Majer mit dem Projekt Latające Gruszki [fliegende Birnen] sowie Piotr Kulpa mit den Bändern mea culpa und Trupa Propaganda statt.

Am Samstag findet das 8. Offene Ein-Gedicht-Wettbewerb (VIII Otwarty Konkurs Jednego Wiersza) statt. Gedichte der Wettbewerbsteilnehmer werden von der Jury in der folgenden Besetzung beurteilt: Marek Krystian Emanuel Baczewski, Karol Bajorowicz und Grażyna Baranowska.

24. Globales Idiom

In einem handlichen quadratischen Band mit abwechselnd schwarzen und weissen Seiten liegt von ihm neuerdings eine zweisprachige Gedichtauswahl vor, die deutlich macht, wie weitgehend auch die lyrische Rede sich globalisiert und – thematisch wie formal – sich unifiziert hat. Zwar wird ausgiebig und selbstgewiss «ich» gesagt in diesen Gedichten, doch lässt der durchgehende Plauderton keinen Personalstil erkennen, auch keine besondere Prägung durch polnische Realien. Da spricht sich «ein dreissigjähriger Junge» aus, so wie gleichaltrige schreibende Zeitgenossen in Dänemark oder Kanada sich ebenfalls aussprechen im Gedicht – ironisch, wegwerfend, viel zitierend, zu viel kommentierend. Als «fragile, zarte Gebilde, mit denen man gut leben kann», werden die Gedichte im Nachwort von Michael Krüger charakterisiert. Doch so weit sollte man diese Lyrik nicht verharmlosen. / Felix Philipp Ingold, NZZ

Tadeusz Dąbrowski: schwarzes quadrat auf schwarzem grund. Ausgewählte Gedichte. Übersetzt von Andre Rudolph, Monika Rinck, Alexander Gumz. Luxbooks, Wiesbaden 2010. 140 S., Fr. 30.50.

25. Text und Körper

Der Wiesbadener luxbooks-Verlag ist binnen kurzer Zeit zu einer feinen Adresse für zeitgenössische Dichter geworden. Den Auftakt zur neu etablierten „Slavica“-Reihe bilden Gedichte des polnischen Lyrikers Tadeusz Dąbrowski. …

Wo mit dem Schwarzen Quadrat auf Kasimir Malewitschs Bild Schwarzes Quadrat auf weißem Grund (1915) angespielt wird, kann man reduzierte und abstrakte Verse erwarten. Tatsächlich sind diese Gedichte höchst präzise gearbeitet. Doch bei aller Klarheit und Konzentration seiner Sprache schreibt Dąbrowski keine fröstelige Gedankenlyrik. Es geht auch sinnlich, erotisch zu, wie etwa in dem titellosen „Aus Versehen habe ich dich aus der Tabledance-/Bar rausgetragen auf Händen direkt in mein Bett und/gründlich in den Laken verrieben“.

Das erste Gedicht, das Dąbrowski als Erstklässler schrieb, widmete er seiner Lehrerin, in die er bis über beide Ohren verliebt war. Die enge Beziehung zwischen Text und Körper bildet nach wie vor einen zentralen Aspekt seiner Lyrik. Der eigene und der fremde Körper werden in ihrer Schönheit, Bedürftigkeit und Unzulänglichkeit beschrieben, bewundert oder misstrauisch beäugt, ihre Veränderung durch die Zeit protokolliert. Gelegentlich wird das Moment der Befremdung dabei weit vorangetrieben: „Heute habe ich mir aus deinem Nacktfoto ein Auge/rausgesucht und auf Bildschirmgröße gezoomt, bis/an die Grenze der Auflösung.“ / Beate Tröger, Freitag

 

127. “Und der Text entschwebt”

Die zweisprachige deutsche Ausgabe bringt es auf 337 Seiten, sie dokumentiert ein einzigartiges Projekt: 27 renommierte deutsche Lyriker und Übersetzer folgten der Aufforderung des Wiesbadener luxbooks Verlags, Gedichte eigener Wahl zu übersetzen – sicherlich nicht zuletzt, weil Ashberys Texte wichtig waren für ihr eigenes Schreiben.

Mehrfachfassungen waren also von Beginn an ein Ziel. Mit sechs Varianten hält das Gedicht „Like a Photograph“ die Spitze. Und wer meint, dass zumindest der Titel immer nüchtern mit „Wie ein Foto“ wiedergegeben würde, irrt: „Einem Lichtbild gleich“ dichtet Jan Volker Röhnert und der Text entschwebt. / Gisela Trahms, Poetenladen

Im Januar 2011 Platz 1 der SWR-Bestenliste!

Eine Bestenliste, auf die immer wieder auch Lyrikbände kommen. Im Februar wieder zweimal Lyrik, darunter schon wieder einer von luxbooks:

Platz 6 (-) 32 Punkte
TADEUSZ DABROWSKI: Schwarzes Quadrat auf schwarzem Grund
Ausgewählte Gedichte. Zweisprachig Übersetzt von Andre Rudolph, Monika Rinck und Alexander Gumz.
Luxbooks Verlag
19,80 Euro
ISBN 3-939557-94-3
140 Seiten

Mittelschwere Lektüre

Der erste in Deutschland veröffentlichte Gedichtband des jungen polnischen Lyrikers Tadeusz Dabrowski: Lyrik der Sichtbarkeit, des Offensichtlichen, das poetische Geheimnis liegt auf der Oberfläche verborgen. Mit einem Nachwort von Michael Krüger.

Außerdem:

Platz 8-9 (-) 25 Punkte

PIERRE DE RONSARD: Amoren für Marie

Das zweite Buch der Amoren mit den Sonetten und Madrigalen für Astrée. Französisch – Deutsch. Übersetzt von Georg Holzer.
Elfenbein Verlag
24,00 Euro
ISBN 3-941184-05-9
278 Seiten

Mittelschwere Lektüre

Pierre de Ronsard ist einer der großen Dichter des 16. Jahrhunderts. Er hat das Französische literatur- und liebesfähig gemacht. Die von ihm lyrisch gepriesene, angebetete, manchmal störrische, manchmal bereitwillige Marie ist seine Geliebte, aber zugleich eine andere Frau: die früh verstorbene Geliebte von Heinrich III., der die Gedichte in Auftrag gegeben hat. Die Sprache der Liebe ist nie individuell.

 

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