Getagged: Tadeusz Dąbrowski

68. polenmARkT mit Dąbrowski und Gumz

“Wir entschuldigen uns für die intellektuell aufgeblasene Diskussion hier vorne. Doch das ist nur die Rache für den ersten Teil der Veranstaltung”, witzelt der polnische Lyriker Tadeusz Dąbrowski völlig unerwartet mitten im Gespräch mit Alexander Gumz.

Der erste Teil der Eröffnung des diesjährigen Polenmarktes bestand in einer Preisverleihung des “Förderpreises des Wissenschaftlichen Botschafters”, Jerzy Marganski der Republik Polen. (…)

Doch zurück zur intellektuell aufgeblasenen Diskussion: Wenngleich der polnische Lyriker im Mittelpunkt des Geschehens stand, wurden auch einige wenige Gedichte von Alexander Gumz vorgetragen. Das Erfrischende dabei ist, dass beide zu jener Kategorie von Lyrikern gehören, die wollen, dass ihre Texte auch von den Lesenden verstanden werden. Das mag vor hundert Jahren durchaus noch alltäglich gewesen sein. Häufig findet man heute völlig unverständliche Gedichte mit dem Etikett des “avantgardistischen” verknüpft. Worin das Bestehen soll, wird auch nicht deutlich. Es klingt aber wenigstens schön.

LYRIK IST MEHR ALS NUR POETISCHES DESIGN

Der Lyriker Tadeusz Dombrowki liest aus seinen Gedichten.

Der Lyriker Tadeusz Dabrowski liest aus seinen Gedichten. Ganz Links: Alexander Gumz

Tadeusz Dąbrowski hat es poetischer formuliert: “Wenn Lyrik zum poetischen Design wird, ist es keine Lyrik, sondern bloßes ästhetisches Spiel.” Zudem hebt er hevor, dass ein jedes Gedicht immer die Chance an das Publikum geben sollte, dass es jenes verstehen kann. Darüber hinaus sollte sich in jedem Gedicht immer auch eine Konstruktion der Wahrheit wiederfinden. Ist ein Gedicht nicht auf der Suche nach Wahrheit, so würde es seine eigentliche Funktion verlieren. “Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb meine Gedichte so klar sind.” Das sind sie in jedem Fall. Sie verfolgen ein sehr geradliniges, strukturiertes Konzept.

Die Inhalte sind extrem verdichtet und man versinkt recht schnell in den Versen. Es könnte unmittelbar neben dem Lesenden, in diesem Fall Hörenden, eine Bombe hochgehen. Er würde sich bestenfalls die Augen reiben und murmeln: “Was war jetzt los?” Seine Gedichte eröffnen den Raum zum grenzenlosen Denken. Die einzelnen Verse sind vollgepackt mit sprachlichen Bildern, dass man einerseits viele Möglichkeiten hat, ein Verständnis für das Gedicht entwickeln zu können, zugleich aber immer irgendwie das Gefühl hat, zu wissen, worum es geht.

Selbst wenn man es einem Dritten gegenüber wiederum nicht unbedingt in Worte fassen könnte. Und obwohl Dąbrowski zugleich meint, dass jedes Gedicht eine “Rebellion gegen alle vorgegebenen Strukturen” sei, stellt diese Aussage keinen Widerspruch zu dem klar strukturierten Aufbau seiner Lyrik dar. Der Bruch mit allen vorgegebenen Strukturen setzt sich aus der gelungenen Komposition der Worte zusammen. Sie sind ganz bewusst an bestimmte Stellen im Text gesetzt, dass sie einen geistigen Horizont eröffnen, der an den Grenzen des Universums sein Ende finden wird.

ANGST VOR SCHATTENDASEIN DER LYRIK

In dem Dichtergespräch wurde jedoch nicht nur die Lyrik der beiden thematisiert. Es stand auch die Zukunft der gesellschaftlichen Stellung der Lyrik im Mittelpunkt. Beide Autoren haben davor Angst, dass Lyrik zu einem Gegenstand sich elitär gebender Zirkel wird, die in einem hermethisch abgeriegelten Raum ein Schattendasein führt. “Wir können uns jetzt also gegenseitig unterbieten”, meinte Gumz, als beide feststellten, dass Lyrik im öffentlichen Bewusstsein zunehmend auf dem Rückzug sei. Um dieser Tendenz entgegen zu treten, lasen sie zum Abschluss noch ein paar Gedichte, bevor dann das Buffet eröffnet wurde. / Marco Wagner, Webmoritz

polenmARkT ist ein jährlich stattfindendes Festival in Greifswald. Hier das Programm.

112. Goldene Mitte der Poesie

IX. Lyrikfestival “Złoty Środek Poezji” (Goldene Mitte der Poesie) Kutno
21.-23.6.

Motto: “Nowa poezja, ojczyzna i dziewczyna” (Neue Poesie, Vaterland und Mädchen)

Kutno (Polen)
Kutnowski Dom Kultury ul. Żółkiewskiego 4 99-302 Kutno

Eingeladen sind

aus Polen Ewa Lipska, Tadeusz Dąbrowski, Sergiusz Sterna-Wachowiak

aus Deutschland Angelika Janz, Jan Wagner, Uljana Wolf.

Im Rahmen des Festivals finden Konzerte der Volksmusikbands Zdrowie Pięknych Pań und Gęsty Kożuch Kurzu, der singenden und melodeklamierenden Dichter Dawid Majer mit dem Projekt Latające Gruszki [fliegende Birnen] sowie Piotr Kulpa mit den Bändern mea culpa und Trupa Propaganda statt.

Am Samstag findet das 8. Offene Ein-Gedicht-Wettbewerb (VIII Otwarty Konkurs Jednego Wiersza) statt. Gedichte der Wettbewerbsteilnehmer werden von der Jury in der folgenden Besetzung beurteilt: Marek Krystian Emanuel Baczewski, Karol Bajorowicz und Grażyna Baranowska.

24. Globales Idiom

In einem handlichen quadratischen Band mit abwechselnd schwarzen und weissen Seiten liegt von ihm neuerdings eine zweisprachige Gedichtauswahl vor, die deutlich macht, wie weitgehend auch die lyrische Rede sich globalisiert und – thematisch wie formal – sich unifiziert hat. Zwar wird ausgiebig und selbstgewiss «ich» gesagt in diesen Gedichten, doch lässt der durchgehende Plauderton keinen Personalstil erkennen, auch keine besondere Prägung durch polnische Realien. Da spricht sich «ein dreissigjähriger Junge» aus, so wie gleichaltrige schreibende Zeitgenossen in Dänemark oder Kanada sich ebenfalls aussprechen im Gedicht – ironisch, wegwerfend, viel zitierend, zu viel kommentierend. Als «fragile, zarte Gebilde, mit denen man gut leben kann», werden die Gedichte im Nachwort von Michael Krüger charakterisiert. Doch so weit sollte man diese Lyrik nicht verharmlosen. / Felix Philipp Ingold, NZZ

Tadeusz Dąbrowski: schwarzes quadrat auf schwarzem grund. Ausgewählte Gedichte. Übersetzt von Andre Rudolph, Monika Rinck, Alexander Gumz. Luxbooks, Wiesbaden 2010. 140 S., Fr. 30.50.

25. Text und Körper

Der Wiesbadener luxbooks-Verlag ist binnen kurzer Zeit zu einer feinen Adresse für zeitgenössische Dichter geworden. Den Auftakt zur neu etablierten „Slavica“-Reihe bilden Gedichte des polnischen Lyrikers Tadeusz Dąbrowski. …

Wo mit dem Schwarzen Quadrat auf Kasimir Malewitschs Bild Schwarzes Quadrat auf weißem Grund (1915) angespielt wird, kann man reduzierte und abstrakte Verse erwarten. Tatsächlich sind diese Gedichte höchst präzise gearbeitet. Doch bei aller Klarheit und Konzentration seiner Sprache schreibt Dąbrowski keine fröstelige Gedankenlyrik. Es geht auch sinnlich, erotisch zu, wie etwa in dem titellosen „Aus Versehen habe ich dich aus der Tabledance-/Bar rausgetragen auf Händen direkt in mein Bett und/gründlich in den Laken verrieben“.

Das erste Gedicht, das Dąbrowski als Erstklässler schrieb, widmete er seiner Lehrerin, in die er bis über beide Ohren verliebt war. Die enge Beziehung zwischen Text und Körper bildet nach wie vor einen zentralen Aspekt seiner Lyrik. Der eigene und der fremde Körper werden in ihrer Schönheit, Bedürftigkeit und Unzulänglichkeit beschrieben, bewundert oder misstrauisch beäugt, ihre Veränderung durch die Zeit protokolliert. Gelegentlich wird das Moment der Befremdung dabei weit vorangetrieben: „Heute habe ich mir aus deinem Nacktfoto ein Auge/rausgesucht und auf Bildschirmgröße gezoomt, bis/an die Grenze der Auflösung.“ / Beate Tröger, Freitag

 

127. “Und der Text entschwebt”

Die zweisprachige deutsche Ausgabe bringt es auf 337 Seiten, sie dokumentiert ein einzigartiges Projekt: 27 renommierte deutsche Lyriker und Übersetzer folgten der Aufforderung des Wiesbadener luxbooks Verlags, Gedichte eigener Wahl zu übersetzen – sicherlich nicht zuletzt, weil Ashberys Texte wichtig waren für ihr eigenes Schreiben.

Mehrfachfassungen waren also von Beginn an ein Ziel. Mit sechs Varianten hält das Gedicht „Like a Photograph“ die Spitze. Und wer meint, dass zumindest der Titel immer nüchtern mit „Wie ein Foto“ wiedergegeben würde, irrt: „Einem Lichtbild gleich“ dichtet Jan Volker Röhnert und der Text entschwebt. / Gisela Trahms, Poetenladen

Im Januar 2011 Platz 1 der SWR-Bestenliste!

Eine Bestenliste, auf die immer wieder auch Lyrikbände kommen. Im Februar wieder zweimal Lyrik, darunter schon wieder einer von luxbooks:

Platz 6 (-) 32 Punkte
TADEUSZ DABROWSKI: Schwarzes Quadrat auf schwarzem Grund
Ausgewählte Gedichte. Zweisprachig Übersetzt von Andre Rudolph, Monika Rinck und Alexander Gumz.
Luxbooks Verlag
19,80 Euro
ISBN 3-939557-94-3
140 Seiten

Mittelschwere Lektüre

Der erste in Deutschland veröffentlichte Gedichtband des jungen polnischen Lyrikers Tadeusz Dabrowski: Lyrik der Sichtbarkeit, des Offensichtlichen, das poetische Geheimnis liegt auf der Oberfläche verborgen. Mit einem Nachwort von Michael Krüger.

Außerdem:

Platz 8-9 (-) 25 Punkte

PIERRE DE RONSARD: Amoren für Marie

Das zweite Buch der Amoren mit den Sonetten und Madrigalen für Astrée. Französisch – Deutsch. Übersetzt von Georg Holzer.
Elfenbein Verlag
24,00 Euro
ISBN 3-941184-05-9
278 Seiten

Mittelschwere Lektüre

Pierre de Ronsard ist einer der großen Dichter des 16. Jahrhunderts. Er hat das Französische literatur- und liebesfähig gemacht. Die von ihm lyrisch gepriesene, angebetete, manchmal störrische, manchmal bereitwillige Marie ist seine Geliebte, aber zugleich eine andere Frau: die früh verstorbene Geliebte von Heinrich III., der die Gedichte in Auftrag gegeben hat. Die Sprache der Liebe ist nie individuell.

 

107. Tadeusz Dabrowski und Andre Rudolph in Dresden

Tadeusz Dabrowski und Andre Rudolph lesen am Donnerstag (29.7.) in Dresden

Wir laden Sie herzlich ein zur Lesung in der Reihe

LITERARISCHE ALPHABETE

am Donnerstag, 29. 7. 2010, 20 Uhr im im LeseGarten, Prießnitzstraße 56, Dresden

(bei schlechtem Wetter in der Buchhandlung LeseZeichen)

Tadeusz Dabrowski (Gdansk) und Andre Rudolph (Leipzig) lesen aus ihren Büchern „Fluglärm über den Palästen unserer Restinnerlichkeit“ und „schwarzes quadrat auf schwarzem grund“.

Der australische Dichter Les Murray hat, auf die aktuelle europäische Poesie angesprochen, einmal gesagt, was ihn störe sei, daß diese zu sehr „von den Universitäten“ her komme. Was mit diesem Diktum aufs Korn genommen wird, ist die angestrengte Originalität eines Dichtens, bei dem alle Verbindungen zu unserer alltäglichen Erfahrung gekappt worden sind.

Dass es auch anders geht, beweisen die Bücher zweier Lyriker, die beide derselben Generation angehören: des 1975 in Warschau geborenen Andre Rudolph und des 1979 geborenen Tadeusz Dabrowski. Rudolphs Gedichte leuchten wie die Kinder in seinem Gedicht „Sonne über Platons Haus“, sind von verhaltener Ironie und voller farbiger Assoziationsgeflechte.

Der polnische Lyriker Tadeusz Dabrowski ist ein „gut trainierter Skeptiker“ (Michael Krüger), dessen scheinbar leicht dahingesprochene Gedichte die Möglicheiten unserer Existenz in einer rasenden Welt ausloten: Poesie als Gegenentwurf und bar jeder Bildungsattitüde.

Literaturforum Dresden e. V. in Kooperation mit der Buchhandlung LeseZeichen.

Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank und der Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz.

Eintritt: 6 / 3 EUR

Buchhandlung LeseZeichen
Priessnitzstrasse 56
01099 Dresden

57. Polnisches in Schleswig-Holstein

Viel Polnisches im Schleswig-Holstein Musikfestival und im Literatursommer 2010 in Kiel und um Kiel herum. Bereits heute, Dienstag, 13. Juli, startet mit der Präsentation der dreisprachigen Literaturzeitschrift RADAR in der Kunsthalle zu Kiel die Veranstaltungsreihe zum Literatursommer 2010. Tadeusz Dąbrowski lädt mit seinem Übersetzer Andre Rudolph am Sonnabend, 31. Juli, zu einem lyrischen Nachmittag in die Stadtgalerie. Lesungen veranstalten auch die Lyrikerinnen Maria Duszka und Magdalena Forusinska (aus ihrer zweisprachigen Gedichtauswahl „Uwalniam ptaki-sny…/Ich befreie Vogelträume…“), und am 8. September geben Chamisso-Preisträger Artur Becker und die Bremer Band „Les Rabiates“ mit „Ein Kiosk mit elf Millionen Nächten“ eine Lyrik- und Jazzperformance.

Zudem präsentiert der in Zusammenarbeit mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel gestaltete Lyrikparcours im Alten Botanischen Garten ab sofort polnische Lyrik des 20. Jahrhunderts. Aber nicht nur in Kiel erwartet Literaturfreunde Wortkunst aus Polen. Bis Anfang September können an insgesamt 32 Orten in ganz Schleswig-Holstein mit Magdalena Tulli, Tadeusz Dąbrowski, Tomasz Różycki, Wojciech Kuczok, Włodzimierz Nowak, Maria Duszka, Magdalena Forusińska und Artur Becker die verschiedenen Facetten der polnischen Prosa und Lyrik entdeckt werden. / Fördeflüsterer.de