Getagged: Rainer Stolz

58. Burgschreiber

Beeskow (MOZ) Der diesjährige Burgschreiber ist ein Lyriker, ein Meister des Wortspiels. Rainer Stolz (47) ist an dem traditionsreichen Datum 11. Juni offiziell in sein Amt eingeführt worden. Seine Vorgängerin Inka Bach, die derzeit in Baden-Baden tätig ist, hielt die Laudatio. (…)

Sylvana Kaiser von der Kreisverwaltung würdigte, dass mit der Wahl von Rainer Stolz ein “Volltreffer” gelungen sei. Als Lyriker sei er ein “überaus experimentierfreudiger Zeitgenosse”, was er im Laufe des Abends dann auch bewies.

Seine Vorgängerin Inka Bach lobte das Fördersystem, das auch einen “Lyriker der leisen Töne” eine Chance gebe, ein solches Stipendium zu erhalten, das vom Landkreis Oder-Spree und der Stadt Beeskow seit Jahren zur Verfügung gestellt wird. Denn wenn schon das literarische Schreiben fast eine brotlose Kunst sei, dann das von Gedichten erst recht. Sie bemühte das Bild von Carl Spitzweg “Der arme Poet”, der das ökonomische Desaster des Dichters zeigt, gleichzeitig aber den Künstler davor warnt, sich von der Außenwelt abzuschotten. Die Laudatorin wünschte dem Neuen, dass ihm diese Balance zwischen nötigem Rückzug und Teilhabe am Leben gelingt. Aber bei Rainer Stolz, der mit seinen Wortspielen voll aus dem Alltag schöpft, scheine “alles poesietauglich zu sein”. Er produziere eine Lyrik, die Freude bereitet, die ein Gegenüber und einen Dialog suche, würdigte Inka Bach. / Märkische Oderzeitung

35. Der große Lyrikmarkt des poesiefestival berlin

Poesie ist marktfähig! Mit dem großen Lyrikmarkt lädt das poesiefestival berlin ein zum Schmökern und Stöbern, am 9.6.2012 auf dem Gelände vor der Akademie der Künste, Hanseatenweg.

Ausgewählte Verlage, Antiquariate und Buchhändler für Lyrik bieten poetische Neuerscheinungen, Fundstücke und Raritäten. Mit dabei sind u.a. BELLAtriste, Carl Hanser Verlag + Akzente, Edit, Edition Korrespondenzen, Edition Rugerup, Fixpoetry, hochroth Verlag, KOOKbooks, Leipziger Literaturverlag, Literaturverlag Droschl, Luchterhand Literaturverlag, luxbooks, Lyrikedition 2000, Matthes & Seitz Berlin, Matthias Wagner Antiquariat, Poesiealbum / MärkischerVerlag, poetenladen verlag, roughbooks, Verlag C.H. Beck, Verlag Das Wunderhorn, Verlag Hans Schiler, Verlagshaus J. Frank I Berlin und Wallstein Verlag.

Für buntes Marktreiben sorgt ein lyrisch-musikalisches Bühnenprogramm.

Max Prosa, einer der derzeit aufregendsten deutschsprachigen Singer-Songwriter, gibt ein Unplugged-Konzert. Bernadette La Hengst, Mitbegründerin der Hamburger Schule, tritt auf, ebenso wie die Berliner Independent-Band Artwhy, die Dichterband Fön und der musizierende Dichter Jan Böttcher. Die deutsche Poetry-Slam-Meisterin Nora Gomringer bringt ihre Texte auf die Bühne, begleitet von dem Schlagzeuger und Perkussionisten Günter Baby Sommer. Die Dichter Christian Filips und Monika Rinck werden nicht nur ihr dichterisches Können präsentieren: Eigens für den Lyrikmarkt treten sie als Chansonniers auf. Der Dichter Rainer Stolz lädt ein zu einem poetischen Vogelspaziergang durch den Tiergarten, Bert Bredemeyer wird zur Balladen-Juke-Box, Elke Erb, Christian Filips und Bo Wiget beantworten kochend und dichtend dringende Haushaltsfragen. Für die Kinder gibt es ein eigenes Spiel- und Bastelprogramm rund um Poesie.
Der Eintritt ist frei.

Der Lyrikmarkt setzt den überaus erfolgreichen ersten Berliner Lyrikmarkt fort, der 2011 im Rahmen der 20-Jahr-Feier der Literaturwerkstatt Berlin in der Kulturbrauerei stattfand.

Das 13. poesiefestival berlin findet statt vom 1. – 9.6.2012 in der Akademie der Künste, Hanseatenweg 10. Weitere Informationen unter: www.literaturwerkstatt.org

Das poesiefestival berlin wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und findet statt in Kooperation mit der Akademie der Künste.

Sa 9.6.2012 11.00 – 18.00 Uhr
Lyrikmarkt
Akademie der Künste,
Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
Mit: Arthwhy, Bert Bredemeyer, Jan Böttcher, Elke Erb, Christian Filips, Fön, Nora Gomringer mit Günter Baby Sommer, Bernadette La Hengst, Monika Rinck, Max Prosa, Rainer Stolz, Franz Tröger, Bo Wiget u. a.

Für Rückfragen und Informationen:
Boris Nitzsche/Jutta Büchter Presse/ÖA,
Literaturwerkstatt Berlin, Tel: 030. 48 52 45 25
www.literaturwerkstatt.org

54. Dichter dran. Das große Berliner Lyrikfest

Sa 17.9.2011 ab 14.00 Uhr, Kulturbrauerei

Eintritt frei

Die Literaturwerkstatt Berlin feiert ihren 20. Geburtstag, feiern Sie mit! Bis in die Nacht verwandelt sich die Kulturbrauerei in einen lyrischen Abenteuerpark. Sie sind herzlich eingeladen, zu entdecken und zu experimentieren und mit uns auf eine Reise durch alle Spielarten der Poesie zu gehen.

Eingang über:
Knaackstr. 97
10435 Berlin 
Verkehrsverbindung:
U2 Eberswalder Straße
Tram 12/M1/M10 Eberswalder Straße

Aus dem Programm:

Große Bühne

14:00 Eröffnung und Auftakt
Die Dichter und Dichterinnen des großen Berlin-Gedichts werden vorgestellt und machen ausschnittsweise Lust darauf. Es spielt PEER und Erich Kästners »Berlin in zahlen« wird aktualisiert.
16:30 Quizshow mit Knut Elstermann
Hier können alle mit ihrem Wissen über Lyrik, Dichter und Denker punkten. Teams aus dem Publikum treten gegeneinander an. Natürlich gibt’s auch einen Publikumsjoker. Es winken tolle Preise!
18:20 Frank Klötgen: Kottbusser Tor
Frank Klötgen rast in fünf Minuten durch 35 Klassiker der deutschen Dichtkunst. Schulbuch-Lyrik revisited.
18:30 Poetry Slam
Bühnen-Lyrik zwischen Rap, Freestyle und Goldschnitt-Poesie mit Gauner, Ken Yamamoto und Frank Klötgen.
19:00 Das Große Berlin-Gedicht
Finale.
19:15 Beschwerdesingen
Die Beschwerden der Berliner, vertextet von der 1. Lyrischen Inter­nationale Neuköllns (Björn Kuhligk, Tom Schulz, Birgit Kreipe, Florian Voß), und uraufgeführt vom Chor des Jungen Ensembles Berlin und Bürgern der Stadt. Am Tag vor der Berlin-Wahl wird den Politikern ins Ohr gesungen, was verbessert werden muss. Musik: Andrés Atala-Quezada, Leitung: Frank Markowitsch.

Kleine Bühne: Das Große Berlin-Gedicht

Moderation: Peter Winkels

In den zwölf Bezirken der Stadt schrieben 75 Berliner Bürger unter Begleitung je eines erfahrenen Dichters ein Gedicht über ihren Bezirk. Die Autoren laden Sie ein zu zwölf lyrischen Spaziergängen durch die Stadt.

15:00 Pankow Mentor: Norbert Hummelt
15:20 Reinickendorf Mentor: Ron Winkler
15:40 Spandau Mentor: Michael Speier
16:00 Mitte Mentorin: Orsolya Kalász
16:20 Lichtenberg Mentor: Andreas Altmann
16:40 Marzahn-Hellersdorf Mentor: Valeri Scherstjanoi
17:00 Friedrichshain-Kreuzberg Mentor: Björn Kuhligk
17:20 Charlottenburg-Wilmersdorf Mentorin: Kerstin Hensel
17:40 Steglitz-Zehlendorf Mentor: Michael Lentz
18:00 Tempelhof-Schöneberg Mentor: Ulf Stolterfoht
18:20 Neukölln Mentor: Tom Schulz
18:40 Treptow-Köpenick Mentorin: Brigitte Oleschinski

Das Buch »Das Große Berlin-Gedicht« (be.bra verlag) erhalten Sie auf dem Lyrikmarkt.

Lyrikcamp

ab 15:00 Valeri Scherstjanoi: Herstellen einer Stimmcollage
Kunstaktion mit Hilfe des Publikums.
ab 15:00 Frank Köllges: Guerilla-Poesie
Extraterrestrische Überraschungsangriffe im Laufe des Nachmittags.
15:00 Monika Rinck: Kritische Masse
Poetische Experimente auf Kosten Ihrer Garderobe. Teilnahme auf eigene Gefahr.
15:00 Brigitte Oleschinski: Zerstörungsprüfung
Wir verformen ein Gedicht, bis es Ihnen ganz persönlich passt.
15:00 Haiku-Wettbewerb mit Claudia Maaß
Es muss nicht immer 5–7–5 sein! Folgen Sie den japanischen Kurzgedichten auf ihrer Reise über die Kontinente und durch die Jahrhunderte. Die besten Gedichte werden prämiert.
15:00 Poesie für Kinder mit Sybille Hein
15:30 Ulrike Draesner: Gedicht auf Zuruf

Spontandichtung, Vernichtung aller vorhandenen Gedichte, Entdeckung neuer Wortarten.
15:30 Poesie für Kinder mit Sybille Hein
15:40 Poesiesprechstunde: Kerstin Hensel
Was Sie schon immer einen Dichter fragen wollten. Eigene und vor Ort gefundene Texte können mitgebracht werden.
15:40 Metaphernmaschine mit Claudia Maaß
Metapherwürfel schaffen amüsante, bezaubernde oder rätselhafte Bilder, die zum Weiterträumen und Ausfantasieren einladen.
16:00 Poesiesprechstunde: Ulrike Draesner
Was Sie schon immer einen Dichter fragen wollten. Eigene und vor Ort gefundene Texte können mitgebracht werden.
16:00 Lesung: Tom Schulz, Björn Kuhligk
Berlin-Gedichte aus 200 Jahren.
16:20 Lesung: Ulf Stolterfoht
16:20 Poesiesprechstunde: Tom Schulz
Was Sie schon immer einen Dichter fragen wollten. Eigene und vor Ort gefundene Texte können mitgebracht werden.
16:20 Haiku-Wettbewerb mit Claudia Maaß
Es muss nicht immer 5–7–5 sein! Folgen Sie den japanischen Kurzgedichten auf ihrer Reise über die Kontinente und durch die Jahrhunderte. Die besten Gedichte werden prämiert.
16:30 Monika Rinck: Kritische Masse
Poetische Experimente auf Kosten Ihrer Garderobe. Teilnahme auf eigene Gefahr.
17:00 Ulrike Draesner: Gedicht auf Zuruf
Spontandichtung, Vernichtung aller vorhandenen Gedichte, Entdeckung neuer Wortarten.
17:00 Poesiesprechstunde: Ulf Stolterfoht
Was Sie schon immer einen Dichter fragen wollten. Eigene und vor Ort gefundene Texte können mitgebracht werden.
17:00 Lesung: Orsolya Kalász
»Schöne Heimat, ich habe dich geliebt« (István Kemény).
Auswahl ungarischer Gedichte der Gegenwart.
17:30 Poesiesprechstunde: Ulrike Draesner
Was Sie schon immer einen Dichter fragen wollten. Eigene und vor Ort gefundene Texte können mitgebracht werden.
17:30 Poesie für Kinder mit Rainer Stolz
17:40 Lesung: Andreas Altmann
Andreas Altmann erforscht seine Schreibgründe.
17:40 Lesung: Norbert Hummelt
Berlingedichte.

Maschinenhaus

15:00–17:00 Jugendprogramm
Hereinspaziert! – Lyrik zum Anfassen, Gestalten und Aufessen – ein Mitmachprogramm für alle (ab 12 J.) mit Claudia Maaß.

lechts und rinks kann man nicht velwechsern
Spiele rund um und mit Lyrik: Gedichtepuzzle, Reimscrabble, Reißverschlussgedichte, Reim dich oder ich fress dich.
Das kann sich sehen lassen!
Bildcollagen zu Gedichten entwerfen und visuelle Poesie gestalten und plakatieren.
17:00 Auf die Bretter! Fertig! Los!
Performanceworkshop zu einem Gedicht von Kurt Schwitters mit abschließender Inszenierung (ab 14 J., in Teams).

ab 20:00 Uhr Lounge

1. Berliner Lyrikmarkt

Stöbern Sie in lyrischen Neuerscheinungen und poetischen Raritäten in den Ständen von be.bra verlag, BELLA triste, Berliner Handpresse, Edit, Edition Rugerup, Hochroth Verlag, Kollwitz Buchhandlung, KOOKbooks, luxbooks, Matthias Wagner Antiquariat, Merve Verlag, Poesiealbum / MärkischerVerlag, poetenladen, Suhrkamp Verlag, Verlag das Wunderhorn, Verlag Hans Schiler, Verlagshaus J. Frank / Berlin, Wallstein Verlag

75. Poets’ Corner

poesiefestival berlin

Sa 18.6. ab 11:00

In den Bezirken
Eintritt frei

Die Dichter Berlins erobern die Stadt. Sommerlesungen in den Bezirken.

11:00–13:00 Treptow-Köpenick Wagendorf Lohmühle Lohmühlenstraße, Ecke Kiefholzstraße. Bei schlechtem Wetter ebenfalls dort.
Mit Konstantin Ames, Luise Boege, Alexander Gumz, Rery Maldonado, Stephan Reich, Nikola Richter, Julia Trompeter

12:00–13:30 Tempelhof-Schöneberg Ullsteinhaus, Dachterrasse 6. OG über Innenhof, Mariendorfer Damm 1–3. Bei schlechtem Wetter im Bistro im Foyer des Haupteingangs.
Mit Tobias Amslinger, Nora Bossong, Birgit Kreipe, Georg Leß, Jinn Pogy, Ulf Stolterfoht

13:00–15:00 Neukölln Garten der Poesie (Streuobstwiese) Richardplatz 3. Bei schlechtem Wetter im kleinen Saal der Ev. Brüdergemeine, Kirchgasse 14.
Mit Nico Bleutge, Tom Bresemann, Catherine Hales, Simone Kornappel, Björn Kuhligk, Juliane Liebert, Philip Maroldt, Katharina Schultens

15:00–16:30 Junge Dichter erkunden Mahrzahn
Marzahn-Hellersdorf Lesegarten Schloss Biesdorf Alt-Biesdorf 55. Bei schlechtem Wetter im Schloss.
Mit Rebecca Ciesielski, Kristoffer Cornils, Max Czollek, Lea Schneider, Isabella Vogel

15:30–17:30 Vom Leben in den großen Städten
Charlottenburg-Wilmersdorf Straßencafé der Ausstellung 125 Jahre Kurfürstendamm Kurfürstendamm / Ecke Uhlandstraße. Bei schlechtem Wetter im Institut Français, Kurfürstendamm 211.
Mit Daniel Falb, Mara Genschel, Ursula Krechel, Norbert Lange, Wilfried N’Sondé, Johann Reißer, Jan Skudlarek, Lutz Steinbrück, Rainer Stolz

16:30–18:00 Pankow Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner Prenzlauer Allee 227 / 228. Bei schlechtem Wetter ebenfalls dort.
Mit Timo Berger, Lars-Arvid Brischke, Ricardo Domeneck, Hendrik Jackson, Anne Krüger, Björn Schäfer, Ron Winkler, Carsten Zimmermann

17:00–18:30 Mit fremder Feder – vom Fremdsein in der Sprache Lichtenberg-Hohenschönhausen Studio im Hochhaus Zingster Str. 25. Bei schlechtem Wetter ebenfalls dort.
Mit Zehra Çirak, Dieter M. Gräf, Renata Lucic, Stefan Monhardt, Tzveta Sofronieva

 

17. Poesiefrühstück auf Burg Klempenow mit Rainer Stolz

Holzschnitt. Barbara Wetzel. 2010

„Selbstporträt mit Subunternehmen“

Moderation Silke Peters/ Stralsund

Am Sonntag, 10.10.2010, ab 11 Uhr, lädt der Verein der Burg Klempenow zum Poesiefrühstück in den Westflügel der Burg ein. Diese Lesereihe widmet sich schon im zweiten Jahr der zeitgenössischen Lyrik. Hier begegnen sich ungezwungen AutorInnen und LeserInnen zum gemeinsamen Frühstück und zu einer anschließenden Lesung. Diese Veranstaltungen öffnen dem Alltagsbewusstsein die zunächst einmal fremd scheinenden Innenwelten einzelner zeitgenössischer AutorInnen.

Die Lesung beginnt ca. 12 Uhr.

Das Burgcafé bereitet, ab der Zusage von zehn Gästen (bitte eine kurze Mail an mail.silkepeters@gmx.de), ein wunderbares Frühstücksbuffet vor. Bei weniger Zusagen gibt es ein Einzelfrühstück und Getränke auf Wunsch vom Burgcafé serviert.

Rainer Stolz, geboren 1966 in Hamburg, lebt als Lyriker, Sprachspieler und Momentesammler in Berlin. Veröffentlicht hat er u. a. den Lyrikband „Während mich die Stadt erfindet“ (Elfenbein Verlag, Berlin 2007) und das aphoristische Leseheft „Stuckbrüche“ (SuKuLTuR-Verlag, Berlin 2006). Gemeinsam mit Stephan Gürtler gab er die Anthologie „Feuer bitte! Berliner Gedichte über die Liebe“ (dahlemer verlagsanstalt, Berlin 2003) heraus. Er wirkt bei literarischen Gemeinschaftsprojekten mit (z. B. Kettendichtung) sowie bei Interaktionen mit Künstlerinnen und Künstlern verschiedener Sparten. Seit kurzem betätigt er sich auch als Poesievermittler, z. B. an Schulen.

Website: www.rainerstolz.de

88. Lesehilfe

Ohne eine Zeile, die überraschend den Verstand durchzuckt und etwas aufblitzen lässt, das man so bisher nie zu sehen wagte, braucht man mit dem Lesen von Gedichten gar nicht erst anzufangen. Das gilt für Hölderlin wie für Gottfried Benn, aber auch für einen jungen Berliner Lyriker wie Steffen Popp. „Tannen im Grenzland, sie brüllten /wie eine Herde, im Sperrdraht“ schreibt er etwa über eine Nachtlandschaft, und schon betritt man „freies Feld, urweltlich ragte / unter dem Mond eine Garage / ein Zwergwürfel, unversöhnt“. Das Leseerlebnis beginnt mit einer Faszination – und es kehrt nach allen Etappen dessen, was man Verstehen nennt, im besten Fall wieder zu ihr zurück: Was Gedichte sagen, sagen sie nur, indem sie Gedichte sind.

Auf dem Weg dazwischen aber sind Erklärungen hilfreich. Zwei Dutzend poetologische Selbstauskünfte zu zeitgenössischen Gedichten hat Thomas Geiger in seiner Anthologie „Laute Verse“ versammelt. Ihr jeweiliger Ehrgeiz, von der autobiografischen Rahmung über die Materialanalyse bis zur Prosaparaphrase, ist so unterschiedlich wie der lyrische Ton, dem die beteiligten Autoren verpflichtet sind, wie ausführliche Werksproben beweisen.

Thomas Kling, Jahrgang 1957, den ältesten – und früh verstorbenen – Dichter, verbindet fast nichts mit der Jüngsten, der 1982 geborenen Nora Bossong. Vielleicht könnten sie sich dennoch auf einen Satz von Max Bense einigen, den Ulf Stolterfoht für „unangreifbar“ hält: „Literatur ist Sprache in einem unwahrscheinlichen Zustand.“ Was daraus folgt, nimmt in Stolterfohts ganz dem Eigensinn von Wörtern und Wortpartikeln gehorchender Sprache ganz andere Formen an als bei der mit erzählenden Elementen spielenden Bossong. Die Schönheit des perfekten Gedichts, erläutert er, vereine maximale Ordnung und Unordnung. Sie zeigt sich für ihn in einem Text, „in dem jedes seiner Glieder mit jedem anderen auf jede erdenkliche Weise verbunden wäre; ein so dichtes Geflecht, dass der ursprüngliche Text hinter einem schwarzen Gitter aus sich kreuzenden Bezügen verschwände – Struktur pur.“ So leuchten einem auch Stolterfohts sonst erst einmal gar nicht einleuchtende Gedichte ein. „Laute Verse“ bietet wertvolle Lesehilfe: Für die junge Lyrik hat es das so bisher nicht gegeben.**

/ Gregor Dotzauer, Tagesspiegel 13.12.2

**) Wirklich nicht? Wie schade! – Ich verweise auf die Anthologie “An Deutschland gedacht”, in der zahlreiche jüngere und auch ältere Autoren mit Text und Selbstkommentar vertreten sind, von den jüngeren nach Thomas Geigers Maßstab (außer Thomas Kling und Kathrin Schmidt, 1957 und 1958, sind alle bei ihm vertretenen Autoren in den 60er und 70er Jahren geboren, nur Nora Bossong jünger, 1982: also jung U 50): Melanie Arzenheimer, Peter Brings, Stephan Brings, Jürgen Brôcan, Uwe Claus, Crauss, Volker Demuth, Alex Dreppec, Ansgar Eyl, Tobias Falberg, Karin Fellner, Anke Glasmacher, Dieter M. Gräf, Stefan Heuer, Marc Hieronimus, Norbert Hummelt. Adrian Kasnitz, Christian Kreis, Stan Lafleur, Anton G. Leitner, Swantje Lichtenstein, Vesna Lubina, Hartwig Mauritz, Frank Milautzcki, Andreas Noga, Lothar Quinkenstein, Heinz Ratz, Arne Rautenberg, Bertram Reinecke, Jan Röhnert, Marcus Roloff, Sabine Römmer, Angela Sanmann, Walle Sayer, Frank Schablewski, Amir Shaheen, Rainer Stolz, Olaf Velte, Achim Wagner, Christoph Wenzel, Ron Winkler, Gerrit Wustmann.

Alle zu vernachlässigen? Wohl kaum. Von einigen werden wir sicher noch hören! Wer weiß schon genau, von welchen? Also empfehle ich neugierigen Lesern und Kritikern,  beide Anthologien supplementär zu benutzen. Lesestoff und Lesehilfe!

Und in Norbert Hummelts Anthologie “Quellenkunde” findet man poetologische Statements unter dem Quellenaspekt von durchweg jüngeren Autoren aus beiden “Listen” vereint. Voilà: ein Grenzüberschreiter! Denn, Zufall oder nicht, tatsächlich gibt es keine einzige Überschneidung zwischen den Anthologien von Geiger und Kutsch. Any idea?

Thomas Geiger (Hg.): Laute Verse.
Gedichte aus der Gegenwart. dtv, München 2009.
360 Seiten, 14,90 €.

105. Flügelzeug – ein lyrisch-lautmalerisches Wechselspiel

Lesung mit Lars-Arvid Brischke & Rainer Stolz

am Freitag, den 25. September 2009 um 20:00 Uhr

Schwartzsche Villa, Kleiner Salon
Grunewaldstr. 55, 12165 Berlin-Steglitz
(U + S Rathaus Steglitz)
Eintritt: 5 / 3 €

Als erprobtes lyrisches Doppel – gespeist aus textlichen Resonanzen einerseits, aus freundschaftlicher Verbundenheit andererseits – möchten wir Sie / Dich zu einem speziellen Programm einladen:
Intro: In zwei kurzen Soli stellt sich jeder von uns mit einer Auswahl neuer Gedichte vor.
Impro: Danach lesen wir in spontaner Reaktion abwechselnd Gedichte aus unseren Büchern und Manuskripten, wobei jeder jeweils eines seiner Gedichte wählt, das ihm als passender Anschluss an das vorherige des anderen erscheint.
Combo: Im dritten Teil schließlich präsentieren wir erstmals eine Auswahl aus unserem gemeinsamen, noch unveröffentlichten Manuskript “Flügelzeug. Klang-, Tüftel- und Raubgedichte”. Hierin sind die Texte, die an verschiedene Traditionen sprachspielerischer und lautmalerischer Poesie anknüpfen, wiederum im Wechsel nach inhaltlichen und formalen Bezügen oder Korrespondenzen komponiert und zum Teil auch in gegenseitiger Inspiration entstanden.