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65. Hombroich: Poesie
Raketenstation Hombroich
Vom 12. bis 15. September 2012 findet auf der Raketenstation Hombroich das dritte Colloquium für Poesie statt. 14 – unter den ästhetisch interessanten und relevanten – bedeutsame deutschsprachige Lyriker, Autoren und Philosophen treffen sich in einem informellen Forum zu Grundlagenfragen im poetischen Tun. Dezidiert außerhalb geläufiger Übereinkünfte und Gemeinplätze darüber, was das Denken der Sprache des Gedichts und des Denkens betrifft, soll hierbei das Projekt der Poesie frei von saisonaler Wahrnehmung und medialen Einschätzungen innerhalb des Betriebsgefüges literarischer Öffentlichkeit überdacht und fortgesetzt erweitert werden.
Die publikumsöffentliche Lesung aller Teilnehmer findet in Zusammenarbeit mit dem Förderverein der Stiftung Insel Hombroich am Samstag, dem 15. September 2012 um 18 Uhr in der Veranstaltungshalle auf der Raketenstation Hombroich statt.
Es lesen Urs Allemann, Franz Josef Czernin, Michael Donhauser, Oswald Egger, Christian Filips, Brigitta Falkner, Barbara Köhler, Benedikt Ledebur, Thomas Schestag, Farhad Showgi und Ulf Stolterfoht Texte von Autoren, welche der Insel verbunden waren oder assoziiert sind: Hans Arp, H.C. Artmann, Inger Christensen, Thomas Kling, Ernst Jandl, Oskar Pastior, Francis Picabia, Kurt Schwitters u.a.m.
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Veranstalter
Das böhmische Dorf.
Gemeinnützige Gesellschaft für Literatur und Kunst
Raketenstation Hombroich
D-41472 Neuss
tel +49(0) 2182 570 000
anmeldung@hombroich.com
Die Aktivitäten des böhmischen Dorfes werden unterstützt von der Literaturabteilung der Landesregierung NRW, von der Kunststiftung NRW sowie vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst, Wien.
73. Timber
Ulf Stolterfoht, Urs Allemann, Monika Rinck, Barbara Köhler
Diskussion
Dienstag, 10.01.12, 20.00 uhr
Unter dem Titel TIMBER! Eine kollektive Poetologie hatte Ulf Stolterfoht im vergangenen Jahr elf Lyrikerinnen und Lyriker eingeladen, auf der gleichnamigen Internet-Seite einen Aufsatz zu veröffentlichen, der sich im weitesten Sinn mit dem Verhältnis von Poesie und Politik beschäftigt. Nachdem im Dezember ein Abschlusssymposion mit allen Beteiligten im Berliner Literaturhaus stattgefunden hat, versuchen nun Urs Allemann, Barbara Köhler, Monika Rinck und Ulf Stolterfoht im Rahmen einer Diskussion die Fragen noch einmal zu stellen: Wie Poesie politisch sein kann, ohne dabei hinter ihre Möglichkeiten zurückzufallen? Ob schon die Entscheidung, heute Lyrik zu schreiben, einen politischen Akt darstellt? Ob das Schielen aufs gesellschaftlich Wirksame nicht vielmehr die Ursünde der Literatur darstelllt? Und viele andere mehr. Abschließende Antworten sind gleichwohl nicht zu befürchten. Urs Allemann lebt in Reigoldswil bei Basel, zuletzt erschien der Lyrikband im kinde schwirren die ahnen (Urs Engeler Editor 2008). Barbara Köhler lebt in Duisburg, 2007 erschien im Suhrkamp-Verlag der Band Niemands Frau. Gesänge mit einer CD. Monika Rinck veröffentlicht u.a. bei kookbooks, zuletzt die Bände zum fernbleiben der umarmung (2007) und helle verwirrung (2009), sie lebt in Berlin. Von Ulf Stolterfoht ist zurzeit im Literaturhaus die Ausstellung handapparat heslach zu sehen, unter dem gleichen Titel erschien bei roughbooks vor zwei Monaten ein kleines Begleitbuch. / Literaturhaus Stuttgart
Bisher sind 8 Essays im Netz – Texte von Urs Allemann, Franz Josef Czernin, Michael Donhauser, Barbara Köhler, Benedikt Ledebur, Ferdinand Schmatz, Ulf Stolterfoht, Uljana Wolf.
76. Zeit lobt Lyrik
Schwer, keine Satire zu schreiben. Und ungerecht, es zu tun. Was kann Daniela Danz dafür, wenn Die Zeit ausruft: „Die deutsche Lyrik hat eine neue Stimme“ (ihrem Rezensenten Florian Illies verschlägt es selbige keineswegs, im Gegenteil, es beflügelt ihn zum Selberdichten: „Wie Daniela Danz in ihrem Band »Pontus« den Atem der Geschichte* in Poesie übersetzt“, Die Zeit 13/ 2009). Und ist Ann Cotten schuld, wenn dieselbe Zeit knapp anderthalb Jahr später sie zur Jeanne d’Arc ausruft, die die deutsche Lyrik aus dem Würgegriff der Experimentellen befreit? Neinnein, meine Anmerkungen betreffen keine der genannten Autoren (die ich selber durchaus unterscheiden und jedenfalls keiner Gruppe, auch keiner Spitzen-Gruppe zuschlagen möchte), auch keinen der anderen von ihm ehrend genannten Autoren. Es geht mir ausschließlich um die Art, wie im Hochfeuilleton über Lyrik geschrieben wird. Keine Satire; aber ein bißchen Polemik.
Jochen Jung schreibt in der jüngsten Zeit über ein neues Buch von Ann Cotten. Er lobt es sehr, und auch ich glaube, es verdient Lob. Soweit stimmen wir überein. Es bereitet Mühe, aber die wird belohnt, sagt Jung. Glaub ich auch.
Dann hebt er zu einer Einordnung an, stante pede und hohen Flugs:
Gerade geht ja das Jahrzehnt zu Ende, in dem ein Dutzend in den Siebzigern Geborene die Eckensteherin Lyrik wieder ans Licht holten, dass es eine helle Freude war. Bei Gedichten dachten dazumal die meisten ja nur noch an Robert Gernhardt, den Wilhelm Busch jener Jahre, von dessen Auflagenzahlen wie von den Zahlen der ihm zufliegenden Herzen selbst Rilke oder Benn nicht einmal hätten träumen können. Gewiss, Witz sells, erst recht, wenn er so lebensklug gekonnt ist wie bei Gernhardt, aber Lyrik kann und will doch entschieden mehr.
Das zeigten damals so ungleiche Flugtiere wie Nico Bleutge, Daniela Danz, Marion Poschmann oder Ron Winkler, um ungerechterweise nur ein paar zu nennen. Sie wussten und wissen unserer Alltagswelt bilderreich und formbewusst einen Glanz zu geben, den ihr die Prosaschreiber streng und neunmalklug verwehrten. So ist es denn auch ganz richtig, dass die Senioren der Darmstädter Akademie kürzlich erst den wunderbaren Jan Wagner in ihren Kreis aufgenommen haben.
Ich könnte weiter zitieren, werde es auch, aber ein paar Anfragen sind fällig. Jung fliegt über zwei Jahrzehnte, in denen, auch in der Lyrik, viel los war. Aber was genau? Sein „ja“ heischt Konsens – vielleicht zu schnell. Ja und ja: viele neue Namen tauchten auf, und auch die helle Freude sei konzediert. Ungleiche Flugtiere: aber hallo, klar doch! Und wie war das noch vorher, dazumal? Die meisten hätten damals nur an Gernhardt gedacht? War das so?
Ich hab Gernhardt gelesen und über seinen Witz geschmunzelt, ja: wenn ich an Gernhardt dachte. Wenn ich an Lyrik dachte, in den 90er Jahren: o, es gab die Älteren, unsortiert und willkürlich: Mickel Jandl Pastior lebten da noch! Kling! war noch jung und lebte, Hilbig! Mayröcker Hein Endler Erb Lorenc Meckel Klünner waren da, Papenfuß Fels Kolbe Rosenlöcher Häfner, etliche aus Rumänien Gekommene waren noch oder wieder da; Jüngere tauchten auf, Stolterfoht Falkner Beyer Lentz Kunst Egger Waterhouse Czernin …, manche Ältere lernte ich jetzt erst kennen, Richard Anders zum Beispiel; mancher Name, der gar nie ins Feuilleton gelangte… lange müßte ich aufzählen, bevor ich zu Gernhardt komme. Nicht meine Freunde und ich: die Zeit wars, die nur an den einen dachte, die ihm seitenlange Kolumnen bot, was gut gewesen wär, wenn nicht das einzige. Sind wir die wenigsten? Sind die die meisten? Ach was! Lyrik konnte und wollte und tat entschieden mehr als das Feuilleton fressen wollte.
Aber war es so nicht überhaupt? Kannte ich das nicht aus der verblichenen Republik? Eine dürre Gouvernante, die einen blühenden Garten beschimpft, sagte Endler, da war ich Student. Wenn ich schimpfen durch ignorieren ersetze: eine perfekte Definition des Feuilletons.
Und heute? In der Mitte jenes von Jung genannten Jahrzehnts „tauchten“ nicht nur neue Namen auf. Wenn sie „auftauchen“, waren sie längst schon dagewesen. 1992 erschien die erste Nummer von Urs Engelers „Zwischen den Zeilen“. Von Anfang an vermischt Alte und Junge, Ost- und Westler, „Experimentelle“ und eher „Traditionelle“, Bilderreiche, Glänzende und Schrille. In Nummer 1 Grünbein Kerstin Hensel Schertenleib Söllner Norbert Weiss, Nummer 6 Donhauser Duden Igel Kempker Steiger Stolterfoht…; ich springe zu 29: Aebli Camenisch Stefan Döring Enzinger Norbert Lange Lars Reyer Schlenker Tom Schulz, noch mal zurück, 24: Bleutge Bossong Ann Cotten Falb Jackson Rinck Scho…: das war die Lyrik, die wir lasen. Andere Zeitschriften und Verlage wären zu nennen, meist kleine. Das meiste nicht feuilletonabel: na und?
Und dann passiert die wunderbare Verwandlung. Eine Handvoll Großkritiker in den Großen Zeitungen sattelt um und setzt auf neue Pferde. Was setzt: sie erfinden sie. Sie glauben, daß sie sie entdeckt haben. Kookbooks wird das neue Paradigma. (Und dieser großartige Verlag kann nichts dafür: ich spreche vom Feuilleton). Kein Kookbooks-, ein Feuilletonhype!
Nicht daß sie diese Autoren loben, verdient Kritik; daß sie sie loben, um andere herab- (und sich hinauf-) zusetzen. Gleich im nächsten Satz bei Jung geht’s richtig los:
… dass die Senioren der Darmstädter Akademie kürzlich erst den wunderbaren Jan Wagner in ihren Kreis aufgenommen haben.
Jan Wagner, ja, aber nicht Oswald Egger oder Ulf Stolterfoht oder Raphael Urweider,
(schöne Reihe das!)
… nicht eine oder einen jener also,
(also!)
…die unter Lyrik weniger Wirklichkeitszauber verstehen und dafür mehr mit Ideen arbeiten, …
(meint der jetzt Egger oder eher Urweider???)
vor allem aber mit und an der Sprache selbst.
(Urweider oder eher Stolterfoht?????)
Das geht so weiter, jetzt kommt der ganze Schmarrn mit den „Experimentellen“, die in der „Bastelecke“ sitzen, „von der Leserschaft kaum wahrgenommen“, aha, also anders als Ann Cotten, Ron Winkler, Nico Bleutge? Vielleicht sollte man erst mal Verkaufszahlen erforschen. Suhrkamp (Ann Cottens Verlag) wird höhere Auflagen haben als Kookbooks: aber werden auch mehr verkauft? Mehr gelesen? Nehmen wir mal drei Suhrkampautoren, von denen dieses Jahr Gedichtbände erschienen: Ann Cotten, Nelly Sachs und Oswald Egger. Wer von denen wird mehr verkauft? Mehr besprochen? Mehr gelesen? Nur für die mittlere dieser Fragen würde ich eine Vermutung wagen. Wobei es Unterschiede zwischen, sagen wir Zeit und FAZ geben wird. (Während die Schweizer Neue Zürcher, wie mir scheint, ohnehin weniger von solchen Frontstellungen betroffen ist.)
Von allen großen Zeitungen die geringste Lyrikkompetenz aber hat gewiß die Tante Zeit. Daran wird das Cottenlob wenig ändern. Wiewohl es zu begrüßen ist. Noch begrüßenswerter, wär es nicht mit jener Frontstellung gekoppelt, auf die ich noch etwas eingehen möchte.
Jungs hämische „Experimentellen“-Schelte soll genauer betrachtet werden. Er scheint sich um sie zu sorgen, und dabei braucht er keine Anführungszeichen:
Ihnen, die man mit einem unerfreulichen Anklang an den Physikunterricht die Experimentellen nennt…
Man? Er also gerade, Jung, nennt sie so, und es erinnert ihn unangenehm an den Physikunterricht. Vielleicht hatte er keinen guten, mag sein. (Für mich waren die Experimente in Physik und Chemie überhaupt nicht unerfreulich). Andererseits vergesse ich bei dem Wort nie die Anführungszeichen. Er braucht sie aber für seine Metaphorik und für seine Bewertung. Ehrlicher wäre aber doch, er sagte „ich“ statt „man“.
ihnen, vor denen keine Syntax sicher ist
ja, das scheint schlimm zu sein, heilige Syntax! Sollte mal Klopstock lesen: den Dichter und den Grammatiker!
… schien die Sprengkraft abhandenzukommen.
Na immerhin kann nur das abhandenkommen, was zuvor da war.
Dabei macht er eine kleine feine Ausnahme. Die Experimentellen ohne „“, die von der Leserschaft „kaum wahrgenommen in einer Art Bastelecke“ saßen, wären, meint er, nicht nur kaum, sondern gar nicht wahrgenommen worden, hätte nicht eine,
… die Älteste unter ihnen, Friederike Mayröcker, sich als mirakulöses Blumenkind entpuppt
Sieh mal an, an die traut er sich nicht heran! Auch das erinnert mich an DDR-Zeiten. In den 70er Jahren hatte ich als Student in Ostberlin Gelegenheit zu Gesprächen mit dem kanadischen Schriftsteller Jack Winter, der eine großartige Paraphrase auf Mark Twains bitterböse Satire gegen den belgischen König Leopold geschrieben hatte, jenen Leopold, dem das riesige Kongoland als Privatbesitz gehörte, King Leopold’s Soliloquy. Winter sprach mit mir über die kulturpolitischen Verhältnisse in der DDR und sagte: Sie wollen (er meinte nicht mich, sondern die Verwalter) von allem nur einen Vertreter. „And I know why“, so begann meine Antwort. Diese Kritiker ähneln jenen, auch hier: Sie loben die eine neue Stimme, and I know why! Auch hier geht es um Herrschaft, um Kontrolle. Sie verabscheuen jene, die sie Experimentelle nennen, aber verehren oder respektieren den einen Jandl, die eine Mayröcker. Spät in beiden Fällen, aber dann doch. Warum, das sagen sie freilich nicht. Verdienen die etwa solche Verteidiger? Es geht um Kontrolle, und es offenbart den Spießer, der die Abartigen verabscheut, aber den einen Großen oder die eine Große auch mal ausnimmt.
Ich sagte, er sorgt sich um die Experimentellen. (Was auch immer es sagt, wenn man etwa Friederike Mayröcker mit dem Wort belegt). Ihnen komme die Leserschaft abhanden und die Sprengkraft. Es kommt noch schlimmer.
Noch schlimmer:
Sagt Jung,
Dass da überhaupt gelegentlich gesprengt werden muss in der Literatur, die vor lauter Inhalt ganz formvergessen ist,
was auch immer das heißt, und über wen,
das schien eine Jeanne d’Arc zu brauchen.
So kriegt er den Bogen zurück zu Ann Cotten. „Ab sofort“, dekretiert die Zeit, gehören ihre Gedichte
zum Besten, was die deutschsprachige Lyrik dieser Tage kann…
Jawoll doch, ja, kann sogar sehr gut sein. Aber brauche ich dafür die Zeit? Ich halte es lieber mit Urs Engeler und den anderen, denen es um die vielgestaltige Lyrik geht und nicht um Zensuren und Marschordnungen.
Ich aber ende mit einem letzten Zeit-Zitat:
Die Jungfrau wirft den Fehdehandschuh.
Jeanne de Cotten, voilà:
Dass ihr nicht alles gefällt, was die Kollegenschaft so schreibt, war bei einer so extremen Position, wie sie sie anpeilt, zu erwarten…
So extrem: das lasse ich mal da stehen, wo es steht, in der Zeit Nummer 38, Seite 53.
*) Als Jüngling schrieb ich auch mal Gedichte. In einem quasi ähnlich: „der Atem der Geschichte / aus ihren Mündern o wie süß! / ruf ich im Chor“. (Pardon, ich meinte das aber ironisch)
34. Hombroich : Poesie
Vom 15. bis 19. September 2010 findet auf der Raketenstation Hombroich (Neuss, NRW) das zweite Colloquium für Poesie statt. Dieses Jahr siebzehn deutschsprachige Lyriker und Philosophen, eine Künstlerin, ein Komponist, treffen sich im informellen Forum zu Grundlagenfragen im poetischen Tun. Dezidiert außerhalb geläufiger Übereinkünfte und Gemeinplätze darüber, was das Denken der Sprache des Gedichts und des Denkens betrifft, soll hierbei das Projekt der Poesie – ohne den saisonalen Fürwahrhaltungen gehege oder eingewattet zu sein –, kollegial überdacht und infolge fortgesetzt werden. Teilnehmer der diskreten Akademie sind diesmal: Urs Allemann, Antoine Beuger, Franz Josef Czernin, Michael Donhauser, Oswald Egger, Martin Endres, Hans-Jost Frey, Eleonore Frey, Felix Philipp Ingold, Erich Klein, Barbara Köhler, Benedikt Ledebur, Ferdinand Schmatz, Farhad Showghi, Ulf Stolterfoht, Hans Thill, Suse Wiegand (und wohl noch andere).
Eine okkasionelle Lesung aller Teilnehmer findet am Samstag, dem 18. September 2010 um
19 Uhr in der Veranstaltungshalle der Raketenstation statt; ebenso sollen die poetologischen Beiträge wieder unter dem Titel Das böhmische Dorf ediert erscheinen: mit Mobilität zwischen den Medien Buch und Internet: Wer unentwegt oder am Weg baut, hat viele Nachbarn.
Das böhmische Dorf. Gemeinnützige Gesellschaft für Literatur und Kunst
Raketenstation Hombroich
41472 Neuss-Holzheim
Tel. 02182 570000
In Zusammenarbeit mit der Stiftung Insel Hombroich
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Buchhinweis
Nichts tun, Hrsg. Oswald Egger, Das böhmische Dorf 2009
(= Tagungsband zum ersten Colloquium für Poesie in Hombroich ISBN 978-3-902024-14-5, 224S, 22 Euro)
138. Bücherwürmer in Lana
Doch in Lana bei Meran gedeihen nicht nur Boskop, Gravensteiner und Goldparmäne, sondern ebenso die experimentelle Literatur, insbesondere die Poesie. Große Dichterpersönlichkeiten wie Friederike Mayröcker, Oskar Pastior, Les Murray oder Andrea Zanzotto trafen in den vergangenen dreißig Jahren auf jüngere Seelenverwandte wie Elfriede Czurda, Ulf Stolterfoht, Michael Donhauser und viele andere.
Im Bemühen, im mehrheitlich deutschsprachigen Lana der Literatur und Sprache einen autonomen Ort zu geben, wurde der Verein der Bücherwürmer 1980 im Umfeld einer Buchhandlung gegründet; inzwischen residieren die Bücherwürmer im ultramodernen Bibliotheksneubau von Lana. Alle zwei Jahre richtet der Verein den Norbert-C.-Kaser-Preis aus. Er unterhält die edition per procura sowie ein beeindruckendes Archiv der Poesie. …
Aufgabe des Künstlers sei es, das Geheimnis zu vergrößern, sagte der Maler Francis Bacon. Er hätte Egger meinen können, wenn dieser dichtet: “Ein Lenzen mit Firnrinde auf / dieser reif-vereisten / Moosweide. / Ich säe / Basiliskenkraut / in Kurven / und viele Furchen”. Dieser bäuerliche Tätigkeitsbericht durchzieht auch Eggers neuen Prachtband “Die ganze Zeit”. Tirolische Flurnamen, süd- oder oberdeutsche Phänomene wie “Wucht-Gumpen” werden von Zeitangaben unterbrochen und strukturiert. / Katrin Hillgruber, Badische Zeitung
149. Lyrikpreisträger 2009
Mit Konstantin Ames (Leipzig), Michael Donhauser (Maienfeld, Schweiz), Gerhard Falkner (Weigendorf), Barbara Köhler (Duisburg), Ulrike Almut Sandig (Leipzig), Ferdinand Schmatz (Wien), Musik: Theo Nabicht (Berlin)
Für Prosa gibt es im deutschsprachigen Raum Preise en masse. Für Lyrik rund ein Dutzend. Umso wichtiger ist es, dieser Diskrepanz einen Abend entgegenzustellen, der die Träger der 2009 vergebenen Lyrikpreise zusammenbringt und damit der Poesie die Bühne gibt, die sie verdient und braucht, um in Wort und Klang vollends zur Geltung zu kommen.
Bei diesem Fest der preisgekrönten deutschsprachigen Dichter werden lesen: der open mike-Lyrikpreisträger Konstantin Ames, Georg-Trakl-Preisträger Michael Donhauser, Peter-Huchel-Preisträger Gerhard Falkner, Barbara Köhler, die den Poesiepreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft erhielt, Leonce-und-Lena-Preisträgerin Ulrike Almut Sandig und Ernst-Jandl-Preisträger Ferdinand Schmatz. Die musikalische Umrahmung der Lesung gestaltet Theo Nabicht, Musiker und Komponist aus Berlin.
Ort: Berliner Rathaus, Rathausstr. 15, 10178 Berlin
Eintritt frei.
Anmeldung erbeten unter Fax 030. 48 52 45 30
oder mail@literaturwerkstatt.org
Unter der Schirmherrschaft von Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin. Mit freundlicher Unterstützung des Berlin Verlags, der Crespo Foundation, des Haymon Verlags, des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI e.V., Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung und der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Kulturamt.
23.02.2010 20:00 Uhr – Berliner Rathaus
Literaturwerkstatt Berlin
Knaackstr. 97/Kulturbrauerei
10435 Berlin
64. Werwolf Sutra
Im Westen ist er durch seine luziden Essays und lebensprallen Romane bekannt geworden, doch in seiner ukrainischen Heimat gilt Juri Andruchowytsch in erster Linie als Lyriker: Verfasser von fünf Gedichtbänden und Mitbegründer der literarischen Performance-Gruppe Bu-Ba-Bu, die dem poetischen Wort wirkungsstark, nicht selten mit musikalischer Begleitung, zum Auftritt verhilft.
Einen Eindruck von Andruchowytschs songhaften Versen vermittelt der deutsche Auswahlband «Werwolf Sutra», der Gedichte aus den Bänden «Exotische Vögel und Pflanzen» (1985 bis 1990) und «Lieder für den toten Hahn» (1999 bis 2004) vereinigt. In gereimten Strophen oder in rhythmisiertem Parlando-Ton erzählen sie von Liebe und Reisen, vom Studentenleben und von seinen Exzessen, vom Alltag und von der Stadt Lemberg, von ferner Geschichte und Momenten schmerzlicher Gegenwart – sinnlich, sentimental, sarkastisch, melancholisch. / Ilma Rakusa, NZZ 8.12.
Juri Andruchowytsch: Werwolf Sutra. Gedichte. Deutsch von Stefaniya Ptashnyk, unter Mitwirkung von Isolde Baumgärtner, Michael Donhauser, Anna Halja Horbatsch, Olaf Kühl, Joachim Sartorius, Sabine Stöhr, Hans Thill, Anja Utler. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2009. 89 S., Fr. 30.90.
13. Wortvoyeure
Michael Donhauser, der am 4. November mit dem Georg-Trakl-Preis für Lyrik in Salzburg ausgezeichnet werden wird, wurde am 27. Oktober 1956 als österreichischer Staatsbürger im Liechtensteiner Vaduz geboren und lebt heute in Wien. …
“Michael Donhausers Gedichte ruhen als archaischer Fels in der Poesielandschaft, (…). Sein reiches poetisches Universum entfaltet sich paradoxerweise aus einem Minimum an Sprache, seine Verse leben von auf den Kern reduzierten und präzis-sparsam eingesetzten Worten“, heißt es in der Begründung zum Georg-Trakl-Preis 2009.
Einladungen zu Lyrik-Lesungen empfinde ich grundsätzlich als ein eher zweifelhaftes Vergnügen. Wie oft habe ich es erlebt, dass Worte – in der Regel potenzlos – im Raum verhallten, weil das Publikum nicht stark genug war, das verdichtet Gesagte zu ertragen oder der Lyriker nicht hinter dem eigenen Text zu stehen kam. Mit entsprechender Skepsis, einen kleinen Fluchtweg freihaltend, lasse ich mich zwischen etwa fünfzig geladenen, gespannten Gästen nieder.
Alfred Böttger begrüßt. Donhauser lässt sich Zeit. Die Stille wirkt. Mit Bedacht werden die ersten Worte gewählt, turnen sich halsbrecherisch durch den Raum. Kein Wort darf verloren gehen. Die Wortvoyeure halten den Atem an. Kein Wort wird verloren gehen, dessen darf ich mir sicher sein. Als ob er dem Umstand der Lyrikbesessenheit der Gäste nicht traut, blickt er fast argwöhnisch in die Runde, beginnt ratlos-zurückhaltend zu lesen und endet ungern.
Vielleicht an einem Abend, an/ einem Abend spät vielleicht/ Ein Glas gefüllt mit Anis und/ eine Stimme, die weint/ Vielleicht, daß eine Stimme/ weint/ Ein Glas an einem Abend spät/ vielleicht/ Ich gehe nicht, nicht mehr/ sehr weit/ Zu sehr, zu sehr, nicht mehr/ zu weit (aus: Sarganserland)
Die Sprachlosigkeit bricht Michael Donhauser durch Bewegung auf. Kein Stillstand. Kein Zeitvakuum. Gerade dem Dichter wird gerne Weltverfremdung und ewige Selbstreflexion vorgeworfen. Donhausers Lyrik scheint über die Jahre zunächst wenig verändert, ist es doch auf den ersten Blick die immer gleich hermetische Naturlyrik. Donhauser kann auf den ersten Blick das Verharren in irgendeiner Landschaft dieser oder jener Art unterstellt werden, nähere Betrachtung fordert jedoch Erstaunen über die Vielfältigkeit der Bewegung. Hermetisch und mit doppeltem Boden. / Julia-Rebecca Riedel, Kultur in Bonn
Michael Donhauser in der Buchhandlung & Galerie Böttger: Gedichte und seine soeben bei Urs Engeler erschienene Poetik “Nahe der Neige”.
159. Georg-Trakl-Preis für Lyrik an Michael Donhauser
Der Georg-Trakl-Preis für Lyrik 2009 geht an den Schriftsteller Michael Donhauser. Der in Liechtenstein geborene Österreicher wird die Auszeichnung, die vom Kunstministerium und dem Land Salzburg vergeben wird und mit 7.500 Euro dotiert ist, am 4. November erhalten. Den mit 3.000 Euro dotierten Georg Trakl-Förderungspreis erhält heuer der 1963 geborene Michael Burgholzer.
“Michael Donhausers Gedichte ruhen als archaischer Fels in der Poesielandschaft und entfalten einen eigenständigen Reiz unabhängig von jeglichen Moden”, heißt es in der Begründung der Jury. “Sein reiches poetisches Universum entfaltet sich paradoxerweise aus einem Minimum an Sprache, seine Verse leben von auf den Kern reduzierten und präzis-sparsam eingesetzten Worten.” Seinem Mut “zu einer auf das wesentliche eingedampften Sprache in einer Zeit, die vorwiegend von Überfülle, Überschuss und Superlative lebt, gehört der Respekt der Jury.”
…
Der Georg-Trakl-Preis wird seit 1952 jeweils zu runden oder halbrunden Geburts- und Todestagen des Salzburger Lyrikers Georg Trakl (1887-1914) vergeben, also vier Mal pro Dekade. / Kleine Zeitung 29.10.
145. Nahe der Neige
Die Gedichte von Michael Donhauser sind Grenzgänge, sie vertrauen sich nicht schlechthin einem lyrischen Sprechen an, sondern finden zu Formen, welche bald nahe der Prosa, bald nahe dem Gesang ein Sagen jenseits der Metapher suchen.
Und der Abend, das Verlangen, zu bewahren
all das Sehen, zu empfangen, was da blühte
als die Dahlien nah den Beeten, sich enthüllte,
so als würde, wäre Schein all dies Leben in den
Gärten, wo die Farben sich vermehrten.
(Donhauser, Schönste Lieder, S.52)
Michael Donhauser liest Gedichte und stellt seine soeben unter dem Titel “Nahe der Neige” erschienene Poetik vor.
30.10.2009 um 20.00 Uhr
Buchhandlung & Galerie Böttger
Maximilianstraße 44
53111 Bonn
Michael Donhauser
Nahe der Neige
Sammlung Urs Engeler Editor, Band 81ISBN 978-3-938767-72-6
Gebunden, Schutzumschlag, mit 4 Abbildungen
19,5 x 15,5 cm, 72 Seiten
Euro 17.- / sFr. 29.-
(Probe)
September 2009
