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79. manuskripte 199/2013

Im aktuellen Heft (März 2013, € 11,70, 161 S.):

2 Nachrufe auf die slowenische Dichterin Maruša Krese, von Andrea Stift:

Liebe Maruša, mein Wunsch für das Jahr 2013 war, dass einmal 365 Tage keiner stirbt, den ich gern habe. Mein Wunsch hat sich nicht erfüllt. (…)

Maruša, Du warst so politisch, dass ich Angst davor hatte, mit Dir über Politik zu reden (weil ich dachte, ich verstünde nichts. Dabei ist das nur eine Ausrede. Jeder versteht).  Du hast es zuwege gebracht, diese zwei Dinge zu vereinen, die sich für mich ausschließen: Menschlichkeit und eben Politik.

und Ilma Rakusa

Am 7. Januar 2013 hat sie ihr nomadisches Unterwegssein beendet. In Ljubljana, ihrer Geburtsstadt, im Alter von 65 Jahren. (…) Wo war ihr Ort? Sie wusste es selbst nhicht. Nicht in Slowenien, das ihr zu eng schien, nicht im hippen Berlin, nicht in San Francisco. Schon eher im versehrten Sarajevo, das sie während des Krieges immer wieder aufsuchte, um zu helfen, was ihr 1997 das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland eintrug. Nur das Prekäre, Provisorische zog sie an, eine bürgerliche Existenz im trauten Heim konnte sie sich nicht vorstellen.

Gedichte von: Martin Kubaczek, Elke Laznia (Prosagedichte), Verena Stauffer (Sonett, Terzinen), Andreas Unterweger, Sara Ventroni (Italienisch/Deutsch), Franz Josef Czernin (zungenenglisch. visionen, varianten), Marija Ivanović, Ronald Pohl, Ingeborg Horn, Milena Marković, Volha Hapeyeva

Prosa von: Ulrike Draesner, Hanna Engelmeier

Liste der Vögel, die ich von Nietzsches Balkon aus beobachten konnte: Elstern, Blaumeisen, Eichelhäher, Krähen, Buntspechte und einen nicht identifizierbaren Pseudo-Zaunkönig, Tauben.

Gundi Feyrer, Dana Ranga, Thomas Rothschild (Bruder Eichmann, Breivik und die Sopranos), Paul Nizon, Franz Schuh, Lukas Palamar u.a.

Beiträge über: Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki, Peter Waterhouse

61. Grazer Geist

Die manuskripte sind nun schon seit fünfzig Jahren ein immerwährendes Mirakel aus Graz. So großzügig, wie die Seiten aufgemacht sind, die sich als Kladde zum Stöbern und Hängenbleiben präsentieren, wirkt auch das Feld, das darin über das konkrete Umfeld der österreichischen Sprachkritik und Sprachreflexion hinaus eröffnet wird – seit 1960 und offenkundig über 2010 hinaus. Die ‘Marginalie’ des Herausgebers Alfred Kolleritsch, die den zum Jubiläum erschienenen Doppelband eröffnet, ist von weiser Lakonie und lässt das Lebenswerk für sich selbst sprechen. Lyrik, Essay, Theater – in den aus allen Nähten platzenden Jubiläumsbänden sind insgesamt 145 Autoren versammelt, die Grazer Geist verkörpern, auch wenn sie oft ganz woanders leben (bevorzugt im so ganz anderen Berlin). Sie definieren das Programm der Zeitschrift, das es ausformuliert gar nicht gibt. / HELMUT BÖTTIGER, Süddeutsche Zeitung

Auch schön (eher in Graz als Berlin denkbar):

Es gibt die Klassiker wie Urs Allemann, Günter Brus, Barbara Frischmuth, Elfriede Jelinek, Friederike Mayröcker, Michael Scharang, Peter Turrini…

manuskripte. Zeitschrift für Literatur 189/190. Graz 2010. 2 Bände, 675 Seiten, 24,90 Euro.

 

24. Dichterfeier in Graz

Mit einem Fest im Schauspielhaus und in der Aula der Alten Universität ist am Samstag in Graz das 50-Jahr-Jubiläum der Literaturzeitschrift “manuskripte” gefeiert worden. Rund 500 Gratulanten aus Kunst und Politik waren dabei.

Über 150 Persönlichkeiten aus dem Literaturbetrieb waren gekommen, um Herausgeber Alfred Kolleritsch zu seinem Lebenswerk zu gratulieren. / orf

13. Autorentreffen zu 50 Jahren “manuskripte”

Der Schriftsteller Alfred Kolleritsch, Mitbegründer des Forum Stadtpark in Graz, sprach mit Thomas Trenkler über die Literaturzeitschrift “manuskripte”, die er seit 50 Jahren herausgibt.

Standard: Am Samstag werden mehr als 140 Autoren beim Festakt im Grazer Schauspielhaus dabei sein. Ein derart großes Autorentreffen gab es noch nie, oder?

Kolleritsch: Es war etwas verwegen von mir, alle wichtigen Autoren, die im Laufe der letzten 50 Jahre in denmanuskripten publiziert haben, einzuladen. Das Erfreuliche – und gleichzeitig Erschreckende – ist, dass fast alle zugesagt haben. Peter Handke kommt mit Hubert Burda, Ulla Berkéwicz kommt, Robert Menasse, auch Peter Turrini. Eine bunte Fülle. Die Jelinek kommt nicht, sie hat aber einen schönen Text geschickt.

/ Der Standard

118. “Manuskripte” 50 Jahre

Das erste Heft der “manuskripte” erschien am 4. November 1960 zur Eröffnung des Forum Stadtpark, mit dem die Zeitschrift lange Zeit auf organisatorischer wie auf ideeller Ebene verbunden war. Ein hektografiertes Heft, 15 Blätter in einer Auflage von 100 Stück, Preis drei Schilling, ausschließlich Lyrik beinhaltend. Der Titel “manuskripte” war programmatisch: Es wurden fast nur unveröffentlichte literarische Texte abgedruckt, Essays und kulturpolitische Artikel waren Mangelware, Rezensionen gab es nicht.

Blickt man auf die 188 bisher erschienenen Nummern der Zeitschrift zurück, so entfaltet sich eine deutschsprachige Literaturgeschichte en miniature. Bereits in der zweiten Nummer veröffentlichte Kolleritsch Texte der Vertreter der “Wiener Gruppe”, die in den “manuskripten” eines ihrer wichtigsten Veröffentlichungsorgane hatten. Auch Ernst Jandl und Friederike Mayröcker debütierten Anfang der 1960er Jahre in der Zeitschrift. Kolleritsch räumte aber nicht nur der österreichischen Avantgarde einen für sie überlebensnotwendigen Platz ein, sondern bemühte sich auch, ausländische Literaturen zu vermitteln. Schwerpunkte in den frühen Heften waren etwa (von Heimito von Doderer) vermittelte estnische Lyrik, tschechische Experimentalpoesie, brasilianische konkrete Literatur ( Noigandres ) oder Literatur der Stuttgarter Gruppe. / Peter Landerl, Wiener Zeitung

127. Neu: “manuskripte” und “Lichtungen”

Ein gewohnt breites, literarisches Spektrum decken die “manuskripte” in Nummer 185 ab. So findet sich etwa “das Alpland und feine Ohr”, eine in Arbeit befindliche Prosaschrift von Friederike Mayröcker. Günter Brus steuerte neben Lyrik auch das Titelbild der aktuellen Ausgabe bei. Die bulgarische Dichterin Tzveta Sofronieva “korrespondiert mit Kappus”.

www.manuskripte.at

Die “Lichtungen” bleiben auch in Ausgabe 119 ihrer Linie treu und halten den Fokus auf internationale Literaturszenen sowie die Förderung junger Autoren. Aktuell wurde der Schwerpunkt auf Ungarn und Lyrik aus Polen gelegt. Autoren wie László Márton, Tadeusz Dąbrowski und Krzysztof Kuczkowski werden im Original wie in der deutschen Übersetzung auf die Bühne gebeten. Die “neuen Namen” der österreichischen Szene gemahnen uns “leise” (Barbara Zehmann) vom “Zeitalter des Wassermannes” (Martina Klein) zu sprechen. Und dank Brigitte Pölzls Essay finden wir uns gar noch “Unterm Zwetschkenbaum mit Foucault” ein.

/ CARL-MICHAEL DRACK, Kleine Zeitung

91. Grazer Franz-Nabl-Preis geht an Alfred Kolleritsch

Der mit 14.500 Euro dotierte Literaturpreis geht in diesem Jahr an Alfred Kolleritsch, den “Gründervater der Literaturstadt” Graz.

Als einer der Mitbegründer um das Forum Stadtpark, dem der im südsteirischen Ort Brunnsee geborene und in Graz aufgewachsene Schriftsteller von 1968 bis 1995 auch als Präsident vorstand, gründete er 1960 die Literaturzeitschrift “manuskripte” und eröffnete damit vor allem innovativen und experimentellen Autoren eine Publikationsmöglichkeit. Damit verhalf er Autoren wie Wolfgang Bauer oder Peter Handke zum Durchbruch. Ebenso zählt Kolleritsch zu den Gründungsmitgliedern der Grazer Autorenversammlung (1973). …

Zu sprechen, ohne vorschnell Bedeutungen zu stiften, ist das Grundanliegen, das Kolleritsch mit seinem Schreiben verfolgt. Dabei weiß er die notwendige Reflektiertheit solchen Schreibens mit Anschaulichkeit und Sinnlichkeit zu verbinden: “Das Denken und Nachdenken behindert das Sehen und Fühlen nicht, sondern verschafft dem Wahrgenommenen Glaubwürdigkeit jenseits von Klischees und falschen Gewissheiten.“ / Kleine Zeitung 26.6.