Getagged: Klaus Hensel

5. Heimat – gerettete Zunge

Wer in der Nähe ist: so viele interessante Autoren findet man selten bei einer Tagung: hingehen!

Internationaler P.E.N.
Zentrum Exilschriftsteller in deutschsprachigen Ländern e.V.

Tagung

Heimat – gerettete Zunge
Die rumäniendeutsche Literatur in der Bundesrepublik Deutschland

Bad Kissingen, 16. bis 18. November 2012

Aus dem Programm

Freitag, 16. November 2012, 16:30 Uhr – 21:30 Uhr

17:00            „Vom erzwungenen Abschied zur schwierigen Ankunft. Wegstrecken, Stationen und Diskursformen der rumäniendeutschen Literatur (1950-2000)
Prof. h.c. Dr. Peter Motzan, Augsburg

19:15            Die rumäniendeutsche Literatur heute: SchriftstellerInnen lesen aus ihren Werken, Teil 1

  • Hans Bergel (Prosa), Gröbenzell
  • Horst Samson (Lyrik), Neuberg/Hessen

 

Samstag, 17. November 2012, 9:30 Uhr – 20:30 Uhr

9:30            „Die fremde Stimme: zur Rezeption der rumäniendeutschen Literatur in der Bundesrepublik Deutschland“
           Ingmar Brantsch, Köln

10:45            Die rumäniendeutsche Literatur heute: SchriftstellerInnen lesen aus ihren Werken, Teil 2

  • Franz Hodjak (Prosa), Usingen
  • Hellmut Seiler (Lyrik), Backnang
  • Klaus Hensel (Lyrik), Frankfurt am Main

14:30            „Die Wiederentdeckung der Innerlichkeit in ‘Die deutsche Seele’ (Thea Dorn/ Richard             Wagner) und ihre Rezeption in der bundesdeutschen Öffentlichkeit“
            Franz Heinz

15:30            Die rumäniendeutsche Literatur heute: SchriftstellerInnen lesen aus ihren Werken, Teil 3

  • Johann Lippet (Prosa), Sandhausen
  • Ilse Hehn (Lyrik),Ulm
  • Balthasar Waitz (Prosa), Temeswar/Timisoara – Rumänien

19:00            Die rumäniendeutsche Literatur heute: SchriftstellerInnen lesen aus ihren Werken, Teil 4

  • Dieter Schlesak, (Prosa, Lyrik), Stuttgart / Camaiore-Italien

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55. Wie so ein Gedicht funktioniert

Mein erster Text war eine Kontrafaktur von einem Gedicht des rumänischen Nationaldichters Mihai Eminescu. Ich hatte erstmals Rumänisch-Unterricht in der Schule und wollte meine Lehrerin beeindrucken. Wahrscheinlich war er es, bei dem ich früh ein wichtiges Prinzip begriff, dass es bei einem Gedicht auf die Sprachmelodie ankommt. Ich habe Eminescu auf der Lautebene imitiert. Für mich waren Rhythmus, Pausen, Synkopen, Kontrapunkte die eigentliche, strukturelle Ebene. Auf den Inhalt kam es mir nicht an; es war, glaube ich, ein romantisches, revolutionäres Liebesgedicht. Doch über das Melos habe ich begriffen, wie so ein Gedicht funktioniert – auch, oder gerade, über das Rumänische, das im Vergleich zum Deutschen eine ganz andere Klangtiefe, eine andere Grundmelodie hat. Später habe ich Heinrich Heines Gedichte in der Bibliothek meiner Mutter entdeckt – und mit ihm auch die Musik der deutschen Sprache. / Klaus Hensel im Gespräch mit faustkultur.de

Siehe auch klaushensel 2.0

26. Breuer liest

Ich fiebre Rolf Bosserts gesammelten Gedichten in Ich steh auf den Treppen des Winds entgegen, die Gerhardt Csejka 2006 herausgab und die der Postbote zusammen mit einem Brief Hans Benders überreicht. Rolf Bossert (1952–1986), von dem Name und einzelne Gedichte (gelesen, beispielsweise, in Der Große Conrady und Hans Benders Was sind das für Zeiten) mir seit Jahren geläufig sind, dem ich aber bis heute, wie, beispielsweise, auch Horst Samson oder William To­tok, nicht die Aufmerksamkeit schenkte wie anderen rumänendeutschen Dichtern, die seit Jahr­zehnten in Deutschland leben: Klaus Hensel · Franz Hodjak · Johann Lippet · Georg Maurer · Herta Müller · Oskar Pastior · Carmen Elisabeth Puchianu · Dieter Schlesak · Klaus F. Schneider · Werner Söllner · Ernest Wichner · Richard Wagner, deren Gedichtbücher und Romane mich seit vielen Jahren begleiten. …

Samson schreibt:

Ich bin – nach Günter Eichschem Vorbild – mit einem Teil meines „Frühwerks“ seit einiger Zeit auf Lesersuche. Das klappt schlecht. Ich gebe das zu, denn obwohl ich durchaus bereit bin, meine Bücher sogar zu verschenken, will sie kaum einer haben. Ich kann das verstehen, wenn ich es auch nicht verstehe. Klar ist mir auch in diesen Jahren des Exils nicht entgangen, dass das Leben hier im Westen vor allem ein Kampf ist, ein Kampf gegen den Staub und das Papier und die Lyrik.

Spontan wähle ich Samsons Nummer in Neuberg und höre die automatisierte Stimme eines Anrufbeantworters. Am späten Nachmittag erreiche ich Samsons sehr freundliche Frau, mit der ich mich angeregt über Lyriker (vor allem Horst Samson) und Lyrik (vor allem Horst Samsons Gedichte) unterhalte. Danach lese ich viele Gedichte in Und wenn du willst, vergiss ein zweites Mal. Der Abend ist bereits jetzt gerettet. (Was morgen sein wird, darauf pfeif ich in diesem Augenblick mit dem Wind, der durch Bosserts und Samsons Verse weht, und vergessen wird hier gar nichts. Jedenfalls nichts Lyrisches.)

THEO BREUER, Titel-Magazin

Rolf Bossert: Ich steh auf den Treppen des Winds
Gesammelte Gedichte 1972-1985
Herausgegeben von Gerhardt Csejka
Frankfurt/M.: Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung 2006. 352 Seiten. 24,90 Euro

Horst Samson: Und wenn du willst, vergiss
Gedichte aus den Jahren 1981 bis 1994
Ludwigsburg: Pop Verlag 2010. 130 Seiten. 14,90 Euro