Startseite » Beitrag verschlagwortet mit 'Kai Pohl'

Schlagwort-Archive: Kai Pohl

Im Netz seit 1.1.2001

Jahrbuch der Einfalt

Liebe Dichterin, Lyrikerin, Poetin, Verseschmiedin,
Lieber Verseschmied, Poet, Lyriker, Dichter,

die aus dem Ruhezustand agierende Floppyredaktion läßt fragen:

gehörst Du zu den Einsenderinnen und Einsendern des heurigen Jahrbuchs der Lyrik, deren Gedichte nicht im Band vertreten sind(*)
Dann könnte dich Folgendes interessieren.

„Die Hauptsache ist, eine Geschichte zu erzählen.“ (Frank O’Hara) Und die Geschichte geht so.

Am 16. Juli kommentiert Heike Kunert, Literaturredakteurin der Zeit, in der Zeit (1) (Vorsicht: Remix!): „Das dreißigste Jahrbuch der Lyrik ist gewiss eine traurige Angelegenheit. Es ist kein guter Jahrgang: verhalten, trocken, unreif, artig – geistiges Brachland, magere lyrische Ernte. Viele Gedichte in diesem Buch berühren nicht, man verfällt in eine von Langeweile und Empörung angetriebene Schnappatmung. Für einen Einkaufszettel würde man mehr empfinden. Überdies fällt auf, dass sich so gut wie kein politisches, zumindest gesellschaftskritisches Gedicht im Jahrbuch findet.“
Am 18. Juli fragt die Lyrikzeitung (2) nach, „ob die Herausgeber vielleicht politische Gedichte herausgefiltert haben“.
Dazu schreibt Nora Gomringer, Mitherausgeberin des 30. Lyrikjahrbuches, (von Konstantin Ames kurzerhand zu Jahrbuch der Einfalt umtituliert) im Nachwort: „Und mancher wird in der Auswahl dieses Bandes natürlich Dinge vermissen, die die Herausgeber bei den Einsendungen nicht finden konnten.“

Wir sagen: „Da könnte sie sich irren!“, und bitten um Zusendung Deiner für das Jahrbuch eingereichten Texte an edk@pappelschnee.de. Wir wollen daraus eine Auswahl treffen und im Herbst in der neuen Publikationsreihe der EdK Berlin herausgeben. Es könnte ja immerhin sein, daß wir einige von den „Dingen“ finden, die andere „natürlich“ vermissen.

Herbstliche Grüße, & nur Mut!,

i. A. d. R. i. R.
Kai Pohl

(*) Es sind auch Texteinreichungen von Nichteinsenderinnen und -sendern erwünscht, von denen, die meinen: „Und wenn ich eingesandt hätte, wäre ich nicht vertreten.“


(1) http://www.zeit.de/kultur/2015-07/30-jahrbuch-der-lyrik-buchkritik/komplettansicht
(2) http://lyrikzeitung.com/2015/07/18/einsam-auf-der-saeule/

Prolog X4

Ausstellung und Release – 27.6. – 30.6.15

Wer wissen möchte, welche künstlerische Transformation das „Kapital“ von Marx im Jahr 2015 erlebt und wieso Thomas Morus sich kopflos geträumt hat, dem empfehlen wir die neue Ausgabe des Prolog- Heft für Zeichnung und Text zum Schlagwort u-TOPIEN. Außerdem in der neuen Ausgabe: stolpernde Gräser und Langsamgeher, ein utopisches Möglichkeitenuniversum, ein ganzer Schwall Schwalben, Enten, die barfuß gehen, Ikarus und Artemis, etwas zur Zukunft deutscher Mittelstädte, Zeichnungen, Bilder, Collagen, Gedichte, Gedanken, Texte und ein rotes Ufo…

Wir laden herzlich ein zur Heftrelease der 14. Ausgabe des Prolog. Prolog X4 versammelt auf 68 Seiten Arbeiten von 48 Künstler- und AutorInnen zum Thema u-TOPIEN. Vom 27.-30.6. stellen wir die neue Ausgabe mit Ausstellung und Lesungen vor. In der begleitenden Ausstellung werden Arbeiten der an dieser Ausgabe beteiligten KünstlerInnen zu sehen sein. Zu Gast sind wir dieses Mal im Pavillon am Milchhof in Berlin Prenzlauer Berg.

27.6. ab 17 Uhr Eröffnung der Ausstellung und Heft-Release, parallel läuft das Sommerfest der Ateliergemeinschaft Milchhof e.V. mit Bar, Musik und…

28.6. und 29.6. 14 Uhr – ca. 21 Uhr geöffnet, ab 19 Uhr „Künstler-Tresen“

30.6. 14 Uhr – 21 Uhr geöffnet, ab 18 Uhr Finissage & Short-Lesungen u.a. mit Clemens Schittko, Kai Pohl, Stephan Brenn, Susanne Eules, Lars-Arvid Brischke

Programm ist noch in Arbeit…

Prolog X4 mit Arbeiten von: Albrecht Wild, André Patten, Anett Lau, Anke Becker, Andreas Koletzki, Anton Schwarzbach, Astrid Köppe, Ben G. Fodor, Christoph Vieweg, Clemens Schittko, Dorit Trebeljahr, Erwin Schumpeter, Franziska Peter, Georg Kakelbeck, Grazyna Zarebska, Hagen Klennert, HEL Toussaint, Ilse Ermen, Jonis Hartmann, Juliane Laitzsch, Kai Pohl, Katharina Seidlitz, Käthe Wenzel, Katrin Heinau, Katrin Salentin, Kirsten Klöckner, Lars-Arvid Brischke, Liana Zanfrisco, Margarete Lindau, Martin Bartels, Mikael Vogel, Moritz Schleime, Nicole Wendel, Norbert Bücker, Ottfried Zielke, Patrick WEH Weiland, Pega Mund, Petrus Akkordeon, Ross Henriksen, Simone Scharbert, Susanne Eules, Silvia Lorenz, Søren Bjælde, Stefan Malicky, Stephan Brenn, Susanne Koheil, Su Tiquun, Uta Protzmann

Das Heft ist während der Ausstellungstage vor Ort erhältlich oder hier zu bestellen für 8€+Versand.

Utopisches Überraschungs-Special: Einige Ausgaben des neuen Heftes sind mit kleinen Grafiken, Zeichnungen und Unikaten einiger Künstler- und AutorInnen erhältlich. Entweder vor Ort oder hier (Stichwort: Prolog X4 mit Unikat) für 15 €+Versand. So lange der „Vorrat” reicht.

Pavillon am Milchhof in der Schwedter Str. 232, 10435 Berlin, zwischen Kastanienallee und Mauerpark

Mehr

GENERATIONENÜBERGREIFEND: DER NAHBELLPREIS

G&GN-INSTITUT, Düsseldorf im Juni 2015 / Traditionell am 21.6. wird der neue Nahbellpreisträger bekannt gegeben und das Email-Interview mit ihm veröffentlicht, das in den letzten Monaten geführt wurde. Nur so viel sei schon vorab verraten: Der diesjährige 16.Nahbellpreis geht an einen absoluten Newcomer der Lyrikszene, ein blutjunges Talent mit einem permanenten Literaturauswurf wie ein Vulkan! Von Karl-Johannes Vogt (verstarb 2013 mit 93) über Hadayatullah Hübsch (verstarb 2011 mit fast 65) bis zu dem kommenden Preisträger (unter 20) reicht der Altersunterschied. Der Nahbellpreis richtet sich erstmals seit 2000 an deutschsprachige Lyriker, die sich selbst oder Kollegen vorschlagen dürfen. Laut Urkunde ist die “Unbestechlichkeit im lebenslänglichen Gesamtwerkprozess” für die Vergabe entscheidend, ein Kriterium, das sich nur selten im Anfangsstadium eines Künstlers abschätzen lässt. Mit 10 Millionen Euro ist der Nahbellpreis der weltweit höchstdotierte Literaturpreis – leider fehlen bis heute geeignete Sponsoren, so dass sich alle bisherigen Preisträger derzeit mit einer symbolischen Ehrung und der Internet-Präsentation begnügen müssen. Mit der Höhe des Preisgeldes soll darauf aufmerksam gemacht werden, wie wertvoll ein Dichterleben eigentlich ist, wenn es wie jeder andere Beruf als tagtägliche Arbeit verrichtet wird. Gesellschaftlich engagierte Literaten, die mit ihren bibliophilen Kleinstauflagen und idealistischen Projekten oft selbstlos und selbstausbeuterisch zum kulturellen Mehrwert beitragen, brauchen eine viel souveränere Unterstützung als das herkömmliche profilneurotische Preissystem der etablierten Literaturszene, die nicht das Engagement kritischer, progressiver, visionärer Stimmen belohnt, sondern sich lediglich selbst inszeniert. Die hohe Summe des Nahbellpreises soll nicht nur garantieren, dass der Preisträger lebenslänglich ohne ökonomischen Druck auf höchstem Niveau und mit ungebremster Konzentration zum Wohle des kulturellen Fortschritts kreativ sein kann, sondern dass er sogar seinerseits selbst Geld an weitere Projekte ausschütten kann, die er für förderungswürdig erachtet. Die freie, nicht institutionell gebundene Poetisierung des Alltags soll dadurch angekurbelt werden – gegen die Stagnation des etablierten Konformismus…

Preisseite: www.LYRIKSZENE.de (wird in den nächsten Stunden freigeschaltet) =
http://poemie.jimdo.com/nahbellpreis/preistraeger-portraits/
Aktuell laufendes Interview mit dem Kölner Dichter stan lafleur (3.Nahbellpreisträger 2002):
http://poemie.jimdo.com/nahbellpreis/preistraeger-portraits/03-nahbell-preis-2002-stan-lafleur/

Das große Interview mit dem noch amtierenden 15.Nahbellpeisträger Kai Pohl:
http://poemie.jimdo.com/nahbellpreis/preistraeger-portraits/15-nahbell-preis-2014-kai-pohl/

My Degeneration

Kai Pohls „Auweia heißt jetzt Ai Weiwei“ (S. 117 ff.) mag auch als neodadaistische Textperformance mit dem Transformationsschutt aus der Sprache von Werbewirtschaft und Politik begriffen werden. In seinem Kompilierungsverfahren verknüpft er verschiedene Bedeutungs- und Sinnebenen. „Erwartung heißt jetzt Entwaldung“ ist da etwa zu lesen, oder: „beschleunigte Verschwendung heißt jetzt Zukunftsverbrauch oder Wachstumsbeschleunigungsgesetz“. Und spart dabei die Niederungen des politischen Alltags nicht aus: „FDP heißt jetzt fast drei Prozent“, „Hohn heißt jetzt Hoeneß“. Man muß diese Texte, in denen sich, wie z.B. in Lars-Arvid Brischkes manifestartigem Beitrag (S. 100 ff.), die Rasanz und die Atemlosigkeit der medial aufbereiteten Gegenwart widerspiegeln, einfach politisch lesen. Und das durchaus mit Genuß. Brischke läßt mittels Versatzstücken aus Pressemeldungen, Schlagzeilen und Statements, die er gelegentlich lakonisch kommentiert, die Szenarien von Mauerfall, Nachwendezeit, Finanzkrise und Fukushima-Katastrophe Revue passieren. Wie nebenher tauchen da auch Namen auf, die in jüngster Zeit mit Skandalen verbunden wurden, Kachelmann, Strauss-Kahn und Assange. Robert Mießner verbucht in seiner Enzyklopädie diverse Sinnverschiebungen: „separat bleibt separat doch siehe/ kontakt unter kontrakt/ intellektuell unter integriert/ anpassung unter sachzwang“ (S.88). In Benedikt Maria Kramers Variationen zum Drifting von Dingen, Begriffen und Namen nach Kai Pohl finden sich beispielsweise diese Zeilen: „Abzocke heißt jetzt Marketing./ Propaganda heißt jetzt Advertising.“ (S. 98).

Ja, es besteht Gefahr, irgendwann selbst in Kai Pohls Namedropping-Trommel oder den Fokus seiner Mitstreiter zu geraten und sich unvermittelt in einem illustren Kontext wiederzufinden. / Jayne-Ann Igel, Signaturen

(Kramer / Mießner / Pohl / Schittko et al.:) my degeneration: the very best of WHO IS WHO. Greifswald (freiraum verlag) 2014. 151 Seiten. 14,95 Euro. 

87. Vermintes Feld

… hier kommt wirklich einmal zusammen, was zusammengehört. Insofern braucht man sich – wie im zitierten Fall – nicht zu wundern, wenn ein Sympathisant solcherart Textarbeit, der aus Güstrow stammende Dichter Bertram Reinecke, in seinem »Grußwort« zu diesem Band bemerkt: »Man könnte einwenden, es handele sich hier nicht um Sprachgebrauch, eher um Sprachverbrauch. Damit sind wir auf dem verminten Feld des politischen Gedichts angelangt.«

(…) von der manipulativen Funktion dieses »Sprachverbrauches« (B. Reinecke) einmal ganz abgesehen. / Wolfgang Gabler, Risse

Kramer/Mießner/Pohl/Schittko et al.: my degeneration. the very best of WHO IS WHO. Texte 2004-2013, Greifwald: freiraum-verlag, 134 S., 14,95 €.

94. Es sind Gedichte

… es sind politische Gedichte, mit der Betonung auf „Gedichte“, d. h. sie stehen auf der Seite der Komplexität und des gewitzten Kalküls, sind keine platten Spruch-Bekenntnis-Sachen. / Meinolf Reul, Fixpoetry, über

Kai Pohl
Solanum nigrum antichoc
Moloko+
2013 · 96 Seiten · 15,00 Euro
ISBN: 978-3-943603-06-4

15. Poetische Horizonte in Greifswald

Dafür lohnt es glatt nach Greifswald zu pilgern:

Poetische Horizonte – Tagung zur Poesie: Dichter, Lyrikverlage, Literaturwissenschaft

13.-16.11.2014 im Koeppenhaus und Falladahaus in Greifswald

Ähnlich wie in den Wissenschaften schreitet die Differenzierung auch in der Poesie voran. Ein einzelner Dichter kann das Feld dessen, was probiert worden oder möglich ist nicht überblicken. Kein Kenner der Poesie hat für alle Richtungen der Poesie gleichermaßen Verständnis. Leider fehlt im öffentlichen Gespräch über Poesie weitgehend eine Reflexion über die Tendenz zunehmender Fragmentierung.
Für einige Tage versammeln sich Dichter und Herausgeber verschiedener Generationen und Szenen aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands in Greifswald und diskutieren gemeinsam mit Literaturwissenschaftlern Probleme, an denen sie aus jeweils unterschiedlicher Perspektive arbeiten.
Die Tagungsbeiträge werden in der randnummer – literaturhefte (Berlin) publiziert.
Alle Veranstaltungen sind öffentlich und Gäste sehr willkommen!

Veranstalter: Literaturzentrum Vorpommern in Zusammenarbeit mit dem Verlag Reinecke & Voß (Leipzig)

Wir danken für die Unterstützung: Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten e.V (ALG), der Hanse- und Universitätsstadt Greifswald, der Universität Greifswald, randnummer – literaturhefte (Berlin) und dem pom-lit Verein/Falladahaus.

Veranstaltungsorte
Koeppenhaus, Bahnhofstr. 4-5 und Falladahaus, Steinstr. 59

Donnerstag, 13.11.2014, Falladahaus (Steinstr. 59)
17.30 Uhr, Begrüßung

18.00 Uhr, Podiumsdiskussion, Falladahaus
„Sich selbst neu Erfinden – Poetische Utopien“
Norbert Lange, Bertram Reinecke, Elke Erb

21.00 Uhr, Lesung, Falladahaus, Eintritt 5/3 Euro
Norbert Lange, Elke Erb, Simone Kornappel, Bertram Reinecke

 

Freitag 14.11.2014, Falladahaus + Koeppenhaus
Fremde Literaturen

10.00 Uhr Vortrag, Falladahaus
„Pindars Traum“
Immanuel Musäus

10.30 Uhr Vortrag, Falladahaus
„Untote – Vom Weiterleben antiker Formen und Motive“
Dirk Uwe Hansen
anschließend Diskussion

12.00 Uhr Podiumsdiskussion, Falladahaus
„Übersetzungen“
Christian Filips, Dirk Uwe Hansen, Ann Cotten

++++ Koeppenhaus ++++
16.00 Uhr Lesung, Koeppenhaus
Christian Filips, Jan Kuhlbrodt, Ann Cotten, Dirk Uwe Hansen lesen und kommentieren Übersetzungen von Texten von Pier Paolo Pasolini, Christian Prigent, Keith Waldrop, Konstantín Kavafis und Anderen

19.30 Uhr Buchpremiere, Koeppenhaus
“Muse, die zehnte: Antworten auf Sappho von Mytilene”
Dirk Uwe Hansen, Anne Martin, Georg Christoph Rohrbach, Bertram Reinecke

21.00 Uhr Gespräch & Lesung, Koeppenhaus, Eintritt 5/3 Euro
Gespräch zwischen Bert Papenfuß, Alexander Pehlemann und Michael Gratz über die Kulturlandschaft der späten DDR
anschließend
Sounds’n’Poetry „1648“
Bert Papenfuß feat. Underwater Agent Alexander Pehlemann

 

Samstag, 15.11.2014, Falladahaus (Steinstr. 59) + Koeppenhaus (Bahnhofstr. 4-5)
Moden – Zeiten – Räume

10.00 Uhr, Podiumsdiskussion, Falladahaus
„Hausse und Baisse. Über Konjunkturen und Moden in der Poesie“
Kai Pohl, Jan Kuhlbrodt, Alexander Pehlemann, Tom Bresemann

12.00 Uhr, Vortrag, Falladahaus
„Geschichte des Politischen Witzes der DDR“
Karl-Heinz-Borchardt

13.30 Uhr, Vortrag, Falladahaus
„Experiment Textanalyse“
Monika Schneikart und Gudrun Weiland

14.15 Uhr, Vortrag, Falladahaus
„Zukunft schreiben“
Eckhard Schumacher

15.30 Uhr, Podiumsdiskussion, Falladahaus
„Das Zentrum und die Ränder“
Wie prägt Herkunft Schreibstile und die Wahrnehmung eines Lyrikers in der Öffentlichkeit?
Daniela Seel, Angelika Janz, Martin Holz, Simone Kornappel

++++ Koeppenhaus ++++
18.00 Uhr, Lesung, Koeppenhaus
tEXTRAbatt
Odile Endres, Irmgard Senf, Ulrike Sebert

19.00 Uhr, Lesung, Koeppenhaus
„Lyrik aus dem Hinterland“
Martin Holz, Tobias Reußwig, Christoph Georg Rohrbach, Christiane Kiesow

21.00 Uhr, Lesung, Koeppenhaus, Eintritt 5/3 Euro
Daniela Seel, Angelika Janz, Kai Pohl, Ron Winkler

 

Sonntag, 16.11.2014, Falladahaus (Steinstr. 59)

10.00 Uhr, gemeinsames Frühstück

11.00 Uhr, Schlussdiskussion & Lesung
Silke Peters und Tom Bresemann

76. Wie der Dichter einmal nicht recht hatte

Peter Hacks

Auf die Spaltung der linken Zeitschrift “Sklaven” in die linken Zeitschriften “Sklaven” und “Sklaven Aufstand”

Wer untergehen will, muß sich entzwein.
Der Schwache ist am sterblichsten allein.

In: Peter Hacks: Die Gedichte. Hamburg: Edition Nautilus, 1998, S. 324.

Anmerkung:

Die Überschrift besagt nicht, daß der Dichter Peter Hacks nur einmal irrte; denn auch der Dichter ist nur humanum. Es bezieht sich ausschließlich auf einen einzigen hier dokumentierten Vorgang, insofern der überprüfbar ist.

Die SKLAVEN (erschienen zwischen Mai 1994 und Mai 1999) wurden mit der Nummer 50 eingestellt. Parallel wurden 1998 neun Ausgaben SKLAVEN AUFSTAND (Hefte 44/45, 46, 47/48, 49, 50, 51, 52, 53, 54/55) infolge der Spaltung nach Heft 43 bei Petersen Press herausgegeben. Auf der Titelseite des Abschlußheftes DIE LETZTEN SKLAVEN (Juni-September 1999) wird der Übergang der SKLAVEN zum GEGNER erklärt.

Oktober 1999: Aus Sklaven werden Gegner. Von der Zeitschrift “Gegner” erscheinen bis 2013 32 Hefte.

Ab März 2014 erscheint die Zeitschrift ABWÄRTS als Gemeinschaftsprojekt folgender Zeitschriften: Es beerbt die seligen Sklaven, den unregelmäßig erschienenen Nachfolger Gegner und integriert die floppy myriapoda (als „Subkommando für die freie Assoziation“), den politjournalistisch ausgerichteten telegraph, der dem katastrophalen Abbau ostdeutscher Ökonomie, Kultur und Identität seit 1989 – als Nachfolgeblatt der Ostberliner Umweltblätter – nachgeht, und den kulturpolitischen Almanach Zonic. Das neue literarisch-politische Periodikum wird ab März 2014 alle zwei Monate herausgegeben.

Gerade erschien Heft 3 von Abwärts. Die Zeitschrift bringt, was man in Baden-Württemberg mit Grundschauer Anarchosyndikalismus nennt, aber auch z.B. Gedichte (Elke Erb, Kai Pohl, Bert Papenfuß).

Wie man hört & hofft, wird zumindest Zonic trotzdem weiter bestehen.

 

63. Nahbellpreis für Kai Pohl

Der 15. Nahbellpreisträger 2014 für Zeitgeistresistenz und Unbestechlichkeit im lebenslänglichen Gesamtwerkprozess seiner Lyrik lautet: KAI POHL – das große Interview: http://poemie.jimdo.com/nahbellpreis/preistr%C3%A4ger-portraits/15-nahbell-preis-2014-kai-pohl/ (eine Unterseite von www.NAHBELLPREIS.de)

103. Rummelsburg 2

Festival-Manager Kai Pohl, der auch als Dichter im Dienst ist, beschwört den Asphalt der Lyrik als Triumph der Straße und ihrer Logik. In seiner “Umbaupause” berichtet er schmissig im Ton von “viel Spaß in der Lobby” und “paraolympischen Hobbyontologen”. “Ein Gedicht für die Grütze” bleibt im Hals ihm dann doch nicht stecken. Pohls poetisches Programm reicht von den Sternen bis zu Nervenzusammenbrüchen auf halbausgeweideten Kontinenten. (…) Er variiert den großen Howlin’ Wolf Allen Ginsberg: “I saw the best minds of my generation destroyed by madness, starving hysterical naked, dragging themselves through the negro streets at dawn looking for an angry fix, angelheaded hipsters burning for the ancient heavenly connection to the starry dynamo in the machinery of night, nur mit einer thematischen Verschiebung Richtung Werbung. “In Gottes Stunden Hotel” gibt es “semantische Checkpoints” und die heiße Zeile: “Uhren sind Huren der Ratlosigkeit in Gottes Stundenhotel”. Auch Pohl ist kein Sprengmeister des Raumzeitkontinuums, aber er arbeitet sich vor, indem er viel Geschichte auf den Zug der Gegenwart lädt.

Gekonnt geht es weiter, Kristin Schulz, geschult an Heiner Müller und Thomas Brasch, beherrscht den Doppelschlag von Theorie und Poesie. “Jede Pfütze ein Spiegel” heißt es in ihren “Gesammelten Fehlmärchen”, erschienen im Gutleut Verlag und empfohlen von Bert Papenfuß der Vertonung. Schulz beobachtet “das Manöver der Mauersegler”. Sie erkennt die Einzelgänger in Büschen und das “Bindegewebe der Felder”. “Komm wir gehen Ängste füttern” schlägt das lyrische Ich seinem Leser vor. Als Zuhörer vernimmt der Leser eine neo-sakrale Poesie, die in allem ernst bleibt. Ironie ist Feigheit, könnte eine Ansicht dieser Autorin sehen, aber wer weiß so was schon. / Jamal Tuschick, Freitag
Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 374 Followern an