Getagged: Kai Pohl

76. Wie der Dichter einmal nicht recht hatte

Peter Hacks

Auf die Spaltung der linken Zeitschrift “Sklaven” in die linken Zeitschriften “Sklaven” und “Sklaven Aufstand”

Wer untergehen will, muß sich entzwein.
Der Schwache ist am sterblichsten allein.

In: Peter Hacks: Die Gedichte. Hamburg: Edition Nautilus, 1998, S. 324.

Anmerkung:

Die Überschrift besagt nicht, daß der Dichter Peter Hacks nur einmal irrte; denn auch der Dichter ist nur humanum. Es bezieht sich ausschließlich auf einen einzigen hier dokumentierten Vorgang, insofern der überprüfbar ist.

Die SKLAVEN (erschienen zwischen Mai 1994 und Mai 1999) wurden mit der Nummer 50 eingestellt. Parallel wurden 1998 neun Ausgaben SKLAVEN AUFSTAND (Hefte 44/45, 46, 47/48, 49, 50, 51, 52, 53, 54/55) infolge der Spaltung nach Heft 43 bei Petersen Press herausgegeben. Auf der Titelseite des Abschlußheftes DIE LETZTEN SKLAVEN (Juni-September 1999) wird der Übergang der SKLAVEN zum GEGNER erklärt.

Oktober 1999: Aus Sklaven werden Gegner. Von der Zeitschrift “Gegner” erscheinen bis 2013 32 Hefte.

Ab März 2014 erscheint die Zeitschrift ABWÄRTS als Gemeinschaftsprojekt folgender Zeitschriften: Es beerbt die seligen Sklaven, den unregelmäßig erschienenen Nachfolger Gegner und integriert die floppy myriapoda (als „Subkommando für die freie Assoziation“), den politjournalistisch ausgerichteten telegraph, der dem katastrophalen Abbau ostdeutscher Ökonomie, Kultur und Identität seit 1989 – als Nachfolgeblatt der Ostberliner Umweltblätter – nachgeht, und den kulturpolitischen Almanach Zonic. Das neue literarisch-politische Periodikum wird ab März 2014 alle zwei Monate herausgegeben.

Gerade erschien Heft 3 von Abwärts. Die Zeitschrift bringt, was man in Baden-Württemberg mit Grundschauer Anarchosyndikalismus nennt, aber auch z.B. Gedichte (Elke Erb, Kai Pohl, Bert Papenfuß).

Wie man hört & hofft, wird zumindest Zonic trotzdem weiter bestehen.

 

103. Rummelsburg 2

Festival-Manager Kai Pohl, der auch als Dichter im Dienst ist, beschwört den Asphalt der Lyrik als Triumph der Straße und ihrer Logik. In seiner “Umbaupause” berichtet er schmissig im Ton von “viel Spaß in der Lobby” und “paraolympischen Hobbyontologen”. “Ein Gedicht für die Grütze” bleibt im Hals ihm dann doch nicht stecken. Pohls poetisches Programm reicht von den Sternen bis zu Nervenzusammenbrüchen auf halbausgeweideten Kontinenten. (…) Er variiert den großen Howlin’ Wolf Allen Ginsberg: “I saw the best minds of my generation destroyed by madness, starving hysterical naked, dragging themselves through the negro streets at dawn looking for an angry fix, angelheaded hipsters burning for the ancient heavenly connection to the starry dynamo in the machinery of night, nur mit einer thematischen Verschiebung Richtung Werbung. “In Gottes Stunden Hotel” gibt es “semantische Checkpoints” und die heiße Zeile: “Uhren sind Huren der Ratlosigkeit in Gottes Stundenhotel”. Auch Pohl ist kein Sprengmeister des Raumzeitkontinuums, aber er arbeitet sich vor, indem er viel Geschichte auf den Zug der Gegenwart lädt.

Gekonnt geht es weiter, Kristin Schulz, geschult an Heiner Müller und Thomas Brasch, beherrscht den Doppelschlag von Theorie und Poesie. “Jede Pfütze ein Spiegel” heißt es in ihren “Gesammelten Fehlmärchen”, erschienen im Gutleut Verlag und empfohlen von Bert Papenfuß der Vertonung. Schulz beobachtet “das Manöver der Mauersegler”. Sie erkennt die Einzelgänger in Büschen und das “Bindegewebe der Felder”. “Komm wir gehen Ängste füttern” schlägt das lyrische Ich seinem Leser vor. Als Zuhörer vernimmt der Leser eine neo-sakrale Poesie, die in allem ernst bleibt. Ironie ist Feigheit, könnte eine Ansicht dieser Autorin sehen, aber wer weiß so was schon. / Jamal Tuschick, Freitag

48. antichoc

Der literarische Untergrund ist längst aus einem Schmuddel- und Billig-Image entwachsen. Die Tatsache auf der einen Seite Gedichte zu verschenken, und auf der anderen Seite anspruchsvolle Bücher herzustellen, entspricht der alten 68er Vision, nicht eine Subkultur, sondern im besten Sinne des Wortes, eine autonome Superkultur zu erschaffen.

“Östlich der Milz liegt Moskau, westlich der Leber Manhattan.” (S. 78)
Die erste Generation gesamtdeutscher Lyriker, zwischen russischer Seele und amerikanischer Dekadenz, dort wo der Westen am Östlichsten ist. Amerikanische Beatliteratur, französische Postmoderne, Punk, Bier und Sonnenbrand – all das gehört mit in die Wortkonstruktionen des Kai Pohl. Und ab S. 90 gibt es noch 3,5 Seiten Anmerkungen, die belegen sollen, dass er sich so manches nicht alleine ausgedacht hat, sondern auch von Anspielungen und Ideen anderer lebt – eben der Vernetzung.

Kai Pohl gehört zu den Großen der “schönen Verlierern”. Dass er vom Schreiben seiner Gedichte heute nicht leben kann liegt nicht daran, dass heute angeblich niemand mehr Gedichte lesen will, sondern daran, dass der Kulturbetrieb und die Gesellschaft an den Feinheiten unserer Sprache so wenig Interesse hat — die anderen werden “Solanum nigrum antichoc” lieben.
Wir alle haben keine andere Möglichkeit: “Der Bruch mit dem Kontinuum der Herrschaft | muß ein Bruch mit deren | Sprache sein.” (S. 81) / knobi der büchernomade

Kai Pohl, Solanum nigrum antichoc. Cut-ups und Gedichte. Verlag Moloko+ Pretzien bei Magdeburg 2013, 93 S., 15 Euro

Noch ein Hinweis: Ebenfalls 2013 erschien von Kai Pohl das 16seitige Heft “Zerschossene Bande – Gedichte” mit Zeichnungen von Tomasz Bohajedyn als Siebdruck (rote Schrift, schwarze Zeichnungen) in einer nummerierten und signierten Auflage von 50 Exemplaren. Erhältlich auch in polnischer Übersetzung, Preis auf Anfrage, bei: www.pappelschnee.de

80. Ausgepackt

und das Prüfen kann beginnen!

  • Poesiealbum 309: Hilde Domin. Auswahl Klaus Siblewski, Grafik Cy Twombly. 32 S., 4€. Mehr
  • Poesiealbum 310: Friederike Mayröcker. Auswahl Sonja Harter. Grafik Max Ernst. 32 S., 4€.
  • Mara Genschel: Referenzfläche 3# 8/50
  • Mara Genschel: Referenzfläche 3# 10/50 (Foto s. unten)
  • Lettre international. Europas Kulturzeitung. # 103. 138 S., 14,50€ (Beiträge von/über Gertrude Stein, Péter Nádas, Andrzej Stasiuk, Eliot Weinberger u.v.a.)
  • Richard Pietraß: Pariser Lust. Au plaisir de Paris.  Deutsch-Französisch. Ins Französische übertragen von Alain Lance und Gabriele Wennemer. Warmbronn: Ulrich Keicher, 2011.
  • Ludwig Steinherr: Flüstergalerie. Gedichte. München: Allitera, 2013.
  • Dirk Uwe Hansen: zwischen unge/ sehnen orten. silbende_kunst 2013.
  • floppy myriapoda. Subkommando für die freie Assoziation. Heft 23. 5€ (Mit Clemens Schittko, Kai Pohl, Gerd Adloff, HEL Toussaint, Linkeck u.v.a.).
  • Tone Avenstroup: ineinandersetzung samstemmelse. Distillery 38. 6€.
  • Katja Horn: Mengenleere. Gedichte. Distillery 39. 6€.
  • John Ashbery: FLOW CHART / Flussbild. Langgedicht, zweisprachig. Aus dem Amerikanischen von Matthias Göritz und Uda Strätling. Wiesbaden: Luxbooks 2013. 384 S.,  29,80 €
  • Sprache im technischen Zeitalter 208. Mit & über: Rolf Haufs, Nico Bleutge, Annett Gröschner, Frank Milautzcki, Aris Fioretos, Matthias Göritz, John Ashbery u.a.
  • Risse 31: Zensur. Mit & über Wolfgang Schreyer, Reinhard Jirgl, Kristoffer Cornils, Christa Wolf u.a. 5€
  • Zeitschrift für Ideengeschichte H. VII/4, Winter 2013: Die spinnen. Mit & über Anthony Grafton, Bruno Latour, Günter Figal, Derrida u.a.
  • manuskripte. Zeitschrift für Literatur. 202/ 2013. Mit Swantje Lichtenstein, Ann Cotten, Ulrike Draesner, Fabjan Hafner, Norbert Hummelt, Nadja Küchenmeister, Ales Rasanau, Martin Piekar, Marcel Beyer, Peter Hamm u.v.a.
  • Jenny Feuerstein: Lyriklos. Gedichte und Fotografien. Köln: silbende_kunst, 2013.
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Eine Doppelseite im Vergleich. Fans oder Archivare: Auflage aufkaufen!

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13. Lyrikkatalog Berlin

Ein paar aus dem Zusammenhang gerissene Stellen aus*:

ann cotten: ausreden. Stocherung in den Grundlagen und Vorausannahmen der gegenwärtigen Literatur, in: Schreibkraft

1

Wenn also Germanisten auf die Formel kommen, „der Text erfülle oder erfülle nicht die Ansprüche, die er selbst aufstelle,“ so ist es so falsch nicht, wie man auf Anhieb meinen würde angesichts der Tatsache, dass die Formel meist von in irgendeiner Weise institutionell mit Macht ausgestatteten Interpreten dazu verwendet wird, durch demonstrativ unbestrafbare Missauffassung von Texten ihre Macht einem leidensbereiten Publikum vorzuführen.

2

Cool ist da Laura Riding, die im Laufe ihres denkenden Schreibens zur Erkenntnis kam, dass Poesie Quatsch ist, und aufhörte zu schreiben. Ich möchte mich nicht dabei ertappen, absichtlich so zu denken, dass ich ein solches Ergebnis vermeide. Das wäre unerträglich beschämend und würde mir die Poesie eklig machen.

3

Jetzt ein Panorama an zeitgenössischen Formen der Dichtung, wie sie mir einfallen, in Berlin. Fokussiere ein bisschen auf den alten sogenannten Lyriktrend (…)

4

„Die Mitte ist Peripatie“ „und widersteht jedem Plan“ Dissoziationslyrik „Kirre lässt man sie dösen“ (?) „Sie platzieren alles“ (∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, Horae) Bei ∎∎∎∎∎∎s Lyrik gibt es viele, viele Wörter, und Plausibilität ohne Ende. Sie wirken auf mich wie ein Schmetterlingsschwarm, dessen Mitte und Grund nicht erkenntlich ist, und der mich zum Fuchteln mit den Armen bewegt: Seid doch still und lasst mich herausfinden, was mit euch ist!

5

Auf Begriffe wie „like-like-like-Lyrik“ oder „47-likes-Lyrik“ komme ich bei einer Lesung von ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, einem intelligenten, irgendwie immer mithalten-wollenden, dabei sich selbst irgendwie verpassenden Amerikaner, der in Berlin lebt und im fortgeschrittenen Stadium Deutsch lernt. Seine Texte sind voller guter Ideen, Einfälle, komischer Seltsamkeiten und Schönheiten, und doch – und doch – bleibt alles seltsam optional. Vielleicht ist er der einzige reine Avantgardist, der keine organischen Zweitmotivationen hat, weiß einfach nicht, dass die anderen alle alle mit der Möse schreiben.

6

∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ etc. haben mit ihrem gleichzeitigen performativen und metareflektierenden Diskurs legitimiert, den Boden dafür zementiert, dass Assoziation oder, je nach Akademisierungsgrad, Wordfeldzugehörigkeit (Behördendenken?) als Rechtfertigung gilt für die Anwesenheit von Wörtern.

7

Zwischen diesen kühlen Pfosten möcht ich gern die ganze Herde jagen, deren milde oder krass gemeinte Häufchen- oder Stilleben-Lyrik mir nichts sagt, und ihre Ausreden dafür werden sich mischen zu einem ohrenbetäubenden Gebrüll.

8

∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ auratisiert alles, macht aus den Wolken von Gleißen, die er so geil findet, immer wieder Blitzüberfälle auf politische oder philosophische Themen.

9

∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ und ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ lieben Resultate. ∎∎∎∎∎∎s ∎∎∎∎∎∎protokolle sind denkerischer Trost: in dem Aspekt lassen sie – eine Seltenheit – sehr wohl eine ernsthafte Antwort auf die Frage, wozu, zu. Als Resultate gelten auch Witze!

10

∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ hat gezeigt, dass es Sport sein kann, nutzlose Disziplin und lustig. Dabei gehört er zu den Leuten, die mit dem Fuß aufstampfen könnten, wenn sie betonen, dass Lyrik nicht Kunstturnen sei! Ich glaube, sein perverser Geschmack fürs Bizarre und Opulente, nicht nur in der Dichtung, hat Herzensgründe, wenn auch konstruktionsmäßig alle Gedichte aus Bullshit bestehen.

11

∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎: Das Perverse, der Humor, der Geschmack für Bizarrerie: Vorliebe als Community-bildenden Wert. In welchem Verhältnis steht denn ein Besprechen oder gar Ausschlachten von Fetischen – die man ja in beliebiger Menge nachproduzieren kann –
zu normativen Poetiken oder einer Idee allgemein besprechbarer Qualität? Der Unterschied zwischen ∎∎∎∎∎∎, ∎∎∎∎∎∎ und ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ ist übrigens deutlich: ∎∎∎∎∎∎ und ∎∎∎∎∎∎ begrüßen bekannte Topoi und zitieren Genres wie Fußfetischismus und Leichenschändung, die in der Lyrik bislang noch unpassend erschienen. ∎∎∎∎∎∎ erfindet neue Witze mit vielen Tieren und vergessenen Berufen.

12

∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ und diese Kling-Tradition: Dass es historische Referenzen haben kann und schmissig sein zugleich (Gerhard Richter); auffälliges Merkmal: Viel aufzulösendes historisches oder sonstiges Wissen steckt drinnen wie Schinken in einem Quiche, wie Vitamine in einer Brausetablette.

13

Und ein Haufen irgendwie fader Dichter brachten auf die Idee, dass es langweilig wird, wenn es aus der eigenen Lebenswelt gezogen wird; dagegen ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, das ist ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, auch ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ betreiben, wie ein Fitnesscenter, eine kleine Kraftmeierei in krassen, bunten Bildern. Warum soll das langweilig sein? Es ist wie bei den Flarf-Gedichten in ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎‘ Flarf-Anthologie: Es wird alles in einen bestimmten Gedicht-Ton eingespeist, der so langweilig ist.

14

∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ dasselbe in sanft.

15

∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎ aber, was ist ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎? Glatt – geht vielleicht Ideen und Einfällen auf den Leim noch mehr als ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, aber langsamer, nicht so heftig, systematischer, und man genießt diesen Raum – Textur, Figuration als Wert, aber niemand weiß genau, was das ist.

16

Dann gibt es ein paar, die die ärgste Radikalität anstreben, aber die bleibt von der reaktiven Primitivität ihrer Gedanken beschränkt: ∎∎∎∎∎∎, ∎∎∎∎∎∎.

17

∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎: halten noch die Berührung hoch, schlicht, wenn es schlicht IST, und dennoch subtil, Hinweise auf Komplexes, find ich gut die drei. ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, Herausgeber der ∎∎∎∎∎∎ ∎∎∎∎∎∎, glänzt in bitter empfundenen Gedichten über Zivilisationsmüll und Natur, so blöd es klingt, mit Wortspielen, tief empfunden.

18

(∎∎∎∎∎∎)

*) Empfehlung der Red. L&Poe: hier nachsehen ob der eigne oder Lieblings-Gemüsegarten dabei ist und dann draufstürzen.

28. Prolog Nr. 11

Wir laden Sie herzlich ein zur Ausstellung und zum Erscheinen der neuen Ausgabe von Prolog – Heft für Zeichnung und Text, Thema: struktur(en).

Prolog Nr. 11 erscheint am 9.7.2013 im Institut für Alles Mögliche, Abteilung für alles Andere, Ackerstraße 18, 10115 Berlin / Mitte.

Dienstag, den
 9.7. 17 - 21.30 Uhr Eröffnung der Ausstellung und Präsentation des Heftes und der Zeitschrift allgemein,
ab 19 Uhr Lesungen von und mit: Melanie Katz, Mikael Vogel, Anett Lau, Clemens Schittko, Kai Pohl, Silke Galla u.a

Die Ausstellung ist am 10. und 11.7.2013 von 15-21 Uhr geöffnet.

http://prolog-zeichnung-und-text.de/blog/

Das neue Heft enthält Beiträge von: Albrecht Wild, Alessandro Chiodo, Andreas Koletzki, Anett LAu, Anton Schwarzbach, Bernd Mörsberger, Birgit Graschopf, Caca Savic, Christian Meskó, Christoph Janik, Clemens Schittko, Crauss., Daniel Ludwig, Dorit Trebeljahr, Enrico Weinert, Erwin Schumpeter, Felix Baxmann, Hanna Hennenkemper, HEL Toussaint, Henning Hennenkemper, Henrik Jacob, Jochen Schneider, Johannes Regin, Jojo, Kai Pohl, Katalin Pöge, Katja Sehl, Katrin Heinau, Klaus Erich Dietl, Margarete Lindau, Martin Bartels, Matthias Wegehaupt, Matthias Wohlgenannt, Melanie Katz, Mikael Vogel, Mikhail Lezin, Natascha Naffin, Oskar Manigk, Patrick WEH Weiland, Philipp Hager, Rebecca Blöcher,  Saskia Buwert, Selina Schuster, Silke Galla, Stefan Malicky, Stefan Riebel, Su Tiquun, Susanne Eules, Tillmann Lange, Todosch Schlopsnies, Uta Koslik, Werner Kernebeck, Yvonne Andreini

Prolog – Heft für Zeichnung und Text ist eine Künstlerzeitschrift aus Berlin und wird vom Berliner Künstler Anton Schwarzbach herausgegeben. Am Prolog Nr. 11 mitgearbeitet haben die Autorinnen Melanie Katz und Katrin Heinau sowie die Künstlerin Dorit Trebeljahr.

Wir freuen uns, Sie begrüßen zu können.

Das Heft ist ab sofort (vor)bestellbar. Es ist 48 Seiten stark und enthält Beiträge von 53 Künstlern und Autoren. Es kostet im Einzelverkauf 10 Euro. Wer bis 9.7. vorbestellt, bekommt es für 8 Euro inkl. Versand (in D).

6. Weißensee 2

Freunde der Kultur!

Vom 7. bis 16. Juni 2013 findet das erste Literaturfestival in Berlin Prenzlauer Berg unter dem Namen WEISSENSEE 2 statt. An vier Orten werden ca. 30 Veranstaltungen von kompetenten, kompromißlosen Kulturschaffenden präsentiert, die größtenteils in Prenzlauer Berg, Pankow und Weißensee zu Hause sind. Mehr als 60 Künstlerinnen und Literaten stellen sich der »freiwilligen Aufgabe«: sie bieten der Gemeinde den Gegenwert für die Aufmerksamkeit, die gegenwärtig in Pankow für 4 Euronen pro Kopf und Jahr zu haben ist. Ihre Spontaneität ist ihre wirksamste Kraft, die Muskulatur einer utopischen Kultur, die bereits heute auf bargeldlosem Zahlungsverkehr beruht:

auf Poesie.

Aus dem Programm:

Freitag, 7. Juni

21 Uhr, Rumbalotte
Elke Erb
Das Hündle kam weiter auf drein
Lesung

Sonntag, 9. Juni
18 Uhr, staatsgalerie
Depesche auf Rädern.
Dichtungen des tschechischen Poetismus 1923–1939.
Eine Vorstellung von Peter Ludewig mit einem poetistischen Spezialgast.

20 Uhr, Rumbalotte
Kohle auf Papier
Ilia Kitup stellt seinen Propeller Verlag vor.

Montag, 10. Juni
19 Uhr, BAIZ
Über die Klebrigkeit von Sprengstoff
Andreas Paul und Denis Faneitis proben den Aufstand mit Gedichten & Slam
Poetry.

19 Uhr, Rumbalotte
Women are hungry
Henryk Gericke, Cornelia Jentzsch, Sarah Marrs, Robert Mießner, Bert Papenfuß
Rückblickende Buchvorstellung von Slam! Poetry (Druckhaus Galrev, 1993)
Illustrationen: Sarah Marrs

21 Uhr, Rumbalotte
Batterie Bolu
Deutsch-serbische Texte von Silke Galla und Zoran Naric plus vaterlandslose
Geräuschmusik von Helko Reschitzki

Dienstag, 11. Juni
19 Uhr, Rumbalotte
Rothahndruck präs.:
Engel- und Türklopfer
Alexander Krohn und Kai Pohl lesen aus dem Siebdruck.
www.distillerypress.de
www.pappelschnee.de

Mittwoch , 12. JUNI

19 Uhr, Rumbalotte
Tone Avenstroup
ineinandersetzung
Lesung, Hintergrundmusik von Krohn/Kenner/Gabriel

WEISSENSEE 2

94. Phantomkalender

Dieses schmale Büchlein »Phantomkalender« von Kai Pohl, erschienen schon vor längerer Zeit bei distillery, bietet dem Leser amüsante Einsichten in die Gedankenwelt eines Autors, mit dem man gerne mal am Tresen ein Bier trinken würde. Man denkt bei der Lektüre: Dieser Mann scheint ein Mensch von nebenan zu sein, kein ausgesprochener Kneipenphilosoph, aber durchaus gewitzt. Auch so ein Versprengter! Irgendwie sympathisch. / Martin Rautenberg, junge Welt

Kai Pohl: Phantomkalender – Neunundzwanzig Gedichte. Destillery, Berlin 2011, 24 Seiten, 6 Euro

22. Bemühte Naturlyrik u.a. Schätze

In der Tageszeitung junge Welt Kai Pohls “große Literaturzeitschriftenrundschau”. Darin u.a.:

Edit

Kompliziert wird der Spaß im Ecopoetics genannten einzigen Lyrikteil des Heftes. Hier sinniert Forrest Gander über die müßige Frage, ob Dichtung ökologisch sein kann, und Anja Utler stolpert über poetisch-ökologische Aufbruchskanten. Schön, daß zum Ende wenigstens Gary Snyder »kalte Schneeschmelze aus einem Alubecher« trinkt.

Krachkultur

Mit dem Abdruck des Essays »Pornographie in Norwegen von der Wikingerzeit bis heute« des norwegischen Anarchisten Jens Bjørneboe beweist Krachkultur, daß Zeitschriftentexte einen Anspruch auf Exklusivität haben. (…) Beim Lesen des erwähnten Essays aus dem Jahr 1967 entsteht der Eindruck, »als würde der Autor über die psychosexuelle Gesinnungslage des Utoya-Attentäters oder des durchschnittlichen NPD-Anhängers von heute berichten« (aus der Pressemitteilung).

Krautgarten

In der eher des Antifaschismus verdächtigen Zeitschrift Krautgarten, dem Organ der »deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens«, finden sich in der Novemberausgabe Gedichte des bekennenden Rechten (…) Martin Mollnitz alias Heino Bosselmann. In einer Polemik, die der Freitag am 6. Mai druckte, machte der Autor kurzen Prozeß mit der »neuen Lyrik« (oder dem, was er dafür hält): Sie sei das »Diktat des Mittelmäßigen«, ein »Übermaß an hohlem Geräusch«, »armseliges Gedöns« etc. Mollnitz’ Gedichte im Krautgarten belegen, daß sie selbst an den von ihm beklagten Mißständen leiden. Augenfällig ist die »bemühte Naturlyrik«: »über kahlem feld … nebel überall nebel … das wiehern verendender pferde / und raben raben raben … die krähen haben die äcker für sich … es nebelt nur so … die aale ziehen flußabwärts«, etc.

Nicht nur zahlreiche Leser, auch manche Verfasser von Gedichten begreifen Lyrik als ein Medium für den entrückten, gehobenen Sprachgebrauch. Im Krautgarten manifestiert sich das in der Hälfte aller Gedichtbeiträge, wo in beinahe jedem Poem das Wort Himmel auftaucht, und fehlt der Himmel, dann sind es wahlweise das Blau, die Wolken, die Sonne, das Licht bzw. Firmament, Horizont, Äther, Abglanz, Geblitz, Leuchten etc. Manches geht aber gut los. So läßt der frischgekürte Walter-Bauer-Preisträger André Schinkel in seinem Dreiteiler »Die Dünung des Leibs« zwei Wesen »übereinander herfalln«, bis »die Nippel glühn«, bis – leider, leider – die Verse »An den Gebresten / Der Tage« versanden.

Randnummer

Sehr schön ist jedenfalls das Interview »Nein« von Mara Genschel, der »wohl erste[n] und einzige[n] Textnegatorin deutscher Sprache«. Das Problem der Randnummer besteht in ihrem Gewicht: 530 Gramm* bei 256 Seiten, die allerdings sehr großzügig gesetzt und aus schwerem Bilderdruckpapier sind, so daß sich durchaus Einsparpotential ergeben hätte!

Signum

Gewidmet ist es dem 1992 freiwillig aus dem Leben gegangenen Schriftsteller Manfred Streubel. Für den unbefangenen Leser bleibt es ein Rätsel, wieso Streubel, weder »Dissident« noch »Mitläufer«, als »Außenseiter« bezeichnet wird; derselbe Streubel, der Anfang der 1950er Jahre, nach einem Volontariat bei der jungen Welt, als Redakteur der Kinderzeitschrift Frösi tätig war; derselbe Streubel – Hausautor beim Mitteldeutschen Verlag, ein gutes Dutzend Bücher, diverse Preise, Mitarbeit beim Film, Lyrikvertonungen, mehrere aufgeführte Theaterstücke, der den Text zum Lied der jungen Naturforscher schrieb – vielleicht ein früher Fall von Ecopoetic!

Hefte für Neue Prosa

Darin findet sich u.a. ein spannendes Gespräch, das Florian Neuner mit Jürgen Ploog führte. Der Altmeister der deutschsprachigen Cut-up-Literatur gibt darin zu bedenken: »Es gibt kaum Verlage, die sich um Abseitiges, Unangepaßtes kümmern, kaum Zeitschriften, die sich Andersartigem annehmen. Die deutsche Mentalität neigt dazu, sich romantisch zu stilisieren. Sie will anders und dagegen sein, ohne das zu artikulieren und sich dazu zu bekennen.«