Getagged: José Emilio Pacheco

82. Modernistische Musik

Nein, die alten, allzu alten Topoi haben ausgedient, haben darum auch in zeitgenössischen Versen nichts mehr zu suchen. Und wenn es auch schon etwas her sein mag, dass Torquato Tasso als Kronzeuge erlesenen lyrischen Geschmacks herhalten musste, zeugt die Absage doch vom Anspruch, den der Dichter an sich selber stellt: «Wie die Phönizier schaffe ich mir mein eigenes Alphabet.»

Von Nicanor Parra stammen diese Zeilen, der, 1914 in Chile geboren, ganz offenbar noch etwas mitbekam von der Bildungsbeflissenheit des 19. Jahrhunderts, dem gelegentlich recht aufgeblasenen Geschmack einer Epoche, die in Lateinamerika bis weit ins folgende Jahrhundert reichte. In gleich mehreren der hier präsentierten Gedichte arbeitet er sich an der Ästhetik der Väter ab, um über ein ausschliesslich aus Friedhofskreuzen bestehendes Gedicht mit dem Titel «Die vier Sonette der Apokalypse» in einem anderen Gedicht schliesslich in die Stille zu münden: «Stille vor allen Dingen / und der Rest ist modernistische Musik.» / Kersten Knipp, NZZ

Michi Strausfeld (Hg.): Dunkle Tiger. Lateinamerikanische Lyrik. Übertragen von Angelica Ammar, Thomas Brovot, Leopold Federmair, Christian Hansen, Martin von Koppenfels, Susanne Lange, Gerhard Poppenberg, Alejandro Rogel Alberdi, Kurt Scharf, Petra Strien. Verlag S. Fischer, Frankfurt am Main 2012. 373 S., Fr. 37.90.

70. Poesie aus Lateinamerika

Der Mexikaner José Emilio Pacheco macht sich in „Sirenendämmerung“ Gedanken über Wissen und Nichtwissen, Wirklichkeit und Fantasie. Reichlich mysteriös ist das neunseitige Gedicht „Der Tiger im Haus“ von Pachecos Landsmann Eduardo Lizalde, auf das auch der Titel des Sammelbandes zurückgeht.

Als „Antipoet“ kommt der exzentrische Chilene Nicanor Parra daher. Er misstraut den Wörtern und ihrer Fähigkeit, etwas zu bezeichnen und fordert in „Umbenennungen“ die Dichter dazu auf, die Namen aller Dinge zu ändern, auch den Namen Gottes. In „What is poetry?“ definiert er sein Verständnis von Poesie: „alles was man sagt ist Poesie/alles was man schreibt ist Prosa/alles was sich bewegt ist Poesie/was stillsteht ist Prosa.“

„In allen Ländern Lateinamerikas haben die Dichter eine besondere Stellung. Sie werden geliebt und rezitiert“, sagte Strausfeld bei der Vorstellung ihres Buches in Berlin. …

Ein Anschlussband mit jüngeren Dichtern ist nicht ausgeschlossen…

/  Die Erben Nerudas – neuere lateinamerikanische Poesie – weiter lesen auf FOCUS Online

Michi Strausfeld (Hg.): Dunkle Tiger – Lateinamerikanische Lyrik, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 373 Seiten, 24,99 Euro, ISBN 978-3-10-074444-9

51. Mehr als ein gutes Dutzend. Lyrik 2011 (5)

Anthologie ∙ Einzeltitel ∙ Essayband ∙ Zeitschrift

Wird in den nächsten 2 Tagen in alphabetischer Folge ergänzt. Nachträge der Leser sind durchaus erwünscht und erbeten und können hier als Kommentar eingetragen werden.  (Bitte erst unter dem jeweiligen Buchstaben eintragen, hier also nur N – Sch. Die ergänzten Titel werden in die Liste übernommen, in den Kommentaren können Sie nachlesen, was unserm geballten Sachverstand entgangen war, M.G.)

  1. Shafiq Naz (Hg.) · Der deutsche Lyrikkalender für junge Leser 2012. Jeder Tag ein Gedicht, 366 Ge­dichte von 200 Autorinnen und Autoren von den An­fängen bis zur Gegen­wart, darunter ∙ Ernst Moritz Arndt ∙ Rose Ausländer ∙ Hans Bender ∙ Rolf Dieter Brinkmann ∙ Manfred Chobot ∙ Matthias Claudius ∙ Klaus Peter Dencker ∙ Annette von Droste-Hülshoff ∙ Marie von Ebner-Eschenbach ∙ Manfred Enzensperger ∙ Theo­dor Fontane ∙ Günther Bruno Fuchs ∙ Stefan George ∙ Günter Grass ∙ Peter Handke ∙ Heinrich Heine ∙ Hendrik Jackson ∙ Mathias Jeschke ∙ Franz Kafka ∙ Axel Kutsch ∙ Oskar Loerke ∙ Martin Luther ∙ Christian Morgenstern ∙ Wilhelm Müller ∙ Andreas Noga ∙ Novalis ∙ Martin Opitz ∙ Oswald von Wolkenstein ∙ Wal­ther Petri ∙ August von Platen ∙ Monika Rinck ∙ Joachim Ringelnatz ∙ Paul Scheerbart ∙ Raoul Schrott ∙ Vol­ker von Törne ∙ Georg Trakl ∙ Ludwig Uhland ∙ Friedrich Theodor Vischer ∙ Jan Wagner ∙ Robert Walser ∙ Albin Zollinger, 430 Seiten, Tischkalen­der mit Spi­ralbindung, Alhambra Publishing, B-Bertem 2011.
  2. Cyprian Kamil Norwid: Über die Freiheit des Wortes. Poem. Aus dem Polnischen von Peter Gehrisch. Leipziger Literaturverlag. 220 Seiten.
  3. Gisela Noy · Gänge ans Licht, mit drei Graphiken von Berthold Mallmann, 36 Seiten, handfadengebundene Broschur, numeriert und signiert, Atelier Verlag, Andernach 2011.
  4. Hellmuth Opitz · Die Dunkelheit knistert wie Kandis, 126 Seiten, Hardco­ver, Pendragon Verlag, Biele­feld 2011.
  5. Jutta Over · Grünland Grauland, 24 unpaginierte Seiten, geheftete Broschur, Machandel Verlag, Hase­lünne 2011.
  6. José Emilio Pacheco: Früher oder später. Edition Delta (Aus dem Spanischen von Juana und Tobias Burghardt)
  7. Bert Papenfuß: Pro tussi à gogo. Broschur, 28 S. Schock Edition, EdK/Distillery, Berlin 2011.
  8. Alexej Parschtschikow: Erdöl. Gedichte. Übersetzung: Hendrik Jackson. kookbooks 2011
  9. Teresa Pascual ∙ Die geordnete Zeit & Rebellion des Salzes – El temps en ordre & Rebellió de la sal. Gedichte [zweisprachig]. Aus dem Katalanischen von Juana und Tobias Burghardt. Titelbild von Juana Burghardt. 161 Seiten, broschiert, Edition Delta, Stuttgart 2011.
  10. Miodrag Pavlović: Mißhelligkeiten, alte und neue. Gedichte. Aus dem Serbischen von Peter Urban. Leipziger Literaturverlag. 152 Seiten.
  11. Francesco Petrarca, Canzoniere, aus dem Italienischen übersetzt von Karl-Heinz Stierle, gebunden, 273 Seiten, Insel Verlag 2011.
  12. Annelotte Piper (Hg.): Kaum berührt, zerfällt die Mauer der Nacht.28 japanische Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts. Mit Gedichten von Yosano Akiko, Nagase Kiyoko, Fukao Sumako, Sagawa Chika, Machida Shizuko, Ishigaki Rin, Nakamura Chio, Mitsui Futabako, Uchiyama Tomiko, Ibaragi Noriko, Shinkawa Kazue, Shiraishi Kazuko, Tada Chimako, Kora Rumiko, Takarabe Toriko, Kawata Ayane, Kanai Mieko, Tomioka Taeko, Yoshihara Sachiko, Aoki Harumi, Tatara Chieko, Arai Toyomi, Yoshiyuki Rie, Ito Hiromi, Isaka Yoko, Hirata Toshiko, Inaba Mayumi und Kawaguchi Harumi. Mit einem Geleitwort von Yoko Tawada. Aus dem Japanischen von Annelotte Piper. Deutsche Erstausgabe. 368 Seiten. München: dtv, Dezember 2011.
  13. Kai Pohl (Hg.): floppy myriapoda. Subkommando für die freie Assoziation. Heft 18. Mit Gedichten von Niccolò Agnoli, Ernst-Jürgen Dreyer, Emmanuel Eni, Ernst Fuhrmann, Alex Galper, Rex Joswig, Andreas Paul, Kai Pohl, Clemens Schittko, Schwartz, HEL Toussaint, Johannes Witek u. a. Broschur, 40 S. EdK/Distillery, Berlin, Oktober 2011.
  14. Kai Pohl ∙ Clemens Schittko ∙ da kapo mit CS-Gas, 59 Seiten, Broschur, fixpoetry.Verlag, Hamburg 2011.
  15. Kai Pohl: Phantomkalender. Broschur, 24 S. Distillery, Berlin 2011.
  16. Traian Pop (Hg.) · BAWüLON. Süddeutsche MATRIX für Literatur und Kunst, 1. Ausgabe, Essay, Lyrik und Prosa, Gedichte von Johann Lippet · Horst Samson · Rainer Wedler u.a., 106 Seiten, Broschur, Pop Verlag, Ludwigs­burg 2011.
  17. Traian Pop (Hg.) · Matrix. Zeitschrift für Literatur und Kunst, 24. Ausgabe, Essay, Lyrik und Prosa, Gedichte von Róža Do­mašcyna ∙ Benedikt Dyrlich ∙ Kito Lorenc ∙ Friederike Mayröcker ∙ William Totok u.a., 192 Seiten, Broschur, Pop Ver­lag, Ludwigsburg 2011.
  18. Magorzata Poszewska (Hg.): Ein Fenster bis zum Horizont / Okno po horyzont. 198 Seiten. edition art science, St. Wolfgang. Reihe: Lyrik der Gegenwart, Band 10.
  19. Kevin Prufer, Wir wollten Amerika finden. Ausgewählte Gedichte. Zweisprachig. Übersetzt von Norbert Lange und Susanna Mewe. luxbooks, 2011.
  20. Hans Raimund/Friedrich Danielis: “Choral Variationen”. Edition Thurnhof, Reihe oxohyph 2011, 24 Euro, ISBN 978-3-900678-15-9. Auflage 400, 20 Exemplare erschienen als Vorzugsausgabe im Holzschuber mit einem Autograph von Hans Raimund und einer Arbeit von Friedrich Danielis, 180 Euro.
  21. Arne Rautenberg: Miami Bach. Illustration/ Grafik: Olrik Kohlhoff. 8 Bögen, keine Nummerierung. Cordel Kiel 2011.
  22. Arne Rautenberg: Triebabfuhr. Gedichte mit Zeichnungen von Thomas Palme, 24 Seiten. Cordel Kiel 2011.
  23. Tom Raworth: Logbuch. Gedichte. Übersetzung: Ulf Stolterfoht. 96 Seiten, Format: 13.5 x 21 cm, gebunden, Softcover. Das Wunderhorn 2011.
  24. Marcel Reich-Ranicki (Hg.) ∙ Frankfurter Anthologie. Vierunddreißigster Band, Gedichte und Inter­pretationen, Ge­dichte von H. C. Artmann · Gottfried Benn · Bertolt Brecht · Walter Helmut Fritz · Wolfgang Hilbig · Peter Huchel · Theodor Kramer · Alfred Lichtenstein · Friederike Mayröcker · Helga M. Novak u.v.a., 317 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011.
  25. Walter Rheiner. Versensporn – Heft für lyrische Reize Nr. 1. Edition POESIE SCHMECKT GUT, Jena 2011.
  26. Walter Rheiner · Ausgewählte Gedichte (edition grillenfänger 27). 48 Seiten, Broschüre, Klammerheftung, Potsdam, udo degener verlag 2011.
  27. Øyvind Rimbereid · Herbarium, aus dem Norwegischen von Klaus Anders, 85 Seiten, Klappenbroschur, Edi­tion Rugerup, Berlin · S-Hörby 2011.
  28. Jan Volker Röhnert ∙ Notes from Sofia. Bulgarische Blätter, Gedichte, Notate, Erzählung, 148 Seiten, Klappen­bro­schur, edition AZUR, Dresden 2011.
  29. Ludwig Rubiner · Das himmlische Licht. Gedichte (edition grillenfänger 26). 32 Seiten, Broschüre, Klammerheftung, Potsdam, udo degener verlag 2011.
  30. Tuvia Rübner · Lichtschatten. Gedichte. 102 Seiten, gebunden, Aachen, Rimbaud Verlag 2011.
  31. Peter Rühmkorf: Poesiealbum 293. Hg. u. ausgewählt von Richard Pietraß, Grafik Horst Janssen. Märkischer Verlag Wilhelmshorst 2011, 32 S.
  32. Wilhelm Runge · Das Denken träumt. Gedichte (edition grillenfänger 30). 62 Seiten, Broschüre, Klammerheftung, Potsdam, udo degener verlag 2011.
  33. Gabriele Sander (Hg.): Die Welt hebt an zu singen. Musik-Gedichte. Reclam. 192 Seiten.
  34. Julia Sander ∙ Der Fernseher blinkt in Blitzblau Augengeflatter, 24 unpaginierte Seiten, Handsatz und Handfadenbindung von Karl-Friedrich Hacker, footura black, Itzehoe 2011.
  35. Ulrike Almut Sandig ∙ Dickicht, 80 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Lese­bändchen, Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2011.
  36. Jordi de Sant Jordi · Der letzte Trobador. Eine Anthologie. Herausgegeben und übersetzt von Hans-Ingo Radatz (Reihe: Katalanische Literatur des Mittelalters, Bd. 5), 120 Seiten, broschiert, Berlin – Münster – Wien – Zürich – London, LIT Verlag 2011.
  37. Knut Schaflinger ∙ Schneebrand, 103 Seiten, Klappbroschur, Edition POEMA, Verlag Ralf Liebe, Weilers­wist 2011.
  38. Valeri Scherstjanoi: Mein Futurismus. Mit einem Nachwort von Michael Lentz. Matthes & Seitz Berlin 2011, 191 S.
  39. René Schickele · Ausgewählte Gedichte (edition grillenfänger 22). 48 Seiten, Broschüre, Klammerheftung, Potsdam, udo degener verlag 2011.
  40. Clemens Schittko: Manifest der Nachhut. Broschur, 28 S. Schock Edition, EdK/Distillery, Berlin 2011.
  41. Clemens Schittko: Und ginge es demokratisch zu. sUkUltUr 2011.
  42. Tibor Schneider • Christiane Schweitzer • Anselm Treichler (Hg.), ]trash[pool. Zeitschrift für Literatur und Kunst, 2. Ausgabe, Lyrik und Prosa von Richard Duraj, Sascha Kokot, Lucia Leidenfrost, Jinn Pogy, Jan Skudlarek u.a., 106 Seiten, Broschur, Tübingen 2011.
  43. Wieland Schmied · Ein Irrer schreibt an einen Blinden. Ezra Pound Studien III (Rimbaud-Taschenbuch Nr. 72), 112 Seiten, broschiert, Aachen, Rimbaud Verlag 2011.
  44. Stefan Schmitzer
: scheiß sozialer frieden
. Gedichte. Wien: Edition Korrespondenzen, 2011. Mit einem Nachwort von Clemens Setz, gebunden, 21 x 13 cm, 
96 Seiten.
  45. Ernst Schönwiese · Baum und Träne (Lyrik-Taschenbuch Nr. 74), 72 Seiten, broschiert, Aachen, Rimbaud Verlag 2011.
  46. Karl-Heinz Schreiber ∙ Das Wundern der Romantizierer generiert altmodische Beulen, 38 Seiten, gehef­tete Broschur, Silver Horse Edition, Marklkofen 2011.
  47. Natalia Shchyhlevska · Verschränkungen. Leben und Werk von Autoren aus der Bukowina anhand von Briefen und Nachlässen (Bukowiner Literaturlandschaft Bd. 58).7 Abb., 124 Seiten, gebunden, Aachen, Rimbaud Verlag 2011.

7. Mexikanische Tradition

Der Cervantes-Preis geht dieses Jahr an den mexikanischen Autor José Emilio Pacheco. Paul Ingendaay sprach mit Doris Schäfer-Noske, DLR:.

… man hört von Pacheco, er sei ein ungewöhnlich bescheidener Mensch!

Paul Ingendaay: Ja, das ist eigentlich ein sehr schöner Zug an diesem Autor, dem man mal sagte, er sei doch der berühmteste Dichter seines Landes, in Mexiko eben, und er darauf antwortete, er sei noch nicht mal der berühmteste Dichter seines Stadtviertels, denn dort wohnt auch der Argentinier Juan Gelman, der vor ihm den Cervantes-Preis erhalten hat. Also eine sehr bescheidene Art des Auftretens bei diesem Mann.

Schäfer-Noske: Bekannt geworden ist Pacheco vor allem mit Naturlyrik. Was ist es denn für eine Natur, die er in seinen Gedichten beschreibt?

Ingendaay: Zuerst mal wird man sagen, dass er ein modernistischer Lyriker ist, der auch amerikanische Lyrik ins Spanische übertragen hat, der die Tradition rauf und runter kennt. Sehr lakonisch, sehr klar, sehr intellektuell, introspektiv und ich würde sagen absolut nicht verträumt oder nicht ökoverträumt oder irgendwie sehnsüchtig, wie man sich das vorstellt bei Naturlyrik, sondern eigentlich, er spiegelt den Menschen in der Natur, wie das auch der große Ire … tut, aber eben jetzt auf ganz andere, viel noch mal knappere Weise.

Schäfer-Noske: Aber es ist keine Idylle, die er darstellt?

Ingendaay: Überhaupt nicht, er ist sogar ein Pessimist und er sieht den Menschen eher sehr klein, und das drückt sich in seiner Lyrik aus. Die Ameise ist eines seiner zentralen Bilder, und er glaubt sogar – zumindest kann man das seinen Schriften entnehmen -, dass bei der Evolution des Menschen irgendetwas schiefgegangen ist.

(…)

Schäfer-Noske: Was macht denn den Stil von Pacheco aus?

Ingendaay: Ich glaube, es ist die Abbildung einer Denkbewegung, aber dabei so, also ich sag mal lyrisch, so klar und auch so evokativ, dass man sich fast ins Träumen begeben kann, wenn man ihn liest. Ich lese ihn wirklich sehr, sehr gern. In Mexiko, wir dürfen das nicht vergessen, gibt es viel mehr Lyrikleser als bei uns. Ich habe mal in einer alten Ausgabe, die ich habe, nachgeschaut, da war eine Auflage von 16.000 Stück, das ist ja für so was sensationell, das gäbe es bei uns gar nicht. Von daher, die große lyrische Tradition in Mexiko hat eben nach Octavio Paz auch diesen Dichter hervorgebracht.

163. Cervantes-Preis

Der mexikanische Schriftsteller José Emilio Pacheco, 70, erhielt am Montag den Cervantes-Preis, der als der bedeutendste Literaturpreis der spanischsprachigen Welt gilt. Die Jury nannte Pacheco einen “außergewöhnlichen Dichter des alltäglichen Lebens mit Tiefe und der Fähigkeit, seine eigene Welt zu erbauen”. Pacheco gilt als wichtigster mexikanischer Dichter des 20. Jahrhunderts, er schuf aber auch Romane und Kurzgeschichten und ist Kritiker und Übersetzer.

Zu seinen Gedichtbänden zählen Los Elementos de la Noche (Die Elemente der Nacht, 1963), El Reposo del Fuego (Der Schlaf des Feuers, 1966) und No Me Preguntes Como Pasa el Tiempo (Frag mich nicht wie die Zeit vergeht, 1969).

Der Cervantes-Preis ist mit 125,000 Euro (187,500 Dollar) dotiert und wird jährlich vom spanischen Kulturministerium vergeben. / monstersandcritics

Mehr: CBC News /

“Einer der großen Dichter spanischer Sprache” (José Manuel Caballero Bonald) – “ein großer Dichter vom Schlage  Octavio Paz’” (César Antonio Molina)

In Chile bedeutet das auch, daß es wieder nicht Nicanor Parra wurde

Nachrichten auf Spanisch: Milenio / El país /El mundo / Erklärung des mexikanischen Präsidenten /

Bücher in Übersetzung:

Der Tod in der Ferne
Residenz,Salzburg, 1992
Übersetzung: Leopold Federmair, Maria Alejandra Rogel Alberdi

Kämpfe in der Wüste
Residenz, Salzburg, 1995
Übersetzung: Leopold Federmair, Maria Alejandra Rogel Alberdi

Nachtzirkus
Ammann, Zürich, 2002
Übersetzung: Juana und Tobias Burghardt

Rückkehr zu Sisyphos: Gedichte 1959-2000. Ausgewählt und übersetzt von Leopold Federmair und Alejandra Rogel Alberdi. Edition Selene, Wien 2003. 168 S., Fr. 27.90.

Die Jury

El jurado ha estado presidido por José Antonio Pascual, representante de la Real Academia Española y formado por: Jaime Labastida, representante de la Academia Mexicana de la Lengua; Luis García Montero, propuesto por la Conferencia de Rectores de las Universidades Españolas; María Agueda Méndez, por la Unión de Universidades de América Latina; Soledad Puértolas, por la directora del Instituto Cervantes; Almudena Grandes, por la ministra de Cultura; Pedro García Cuartango, por la Federación de Asociaciones de Periodistas de España; Ana Villarreal, por la Federación Latinoamericana de Periodistas; David Gíes, por la Asociación Internacional de Hispanistas; y Juan Gelman, autor galardonado en la edición 2007. Como secretario ha ejercido Rogelio Blanco, director general del Libro, Archivos y Bibliotecas y como secretaria de actas, Mónica Fernández, subdirectora general de Promoción del Libro, la Lectura y las Letras Españolas.

Vgl. L&Poe

2001    Jun    #    Auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin
2004    Nov    #69.    Esther Andradi

Internationales Literaturfestival Berlin

Auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin (14.-24.6. 2001) lesen u.a.

  • Hugo Gola (Argentinien/ Mexiko)
  • Namdeo Dhasal (Indien)
  • Agus R. Sarjono (Indonesien)
  • Enrique Fierro (Uruguay)
  • Bei Dao (China/USA)
  • James Fenton (GB)
  • Mazisi Kunene (Südafrika)
  • Ales Rasanau (Weißrußland/Deutschland)
  • Pam Brown (Australien)
  • Rita Dove (USA)
  • Günter Kunert (Deutschland)
  • Inger Christensen (Dänemark)
  • Michele Leggott (Neuseeland)
  • Daniel Weissbort (GB)
  • Antjie Krog (Südafrika)
  • José Emilio Pacheco (Mexiko)
  • Michael Palmer (USA)
  • Lydia Davis (USA)

Ein Bericht der FAZ *) vom 13.6.2001 beginnt so:

Lyriker, schaut auf diese Stadt – Das internationale Literaturfestival in Berlin. 
Für sein Literaturfestival will Berlin andere zahlen lassen

Gute Nachrichten aus Berlin sind eine Seltenheit. In diesen Tagen muß man schon von einer guten Nachricht sprechen, wenn überhaupt etwas ist und nicht vielmehr nichts oder noch weniger als nichts, nämlich Schulden. So grenzt es an ein Wunder, wenn am morgigen Donnerstag das 1. Internationale Literaturfestival Berlin eröffnet wird, eine zehntägige Großveranstaltung mit rund hundert Autoren aus aller Welt. Das vorerst beste daran, zumindest aus Berliner Sicht: Das Ereignis kostet den Landeshaushalt keinen Pfennig, sondern wird durch Mittel der Lotto-Stiftung, die 400 000 Mark aufbringt, und durch eine Vielzahl unterschiedlichster Sponsoren finanziert. Für die nächsten zehn Tage sind Schriftsteller wie Antonio Tabucchi, Tahar Ben Jelloun, Orhan Pamuk, Péter Esterházy, Günter Kunert, Inger Christensen oder Lars Gustafsson angekündigt, vor allem aber viele Namen, die man hierzulande noch kaum vernommen hat.

Soweit FAZ*. Ist das auch gut so? (Für FAZ? Berlin? Magenau?) Darüber gibt FAZ-Berichter Jörg Magenau unterschiedliche Auskünfte – teils in Frageform. Zwei Sätze O-Ton: 
1. Hat Berlin darunter gelitten, daß die ugandische Lyrikerin Goretti Kyomehundo noch nie in der Stadt auftrat?††† 
2. Ob Berlin ein Ohr für die Autoren hat, die sich jetzt in der Stadt versammeln, steht auf einem anderen Blatt.**

*) die im übrigen fordert, mit den kostenlosen Angeboten im Netz Schluß zu machen (siehe auch NZZ 15.6.01)

**) Das des FAZ-Berichterstatters jedenfalls nicht

††† Anmerkung 2012: Banausen haben natürlich recht, unter ihresgleichen. Man erkennt sie daran, daß sie die unbestrittene Tatsache, daß sie etwas nicht kennen, für den Beweis von dessen Nichtswürdigkeit halten. Ich dagegen: halte Zeitungen, die sich in solchen Sätzen gefallen, für entbehrlich.