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30. „Die Wörter sind da!“
Im anschließenden Gespräch mit der Radiojournalistin Silke Behl wird deutlich, wie befreiend die Produktion dieser Gedichte für Herta Müller sein muss. Sie setzt das Gesicht einer schnurrenden Katze auf, als sie erzählt, wie sehr sie das Ausschneiden und die Mechanik des Hin- und Herschiebens auf dem Tisch genießt. Schneiderin wollte sie einmal werden, sagt sie. „Die Wörter sind da!“, ruft sie. Und dann: „Es läuft wie von selbst!“ Und wieder muss man lachen.
Und doch. Viele dieser Gedichte von Herta Müller sind nicht nur komisch. Immer wieder sind sie auch Vorläufer oder Nachläufer, wie sie sagt, ihrer großen Themen. Dann handeln sie manchmal eben auch von ihrer Verfolgung durch das Regime Ceauescus, bevor sie von Rumänien nach Deutschland kam – oder vom Suff des Vaters, der bei der Waffen-SS gewesen war.
Der Unterschied zu ihrer Prosa: Im Normalfall pflegt Herta Müller Misstrauen gegenüber der Sprache, die so leicht vor den Karren der Macht zu spannen ist. Sie müht sich, die faden Worte in andere Kontexte zu stellen, ihnen neues Leben einzuhauchen. In ihren Gedichtcollagen gelingt all das vergleichsweise unangestrengt. In Herta Müllers eigenen Worten: „Nicht selten kroch im Gebrauch aus dem dunklen Rock der kleinen Wörter eine blöde abgedrehte Laus mit einer Flöte heraus.“ / Susanne Messmer, taz
4. Berlin liest – noch können Sie mitlesen!
Berlin liest am 04. September 2012
Mit Ihrer Lesung läuten Sie das Literaturfestival ein. Dabei befinden Sie sich in bester Gesellschaft: Neben Dagmar Reim, Intendantin des rbb, Jan Stöß, Landesvorsitzender der Berliner SPD, werden auch Elvira Bach, Norbert Kron und viele andere ihre Lieblingtexte zum Besten geben.
Liebe Freunde und Freundinnen der Literatur,
am 4. September 2012 eröffnet das 12. internationale literaturfestival berlin mit einer Rede des chinesischen Exil-Autors Liao Yiwu. eine Stunde vorher, um 17.00 Uhr, können Sie mit ihrer Lesung den Auftakt bilden zu einem Programm, das zwei Wochen lang die Vielfalt der Weltliteratur vorgestellt.
Die Teilnahme ist so einfach wie herausfordernd: Nehmen Sie sich einen Roman, ein Gedicht, einen Sachtext oder einen Essay und suchen Sie sich den Ort in Berlin, an dem dieser Text unbedingt einmal vorgelesen werden sollte. Egal ob U-Bahnhof, Park, Platz, ihre eigene Haustür, eine Sehenswürdigkeit oder ein literarischer Ort.
Um 17.00 Uhr beginnt die Lesung und dauert maximal eine Viertelstunde. Mit Ihnen lesen AutorInnen, SchauspielerInnen, BuchhändlerInnen, BibliothekarInnen, LehrerInnen und viele andere FreundInnen des Festivals an zahlreichen Orten in Berlin.
Als Dank dafür, dass Sie Ihre Stimme der Literatur leihen, sich der Herausforderung stellen, in der Öffentlichkeit zu lesen und damit den zahlreichen internationalen AutorInnen des ilb einen vielstimmigen, berlinweiten Willkommensgruß entrichten, laden wir Sie zum Festival ein und schenken Ihnen eine Tageskarte für einen Festivaltag ihrer Wahl.
Wenn Sie teilnehmen möchten, tragen Sie sich bitte in unser Onlineformular ein, mailen Sie uns an berlinliest@literaturfestival.com oder schreiben Sie uns per Post an: internationales literaturfestival berlin, Chausseestr. 5, 10115 Berlin.
Bitte nennen Sie uns, damit wir Sie in den Stadtplan mit allen Lesungen eintragen können:
- Ihren Namen,
- den Titel des von Ihnen ausgesuchten Werkes und der Autorin / des Autors
- den Ort, an dem Sie lesen möchten
- die Sprache, in welcher Sie lesen möchten
Das Projekt “Berlin liest” steht unter der Schirmherrschaft von Dagmar Reim, der Intendantin des rbb.
Liste der Gedenkorte verstorbener Autoren
53. internationales literaturfestival berlin
Aus dem Programm des internationalen literaturfestivals berlin (Forts.)
Poetry Night IV
12.09.2011 20:30 Uhr
Literaturen der Welt
Fokus Asien-Pazifik
Haus der Berliner Festspiele
Seitenbühne
Autoren Constantin Abăluţă, Tomasz Rózycki, C.K. Stead
Moderation Silke Behl
Sprecher Friedhelm Ptok
Preis 6 Euro / ermäßigt 5 / Schüler 4
In den Gedichten von Constantin Abǎlutǎ (Rumänien), der sich selbst als »Dichter des Banalen« bezeichnet hat, scheint unter der banal-absurden Oberfläche immer auch eine harte, entbehrungsreiche Realität durch, die er kritisch beleuchtet. Seine Gedichte bedienen eine Bandbreite von der Art japanischer Haikus bis zu langen Gedichten epischen Ausmaßes.
Der Lyriker und Übersetzer Tomasz Różycki (Polen) wurde vor allem bekannt durch sein an den großen polnischen Nationaldichter Adam Mickiewicz angelehntes Poem »Zwölf Stationen«, ein Stück Heimat- und Reiseliteratur, in dem man Geschichte und Gegenwart ehemaliger polnischer Randgebiete entdeckt – und auch so manchem Fabelwesen begegnet.
Die Gedichte von C. K. Stead (Neuseeland) der auch als Romanautor, Literaturwissenschaftler und Herausgeber bekannt geworden ist, demonstrieren sprachliche Leichtigkeit, gepaart mit kreativer Disziplin, und thematisieren den persönlichen Erfahrungshorizont des Lyrikers.
Treffen junger Autoren
14.09.2011 21:00 Uhr
Collegium Hungaricum Berlin
Autoren Yevgeniy Breyger, Charlotte Busch, Olga Galicka, Marie Michael, Rick Reuther, Max Wallenhorst
Moderation Rabea Edel
Preis 6 Euro / ermäßigt 5 / Schüler 4
Texte des literarischen Nachwuchses präsentiert das tja, mit dem die Berliner Festspiele seit über 25 Jahren auf der Suche nach jungen literarischen Talenten sind. Das tja steht für Begegnung der Teilnehmer: in Lesungen, in Gesprächen, in Workshops, in denen die jungen Talente an ihren Texten arbeiten. Sie werden in offener, kreativer Atmosphäre professionell betreut und in ihrem Tun bestärkt. Manchmal beginnt hier der Weg in den professionellen Literaturbetrieb.
Czesław Miłosz: Die Welt des polnischen Lyrikers
16.09.2011 22:30 Uhr
Erinnerung, Sprich
Haus der Berliner Festspiele
Seitenbühne
Sprecher Stephan Stroux, Peter Franke, Barbara Nüsse
Musiker Julia Marcell
Preis 6 Euro / ermäßigt 5 / Schüler 4
Die Texte des polnischen Literatur Nobelpreisträgers Czesław Miłosz stehen »immer auf der Seite des Lebens, auch wenn er sich durch Schmerz und Gewalt durchringen muss, immer wieder findet er zu einer großen Kraft im Kämpferischen und zur Leichtigkeit des Seins«.
Die berührende und reiche Lyrik steht vor dem Hintergrund der politischen und sozialen Zusammenhänge, die sein Leben zwischen 1911 und 2004 in Polen und im Exil in Frankreich und den USA geprägt haben. Gleichzeitig mit der Veranstaltung wird ein Audiobook präsentiert, das in zehn Sprachen und Ländern als eine der kulturellen Initiativen zur EU-Präsidentschaft von Polen erscheint.
Aga Zaryan: Konzert mit Kompositionen zu Gedichten von Czesław Miłosz
17.09.2011 20:00 Uhr
Haus der Berliner Festspiele
Große Bühne
Musiker Aga Zaryan
Preis 12 Euro / ermäßigt 10 / Schüler 8
Die international renommierte und vielfach ausgezeichnete Jazzsängerin interpretiert in ihrem Konzert Gedichte des polnischen Literaturnobelpreisträgers Czesław Miłosz, den Joseph Brodsky als den größten Dichter unserer Zeit bezeichnet hat, sowie Gedichte von Anna Świrszczyńska, Denise Levertov und Jane Hirshfield. Ihr Musikprojekt »Księga Olśnień« zeigt vor allem die menschlichen Seiten des Lyrikers, dessen Werke für die Sängerin prägend waren.
39. internationales literaturfestival berlin
Aus dem Programm des internationalen literaturfestivals berlin
Poetry Night I
08.09.2011 20:00 Uhr
Literaturen der Welt
Fokus Asien-Pazifik
Haus der Berliner Festspiele
Oberes Foyer
Autoren Ludwig Fels, Ken Babstock, Wolfgang Kubin, Kate Camp
Moderation Silke Behl
Sprecher Friedhelm Ptok Marie Löcker
Preis 6 Euro / ermäßigt 5 / Schüler 4
Die Prosa und Lyrik des »Arbeiterschriftstellers« Ludwig Fels (Deutschland) ist ohne jede Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ideologie geprägt von Pointiertheit und Sprachgewalt, mit der er seinen Protest gegen jegliche Form von Unterdrückung und seine Überzeugung von der Veränderbarkeit der Welt zum Ausdruck bringt.
Ken Babstock (Kanada) besticht bei aller Naturverbundenheit, die vor allem in seinen frühen Gedichten zum Ausdruck kommt, durch seine Vielseitigkeit in der Wahl von Themen und Formen. Er nimmt die kleinsten sinnlichen Details wahr und gibt den Dingen einen prägnanten, elegischen und geheimnisvollen Ausdruck.
Der Lyriker, Sinologe, Übersetzer und große Vermittler zwischen Deutschland und China Wolfgang Kubin (Deutschland) widmet sich in seinem lyrischen Schaffen der Verflechtung von östlicher und westlicher Perspektive in dem Versuch, das universell Menschliche in sprachlichen Formen fassbar zu machen und eine Heimat in den Wörtern zu finden.
Mit ihrem ersten Sammelband »Unfamiliar Legends of the Stars« gewann die Lyrikerin und Essayistin Kate Camp (Neuseeland) den Jessie Mackay Award bei den Montana New Zealand Book Awards 1999. Ihre Gedichte zeichnen sich durch einen hohen technischen Anspruch und eine düstere, feinsinnige Bildsprache aus.
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127. “Das Berlin meiner Gedichte“
Vielleicht muss man so alt und weise sein wie Bora Ćosić, um sich ganz ungeniert zu seinem Berlin-Gefühl zu bekennen. Der serbische Dichter, eigentlich geladen, um im Rahmen des Festivalschwerpunkts „Fokus Osteuropa“ über die Ungewissheiten des Exils Auskunft zu geben, gestand seinen Zuhörern im Haus der Kulturen der Welt, er habe sich die Liebe zu dieser Stadt zugezogen wie einen Virus. Dann las er aus seinem neuen Lyrikband „Die Toten. Das Berlin meiner Gedichte“. Ein Gedicht darin besingt die „gehortete Kälte“ der Gemälde Caspar David Friedrichs in der Alten Nationalgalerie. Ein anderes beschwört die Geister Nabokovs und des Petersburger Dichters Andrej Bely am Wittenbergplatz. Es ist Heimatlyrik eines Heimatflüchtigen, also genau die Art von europäisch beseelter Dichtung, der man im Bötzowviertel misstraut. Dabei überwindet sie nicht nur die notorischen west-östlichen Gräben, sie versöhnt auch die Welt mit Berlin. / Andreas Kilb, FAZ.net 23.9.
74. Eingetroffen
Es war sein 15. Ausreiseversuch. Und ist nun tatsächlich seine erste Auslandsreise. Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu kann als Gast am Internationalen Literaturfestival Berlin teilnehmen. Am Mittwochmorgen landete der bislang mit einem Ausreiseverbot belegte Autor in Berlin, wo er bis zum 31. Oktober im Rahmen einer Autorenresidenz bleiben wird. …
Der 1958 in der Provinz Sichuan geborene Dichter und Prosaautor fiel mit einem Gedicht über das Tiananmen-Massaker 1989 in Ungnade. Er war vier Jahre in Haft, stand unter Hausarrest. Als Dissident sieht er sich trotzdem nicht – er wolle in China bleiben und die Wahrheit sagen, erklärte er. / taz 16.9.
126. Dalia Taha
Auch die 1986 in Berlin geborene, aber in Ramallah aufgewachsene Palästinenserin Dalia Taha vermeidet Stellungnahmen, doch die, die in ihren Texten leben, kommen ohne die Toten nicht aus: “Da sitzen wir beide,/ wie zwei Fenster, die sich auf das, was/ jenseits liegt, auftun” beginnt ein Gedicht voller Metaphern, und wechselt sofort die Stimmung: “Keinen Platz gab es, / in dessen Schatten wir uns im Staub / hätten flüchten können.” Bald merkt man: das “wir”, das angesprochen wird, gibt es nicht mehr: “Ich steige aus unserem Bild aus, / wie wir da sitzen vor dem weiten Horizont.” Die andere Person, von der die Rede ist, ist tot: “ich laufe / zu mir und von mir weg, neben einer Gartenmauer / laufe ich, und in mir fallen/ die Blüten, die / auf deinem Grab / wuchsen. Ich laufe, damit meine Schritte auf dem Gehweg / blau werden / und ein Wind den Zipfel einer Ahnung festhält.”
Taha las in der Nacht der Arabischen Poesie, zusammen mit elf Kollegen, vor dem Alten Museum, das all den unterschiedlichen Färbungen und Tonlagen des Arabischen, dem die Musik eines Gedichts traditionell wichtig ist, mit seiner klassizistischen Fassade ein imposantes Gegenüber bot. Auf deutsch sind viele der gelesenen Gedichte in einer Sondernummer der Zeitschrift “Lisan” enthalten, die seit drei Jahren von Basel aus versucht, arabische Poesie hierzulande bekannt zu machen. / HANS-PETER KUNISCH, SZ 17.9.
97. Beim ilb wird gefeiert
Daniela Danz, gefeiert als die “neue Stimme der deutschen Lyrik”, liest Prosaminiaturen aus ihrem Gedichtband “Pontus”. Bei ihr ist die antike Mythologie nicht nur Referenz, sondern Grundlage der Poetik. In “Helles Meer” etwa beschreibt die Dichterin den Ritt der Helle und des Phrixos über den späteren Hellespont, es ist eine Grenzüberschreitung zwischen Europa und Asien. Gleichsam überschreitet Danz in ihren Gedichten die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Mythos und Realität, denn immer wieder kollidieren in den Zeilen antike Motive und Formen mit Verweisen auf aktuellste Thematiken.
Anders als Daniela Danz hat sich der gefeierte Nico Bleutge ganz vom lyrischen Subjekt verabschiedet. Die vorgestellten Gedichte seines Bandes “Fallstreifen” sind mehr Kollektor von Wahrnehmungen als Reflexion von Gelebtem oder Phantasiertem. Sein Thema ist das visuelle Abtasten der Welt und ihrer Beschaffenheit, die er mit klirrend klaren Worten beschreibt. …
Volker Sielaff unterdessen liebt die große Geste nicht. Er habe Schwierigkeiten mit Mythen, sagt der Dichter bei “New German Poetry”. Stattdessen besinnt er sich in seinen Poemen auf oftmals ganz alltägliche Momente, die in präzisen Beobachtungen zu erstaunlicher Prägnanz gebracht werden. / Frauke Fentloh, Berliner Morgenpost
9. Internationales Literaturfestival Berlin , Haus der Berliner Festspiele, Schaperstr. 24, Wilmersdorf, Tel. 25 48 90 sowie an weiteren Spielorten. Das Festival geht am Sonntag um 20 Uhr mit dem HipHop-Musical “Die vergessenen Befreier” im Haus der Festspiele zu Ende.
87. Arabische Welt
Und so schwanken auch die literarischen Begegnungen auf dem Festival zwischen der Bewunderung eines grandiosen kulturellen Erbes und der schwer zu fassenden politischen Realität der arabischen Welt. Der Begriff selbst lässt unbestimmt, was er doch anerkennend zusammenfassen möchte.
Zu ihrer Eröffnungsrede wunderte sich die indische Schriftstellerin Arundhati Roy auf charmante Weise darüber, warum sie mit ihrer Rede (siehe FR vom 10.9.) ein Festival eröffnete, das doch zu Ehren der arabischen Literatur abgehalten werden solle. Iranische Autoren sind mit von der Partie, doch wehren sich gerade Iraner vehement gegen die Zuordnung zur arabischen Welt.
Der in Berlin lebende irakische Schriftsteller Najem Wali wiederum hat in seinen unlängst erschienenen Reisereportagen die Geschichte der irakischen Juden erzählt und darüber hinaus deutlich gemacht, wie synthetisch und von machtpolitischen Interessen geleitet unter Saddam Hussein irakische Kultur- und Sprachpolitik instrumentalisiert wurde.
Die arabische Welt gibt es nicht, und das Literaturfestival Berlin ist der Ort, auf dem die unterschiedlichen Lesarten von Mangel, Leerstelle und Vielfalt kenntlich gemacht werden. Zu Beginn hat Joachim Sartorius, der Leiter der Berliner Festspiele, von der Überforderung der Kultur durch die Erwartung versöhnender Aspekte gesprochen und die Hervorbringung des Fremden als wesentliche Leistung von Literatur hervorgehoben. Das ilb liefert das Material dazu auf beeindruckende wie irritierende Weise. / Harry Nutt, FR 16.9.
47. Robert Gray
Robert Gray kam erstmals 2003 nach Deutschland, um an einem von der literatur WERKstatt Berlin initiierten Übersetzerprojekt teilzunehmen, bei dem australische und deutschsprachige Lyriker gegenseitig ihre Gedichte übersetzten, was später in der im DuMont Verlag erschienenen Anthologie „Hochzeit der Elemente – Zeitgenössische australische Dichtung“ dokumentiert wurde. Es gibt viel ungezähmte Natur in der Poesie des fünften Kontinents, und Robert Gray, dem sein Landsmann Les Murray „allergenauestes Wahrnehmungsvermögen“ konstatierte, stellt da keine Ausnahme dar. Seine Sprache, so sagt er, sei „ein Dialekt des Regens“. Die genaue und sinnliche Beschreibung der Dinge, auch der Natur-Dinge, steht im Zentrum seines Schreibens. Rätselhaft muten die ersten vier Zeilen aus einem Gedicht von Robert Gray an: „Es dreht seinen Kopf wie ein Mannequin / zu der Wellblechhütte / und hält die Vorderpfoten / wie zum Fesseln hin.“
Kein lyrisches Ich stellt sich dem Känguruh hier in den Weg. Der hier spricht, verharrt wohl eher im Schatten einer Hütte und zeichnet auf, was ihm da vor Augen tritt- ohne metaphorischen Überschwang, aber mit äußerster Genauigkeit. Er „schreibt“ das Känguruh, dessen Ohren für ihn „wie Zinken“ sind, am Ende des Gedichts flitzt es „gekrümmt“ davon, „zwischen Strünken und Gestrüpp, in die Dämmerung.“ / Volker Sielaff, Dresdner Neueste Nachrichten 8. 9.
Am 10. September 2009 kommt Robert Gray als Gast der Reihe „Literarische Alphabete“ des Literaturforum Dresden ins Hygienemuseum und wird dort aus seinen Büchern lesen sowie mit Patrick Beck über seine dichterische Arbeit sprechen. Karten: 6 / 3 Euro.
Am 11. September liest er bei der Poetry Night III des Internationalen Literaturfestivals Berlin in der Seitenbühne des Berliner Festspielhauses.