Getagged: Google

113. Demokratisierung

In Rahmen des Projekts Austrian Books Online, einem Public-Private-Partnership der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) mit Google, werden seit 2010 urheberrechtsfreie Werke der ÖNB digitalisiert. Nun sind die ersten 100.000 Bücher online gegangen. Sie können über den Online-Katalog der Bibliothek kostenlos aufgerufen, online gelesen, im Volltext durchsucht und vollständig herunterladen werden. Generaldirektorin Johanna Rachinger feiert dies heute in einer Aussendung als “Meilenstein in der Demokratisierung des Wissens und in der Geschichte der Österreichischen Nationalbibliothek”.

(…) Insgesamt sollen rund 600.000 Werke mit rund 200 Millionen Seiten digitalisiert werden, darunter rund 200.000 Bände des Prunksaals … / Der Standard

www.onb.ac.at

Unter den digitalisierten Werken Bücher von Gryphius, Weckherlin, Logau etc.

Gaistliche und weltliche Gedichte.
Autor/in:Weckherlin, Georg Rudolph
Ort/Verlag:Amsterdam : Jansson 
Erscheinungsjahr:1648 

144. Deutsche Grashalme

Google bildet. Ungemein. Fünf Fundstellen für “Deutsche Grashalme”, unverändert eingefügt:

  • Deutsche Grashalme stehen zu aufrecht, schottische Grashalme liegen – insbesodere in der Umgebung von Destillerien – eher flach.
  • Deutsche Grashalme um sie herum. Aber wie lange noch? Ihre Augen fangen an zu tränen, aber nicht von der Sonne. Von scheiß Beamten.
  • Der Jungs weiss bis jetzt nichtmal wie deutsche Grashalme aussehen und soll ins Feuer geworfen werden.
  • nö wenn die an der check in kontrolle fragen was es ist soll sie sagen das es ein innerungsbuch ist wo halt deutsche grashalme drinne sind
  •   die meisten Bremer, allen voran Trainer Schaaf zu dem unfairsten gehören, was über deutsche Grashalme läuft.

 

62. Ig gibs zue

Google fragt zurück:

Meinten Sie: Christian Mueller 5+++ du bist stärker als ig. ig gib s zue. ig ha kei luscht meh so z tue als öb. du behandlisch mi wie dräck, will ig di loh. wie lang no? hoffentlich no lang. ig ha di doch gärn. und du nützisch das us. will du mi au gärn hesch. abr nit würklich. entscheid di emol! abr seisch mr d antwort nit. ig bi vill schwächer als du. und du weisch es. + ig bi schtärkr als du. du gisch s zue. du hesch kei luscht meh so z tue als öb. ig behandle di wie dräck. will du mi lohsch. wie lang no? hoffentlich nümm lang. du hesch mi no gärn. und ig nütz das us. will ig di au gärn ha. abr nümm würklich. entscheid di emol! ig ha dr d antwort gseit. du bisch vill schwächer as ig. und ig weiss es. *** aus: 12092001 buch im eigenverlag 2008 auflage: 111 27 texte und illustrationen

48. Google

Leute, die sich teure Anwälte leisten können, wie Bettina Wulff und Sascha Lobo*, versuchen uns einzureden, daß Google die Wurzel des Bösen ist. (Im Fall Wulff: bis vorgestern wußte ich nichts von irgendwelchen Gerüchten um diese Dame, sie selber hat es mir serviert und ich muß nun bis zum Erbrechen schlucken. Bin aber immer noch nicht interessiert, und Ihr Buch kaufe ich garantiert auch nicht!). Wies aussieht, handelt es sich um schäbigste Parteiintrigen; aber deutsche Politiker und Leitmedien haben sich auf das böse Internet eingeschossen. Wenn sie Erfolg haben, habe ich den Schaden (obwohl ich mich auch dann nicht für Frau W.s Vorleben interessieren werde).

Einen kleinen Erfolg indes kann ich melden. Sucht man jetzt bei Google nach “Dürener Förderstipendium“, findet man auch die Lyrik.**

*) Wer sich interessiert: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/sascha-lobo-das-internet-ist-nicht-schuld-a-853752.html / http://www.cicero.de/berliner-republik/sascha-lobo-angst-vorm-netz-ist-nicht-voellig-unberechtigt/48173?seite=2***

**) Daß man Interessengruppen und Großkonzernen auf die Finger schauen muß, also auch Google, steht auf einem andern Blatt. Ich bezweifle nur, daß Wulff und Spiegel meinen Interessen dienen.

***) Ob sich auch der Herr teure Anwälte leisten kann, weiß ich nicht. Jedenfalls steht es jetzt bei Google. Aber da steht vieles. Glaube nicht alles, was du auf Papier oder virtuell lesen kannst, ist doch klar.

14. Google denkt mit

Wenn ich den Hegel, Schelling und Hölderlin gemeinsam zugeschriebenen Text “Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus” bei Zeno.org aufschlage, empfehlen sie mir prompt Rat und Erste Hilfe mit einem Gegengift:

Frank, Manfred: Auswege aus dem deutschen Idealismus, Suhrkamp 2007.

Vielleicht schade, daß es das zu Hölderlins Zeit noch nicht gab – was wär ihm erspart geblieben?

100. Tech-Gedicht

Im Internet tummeln sich so einige interessante Leute. So auch der Twitter-User Tom Flemming aka tfleming223, der scheinbar ein paar neue Informationen zum kommenden Google Nexus Prime ergattern konnte und diese auf seine doch recht eigene Art mit der Außenwelt teilt. Kernaussage seiner Mitteilung ist, dass das Google Nexus Prime aller Voraussicht nach am 3. November bei Verizon in Amerika erscheinen wird.

… Es ist vor allem die Darbietungsform, die sich von der Masse an Mitteilungen abhebt. Denn um seine Informationen mit seinen Mitmenschen zu teilen, schrieb tfleming223 ein doch recht kryptisches Gedicht, in das seine Informationen verpackt wurden. Damit aber nicht genug, denn der Nutzer verfolgte auch gleich noch das Ziel, seine Twitter-Leserschaft zu vermehren. Aus diesem Grund kündigte er an, das er weitere Stücke des Rätselgedichts erst veröffentlichen würde, wenn 1000 Leute ihm via Twitter folgen würden.

(…) Ich bin wirklich gespannt, wie viel an diesem Gedicht dran ist.

Hier auch der Anfang des Tech-Gedichts im Wortlaut.

27. Brüllend und das Maul voll Suff

Beim Stichwort Poesiealbum ist Google noch westdeutsch-rückständig und listet seitenweise die so genannten 19.-Jahrhundert-Alben, die es auch im 21. noch gibt. (In meiner Kindheit nannte man sie Pohsie, leider hatten sie nur Mädchen). Seit 1967 aber hat das Wort durch Bernd Jentzsch eine neue Bedeutung angenommen. Das ist nun mehr als 40 Jahre her, man sollte es mal registrieren. (Wikipedia ist da aktueller. Das kommt, weil da noch Menschen arbeiten!)

Poesiealbum war und ist ein Heft mit 32 Seiten Gedichte neuer und alter, deutscher und Weltlyrik. Bald nähert es sich der Zahl 300 – 300 Dichter sind schon eine stolze Sammlung. Wer so alt ist wie ich, kann sie alle haben (ich habe als Schüler mit Nummer 1 begonnen). Der Preis von 90 Pfennig von 1967 bis Anfang 1990 machte das Sammeln leicht. Im Wendefrühjahr wurden sie teurer, aber es half nicht, die Reihe ging ein. Seit 2007 gibt es sie wieder. Wer nicht so alt ist, könnte immer noch alle Hefte ab Wiedererscheinen 2007 sammeln, auch das wird mal eine Sammlung. Mit Namen wie Peter Huchel, Ezra Pound, Ernst Jandl, Seamus Heaney, Wolfgang Hilbig, Boris Pasternak oder Inger Christensen sitzt man immer noch in der ersten Reihe. (Nur schade, daß in die illustre Reihe noch nicht wieder wie “früher” Neulinge aufgenommen werden. Vielleicht kommts ja wieder! Es würde die Reihe abrunden und auch für junge Schreiber und Leser noch interessanter machen. Pietraß, was ist?))

Auch Lavant-Einsteiger kommen auf ihre Kosten. 2010 bekam sie ihr Heft mit der Nummer 289. Magische und böse Zeilen kann man dort lesen: “Nicht rosenrot, nicht himmelblau, / ich bin für Schwefelfarben!” “Gott, sag das nicht nach,/ sag keins der lauen Worte dieser Frommen!/ Ich will ja nicht in ihren Himmel kommen!” “Wenn sie mich zu einem Bündel schnüren,/ bis die Hände nimmermehr sich rühren,/ und die ganze Wut im Mund gesammelt/ nichts als ausweglose Flüche stammelt/ rundherum um deinen hohen Namen.” “Hau jetzt ab samt deiner Nüchternheit!/ Dieses Schiff wird nie verständig werden –/ melde oben bei dem Bootsverleiher,/ daß wir brüllend und das Maul voll Suff/ seine Sterne aus der Hölle holen.” Rimbaud redivivus!

Poesiealbum kostet 4 Euro und ist in guten Buchhandlungen oder beim Verlag erhältlich. www.poesiealbum-online.de

40. Anzeigen

Martina Hefter? Google hilft:

  1. Hefter bei Ra##packViele Hefter für Ihre Werkstatt -
    Jetzt bestellen & bis -10% sichern!

  2. Martina Hefter

    Martina Hefter
    Finden Sie den besten Preis!

    SparDeinGeld.de/Martina+Hefter
  3. Martina Hefter

    Martina Hefter
    Unschlagbar günstige Preise finden.

    Shopzilla.de/Martina+Hefter

Wem das immer noch nicht reicht, ein weiterer Tip:

Martina Hefter: Nach den Diskotheken. Gedichte. Kookbooks 2010, 79 S., 19,90 Euro

87. Flarf

Auf der Suche nach Google-Kunst und ihren Folgen trifft man zunächst auf ein einziges Wort. Es ist ein komisches Wort – Flarf. Heißt nichts, bedeutet nichts, klingt aber irgendwie flauschig. Flarf. In Deutschland ist Flarf gar nicht weiter bekannt, in den Vereinigten Staaten schon. Da gibt es ein ganzes Flarf-Kollektiv, und es dichtet, meistens mit Hilfe von Google. Vor zehn Jahren kam der New Yorker Comiczeichner und Gelegenheitsdichter Gary Sullivan auf die Idee, das hoffentlich schlechteste Gedicht der Welt bei einem Literaturwettbewerb der Seite poetry.com einzureichen. Es hieß „Mm-hmm“.

Er gewann, Flarf war geboren. Von nun an ging es ihm darum, möglichst lustige, politisch inkorrekte, subversive, unflätige, anzügliche – irgendwie jedenfalls unpassende Gedichte zu schreiben. Die Clique seiner Dichterkollegen in New York hielt das für eine zeitgemäße Idee (es war die Bush-Ära) und schloss sich an. Wer von ihnen auf den Namen „Flarf“ kam, weiß Sullivan nicht mehr, aber er definiert es folgendermaßen: „Flarf besitzt die Eigenschaft des Flarfigen.“ Im März 2001 richten sich die Flarfisten eine Mailingliste ein und beginnen, Gedichte hin und her zu schicken, die aus Versatzstücken von Google-Suchergebnissen bestehen. (…)

Ist Flarf mehr Genie oder bloße Kopie? K. Silem Mohammad sollte zur Beantwortung dieser Frage etwas beitragen können. Er gehört ebenfalls zum Flarf-Kollektiv und ist der Inbegriff des gelehrten Dichters. Mohammad unterrichtet Literatur an der Southern Oregon University, das merkt man. Seine Flarf-Texte sind voller Anspielungen auf Gedichte von Milton, Keats oder Wallace Stevens. Ist Flarf denn akademisch? „Alles ist potentiell akademisch.“ Ist Flarf politisch? „Insofern als seine Mitwirkenden Steuern zahlen und wählen, ja.“ Ist das ganze Flarf-Dichten und -Googeln ein großer ironischer Spaß? „Zu 63,7 Prozent ja.“

Diese mitunter böse Ironie kam nach dem 11. September richtig in Mode. Nach einer mehrwöchigen Ruhepause dichtete man aus Google-Ergebnissen zu George Bush und seiner War-on-terror-Rhetorik böse Spottgedichte. Mittlerweile ist aus den Google-Gedichten der Mailingliste eine Anthologie geworden, die im Herbst dieses Jahres auf den Markt kommt. Die einzelnen Dichter selbst haben längst ganze Bücher mit ihren Gedichtvarianten veröffentlicht. Manche betonen, dass Flarf auch ohne Google-Bruchstücke machbar sei, es gehe ja darum, möglichst skurrile, etwas abartige Texte zu schaffen. Letztes Jahr im Sommer widmete das amerikanische „Poetry Magazine“ dem Kollektiv ein „all flarf issue“. Über Flarf wird sogar promoviert.

/ Christiane Reitz, FAZ