Getagged: Friedrich-Hölderlin-Preis Tübingen
82. Quellen
Um der Vernutzung durch Konsum und Verwaltung zu entgehen, verfiel der psychoanalytisch geschulte Dichter zeitweise sogar ins Basteln und Kleben, ins Lallen und Zungensprechen: Kaum eine Quelle, die Zanzotto nicht anzuzapfen verstand. Er dichtete Quasi-Kinderverse. Er besang den Milupa-Brei, zerschnitt Hölderlin-Verse und bediente sich ausgiebig bei Werbebotschaften, um zu jener “Winzlings”-Form zurückzufinden, die funkelnd und flunkernd eine ganze Welt zusammensingt und -reimt: “Schneewittchen Sonnwittchen Nivea / Und schwupp sind die Winzling-linge / Im Supersüßmarkt drinnen …”
Der Träger des Tübinger Hölderlin-Preises 2005 suchte in den Bereichen des Nicht-Wissens und des Unartikulierten, des Anders-Wahren und Halb-Unsinnigen nach poetischem Material. Da ihm die Welt zu leicht verfügbar geworden schien, steuerte er den Mond an. Nur dass die Erde dieser neue Mond hätte werden sollen.
Zanzotto, dessen deutsche Übersetzungen u. a. bei den Verlagen Folio und Urs Engeler Editor greifbar sind, ist 90-jährig in einem Krankenhaus in Conegliano bei Treviso gestorben. / Ronald Pohl, DER STANDARD 19.10.
Mehr: NZZ / Romandie.com (frz.) / Tribune de Genève / buecher.at / Kleine Zeitung / Le Monde /
7. Friedrich-Hölderlin-Preis 2011 für Jan Wagner
Die Universität Tübingen und die Universitätsstadt Tübingen verleihen in diesem Jahr den Friedrich-Hölderlin-Preis an den Lyriker und Übersetzer Jan Wagner (*1971) so das einstimmige Ergebnis der Jurysitzung vom 24. Januar 2011. Der gebürtige Hamburger hat im vergangenen Jahrzehnt neben etlichen Veröffentlichungen in Anthologien und Übersetzungen aus dem Englischen vier eigene Lyrikbände veröffentlicht. Wagner hat in Hamburg, Dublin und Berlin Anglistik studiert und lebt in Berlin. In seiner Tätigkeit als Schriftsteller schreibt er neben Lyrik auch Rezensionen für verschiedene Zeitungen und den Rundfunk und ist außerdem als Übersetzer tätig.
Die sechsköpfige Jury, die aus je zwei Vertretern des Fachbereichs Neuphilologie der Philosophischen Fakultät der Universität Tübingen, des deutschen Literaturarchivs Marbach und der Hölderlin-Gesellschaft besteht, würdigt mit ihrer Wahl Wagners lyrisches Schaffen, das sich durch eine große Vielfalt der Formensprache auszeichnet und künstlerische Virtuosität wie beiläufig darbietet. Die Jury hebt weiter hervor, dass der Lyriker in jedem seiner bisher erschienenen Gedichtbände neue Felder lyrischen Sprechens erschlossen habe. Darüber hinaus würdigt sie ihn mit dem Preis auch als Übersetzer zeitgenössischer anglo-amerikanischer und anglo-irischer Lyrik.
Der mit 10.000 Euro dotierte Friedrich-Hölderlin-Preis wird seit 1989 alle zwei Jahre verliehen. Die Preisverleihung findet traditionell am 21. Oktober statt, dem Tag des Einzugs von Friedrich Hölderlin ins Tübinger Evangelische Stift. Die Laudatio hält der Lyriker, Publizist und Literaturwissenschaftler Professor Harald Hartung.
Mit dem Preis sollen gemäß der Satzung Persönlichkeiten ausgezeichnet werden, „die einen neuen dichterischen Beitrag zur deutschen Sprache geleistet“ haben oder „als Forscher, Schriftsteller, Künstler oder Kritiker dem Werk Friedrich Hölderlins besonders verbunden“ sind.
Bisherige Preisträger:
2009 D. E. Sattler
2007 Harald Bergmann
2005 Andrea Zanzotto
2003 Marcel Beyer
2001 György Kurtág
1999 Thomas Rosenlöcher
1997 Philippe Jaccottet
1995 Prof. Dr. Dieter Henrich
1993 Uwe Kolbe
1991 Michael Hamburger, Litt.D. (h.c.)
1989 Theater Lindenhof Melchingen
Kontakt:
Krishna-Sara Kneer
Universität Tübingen, Hochschulkommunikation
Wilhelmstraße 5, 72074 Tübingen
+49 7071/29 77757
http://krishna-sara.kneer[at]uni-tuebingen.de
45. Engeler Newsletter
Anna Seghers-Preis an Ulf Stolterfoht: «Florian Höllerer, Leiter des Literaturhauses Stuttgart, hat den 1963 geborenen Lyriker Ulf Stolterfoht für die Auszeichnung mit dem Anna Seghers-Preis 2005 der Anna Seghers-Stiftung vorgeschlagen, weil dieser Autor in seinen Gedichten meisterlich mit der Sprache spielt und auf eine äußerst subtile Weise kritisch unsere Zeit beleuchtet.» Der Preis wird am 19. November 2005 um 19:30 Uhr in Potsdam im Alten Rathaus in einer öffentlichen Veranstaltung verliehen. Stolterfohts dritter Band fachsprachen XIX-XXVII haben wir soeben in einer gebunden Ausgabe neu aufgelegt. In Vorbereitung ist außerdem der lange vergriffene erste Band in einer verbesserten und gleichfalls gebundenen Ausgabe. Damit ist Ulf Stolterfohts fachsprachen-Trilogie wieder komplett lieferbar. Ausserdem ist von Ulf Stolterfoht in diesem Herbst bei Peter Engstler erschienen der traktat vom widergang. Diesem Buch sowie der im Frühling erschienenen Übersetzung von Gertrude Steins Winning His Way / wie man seine art gewinnt widmet sich eine Besprechung durch Gerald Fiebig bei satt.org, der beglückend reichen, hervorragend gemachten Seite für alles, was Klasse hat (nicht nur Bert Papenfuß’ Rumbalotte): Respekt.
Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung an Felix Philipp Ingold: Schon etwas länger her ist, dass Felix Philipp Ingold in diesem Sommer bei den Erlanger Poetentagen für sein übersetzerisches Werk geehrt wurde mit dem Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung. Der Preis steht in Zusammenhang mit dem von Peter Waterhouse an der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel ins Leben gerufenen und seit dem vergangenen Jahr durch die Initiative von Adrian La Salvia auch in Erlangen präsenten Übersetzergespräche. In einem neuen Text, Zum Übersetzen, beschreibt Felix Philipp Ingold die Zusammenhänge zwischen seiner Herkunft und seinem übersetzerischen Werk.
Friedrich-Hölderlin-Preis an Andrea Zanzotto: Am 19. Oktober wurde dem italienischen Autor Andrea Zanzotto, dessen deutsche Werkausgabe Planet Beltà bei Engeler und im feinen Folio Verlag erscheint, in Tübingen der Friedrich-Hölderlin-Preis verliehen: «Die Jury zeichnet damit einen der größten europäischen Dichter der Gegenwart aus, dessen Lyrik dem Werk Hölderlins in besonderer Weise verbunden ist.» Mit Andrea Zanzottos Beziehung zu Friedrich Hölderlin beschäftigt sich dessen Gespräch über Hölderlin mit Giuseppe Bevilacqua sowie die Laudatio von Peter Waterhouse.
Eine Generation wird 50: Am 20. Oktober hat Kurt Aebli seinen 50. Geburtstag gefeiert. Er ist der erste einer ganzen Reihe von Engeler-Autoren, die in diesem und im folgenden Jahr 50 werden: es stehen die runden Geburtstage von Michael Donhauser, Birgit Kempker, Bert Papenfuß, Thomas Schestag und Peter Waterhouse an. Mehr dazu dann in den nächsten Newsletter.