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35. Dichterfrühling in Luxemburg

Printemps des Poètes / Dichterfrühling in Luxemburg

12. bis 14. April 2013
Mit: Nanni Balestrini (Italien), Franzobel (Österreich), Emilian Galaicu-Păun (Moldawien), Stan Lafleur (Deutschland), Ester Naomi Perquin (Niederlande), Jacek Podsiadło (Polen), Jean Portante (Luxemburg), Lionel Ray (Frankreich), Josep-Maria Sala-Valldaura (Katalonien), David Teles Pereira (Portugal), Raphael Urweider (Schweiz) und Antoine Wauters (Belgien). / Mehr

27. Forum Stadtpark

Im Dezember erschien die Anthologie “extrakt” mit allen Forum-Stadtpark-Autorinn+en, die zwischen 2010 und 2012 im Forum zu Gast waren. — mit Lilly Jäckl, Gerhild Steinbuch, Jörg Piringer, Markus Berger, Blazin Tommy Productions, Ilse Kilic, Barbi Markovic, Gerhard Rühm, TextTotal, Margret Kreidl, Helmut Schranz, Robert Prosser, Elisabeth Hödl, Gundi Feyrer, Daniel Wisser, elffriede i.a., Florian Neuner, Clemens Schittko, Petra Coronato, Sylvia Egger, Hansjörg Zauner, Carola Göllner, Bernd Volkert, Stefan Schmitzer, Sarah Foetschl, Evelyn Schalk, Ulrich Schlotmann, D. Holland-Moritz, Bernhard Saupe, K. Silem Mohammad, Stefan Schweiger, Christoph Szalay, Franzobel, Ferdinand Schmatz, Max Höfler, Crauss, Stefanie Sargnagel, Enno Stahl, Bert Papenfuß, Karl Rauschenbach, Ann Cotten, Ulrich Holbein, Sophie Reyer, Alexander Micheuz, Heike Fiedler, Johannes Schrettle, Valeri Scherstjanoi, Markus Köhle, Zuzana Husarova, Ralf B. Korte, Uwe Warnke und Brigitta Falkner.

32. Vater und Tochter

Erinnert sich noch jemand an Franzobel? Der hielt einmal eine Laudatio auf die Tochter Nora, und da er vor Annahme des Auftrags nichts von ihr gelesen hatte fiel ihm nicht viel ein und er lobte die Tochter indem er in ihrer Gegenwart den Vater als Avantgarde von vorgestern schmähte. In Basel konnte man jetzt beide zusammen hören:

Bei den Worten Lyrik und Poesie glauben die meisten, den vermeintlichen, über die Jahre angesetzten Staub schon beim Aussprechen auf der Zunge zu schmecken. Wer jedoch am Donnerstagabend den Gang durch die Frühwinterkälte ins Literaturhaus gewagt hat, wurde eines Besseren belehrt. Dort bot sich eine der seltenen Gelegenheiten, Nora Gomringer, die vielfach preisgekrönte Lyrikerin, Slammerin und Performerin in einer gemeinsamen Lesung mit ihrem Vater Eugen, dem Begründer der konkreten Poesie, zu hören. Oder vielmehr: zu erleben. Denn wenn die Gomringers anreisen, um «etwas mit der Sprache» zu «machen», wie es in einem von Noras Texten heisst, darf gelacht, gestaunt, dazwischengerufen oder auch einfach mal berührt innegehalten und geschwiegen werden.

Kurz vor der Lesung erst hatten Vater und Tochter an einem Tisch im Café den groben Ablauf der Lesung abgesteckt, und so blieb denn auch der ganze Abend erfrischend beweglich und überraschend, sowohl für das Publikum, als auch einstweilen für die Lesenden selbst. Die beiden interagierten humorvoll, tauschten Blätterstapel und amüsante innerfamiliäre Alltäglichkeiten aus, manchmal schien es, als höre der Vater einen Text seiner Tochter zum ersten Mal, oder zum ersten Mal seit langem wieder, woraus sich dann eine spontane Diskussion ergab. Mal las die Tochter einen Vatertext, mal der Vater einen Tochtertext, mal verschwand ein Blatt ganz ungelesen wieder in der Tasche und ein anderes fand stattdessen seinen Weg auf den Tisch. / Tageswoche

103. Laudatio auf die Lyrikerin und diesjährige Ringelnatz-Preis-Trägerin Nora Gomringer

Von Franzobel

Ich gestehe, ich hatte Bedenken gegen diese Laudatio, zu der ich mich breitschlagen ließ, ohne auch nur eine Zeile von Nora Gomringer gelesen zu haben. Ich hatte auch Bammel vor der Lektüre dieser jungen Lyrikerin, weil die alten Herren des Literaturbetriebs in ihrer Gier nach Frische oftmals junge Lyrikerinnen auf den Parnass stemmen, um sie, berauscht vom jungen Blut und den davon aufgewirbelten Fantasien, abzufeiern.

Auch hatte ich Skrupel, eine Laudatio auf eine Lyrikerin zu halten, da ich der Lyrik zusehends skeptischer gegenüberstehe. …

Auch die Lyrik hat sich mit der klassischen Moderne selbst einen Fuß abgeschnitten und sichergestellt, dass er nicht mehr angenäht werden kann. Seit sie Metrik, Versmaß und Strophenform aufgegeben hat, hatscht sie dahin und kommt kaum noch zu ihrem Publikum. Und dem nicht genug, kam in den 1950er-Jahren auch noch die Konkrete Poesie, deren Hauptvertreter justament der Vater der heute Auszulobenden ist, um mit der Beseitigung des lyrischen Ichs auch noch das verbliebene Standbein abzuhacken. Auch wenn sich daran längst nicht alle Gedichteschreiber halten, ist es, als würde die Lyrik in einem Rollstuhl sitzen und nur noch von ein paar Unentwegten angeschoben werden. Damit das aber keiner sieht, baut der Literaturbetrieb eine hohe Hermeneutikmauer, hinter der dann Ginster, Hortensien, Levkojen und wie das bei Literaturbetriebsdichtern so beliebte Zeug heißt, ungehindert, nämlich ohne durch breittretende Blicke der Masse gestört zu werden, sprießen können. / Mehr in der Art im Standard

83. Zeitgemäße Nachfolgerin

Die Kulturabteilung der Cuxhavener Verwaltung schreibt:

Die Jury Mitglieder sind folgende:

Prof. Dr. Frank Möbus (Uni Göttingen)
Prof. Dr. Sabine Doering (Uni Oldenburg)
Prof. Dr. Hermann Korte ( Uni Siegen)
Winfried Stephan, Diogenes Verlag, Schweiz

Als beratende Mitglieder sind dabei:
Frau Erika Fischer (stellv. Kulturausschussvorsitzende/ ehrenamtl. Bürgermeisterin Cuxhaven)
Stellv. der Stadt Cuxhaven, zumeist Frau Dr. Anne Frühauf
Stellvertreter der Stadtsparkasse Cuxhaven.

Die Jury hat sich in diesem Jahr für Nora Gomringer ausgesprochen:

“Sie schenkt uns das Glück
über federleicht schwere Verse zu staunen,
deren auch ganz leise Töne sehr weit reichen.
Ihr Publikum wundert sich, lacht, weint und erschrickt.
Was aber bleibt, das ist reine Freude an der Kraft der Poesie.”

In den Cuxhavener Nachrichten schreibt Jens Potschka:

Ein Höhepunkt der Preisverleihung war im wahrsten Sinne des Wortes die Laudatio des Wiener Literaten Franzobel auf Nora Gomringer, [sic] Nachdem er sich mit dem Frühwerk der dasmals 20-Jährigen beschäftigt hatte, stieß er auf Texte aus dem Jahre 2006. “Plötzlich scheint Nora Gomringer ein Knopf aufgegangen zu sein, als hätte sie sich freigemacht vom schweren frugalen Erbe ihres Vaters, als wäre sie aufgesprungen aus dem Rollstuhl und hätte gemerkt, wie gut ihre Wörterfüße tragen. Sie hat wohl die wesentliche Erfahrung gemacht, dass sich ein Text auf einer Bühne viel schwerer behaupten lässt als auf einem Blatt Papier”, so Franzobel, der “Der Gomringer” im Anschluss bescheinigte: “Zugänglichkeit, Einfachheit und Witz ihrer Gedichte machen Nora Gomringer nicht nur zu einer äußerst würdigen Ringelnatz-Preisträgerin, sondern auch zu einer zeitgemäßen Nachfolgerin dieses Großmeisters der kleinen Form.”

78. Verjüngungskur für Ringelnatzpreis

Eine Verjüngungskur haben die Verantwortlichen dem Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik verpasst. Mit der vor Energie nur so sprühenden, sympathischen Preisträgerin Nora Gomringer (32) wurde am Sonnabend im Stadttheater die bisher jüngste Preisträgerin ausgezeichnet. Den Nachwuchspreis erhielt der von Nora Gomringer ausgewählte Dichterkollege José F. A. Oliver.

Die Laudatio auf Nora Gomringer hielt der Wiener Schriftsteller und Ingeborg-Bachmann-Preisträger Franzobel. Gomringer fand lobende Worte für ihren aus Andalusien stammenden Kollegen.

Mit dem Joachim-Ringelnatz- Preis für Lyrik der Stadt Cuxhaven werden seit 2002 im zweijährigen Turnus Dichterinnen und Dichter ausgezeichnet, die einen bedeutenden, künstlerischen Beitrag zur deutschsprachigen Gegenwartslyrik geliefert haben. / Cuxhavener Nachrichten

Für die Jury zählt Gomringer zu den besten Lyrikerinnen des 20.und 21.Jahrhunderts.

Das gelte vor allem wegen ihres Auschwitz-Gedichtes “Und es war ein Tag”. / Saartext

117. Experimentelle Literatur in Österreich

So legitim also ein experimenteller Ansatz auch ist, wirtschaftlich gesehen erscheint er kaum mehr lukrativ. Publikumsverlage könnten sich eine solche Leidenschaft nicht leisten, nur zu schnell stünden sie vor dem Aus. Anders aber ist die Situation in Österreich, wo selbst zu Haiders Zeiten noch eine beispiellose Verlagsförderung von Seiten der Regierung betrieben wurde. Hier, wo die experimentelle Schreibweise traditionell stark ist, können Autoren und Verlage dieser Leidenschaft nachgehen, ohne gleich in ihrer Existenz bedroht zu sein.

Einer dieser Verlage ist der Klagenfurter Ritter Verlag, der seit vielen Jahren anti-konventionelle Text- und Kunstbücher vertreibt.

Wie kann man eine solche puristische Ausrichtung finanziell überhaupt durchhalten?

“Es gibt in Österreich eben andere Rahmenbedingungen für kleine Privatverlage als in Deutschland. Seit 20 Jahren gibt es eine einigermaßen funktionierende Verlagsförderung, die im marktfernen Raum sich einige Verlage hat etablieren lassen, die als primäres Ziel haben, die Literatur voranzutreiben und nicht nur ihre Autoren auf irgendwelche Shortlists zu bringen.”

/ Enno Stahl fragte Paul Pechmann vom Klagenfurter Ritter Verlag, dlf büchermarkt

  • Wolfgang Bauer: “Der Geist von San Francisco”. Verstreut publizierte u. nachgelassene Texte, 360 Seiten, 23,90 Euro.
  • Gundi Feyrer: “Die Trinkerin oder Mein Leben und ich”. 200 Seiten, 18,90 Euro.
  • Franzobel: “Die Seemannsbraut oder Undines Rettung”. 100 Seiten, 13,90 Euro
  • Ilse Kilic: “Buch über viel”. 159 Seiten, 13,90 Euro
  • Francis Ponge: “Der Tisch”. 100 Seiten, 13,90 Euro
  • Gerhard Rühm: “lügen über lander und leute”. 123 Seiten, 13,90 Euro

75. Platz für Lyrik

Ob es zu Goethes Zeiten schon so war, ich weiß nicht. Christian Felix Weiße, Steuereinnehmer und Lyriker,  war ein Star mittleren Alters, den der Student eher verachtete, obwohl er selber so unendlich besser noch nicht war. Er hat ja auch das meiste verbrannt – als er soweit war, war er nicht mehr in der Pleißestadt.

Heute ist Leipzig ein gutes Pflaster für die Literatur und, was mich hier interessiert, ein hervorragender Platz für Lyrik. Nicht nur leben hier viele Lyriker, manche nur ein paar Jahre und manche länger – es kommt auch viel Publikum. Im Trubel der lärmenden Messehallen nicht immer mit voller Platzauslastung, aber ich habe keine Lesung gefunden, die ohne Publikum auskommen mußte trotz des Überangebots (das Programm ist 467 Seiten stark). Gestern 16:00 bis 16:30 lasen Artur Punte und Sergej Timojejev von der lettischen Poetengruppe ORBITA ihre russischen Gedichte, danach wechselte ich ein paar Stände weiter, wo schon seit 16:00 drei Autoren unter der Rubrik “Kleine Sprachen – Große Literaturen” lasen, Serhij Zhadan aus der Ukraine hatte ich verpaßt, als ich kam, las gerade der Litauer Sigitas Parulskis und dann der Schweizer und Engelerartist Arno Camenisch, dieser zweisprachig Surselvisch und Deutsch. Zum Schluß gabs noch eine furiose Soundzugabe aller drei Dichter in den Originalsprachen ohne Übersetzung, aber ein Ereignis!

Eine ähnliche Überlagerung hatte ich schon am Donnerstag erlebt. Ich hörte junge Lyrik aus Ungarn – es lasen András Gerevich und Attila Végh eine Probe im Original, dann eine junge Frau mit zu dünner Stimme Übersetzungen, die nicht sehr markant klangen im lauten Hintergrundrauschen um das “Café Europa”. Dann aus der Nähe sehr lauter Applaus und dann in einer fremden Sprache sehr laut und klangvoll ein Mann, die Moderatorin kommentierte, irgendein politischer Appell störe die Lyriklesung, die “Störung” dauerte an und schwächte die Aufmerksamkeit für die Ungarn, die nach der politischen Situation in ihrer Heimat ausgefragt wurden. Ich sah später nach, die Störung kam kam aus dem Buchmesseschwerpunkt “Tranzyt” und hier speziell von einer Lesung zweier weißrussischer Dichter, Volha Hapejeva und – vermutlich der Herr mit der durchdringenden Stimme – Zmicer Vishniou. Da hatte ich mich falsch entschieden und dennoch eine akustische Kostprobe bekommen.

Entscheiden, ob richtig oder falsch, muß man sich hier ständig. Als ich im English Room zweisprachig Texte von Peter Gizzi, H.D. und George Oppen hörte, verpaßte ich, nur einige Namen zu nennen, Thomas Böhme und Tom Bresemann, Georg Klein und Andreas Reimann, Wladimir Kaminer, Jan Skudlarek, Christian Kracht, Franzobel, Wiglaf Droste, Marcel Beyer, Ralph Dutli und und und. Gestern nachmittag hörte ich Chirikure Chirikure aus Simbabwe, der Englisch und auch einmal Schona las und sich in phonetischem Deutsch probierte. Im fliegenden Wechsel dort bei arte in der Glashalle traf ich meinen Freund Alex, der tschechische Autoren gehört hatte und zur nächsten Lesung weiterflog.

Am Abend fuhr ich in den quirligen, offenbar noch nicht von Gentrifizierung bedrohten Süden, nach Plagwitz, wo das junge Leben pulsiert und auch das der Lyrik. Im Abstand von 150 Metern zwei attraktive Veranstaltungsorte, zwischen denen nicht nur ich pendelte, ein Stempel auf der Hand machts möglich. Bis nach Mitternacht konnte man im Lindenfels Westflügel “UV – die Lesung der unabhängigen Verlage” genießen, zu Beginn lasen unten im “Café” Lydia Daher, Norbert Lange und Monika Rinck aus ihren neuen Büchern, während gleichzeitig oben im “Saal” DDR-Altstar Werner Heiduczek sowie Peter Wawerzinek und Karsten Krampitz zu hören waren. Beide Räume waren voller Zuhörer, und auch das dort ausgeschenkte “Industriebier” ist empfehlenswert. Unter vielen weiteren Autoren nenne ich nur Enno Stahl und Thomas Meyer. Ein Stück weiter die Lyrikbuchhandlung mit attraktivem Buchangebot zahlreicher Lyrikverlage – keine Buchhandlung kann sich damit messen, der Verkäufer empfahl, nicht zu viel Bargeld mitzubringen, womöglich hatte er recht. Auch dort drängte sich das junge Publikum bei Bertram Reinecke und Dagmara Kraus. Leipzig bildet seine Leute immer noch – auch seine Lyriker und Lyrikleser, q.e.d.

119. Presseerklärung zum Ringelnatzpreis

Der Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik geht in diesem Jahr an Nora Gomringer.

José F. A. Oliver erhält den Nachwuchspreis. Die Preise werden am 21. April 2012 bei einem Festakt im Stadttheater Cuxhaven verliehen. Die Laudatio auf Nora Gomringer wird der Wiener Schriftsteller und Ingeborg-Bachmann-Preisträger Franzobel sprechen. Die Laudatio auf José F. A. Oliver hält Nora Gomringer.

„Nora Gomringer schenkt uns das Glück, über federleicht schwere Verse zu staunen, deren auch ganz leise Töne sehr weit reichen. Ihr Publikum wundert sich, lacht, weint und erschrickt. Was aber bleibt, das ist reine Freude an der Kraft der Poesie“. Mit diesen Worten begründet die Jury ihre Entscheidung, Nora Gomringer mit dem Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik 2012 zu ehren.

Nach den Vorgaben des Preises hat der Preisträger das Recht, einen Nachwuchspreis zu verleihen. Nora Gomringer sprach sich für José F. A. Oliver aus, „weil seine Texte ungläubig staunen lassen, sind sie doch uneitel dicht-gepackt mit Sprachfreude und Lebensklugheit“.

Mit dem Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik der Stadt Cuxhaven werden seit 2002 im zweijährigen Turnus Dichterinnen und Dichter ausgezeichnet, die einen bedeutenden, künstlerischen Beitrag zur deutschsprachigen Gegenwartslyrik geliefert haben. Preisträger/innen des Joachim-Ringelnatz-Preises waren bisher Peter Rühmkorf, Robert Gernhardt, Wolf Biermann, Barbara Köhler und Wulf Kirsten.

Eine Jury aus renommierten Lyrikfachleuten bestimmt den/die Preisträger/in. Dieser Jury gehören an: Professorin Dr. Sabine Doering (Literaturwissenschaftlerin, Oldenburg), Professor Dr. Hermann Korte (Literaturwissenschaftler, Siegen) und Winfried Stephan (Direktor und Vertreter des Verlegers beim Diogenes Verlag, Zürich) an; Vorsitzender und Sprecher der Jury ist apl. Professor Dr. Frank Möbus (Literaturwissenschaftler, Göttingen). Der Preisträger selbst darf den Nachwuchspreisträger bestimmen.

Mit einem Preisgeld von 15.000 Euro, gestiftet von der Stadtsparkasse Cuxhaven, zählt der Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Preis übrigens zu den höchstdotierten Lyrikpreisen im deutschsprachigen Raum. 5000 Euro, gestiftet von der VGH-Versicherungsgruppe, beträgt das Preisgeld für den Nachwuchspreis.

Dank der großzügigen Unterstützung des DIOGENES-Verlags Zürich konnte das Buch „Alte Liebe“, Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik der Stadt Cuxhaven, Reden und Laudationes von Frank Möbus herausgegeben werden. Gelegentlich der Bekanntgabe der diesjährigen Preisträger wird das Buch, das die Reden und Laudationes der Preisvergaben der Jahre 2002 bis 2010 dokumentiert vorgestellt. Es enthält die Worte von Heinz Ludwig Arnold, Peter Rühmkorf, Alexander Nitzberg, Robert Gernhardt, Roger Willemsen, Thomas Gsella, Wolf Biermann, Fritz Pleitgen, André Schinkel, Barbara Sichtermann, Barbara Köhler, Bernhard Vogel, Wulf Kirsten und Christian Rosenau

Das Buch ist im Joachim-Ringelnatz-Museum ( ISBN 978-3-00-035585-I ) erhältlich. Die Erlöse aus dem Buchverkauf sind für das Museum bestimmt.

Cuxhaven, wo Joachim Ringelnatz (eigentlich Hans Bötticher) während des Ersten Weltkrieges bei der Marine stationiert war und wo er sein berühmtes Pseudonym „Ringelnatz“ (Seepferdchen) erfand, fühlt sich dem Andenken des Dichters besonders verpflichtet. In Cuxhaven befinden sich das weltweit einzige Joachim-Ringelnatz-Museum sowie der Geschäftssitz der Joachim-Ringelnatz-Stiftung, die sich der Pflege von Werk und Nachlass des Dichters und auch Malers Joachim Ringelnatz widmen.

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14. Garstig Lied

Liebe Freunde und Kollegen,
bei unserer kommenden LYRIKOASE 2011 steht nicht allein die Lyrik im Rampenlicht, sondern die Lyrik in Verbindung mit Musik. Es geht am 7. Juni um das Lied, genauer gesagt um das politische Lied und seinen Stand heute. Zu diesem sicherlich spannenden Abend möchten wir Dich/Sie herzlich einladen:

Di, 07. Juni 2011, 19.00 Uhr, Bayerische Akademie der Schönen Künste
Das 11. ADEvantgarde-Festival und die LYRIKOASE präsentieren:

EIN GARSTIG LIED! PFUI!
Neue politische Lieder
Uraufführungen: Leopold Hurt, Sergey Khismatov, Stefan Schulzki, Alexander Strauch
Neue Texte: Norbert Niemann, Alexander Nitzberg, Andreas Schimkus
Und weitere Werke von Moritz Eggert, Hanns Eisler, Rudi Spring, Kurt Weill nach Texten von Ingeborg Bachmann, Bert Brecht, Franzobel, Kurt Tucholsky, Konstantin Wecker
Eintritt frei

„Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“, schleuderten Bert Brecht und Kurt Weill einst in ihrer Dreigroschenoper der satten Bourgeoisie entgegen. Ein bis heute unvergessener Satz, der nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat und gerne und oft zitiert wird. Doch wie steht es mit dem aktuellen politischen Lied – gibt es ihn noch, den garstigen Gassenhauer? Oder steht dessen notwendige Schlichtheit in unbedingtem Gegensatz zu den Maßstäben sowohl der zeitgenössischen Dichtung als auch der Musik?

Die LYRIKOASE und ADEvantgarde haben Autoren und Komponisten angeregt neue politische Lieder zu schreiben. Von der Lyrikoase beauftragt wurden der Schriftsteller Norbert Niemann und der Dichter Alexander Nitzberg, deren höchst unterschiedliche Gedichte vertont wurden vom jungen Münchner Komponisten Stefan Schulzki und seinem russischen Kollegen Sergey Khismatov. Diese und viele weiter politische Lieder gibt es bei freiem Eintritt in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste zu hören!

Über Dein/Ihr Kommen würden wir uns sehr freuen!

Das Team von der LYRIKOASE
Karin Fellner, Andrea Heuser, Berkan Karpat und Simone Lutz