Getagged: Franz Josef Degenhardt

71. Einseitiger Frieden

Am Montag starb Franz Josef Degenhardt in einem Land, das längst einen einseitigen Frieden mit ihm geschlossen hatte. Die linke Verblüffung über die schlichte Zahl der Nachrufe, die von der WELT bis zur F.A.Z. beinahe überall erscheinen, verweist nicht nur auf Rundfunk-Sendeverbote und den SPD-Ausschluss des Kommunisten. Es ist der Hass des kleinen Deutschen – von Degenhardt nicht ohne Stolz in der »Großen Schimpflitanei« nachgesungen – der aufmerken lässt.

Degenhardt hat die bürgerlichen Phantasiewelten des Wirtschaftswunders vermutlich nachhaltiger zerstört als irgendein anderer Künstler – in der Sprache schauderhafter Poesie, nicht des empörten Parolengekeifes! Das gilt besonders für den »Deutschen Sonntag«, aber auch für den eigentlichen Hit des Liedermachers: »Spiel nicht mit den Schmuddelkindern«. Heute nimmt ihm das niemand mehr übel, der bösartige Zynismus ist schließlich künstlerischer Beweis neudeutscher Selbstkritik geworden – selbst Degenhardts eindeutige Parteinahme für Kommunismus, Sowjetunion und  DKP verbleiben als streitbares skurriles Detail am Rande. / Beatpunk

65. Der große Bruder Franz Villon

Manche mögen nur den einen und verachten den andern, oder umgekehrt. Manche hassen beide. Ich liebe beide, so wie beide Brecht und Villon liebten. Wie auch sonst. Biermann, Villon und Degenhardt müssen es mit mir aushalten. Der eine ist gestern gestorben, der andere feierte heute seinen 75. Geburtstag. Hier ihrer beider Villon.

Franz Josef Degenhardt: Große Schimpflitanei

Wolf Biermann: Ballade auf den Dichter François Villon

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61. Franz Josef Degenhardt gestorben

Der Liedermacher und Schriftsteller Franz Josef Degenhardt ist am Montag im Alter von 79 Jahren am Wohnort der Familie in Quickborn (Schleswig-Holstein) gestorben. Dies bestätigte seine Familie am Montagabend mehreren Nachrichtenagenturen. …

Degenhardt etablierte sich in der Folge zu einem der bekanntesten Liedermacher der linken Bewegung in der alten Bundesrepublik. Zu Degenhardts Vorbildern zählten François Villon, Georges Brassens, Kurt Tucholsky und Bertolt Brecht. Der Künstler publizierte rund 30 Alben und mehrere Textbücher. Außerdem verfasste er sieben Romane, darunter die 1975 erschienenen „Brandstellen“. / FAZ