Getagged: Erwin Strittmatter

117. Schriftstellerorte

Etliche Dichter und Schriftsteller des 20. Jahrhunderts waren fasziniert von den wald- und wasserreichen Landschaften Brandenburgs und suchten sich dort ihre Refugien – in Dörfern, Kurorten, Villenkolonien.

Als Freizeitsitz oder fürs ganze Leben. 16 dieser Autoren stellt Edda Gutsche in ihrem soeben erschienen Buch über Schriftstellerorte in Brandenburg vor. Darunter auch Bertolt Brecht in seiner „Eisernen Villa“ in Buckow in der Märkischen Schweiz, Einsiedler Franz Fühmann in seiner Waldhütte bei Märkisch Buchholz, Peter Hacks auf seinem burgähnlichen Landsitz bei Mittenwalde, Eva Strittmatter in Schulzenhof im Ruppiner Land, wo sie seit 1954 zusammen mit Erwin Strittmatter lebte und Verse auch aus der Stille schöpfte. Oder der Erfinder der „Heiden von Kummerow“, Ehm Welk. An seinem Geburtshaus in Biesenbrow steht einer von Welks Sinnsprüchen: „Heimat ist nicht immer dort, wo wir zur Welt kommen – Heimat ist, wo wir lieben.“ / Christoph Stollowsky, Tagesspiegel

„Ich musste auf’s Land, das war mir klar ….“, Schriftstellerorte in Brandenburg von Edda Gutsche, vbb-Verlag, 19.95 Euro.

16. Mein Freund Strittmatter

Peter Jokostra erhielt für Lyrikpublikationen den Kulturpreis des DDR-Ministeriums – und floh später in die Bundesrepublik. Ein Briefwechsel mit Erwin Strittmatter endete im Zerwürfnis.

Die Wandlung des früheren Wegbegleiters erschien ihm offenbar unheimlich. In seinem Gedicht “Symptome” schrieb Peter Jokostra: “Mein Freund / der seine Fensterläden selbst strich / sitzt nun im Zentralkomitee / und trägt einen Smoking / mit seidener Krawatte.” / Lausitzer Rundschau

35. Beisetzung

Die verstorbene Schriftstellerin Eva Strittmatter wird heute auf dem Friedhof im brandenburgischen Schulzenhof beigesetzt. Sie wird an der Seite ihres 1994 verstorbenen Ehemanns Erwin Strittmatter beerdigt. …

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck würdigte sie als “unverwechselbare Stimme” der deutschen Literatur. “Unser Land Brandenburg kann sich glücklich schätzen, dass diese große Künstlerin hier gelebt und gearbeitet hat”, sagte Platzeck. Ihre Lyrik werde auch über ihren Tod hinaus eine treue Leserschaft haben. / Freie Presse

58. Im Schatten

Zu den gut besuchten Veranstaltungen der Brandenburgischen Frauenwoche gehörte auch die Lesung von Irmtraud Gutschke, die am Dienstagabend in der Stadt- und Landesbibliothek aus ihrem 220 Seiten starken biografischen Interviewbuch „Eva Strittmatter – Leib und Leben“ las. … Gutschke erzählte eine Episode über die Folgen einer allzu aufrichtigen Kritik an einem Romanentwurf ihres Gatten, der sie rausschmiss und aussperrte. Die dadurch plötzlich mittellose Eva musste mit dem Fahrrad die 50 Kilometer bis nach Oranienburg radeln, um von dort mit der S-Bahn nach Berlin zu fahren, wo sie Geld von der Bank abhob. Trotzdem sei die Beziehung der beiden Strittmatters eine „große Liebe“ gewesen.

Als Erwin ihr einmal riet, doch auch zu schreiben, versprach sie ihm: „Ich will lieber nicht schreiben. Ich will dich lieber lieb haben.“ Später berief sich der Großschriftsteller stets auf diese Rollenverteilung, wenn er sie daran erinnerte: „Du hast es mir versprochen.“

Auch beim kurzweiligen Leseausflug in der Bibliothek drehten sich die Gedanken und Redebeiträge wie automatisch immer wieder vom eigentlichen Thema Eva Strittmatter weg zum Manne. Und auch die Zuschauerdiskussion verhedderte sich sehr bald in der SS-Polizeirolle Erwins. Das Leben im endlos langen Schatten eines solchen Schriftstellers ist wahrlich kein Gedicht. / Lothar Krone, Märkische Allgemeine 11.3.

82. Eva Strittmatter wird 80

Eva Strittmatter stand ihr komplettes künstlerisches Leben im Schatten ihres Mannes, Erwin Strittmatter. Ausgerechnet an ihrem kommenden Geburtstag könnte sie ins Rampenlicht katapultiert werden – am 8. Februar wird Eva Strittmatter 80 Jahre alt. …

Mit ihrer klaren und poetisch-schönen Lyrik, und einer scharfen Bildsprache, verschafft sich Eva Strittmatter in deutschen Literaturkreisen immer mehr Gehör. Allein zum Anlass ihres Geburtstages wird sie zahlreich gefeiert werden: Der Aufbau-Verlag wird sie würdigen, in Rheinsberg und Berlin sind Lesungen geplant. / Ilia Castellanos, Märkische Allgemeine 18.1.