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83. Zeitgemäße Nachfolgerin

Die Kulturabteilung der Cuxhavener Verwaltung schreibt:

Die Jury Mitglieder sind folgende:

Prof. Dr. Frank Möbus (Uni Göttingen)
Prof. Dr. Sabine Doering (Uni Oldenburg)
Prof. Dr. Hermann Korte ( Uni Siegen)
Winfried Stephan, Diogenes Verlag, Schweiz

Als beratende Mitglieder sind dabei:
Frau Erika Fischer (stellv. Kulturausschussvorsitzende/ ehrenamtl. Bürgermeisterin Cuxhaven)
Stellv. der Stadt Cuxhaven, zumeist Frau Dr. Anne Frühauf
Stellvertreter der Stadtsparkasse Cuxhaven.

Die Jury hat sich in diesem Jahr für Nora Gomringer ausgesprochen:

“Sie schenkt uns das Glück
über federleicht schwere Verse zu staunen,
deren auch ganz leise Töne sehr weit reichen.
Ihr Publikum wundert sich, lacht, weint und erschrickt.
Was aber bleibt, das ist reine Freude an der Kraft der Poesie.”

In den Cuxhavener Nachrichten schreibt Jens Potschka:

Ein Höhepunkt der Preisverleihung war im wahrsten Sinne des Wortes die Laudatio des Wiener Literaten Franzobel auf Nora Gomringer, [sic] Nachdem er sich mit dem Frühwerk der dasmals 20-Jährigen beschäftigt hatte, stieß er auf Texte aus dem Jahre 2006. “Plötzlich scheint Nora Gomringer ein Knopf aufgegangen zu sein, als hätte sie sich freigemacht vom schweren frugalen Erbe ihres Vaters, als wäre sie aufgesprungen aus dem Rollstuhl und hätte gemerkt, wie gut ihre Wörterfüße tragen. Sie hat wohl die wesentliche Erfahrung gemacht, dass sich ein Text auf einer Bühne viel schwerer behaupten lässt als auf einem Blatt Papier”, so Franzobel, der “Der Gomringer” im Anschluss bescheinigte: “Zugänglichkeit, Einfachheit und Witz ihrer Gedichte machen Nora Gomringer nicht nur zu einer äußerst würdigen Ringelnatz-Preisträgerin, sondern auch zu einer zeitgemäßen Nachfolgerin dieses Großmeisters der kleinen Form.”

78. Verjüngungskur für Ringelnatzpreis

Eine Verjüngungskur haben die Verantwortlichen dem Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik verpasst. Mit der vor Energie nur so sprühenden, sympathischen Preisträgerin Nora Gomringer (32) wurde am Sonnabend im Stadttheater die bisher jüngste Preisträgerin ausgezeichnet. Den Nachwuchspreis erhielt der von Nora Gomringer ausgewählte Dichterkollege José F. A. Oliver.

Die Laudatio auf Nora Gomringer hielt der Wiener Schriftsteller und Ingeborg-Bachmann-Preisträger Franzobel. Gomringer fand lobende Worte für ihren aus Andalusien stammenden Kollegen.

Mit dem Joachim-Ringelnatz- Preis für Lyrik der Stadt Cuxhaven werden seit 2002 im zweijährigen Turnus Dichterinnen und Dichter ausgezeichnet, die einen bedeutenden, künstlerischen Beitrag zur deutschsprachigen Gegenwartslyrik geliefert haben. / Cuxhavener Nachrichten

Für die Jury zählt Gomringer zu den besten Lyrikerinnen des 20.und 21.Jahrhunderts.

Das gelte vor allem wegen ihres Auschwitz-Gedichtes “Und es war ein Tag”. / Saartext

119. Presseerklärung zum Ringelnatzpreis

Der Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik geht in diesem Jahr an Nora Gomringer.

José F. A. Oliver erhält den Nachwuchspreis. Die Preise werden am 21. April 2012 bei einem Festakt im Stadttheater Cuxhaven verliehen. Die Laudatio auf Nora Gomringer wird der Wiener Schriftsteller und Ingeborg-Bachmann-Preisträger Franzobel sprechen. Die Laudatio auf José F. A. Oliver hält Nora Gomringer.

„Nora Gomringer schenkt uns das Glück, über federleicht schwere Verse zu staunen, deren auch ganz leise Töne sehr weit reichen. Ihr Publikum wundert sich, lacht, weint und erschrickt. Was aber bleibt, das ist reine Freude an der Kraft der Poesie“. Mit diesen Worten begründet die Jury ihre Entscheidung, Nora Gomringer mit dem Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik 2012 zu ehren.

Nach den Vorgaben des Preises hat der Preisträger das Recht, einen Nachwuchspreis zu verleihen. Nora Gomringer sprach sich für José F. A. Oliver aus, „weil seine Texte ungläubig staunen lassen, sind sie doch uneitel dicht-gepackt mit Sprachfreude und Lebensklugheit“.

Mit dem Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik der Stadt Cuxhaven werden seit 2002 im zweijährigen Turnus Dichterinnen und Dichter ausgezeichnet, die einen bedeutenden, künstlerischen Beitrag zur deutschsprachigen Gegenwartslyrik geliefert haben. Preisträger/innen des Joachim-Ringelnatz-Preises waren bisher Peter Rühmkorf, Robert Gernhardt, Wolf Biermann, Barbara Köhler und Wulf Kirsten.

Eine Jury aus renommierten Lyrikfachleuten bestimmt den/die Preisträger/in. Dieser Jury gehören an: Professorin Dr. Sabine Doering (Literaturwissenschaftlerin, Oldenburg), Professor Dr. Hermann Korte (Literaturwissenschaftler, Siegen) und Winfried Stephan (Direktor und Vertreter des Verlegers beim Diogenes Verlag, Zürich) an; Vorsitzender und Sprecher der Jury ist apl. Professor Dr. Frank Möbus (Literaturwissenschaftler, Göttingen). Der Preisträger selbst darf den Nachwuchspreisträger bestimmen.

Mit einem Preisgeld von 15.000 Euro, gestiftet von der Stadtsparkasse Cuxhaven, zählt der Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Preis übrigens zu den höchstdotierten Lyrikpreisen im deutschsprachigen Raum. 5000 Euro, gestiftet von der VGH-Versicherungsgruppe, beträgt das Preisgeld für den Nachwuchspreis.

Dank der großzügigen Unterstützung des DIOGENES-Verlags Zürich konnte das Buch „Alte Liebe“, Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik der Stadt Cuxhaven, Reden und Laudationes von Frank Möbus herausgegeben werden. Gelegentlich der Bekanntgabe der diesjährigen Preisträger wird das Buch, das die Reden und Laudationes der Preisvergaben der Jahre 2002 bis 2010 dokumentiert vorgestellt. Es enthält die Worte von Heinz Ludwig Arnold, Peter Rühmkorf, Alexander Nitzberg, Robert Gernhardt, Roger Willemsen, Thomas Gsella, Wolf Biermann, Fritz Pleitgen, André Schinkel, Barbara Sichtermann, Barbara Köhler, Bernhard Vogel, Wulf Kirsten und Christian Rosenau

Das Buch ist im Joachim-Ringelnatz-Museum ( ISBN 978-3-00-035585-I ) erhältlich. Die Erlöse aus dem Buchverkauf sind für das Museum bestimmt.

Cuxhaven, wo Joachim Ringelnatz (eigentlich Hans Bötticher) während des Ersten Weltkrieges bei der Marine stationiert war und wo er sein berühmtes Pseudonym „Ringelnatz“ (Seepferdchen) erfand, fühlt sich dem Andenken des Dichters besonders verpflichtet. In Cuxhaven befinden sich das weltweit einzige Joachim-Ringelnatz-Museum sowie der Geschäftssitz der Joachim-Ringelnatz-Stiftung, die sich der Pflege von Werk und Nachlass des Dichters und auch Malers Joachim Ringelnatz widmen.

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99. Nachwuchspreis

Der Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik geht in diesem Jahr an Nora Gomringer, José F. A. Oliver aus Hausach erhält den Nachwuchspreis. Die Preise werden laut einer Pressemitteilung am 21. April bei einem Festakt im Stadttheater Cuxhaven verliehen. Die Laudatio auf Oliver wird dabei Nora Gomringer halten.

Eine Jury aus Fachleuten bestimmt den Preisträger. Nach den Vorgaben hat dieser das Recht, einen Nachwuchspreisträger zu benennen. Gomringer, die 2011 bereits Gast beim Hausacher “LeseLenz” war, sprach sich für Oliver aus, “weil seine Texte ungläubig staunen lassen, sind sie doch uneitel dicht-gepackt mit Sprachfreude und Lebensklugheit”. / Schwarzwälder Bote

Die Preisträgerin Nora Gomringer ist Jahrgang 1980, der Nachwuchspreisträger ist 19 Jahre älter. Das ist schon mal ein Unterschied. Ein zweiter ist das Geld, der Preis bringt € 15.000, der Nachwuchspreis immerhin 5.000. Der wichtigste Unterschied allerdings ist noch nicht benannt. Nora Gomringer wurde von einer bestallten Jury ausgewählt, deren Mitglieder in den von der Stadt Cuxhaven veröffentlichten Richtlinien für die Vergabe des Preises benannt werden. Hinzu kommt ab der zweiten Vergabe der jeweilige Preisträger, das war im Jahr 2010 Wulf Kirsten. Demnach ist die Jury bis auf den Preisträgerplatz anscheinend seit mehr als 10 Jahren konstant besetzt laut Satzung*. In dieser heißt es:

§ 1

Der Joachim-Ringelnatz-Preis soll an Dichterinnen/Dichter vergeben werden, die einen bedeutenden, künstlerisch eigenständigen Beitrag zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur geliefert haben.

§ 2

Selbstvorschläge oder Bewerbungen für den Preis sind nicht zulässig.

§ 3

(1) Die/Der Preisträgerin/Preisträger wird mehrheitlich durch ein fünfköpfiges Preisfindungskomitee bestimmt, das in Cuxhaven zusammentritt und dabei über die Vergabe entscheidet.

(2) Das Preisfindungskomitee setzt sich aus vier berufenen Mitgliedern, der/dem jeweiligen Preisträgerin/Preisträger und einer/einem nicht stimmberechtigten Vorsitzenden zusammen.

(3) Als Mitglieder des Preisfindungskomitees werden berufen: Prof. Heinz Ludwig Arnold (Verleger und Publizist, Göttingen); Prof. Dr. Sabine Doering (Literaturwissenschaftlerin an der Universität Oldenburg); Professor Dr. Hermann Korte (Literaturwissenschaftler); Winfried Stephan (Direktor und Vertreter des Verlegers bei Diogenes, Zürich). Den Vorsitz und das Amt des Sprechers übernimmt Professor Dr. Frank Möbus.

Die vierköpfige Festjury plus variablem fünftem Mitglied haben seit 2002 diese Autoren ausgezeichnet:

1. 2002 Peter Rühmkorf (Nachwuchspreis: Alexander Nitzberg)

2. 2004 Robert Gernhardt (Nachwuchspreis: Thomas Gsella)

3. 2006 Wolf Biermann (Nachwuchspreis: André Schinkel)

4. 2008 Barbara Köhler (ein Nachwuchspreis wurde nicht vergeben)

5. 2010 Wulf Kirsten (Nachwuchspreis: Christian Rosenau)

Alter von Preisträger und Nachwuchspreisträger zum Zeitpunkt der Preisverleihung (grob nach Geburtsjahr ohne Berücksichtigung des Datums gerechnet):

  • 2002: 73 / 33
  • 2004: 67 / 46
  • 2006: 70 / 34
  • 2008: 49 / –
  • 2010:  76 / 30
  • 2012:  32 / 51

Dieser Jahrgang hat also mit Abstand die jüngste Preisträgerin und den ältesten Nachwuchspreisträger. Wer Genaueres über die aktuelle Zusammensetzung der Jury weiß, kann sich ja melden. Transparenz heißt Glasnost.

Der typische Ringelnatzpreisträger ist männlich und um die 70. In zwei Ausreißerjahren kamen Frauen an die Reihe, die durchweg jünger bis viel jünger waren, 30, 40 Jahre jünger. Wenn ich das mit Paragraph 1 der Richtlinien zusammensehe, wurde vor 70, 80 Jahren eine starke Generation geboren, die bis heute Maßstäbe für die “Gegenwartslyrik” setzt. Abgesehen von ein paar Frauen (eine Frauen- oder Jugendquote wollen wir nicht unterstellen). Vielleicht hat die Festjury ja auch die Schieflage bemerkt und zweimal korrigierend eingegriffen. Oder die variablen Juroren, Biermann und Kirsten (“die aus dem Osten”) haben sich stark gemacht?

Wie auch immer: ich halte alle Preisträger für ehrenwert, aber die Jury insgesamt für eher mangelhaft unterrichtet über “Gegenwartslyrik”.  (Natürlich kann und muß Cuxhaven gar nicht ausgleichen, was die Republik nicht auf die Reihe kriegt).

Was diesen Jahrgang betrifft, sehe ich bei allem Respekt vor der Preisträgerin eine ganze Reihe jüngerer und auch älterer Lyrikerinnen und Lyriker, deren Beitrag zur Gegenwartslyrik deutlicher sichtbar ist. Und ich ziehe den Hut vor der Preisträgerin, die mit ihrer Wahl für den “Nachwuchspreis” nicht zuletzt auf eine Schieflage des Preisbetriebs in Cuxhaven und um Cuxhaven herum aufmerksam macht. Und gratuliere beiden zu Ehre und Kohle, sowieso.

138. Joachim-Ringelnatz-Preis für Wulf Kirsten

Der Lyriker Wulf Kirsten bekommt in diesem Jahr den Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Preis. Der in Weimar lebende Künstler achte “wie Ringelnatz auch das Kleine, Unscheinbare” heißt es in der Begründung. Zu der mit 15 000 Euro dotierten Auszeichnung gehört auch die Vergabe eines Nachwuchspreises. Für den benannte Wulf Kirsten den ebenfalls aus Weimar stammenden Musiker und Lyriker Christian Rosenau.
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.66, Samstag, den 20. März 2010 , Seite 16