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Ein Satz von Crauss, illustriert von Petrus Akkordeon

Ein (Teil-)Satz von Crauss, illustriert von Petrus Akkordeon

“Ausgeufertes Rezensionstagebuch”

Ann Cotten rezensiert bei lyrikkritik.de die Bände der Poeticon-Reihe von J.Frank.  L&Poe präsentiert weitgehend dekontextualisierte süße und bittere Mandeln aus dem langen, funkelnden und üblich-scharfen Text.

GROSZBUCHSTABEN

Ein ausgeufertes Rezensionstagebuch über die Reihe “Poeticon” im J. Frank Verlag.


Wie arrogante Sprüche auf Jutesäckchen: Großes Maul, schlechtes Material. Das könnte eine Formel für Frechheit und Jugend sein. In diese Mode fügt sich die Reihe wohl ein. Freilich messen sich diese kleinen Fibeln dadurch mit anderen Miniaturausgaben: Kapital, Koran, Bibel. Es gibt Ähnlichkeiten – auch in letzteren beiden steht viel Blödsinn drin.


Jetzt quäle ich mich wie ein Moralist durch die Heftchen und beschwere mich über die Ödnis, während ich doch eigentlich eine hitzköpfige, intolerante Leserin bin und lieber die Lektüre abbreche und spazierengehe, als zu leiden und nachher dem Autor Vorwürfe zu machen.

Aber es geht um die Poesie! Und um die Theorie! Ich lese weiter.


Wieder eineinhalb Seiten. Es ist wie ein Spaziergang am Meeresstrand. Schon irgendwie entspannend, wenn ich mal mein Erkenntnisinteresse vergessen könnte.


In einigen Endnoten steht a.a.O., obwohl die Referenz zum ersten Mal vorkommt. Am Oarsch, Oida! Das schreibe ich nur hin, um zu dokumentieren, dass das sehr wohl jemand bemerkt.


Ich kenne das und misstraue dem bei mir selber auch: das irre, das durch literarische Reproduktion meines Privaten so angeschwollene Selbstbewusstsein, mit dem ich imstande wäre, ein Pferd zu satteln und Richtung Nordpol loszureiten, ohne Jacke und ohne Pferd. So froh, den Zweifeln entkommen zu sein!


Es plätschert “ich finde”, “meine liebsten”, “wie ich immer so” dahin, als schlenderte Ötzi mit seiner Kollektion von Bookmarks durch die Eiszeit.


Martina Hefter bringt auf S. 13 auf den Punkt, was ich über sie auch manchmal empfinde: “fröhlich (…) darüber, was sich da einer getraut hat”. Wenn bloß alle, wie sie, das Wagnis als Beginn einer tollen Arbeit begriffen, und nicht bloß als Ende des Nicht-Wagens!


Dass das stimmt und ich nicht bloß schlechte Laune habe, beweist mir später B. Reineckes Essay. Er erfüllt, bis auf die allerletzten paar Seiten, ganz und gar das von einem Essay erwartbare Niveau: nämlich, nicht sichtlich für Idioten geschrieben zu sein. Ernsthaft das Kriterium der Nützlichkeit zu verwenden, um die Pointen zu schärfen und mit intelligentem Urteil zu gewichten. Sich beim Schreiben nicht blöd zu stellen.


O ich auch, ich auch, ich hasse auch diese deutsch-wichtigtuerische “Bedeutung”, dieses ehrgeizige Flammenzünglein, das immer so viel Unrat hausieren trägt.


Bei der sich dem Publikum übergebenden Kunst (Es klingt wie Kotzen – und in der Tat ist eine Entsprechung aufzufinden, dieses Übergeben seiner Selbstquälereien an die Außenwelt erlöst das Subjekt; jemand anderer muss das Gift und die Materie der Transaktion aufputzen.) ist das Ausmaß des Auf-sich-selbst-geworfen-Seins nicht begrenzt.


Das ist es gerade. Ich ja auch nicht. Es ist vielleicht nicht die Zeit, es gibt auch nicht das rechtschaffene Publikum, das einen motivieren könnte, sich zu ordnen. Was kann man voraussetzen, was muss man erwähnen, was muss man dreimal in unterschiedlichen Kontexten erwähnen, damit es klar wird? Das Gegenüber ist das Interface vom Internet, ein unendliches Palaver. Wir treffen uns informell und üben schlecht strukturierte Gespräche. Und dann soll plötzlich eine poetologische Essayreihe die Welt retten?


Ich glaube, ich habe ein idealisiertes Englandbild und bevölkere die Insel mit lauter Sternes und Byrons, ach.


… Schopenhauers, des heldenhaftesten aller Grottenolme …


Das hätte auch fast ein deutscher Witz werden können.


… eine mit herbeibemühten Zitaten gewappnete Tirade gegen Reime und gegen schlechte Dichter. Sie werden vage in Zusammenhang gestellt, unklar bleibt, ob das Benutzen von Reimen dazu führt, dass man ein schlechter Dichter wird (Vorwurf: schlechte Gewohnheit, schlechte Gesellschaft), oder man Reime verwendet, weil man ein schlechter Dichter ist (Vorwurf: schlechter Geschmack).


… ob Grünbein wohl durch Elektrotherapie in größere Erregung versetzt, vermayröckerisiert werden könnte?


Grünbein behauptet natürlich auch Freiheit der Kunst, aber er empfindet und genießt und nutzt sie nicht, nicht einmal die des Künstlers. Er unterwirft sich den verschiedenen Disziplinen, dem Denken etwa, der Gefälligkeit und dem kreativen Ehrgeiz. Das ist nicht etwas, was man sich aussucht. Bestimmt würde er gerne innerlich so frei sein wie die Mayröcker. Deswegen ist seine Kunst viel verseuchter von den Irrtümern, Dummheiten, Eitelkeiten und vor allem falschen Befriedigungen, falschen Zielen seiner selbst, seiner Umgebung und seines Publikums, dem er als Mensch und als Dichter auf eine ja irgendwie natürliche Weise gefallen will – unfrei eben. Das macht ihn mir interessanter. Wegen dieser Schwäche oder aber auch dieser größeren Sich-selbst-Ausgesetztheit als Bürger und neureichen Schwärmer ist mir Grünbein irgendwie – verständlicher. Vielleicht aber liegt die Sympathie nur daran, dass ihm alle seine Verbrechen gegen den Geschmack und gegen die Hochherzigkeit, die er doch in den Gedichten mit großen Worten herbeischreiben will, gnadenlos vorgeworfen werden (auch wenn er nichtsdestotrotz eine große Fangemeinde hat – in meinem Bekanntenkreis ist niemand, der ihn schätzt). Mayröcker hingegen darf scheinbar alles. Was natürlich auch eine Frage des Alters ist, was den Zweiervergleich an sich ja schon bei Crauss ein wenig hinken machte.


Pathos? Ja, aber nur durchgestrichen bei Ron Winkler!


Und irgendwas in mir schreit immer, es ist wohl schon wieder der innere Psychoanalytiker: hört doch endlich auf, diese warmen Herzen von ostdeutschen Männern und Frauen zu dieser zwanghaften Sicherheitsironie zu zwingen, Diskurse!


Ein Prachtsatz, überladen mit abgenudelten, einander widersprechenden Metaphern und Floskeln, unentschieden zwischen zwei uralten und auf mehrfache Weisen kaputten Bildern.


(wer, übrigens, die Grazien “Damen” nennt, sollte eigentlich als aus dem jungen Teil der Literatur ausgeschlossen gelten und eine Schweigepension Eierlikör bekommen)


Poetisiert euch = Nett sein, Leute! Aber auch wahr sein, und nicht schummeln!


… das Rohöl der Kulturwirtschaft


ND ist aber auch ein moralisierendes Ödpack.


… angesichts der vielen nach ihrem eigenen Verständnis urteilenden Vollkoffer …


Fußnoten sind dem Menschen zumutbar!


Es ist jetzt angemessen, den Griff zu entkrampfen, Ann.


Das kann man sagen. Da stimmen auch die Eltern zu.


Man merkt, das Kuhlbrodt ein paar Jahrzehnte liest, und zwar ernsthaft auch seit langem, vielleicht aufgrund der im Essay erwähnten Ermahnung eines Philosophieprofessors, sich der Werke, die man liest, nicht als Trümmerhalden zu bedienen, sondern ihre inneren und metatextuellen Zusammenhänge nachzuvollziehen. Ernsthaft meint vor allem, dass auch denkbar ist, aufgrund von Lektüre seine eigene Überzeugungen zu ändern. Was ich bei anderen dieser Reihe nicht vermuten würde, die das Zitatesamplen scheinbar bloß als Deko für ihre bevorzugten Ansichten betreiben.

Kuhlbrodt ist kein Denker-Grübler in dem Sinn, dass er Sachen bis in alle Winkel zu verfolgen wichtiger fände als deren Bezug zum Leben. Das ist sehr angenehm und angemessen. Er ist eher ein Naturgrübler, also ein nachdenklicher Mensch, der im Leben steht (auch als Position für einen Lyriker eigentlich nicht schlecht) – und nicht einer von diesen Gespenstern (wie ich tendentiell), die sich in die Theorie flüchten, um der Wirklichkeit zu entgehen. Wobei das natürlich auch ein Bezug zur Wirklichkeit ist.
Und wie er “ich” schreibt, der Kuhlbrodt, so schlicht und normal!


“Wer sich seiner Sache nicht sicher ist, wie wir wohl alle uns nicht sicher sein können, sollte sich mit eigenen Weissagungen zurückhalten und Weisgesagtem gründlich misstrauen.” Alle, also, seien immer unsicher, mundtot und misstrauisch. Das ist natürlich auf Anhieb ein erfrischendes Antidot zur Ode an die Freude, aber möge bloß Kassandra das nie hören! Das Problem ist, dass so nur diejenigen Idioten als Propheten überbleiben, denen nicht der leiseste Selbstzweifel einfällt. Ja, im Grunde ist es eh so. Und doch ist auch diese Forderung nicht so unsympathisch in ihrer Bevorzugung des Fressehaltens.


… Mangel an prinzipiellem Zweifel an seiner Methode. Für die gibt es halt ein Publikum, das sich gegenseitig darin bestärkt, das Verlogene, was ich an dieser Art von raunenden “Aufarbeitung” oder bloß ergebnislosem Rumthematisieren so stark spüre, zu verleugnen.


… und ich bin hochzufrieden mit der Aussage “Geschichte ploppt herum wie in einer Betonmischmaschine.”


… soll die Motivation, die das Gedächtnis hat, zu schummeln und sein Material zu schlüssigen oder von der Gegenwart nachgefragten Eindrücken zu verarbeiten, ausgetrickst werden. Wenn das aber in kollektiven Ästhetiken und Moden, oder gar in Hinblick auf Lob geschieht, schlägt der Trick fehl. Deswegen ist wohl nicht prinzipiell und allgemein zu empfehlen, mehr Geschichte in die wohl buhlerischste aller Literaturformen, die Lyrik, einzuspeisen. Durch die bekannte Dunkelheit da drin, auch Mehrdeutigkeit und Idiosynkratik, die dominant geworden sind als radikal persönliche Ausdrucksweisen, ist viel Unfug, auch sehr blöder und brutaler, möglich.


Und obwohl das nicht sonderlich visionär klingt, geht es in Politik und Geschichtsschreibung in Wirklichkeit meistens um Schadensbegrenzung, also genau um dieses von Kuhlbrodt skeptisch beäugte Gatter der Freiheitsermöglichung innerhalb definierter Grenzen (bis zur Gewalt gegen andere, u.s.w.). Die euphorisierende Theorie ist von Schiller und Hölderlin schon in ausreichender Menge formuliert worden, in und aus unserer Zeit, wo wir uns zu recht viel weniger träumend mit der ganzen Menschheit verbunden fühlen. Da wir durch die verbesserte Informationsverbreitung nicht mehr die Naivität bezüglich Kolonialismus und Ausbeutung besitzen können wie die genannten, geliebten Dichter –
sollten wir lieber nicht versuchen, sie zu imitieren, sondern –

naja, das ist offen.


“Wie kann man den Versteher aushalten?” Die argen Sätze sind wie zur Tarnung unter allerhand losem Geplapper versteckt.


71. Faltungen

Aus: Jan Kuhlbrodt, Faltungen – zum Experiment

Wie es scheint, wird das Experiment als Gattung betrachtet, was dem Begriff widerspricht. Denn im Grunde müsste das Experiment ja im Bereich vor jeder Gattung liegen. Aus dem Experiment könnte sich, wenn es denn gelingt, eine Gattung konstituieren.

Was verbindet also Texte?

Das ist natürlich eine unsinnige Frage. Eine Frage, die von ihrem metaphorischen Gehalt her sofort auf eine falsche Fährte führt, denn verbunden sind Texte zunächst durch etwas ihnen rein Äußerliches, die Willkür der Auswahl, die sie in einer Publikation zusammenbindet, und durch die Unmöglichkeit, irgendetwas, schon gar nicht die sogenannte experimentelle Dichtung, in seiner Vollständigkeit zu präsentieren.

(…)

Mayröcker steht für eine Art experimentelle Innerlichkeit. Die Sprache durchwandert das Selbst und trifft dort auf die Sedimente von Welt. Innerlichkeit hat hier also nichts mit dem Kitsch zu tun, der anderenorts unter diesem Label verbreitet wird. Sie ist analytisch. Und an Mayröcker schließen sich all jene an, die auf diesem Feld experimentieren und forschen.

Jürgen Becker erforscht die Ränder der Gattung zumindest auf literarischem Gebiet, vielleicht könnte man an dieser Stelle auch Brinkmann nennen. Eventuell hat es auch etwas mit dem B im Nachnamen zu tun. Beide also arbeiten zwischen Hörspiel und Prosa am Gedicht.

Elke Erb schließlich, auch eine, die forscht. Vielleicht könnte man ihre Art mit literarischem Exerzitium des 21. Jahrhunderts beschreiben. Alles wird Gegenstand lyrischer Analyse, und dabei unterscheidet sie nicht zwischen hergestellter und (sozusagen im Volksvorurteil) natürlicher Welt. Und Ausgangspunkt dieser Analyse ist ein Wundern.

Die Kleider der hier ausnahmsweise namentlich angeführten Alten werfen Falten. Wie gute Großeltern sitzen sie nicht auf einem Sockel, sondern mitten unter uns, und wir spielen zwischen den Falten. Verlassen auch schon mal das Zimmer, um bei den Nachbarn reinzuschauen und langsam wird uns auch klar, dass wir fremde Sprachen lernen sollten, um uns zu verstehen.

(Das wussten die angeführten Alten schon, vor allem Jandl und Erb haben in übersetzerischer Hinsicht Unglaubliches geleistet, aber die sind ja schon lange erwachsen.)

Am Ende eine sehr sehr unvollständige Liste der Kinder und Enkelkinder, wie sie mir in den Sinn gekommen sind. Zwei Stunden später wäre das sicherlich anders ausgefallen:

Rinck, Falkner, Czernin, Hefter, Winkler, Piekar, Crauss, Berends, Futscher, Popp, Filips, Seel, Elze, Bresemann … …

(Komplett bei Signaturen)

5. Kalmenzone

Kalmenzone. (elektronische) Literaturzeitschrift hier

Heft 5, August 2014 Schwerpunkt: Übersetzen

mit Beiträgen von

Uta Egenhoff, Stephan Weidt, Judith Rang, Gudrun Paul, Dina Diercks, Roland Ißler, Ulrich Bergmann, Rainer Maria Gassen, Benedikt Ledebur, Romain John van de Maele, Michael Hillen, Jörg Kleemann, Ernesto Castillo, Marcus Müller-Roth, Crauss, Winand Herzog, Cleo A. Wiertz

Aus dem Inhalt:

LUIS DE CAMÕES: COM QUE VOZ? MIT WELCHER STIMME? besprochen von Dina Diercks und Roland Ißler

Ulrich Bergmann
FRANCESCO PETRARCA: SONETT 104 (RIME 134)

Rainer Maria Gassen
VON EINIGEN DER ERSTEN SONETTENDICHTER IN ENGLISCHER SPRACHE

Benedikt Ledebur
SELBSTBEOBACHTUNG BEIM ÜBERSETZEN

Alle bisher erschienen Ausgaben können als Pdf heruntergeladen werden.

89. Schönheit des Wassers

Nicht von ungefähr scheint die elementare Gewalt des Wassers gleich im ersten Zyklus auf. Und zugleich taucht mit der Namensgebung des Zyklus (Opheliate) auch das Motiv der Opheliengestalt auf, die seit ihrem Auftritt in Shakespeares Hamlet zu einem Mythos verklärt worden ist, auf den sich insbesondere in der Romantik und im Expressionismus immer wieder sowohl Literaten als auch Bildende Künstler bezogen haben, den Dissonanzen und Koinzidenzen zwischen Schönheit, Schmerz und Tod auf der Spur, diesem vornehmlich weiblichen Tod. Crauss löst sich in seiner Lesart vom Bild der sich opfernden Jungen und Schönen, von Hinfälligkeit gezeichnet, deren Leichnam man dann aus dem Wasser zieht. Vielmehr läßt er das dichterische Ich vom diesseitigen Ufer des (Alb-) Traums ans andere Ufer gelangen, wobei in diesem Falle der tod der fluß, den es gilt zu passieren (OPHELIATE VIII). / Jayne-Ann Igel, Signaturen. November 2013

Crauss: Schönheit des Wassers. 66 pseudoromantische Kalligraphien. Berlin (Verlagshaus J. Frank) 2013. 80 S., 13,90 Euro.

28. Prolog Nr. 11

Wir laden Sie herzlich ein zur Ausstellung und zum Erscheinen der neuen Ausgabe von Prolog – Heft für Zeichnung und Text, Thema: struktur(en).

Prolog Nr. 11 erscheint am 9.7.2013 im Institut für Alles Mögliche, Abteilung für alles Andere, Ackerstraße 18, 10115 Berlin / Mitte.

Dienstag, den
 9.7. 17 - 21.30 Uhr Eröffnung der Ausstellung und Präsentation des Heftes und der Zeitschrift allgemein,
ab 19 Uhr Lesungen von und mit: Melanie Katz, Mikael Vogel, Anett Lau, Clemens Schittko, Kai Pohl, Silke Galla u.a

Die Ausstellung ist am 10. und 11.7.2013 von 15-21 Uhr geöffnet.

http://prolog-zeichnung-und-text.de/blog/

Das neue Heft enthält Beiträge von: Albrecht Wild, Alessandro Chiodo, Andreas Koletzki, Anett LAu, Anton Schwarzbach, Bernd Mörsberger, Birgit Graschopf, Caca Savic, Christian Meskó, Christoph Janik, Clemens Schittko, Crauss., Daniel Ludwig, Dorit Trebeljahr, Enrico Weinert, Erwin Schumpeter, Felix Baxmann, Hanna Hennenkemper, HEL Toussaint, Henning Hennenkemper, Henrik Jacob, Jochen Schneider, Johannes Regin, Jojo, Kai Pohl, Katalin Pöge, Katja Sehl, Katrin Heinau, Klaus Erich Dietl, Margarete Lindau, Martin Bartels, Matthias Wegehaupt, Matthias Wohlgenannt, Melanie Katz, Mikael Vogel, Mikhail Lezin, Natascha Naffin, Oskar Manigk, Patrick WEH Weiland, Philipp Hager, Rebecca Blöcher,  Saskia Buwert, Selina Schuster, Silke Galla, Stefan Malicky, Stefan Riebel, Su Tiquun, Susanne Eules, Tillmann Lange, Todosch Schlopsnies, Uta Koslik, Werner Kernebeck, Yvonne Andreini

Prolog – Heft für Zeichnung und Text ist eine Künstlerzeitschrift aus Berlin und wird vom Berliner Künstler Anton Schwarzbach herausgegeben. Am Prolog Nr. 11 mitgearbeitet haben die Autorinnen Melanie Katz und Katrin Heinau sowie die Künstlerin Dorit Trebeljahr.

Wir freuen uns, Sie begrüßen zu können.

Das Heft ist ab sofort (vor)bestellbar. Es ist 48 Seiten stark und enthält Beiträge von 53 Künstlern und Autoren. Es kostet im Einzelverkauf 10 Euro. Wer bis 9.7. vorbestellt, bekommt es für 8 Euro inkl. Versand (in D).

27. Forum Stadtpark

Im Dezember erschien die Anthologie “extrakt” mit allen Forum-Stadtpark-Autorinn+en, die zwischen 2010 und 2012 im Forum zu Gast waren. — mit Lilly Jäckl, Gerhild Steinbuch, Jörg Piringer, Markus Berger, Blazin Tommy Productions, Ilse Kilic, Barbi Markovic, Gerhard Rühm, TextTotal, Margret Kreidl, Helmut Schranz, Robert Prosser, Elisabeth Hödl, Gundi Feyrer, Daniel Wisser, elffriede i.a., Florian Neuner, Clemens Schittko, Petra Coronato, Sylvia Egger, Hansjörg Zauner, Carola Göllner, Bernd Volkert, Stefan Schmitzer, Sarah Foetschl, Evelyn Schalk, Ulrich Schlotmann, D. Holland-Moritz, Bernhard Saupe, K. Silem Mohammad, Stefan Schweiger, Christoph Szalay, Franzobel, Ferdinand Schmatz, Max Höfler, Crauss, Stefanie Sargnagel, Enno Stahl, Bert Papenfuß, Karl Rauschenbach, Ann Cotten, Ulrich Holbein, Sophie Reyer, Alexander Micheuz, Heike Fiedler, Johannes Schrettle, Valeri Scherstjanoi, Markus Köhle, Zuzana Husarova, Ralf B. Korte, Uwe Warnke und Brigitta Falkner.

110. Moselfränkisch und Georgisch

Ich beziehe mich nicht gerne auf das, was andere über Bücher gesagt oder geschrieben haben, aber es gibt ärgerliche Punkte in Opitz’ Kritik, denen ich widersprechen muss.

Der wohl ärgerlichste (und nur auf diesen möchte ich ausführlich eingehen, weil er mich tatsächlich geschockt hat) bezieht sich auf den Umstand, dass der Band nicht nur die Gedichte von Crauss in deutscher Sprache, sondern auch Übertragungen einiger von ihnen in insgesamt zehn andere Sprachen enthält. Manche Gedichte werden nicht übersetzt, andere hingegen zwei- oder dreifach. Opitz zieht daraus den Schluss der Inkonsequenz und geißelt die Übersetzung in Sprachen wie Moselfränkisch oder Georgisch als „überambitionierte Polyphonie“ ohne Erkenntniswert. Er moniert eine „prätentiöse Mehrsprachigkeit, die nicht erhellend wirkt, sondern nur dem Pump up the volume-Prinzip zu dienen scheint“.
Das aber heißt, Crauss Beliebigkeit und konzeptuelle Willkür zu unterstellen.

Wer sich nur ein wenig mit dem Werk von Crauss auskennt, weiß, dass man ihm eines sicher nicht vorwerfen kann, und das ist Beliebigkeit. Es gibt wohl nur wenige Autoren, die sich so skrupulös mit dem eigenen Output beschäftigen wie er. / Stefan Heuer, satt.org

Crauss, Lakritzvergiftung. juicy transversions making your dick ache,.Gedichte. 180 Seiten, Softcover. Verlag J. Frank, Berlin 2011. 16,90 Euro

45. G13

… zugleich etwas über Füllworte

»Die Kritik der Stimmung ist die Voraussetzung aller Kritik«, sagt Linus Westheuser. Dann rollt eine Leseshow ab, die das Lyrikkollektiv G13 passend zum Erscheinen des Gruppenbuchs 40% Paradies und zur zugehörigen Städtetour inszeniert haben. Es geht nach Kiel, Köln, Karlsruhe unter anderem, vorerst aber zum Heimspiel in die Literaturwerkstatt Berlin, der Stadt und Stätte, in der sich die junge Literatur traditionsgemäß am besten wider- und gegenbefruchtet. Halbfertiges mutet hier allein durch Eventisierung arriviert an. Der Saal ist voll, die Erwartungen gemischt.

Zwölf von vierzehn Jungdichtern* sitzen wie ein gespiegeltes Publikum auf der Bühne und tragen ihre Lyrik chorisch, überlappend, gegengeschnitten vor, sodass man nicht entscheiden kann, welches Fragment welchem Urheber zuzuschreiben ist. Das Prinzip wird über die Dauer des gesamten Vortrags durchgehalten, und wenn man den einen oder anderen später nach seinem Namen fragt, sagt er: »ich bin G13.« Erst in der bei Luxbooks erschienenen Anthologie steht die Eitelkeit des einzelnen über dem Gefühl des Kollektivs und jedem Gedicht ist ein Name beigegeben. Das kann man für inkonsequent halten oder für eine erste Hilfe, wenn man sich eben doch für mehr als den angleichenden Ton einer ganzen Gruppe interessiert, sondern für die Stimme individueller, stärkerer Schreiber.

Der Ton, der auch nach Auflösung des polyphon Gesprochenen zugunsten einzelner, mehr unterscheidbarer Passagen anhält, ist ein durch Poetry-Slam-Rhythmen etablierter, der die Stimme gegen Ende jeden Verses nach oben zieht und leicht macht, oft geradezu mädchenhaft, auch bei den Herren. Bas Böttcher ist als eines der frühen Vorbilder für diesen Duktus zu nennen, auch wenn die G13er insgesamt wenig gemein haben mit ihm und man bei deutlicher akzentuierenden Sprechern an diesem Abend, etwa Can Pestanli, eher an von Schauspielern überinterpretierte Lyrik denken mag.

Einzelne Texte, seien sie nun von Tristan Marquardt, Linus Westheuser erdichtet oder bloß gesprochen, stechen aus dem klanglichen Einerlei heraus, einmal, weil Westheuser imstande ist, natürlich zu betonen, andererseits weil die entsprechenden Poeme selbst über längere Distanzen Füllfloskeln** oder allzu Kitschiges vermeiden. / Crauss, Kritische Ausgabe

*) Jungdichter, mädchenhaft… sind so Klischeewörter, mit denen sich gut fuchteln läßt. Schließlich hat sich der Rezensent wie das Publikum gut unterhalten, weiß aber im Unterschied zu diesem, was er seinem kritischen Bewußtsein oder seinem Stand schuldig ist.

**) Ich persönlich wär beim bloßen Hören eher skeptisch, wenn ich den Eindruck von Kitsch und so hätte – nicht weil ich das ausschließe, sondern weil ich meinem Wahrnehmungsvermögen beim akustischen Durchrauschen mißtraue. Beim Hören habe ich eine Stimmung, beim Lesen erarbeite ich mir vielleicht ein Urteil.

88. Ihre Lieblingsgedichte

Der Styria Premium Verlag hatte die Idee zu einer neuen Buchreihe: Österreichische Künstler/innen aus allen Bereichen – von der Philosophie bis zur Musik, von der Literatur bis zur Bühne – stellen ihre 25 Lieblingsgedichte vor. Ö1 sendet die Gedichte im Rahmen der Reihe “Du holde Kunst” ab Juni einmal im Monat.

Friederike Mayröcker

Ernst Jandl:
das hundelvieh

Ernst Jandl:
der bernhardiner

Ernst Jandl:
der goldfisch

Ernst Jandl:
2 erscheinungen

Ernst Jandl:
in der küche ist es kalt

Thomas Kling:
ethnomühle

Friedrich Hölderlin:
Hälfte des Lebens

Friedrich Hölderlin:
Wenn aus dem Himmel

Inger Christensen:
alphabet

Marcel Beyer :
Wespe, komm

Ilse Aichinger:
Briefwechsel

Norbert Hummelt:
aus der Kindheit

Bertolt Brecht:
Morgens und abends zu lesen

Heinrich Heine:
Loreley

Johann Wolfgang von Goethe:
Warum gabst du uns die tiefen Blicke

Gottfried Benn:
Teils-teils

Marcell Feldberg:
o. T.

Bernadette Haller:
Haiku

crauss
russischer zopf

H. C. Artmann:
mein herz

Oskar Pastior :
Francesco Petrarca Nr. 1

Oswald Egger:
Apfelspalten / Handteller, Regen

Oswald Egger:
nihilum album

Mikael Vogel:
Schizoide Gedichte für eine alte schizoide Liebe

Mikael Vogel:
Das wirre Atelier der Verlassenheit …

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