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7. Mit Sappho

Sapphofortsätze

Von Christiane Kiesow

Vor etwa einem dreiviertel Jahr ging ein Aufruf durch das Internet: Sendet Sapphogedichte! Sofort setzte das Grübeln ein: welche Art Text eignet sich für eine solche Anthologie? Ich bin des Altgriechischen nicht mächtig, also fallen Übersetzungen schon einmal weg. Es gäbe die Möglichkeit, sich formal zu nähern, sich z.B. an sapphischen Strophen zu versuchen oder eine Hymne zu verfassen. Man könnte Sappho auch durch den Fleischwolf drehen und Anagramme basteln. Leerstellen besetzen, Lückenfüller spielen; von der Tonimitation über das Fortsetzen der Fragmente hin zur phonetischen Übersetzung, ist alles möglich. Auch inhaltlich könnte man sich austoben. War sie nicht Lehrerin und Lesbe? Hat sie nicht auf einer Insel gelebt, am anderen Ufer? Da war doch von Wasser die Rede und von Mädchen und Mond.

Doch mit diesen Überlegungen gingen auch Zweifel einher. Lauert bei allzu eifriger Formstrenge nicht die Gefahr, in eine spröde akademische Übung abzudriften? Würde sich die Anbetung einer Silikonpuppe thematisch zu radikal ausnehmen? Ist es eigentlich juristisch erlaubt, sapphisches Gaffen gegenüber minderjährigen Mädchen zu thematisieren oder ist es vielleicht zu seufzerverseucht? Außerdem lässt sich ein Gedicht in geschlechtergerechter Gebärdensprache schwer abdrucken. Doch während ich mir meine Schreibhemmungen zusammen sammelte, waren andere wesentlich mutiger. Viele von den Ideen wurden erfolgreich umgesetzt und so ist ein aufregend vielstimmiger, bunter Band zustande gekommen.

Nimmt man ihn zur Hand, fällt schon die Gestaltung des Einbandes positiv auf. Es handelt sich dabei um eine optisch an Hieroglyphen und strukturell an ein Gedicht erinnernde Anordnung von kleinen Piktogrammen, die bei ausreichender Kenntnis vom Stoff eindeutige Bezüge zu Sappho herstellen. Mond, Rosen, Herztöne, Frauenkörper, Schlaflider, Vasen, Wasser. Hier ein kleiner Rüffel an die Herausgeber: warum ist die Grafikerin Isabel Wienold eigentlich nicht im Autorenregister aufgeführt?

Blättert man in den Band hinein, sind die Gedichte dann in vier Kategorien eingeteilt. In Remix finden sich die Gedichte, die die Auseinandersetzung mit einer „zusammengesetzten Sappho suchen“, Gegenentwürfe und Nachschöpfungen einzelner Sapphischer Stückchen finden sich unter Einzelstücke, darauf folgt die thematische Einheit Alles wird Mond, die sich frei dem berühmten Fragment 168b widmet, zuletzt finden sich allerlei Arten von Fragmenten. An dieser Stelle stutze ich. Gibt es denn gar kein erotisches Kapitel? Ja – wo sind eigentlich die Venushügelvoyeurismen!

Liest man sich aber hinein, so stößt man durchaus auf vaginale Spuren. Bei Marcus Roloff finden sich „aprikosenhälften mit flimmerhärchen“, Michael Gratz hat sich dem Vagina Sonnet von Joan Larkin gewidmet. Gleich zweimal hintereinander. Wobei die phonetische Oberflächenübersetzung die wesentlich spannendere ist. Auf die ursprünglichen Zeilen „A famous poet told me, ‘Vagina’s ugly.’/Meaning, of course, the sound of it. In poems.“, dichtet er: „Effeminate poet sold in red china suckling. / Minnow’s force. They found a wit in poems.“

Weitere experimentelle Dichtung findet sich vor allem auf den hinteren Seiten des Bändchens. Dort bringt Clemens Schittko die Bestellinformation eines Online-Buchhändlers in Form und Bertram Reinecke erfindet die Gegenüberstellung eines sapphischen und eines alkäischen Fragments. Die größten Rätsel geben mir aber Elena L. Steinberger und Birgit Kreipe auf. Sie machen deutlich, worin die große Chance des Fragments besteht: nämlich durch Lücken hermeneutischen Leseansprüchen von vorn herein ein Schnippchen zu schlagen. Die Ursache für das Scheitern des Verstehens ist quasi inbegriffen. Egal, wie man es angeht, der Freiraum funktioniert immer als Letztbegründung. Denn man weiß ja nicht, ob und wenn ja: was und wie viel fehlt. Und wovon. Angelika Janz muss an dieser Stelle auch genannt werden, hat sie schließlich die Arbeit am Fragment zu einer Poetologie kultiviert. Wobei sie den umgekehrten Weg nimmt: sie resozialisiert das Fragment zum gesellschaftsfähigen Gedicht.

Blättert man wieder ein Stück zurück, so findet man sich bei einer Kumulation von Mond wieder. Es ist angenehm, das Fragment 168b von so vielen Seiten durchbuchstabiert zu sehen. Hier bietet der Sapphoband die Gelegenheit, einmal bei einem Thema zu verweilen. Es zu drehen und zu wenden und darüber nicht ungeduldig zu werden, sondern es von Text zu Text zu vervollständigen. Erwähnt sei hier auch Christoph Georg Rohrbach, der mit der Veröffentlichung in „Muse, die zehnte“ sein Gedichtdebüt begeht.

Aber Tod dem chronologischen Erzählen. Noch einmal forsch hereingegriffen in den Bilderbottich. Da „welkt Wald“ (Richard Duraj/Andreas Bülhoff) und da ist „aller Tag nur Wachliegen noch nach dir“ (Tobias Roth), es gibt „Plektron für Stimmbänder“ (Asmus Trautsch), „kubistische Kämme“ (Ulf Großmann) und etwas ist „von Schönheit gestanzt“ (Georg Leß). Da heißt es: „Anfang gut, alles gut“ (Philipp Günzel) und dazwischen winden sich Zungen (Phoebe Giannisi).

Ja – vielleicht hatte ich mir zu Beginn mehr Vulvavöllerei gewünscht, aber das ist nun nicht mehr so schlimm. Wer ernsthaft eine Anthologie betrachten will, muss immer den Teil bedenken, der fehlt.

Wie sollte man sonst Auswahl erkennen?

Muse, die zehnte. Antworten auf Sappho von Mytilene
Herausgegeben von Michael Gratz und Dirk Uwe Hansen
Erscheinungsdatum: 01.12.2014
110 Seiten; Softcover; 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-943672-50-3
14,95 EUR (D)

Mit Glykeria Basdeki, Kerstin Becker, Andreas Bülhoff, Jascha Dhal, Daniela Danz, Richard Duraj, Christiane Heidrich, Jenny Feuerstein, Phoebe Giannisi, Mascha Golda, Michael Gratz, Ulf Großmann, Alexander Gumz, Philipp Günzel, Marilyn Hacker, Bianka Hadler, Dirk Uwe Hansen, Andreas Hutt, Roman Israel, Angelika Janz, Anja Kampmann, Jorgos Kartakis, Odile Kennel, Birgit Kreipe, Erika Kronabitter, Jan Kuhlbrodt, Marianna Lanz, Joan Larkin, Georg Leß, Leonce W. Lupette, Anne Martin, Artur Nickel, Simone Katrin Paul, Martin Piekar, Bertram Reinecke, Rick Reuther, Christoph Georg Rohrbach, Marcus Roloff, Tobias Roth, Uwe Saeger, Clemens Schittko, Armin Steigenberger, Elena L. Steinbrecher, Brigitte Struzyk, Asmus Trautsch, Monika Vasik, Eva Christina Zeller

Zum Verlag (mit Leseprobe)

41. Pflaster

… nennt sich ein “podcast zur entblödung mitteleuropas”. In
PF038 –

clemens schittko – ‘stammtischkorrekturen’
der autor clemens schittko erklärt wie das mit den gedichten ist.

u.a. über diese Themen:

Bildschirmfoto 2014-04-12 um 17.36.37

80. Ausgepackt

und das Prüfen kann beginnen!

  • Poesiealbum 309: Hilde Domin. Auswahl Klaus Siblewski, Grafik Cy Twombly. 32 S., 4€. Mehr
  • Poesiealbum 310: Friederike Mayröcker. Auswahl Sonja Harter. Grafik Max Ernst. 32 S., 4€.
  • Mara Genschel: Referenzfläche 3# 8/50
  • Mara Genschel: Referenzfläche 3# 10/50 (Foto s. unten)
  • Lettre international. Europas Kulturzeitung. # 103. 138 S., 14,50€ (Beiträge von/über Gertrude Stein, Péter Nádas, Andrzej Stasiuk, Eliot Weinberger u.v.a.)
  • Richard Pietraß: Pariser Lust. Au plaisir de Paris.  Deutsch-Französisch. Ins Französische übertragen von Alain Lance und Gabriele Wennemer. Warmbronn: Ulrich Keicher, 2011.
  • Ludwig Steinherr: Flüstergalerie. Gedichte. München: Allitera, 2013.
  • Dirk Uwe Hansen: zwischen unge/ sehnen orten. silbende_kunst 2013.
  • floppy myriapoda. Subkommando für die freie Assoziation. Heft 23. 5€ (Mit Clemens Schittko, Kai Pohl, Gerd Adloff, HEL Toussaint, Linkeck u.v.a.).
  • Tone Avenstroup: ineinandersetzung samstemmelse. Distillery 38. 6€.
  • Katja Horn: Mengenleere. Gedichte. Distillery 39. 6€.
  • John Ashbery: FLOW CHART / Flussbild. Langgedicht, zweisprachig. Aus dem Amerikanischen von Matthias Göritz und Uda Strätling. Wiesbaden: Luxbooks 2013. 384 S.,  29,80 €
  • Sprache im technischen Zeitalter 208. Mit & über: Rolf Haufs, Nico Bleutge, Annett Gröschner, Frank Milautzcki, Aris Fioretos, Matthias Göritz, John Ashbery u.a.
  • Risse 31: Zensur. Mit & über Wolfgang Schreyer, Reinhard Jirgl, Kristoffer Cornils, Christa Wolf u.a. 5€
  • Zeitschrift für Ideengeschichte H. VII/4, Winter 2013: Die spinnen. Mit & über Anthony Grafton, Bruno Latour, Günter Figal, Derrida u.a.
  • manuskripte. Zeitschrift für Literatur. 202/ 2013. Mit Swantje Lichtenstein, Ann Cotten, Ulrike Draesner, Fabjan Hafner, Norbert Hummelt, Nadja Küchenmeister, Ales Rasanau, Martin Piekar, Marcel Beyer, Peter Hamm u.v.a.
  • Jenny Feuerstein: Lyriklos. Gedichte und Fotografien. Köln: silbende_kunst, 2013.
DSCI1543

Eine Doppelseite im Vergleich. Fans oder Archivare: Auflage aufkaufen!

DSCI1539

35. Friedrichshain 2

FRIEDRICHSHAIN 2 - Das Literaturfestival in Prenzlauer Berg

Konkuratiert, kinkaturiert und konterkariert
vom Wohlfahrtsausschluß Erpe (Neuenhagener Mühlenfließ)/
Dahme/levaH/Panke/Spree/Weißer See und der Epidemie der Käfte
in Tateinheit mit der LKO-Exekutive Wedding/Alt Gaarz
und dem Liebe/Arbeit/Wissen-Ausschuß Komponistenviertel

Festivalprogramm hier

Auszug:

Freitag, den 15. November um 20 Uhr:

Lesung

Florian Günther stellt die Oktober-Ausgabe seiner Zeitschrift DreckSack vor. Es lesen: Marvin Chlada (Duisburg), Gerd Dembowski (Berlin), Susann Klossek (Zürich), Andrea Mohr (Australien), Erik Steffen (Berlin) und Florian Günther (Berlin)

Montag, den 18. November um 20 Uhr:

Fantôme Verlag/Neue Gesellschaft für angewandte Toponymie präs.

Toponymische Hefte mit Cordula Daus
und Claudia Basrawi liest aus XXL hat Angst

 

Mittwoch, den 20. November um 20.30 Uhr:

Ein Schlag aus dem Leben I.

Christoph Meyer im Gespräch mit Bert Papenfuß

Anschl. floppy myriapoda – Subkommando für die freie Assoziation präs.

Doppelschlag im Zweierpack 2

Heftrelease # 24 mit Ralph GabrielAlexander KrohnAriane Sept u. a.

——————–

Außerdem mit Henning HesseSilvia KoerblScheiffeleChristine SohnPatrick WEH Weiland, Andreas Paul, Silka Teichert, Annett Gröschner, Gerd AdloffClemens Schittko, HEL, Lutz Steinbrück, William Blake u.v.a.

28. Prolog Nr. 11

Wir laden Sie herzlich ein zur Ausstellung und zum Erscheinen der neuen Ausgabe von Prolog – Heft für Zeichnung und Text, Thema: struktur(en).

Prolog Nr. 11 erscheint am 9.7.2013 im Institut für Alles Mögliche, Abteilung für alles Andere, Ackerstraße 18, 10115 Berlin / Mitte.

Dienstag, den
 9.7. 17 - 21.30 Uhr Eröffnung der Ausstellung und Präsentation des Heftes und der Zeitschrift allgemein,
ab 19 Uhr Lesungen von und mit: Melanie Katz, Mikael Vogel, Anett Lau, Clemens Schittko, Kai Pohl, Silke Galla u.a

Die Ausstellung ist am 10. und 11.7.2013 von 15-21 Uhr geöffnet.

http://prolog-zeichnung-und-text.de/blog/

Das neue Heft enthält Beiträge von: Albrecht Wild, Alessandro Chiodo, Andreas Koletzki, Anett LAu, Anton Schwarzbach, Bernd Mörsberger, Birgit Graschopf, Caca Savic, Christian Meskó, Christoph Janik, Clemens Schittko, Crauss., Daniel Ludwig, Dorit Trebeljahr, Enrico Weinert, Erwin Schumpeter, Felix Baxmann, Hanna Hennenkemper, HEL Toussaint, Henning Hennenkemper, Henrik Jacob, Jochen Schneider, Johannes Regin, Jojo, Kai Pohl, Katalin Pöge, Katja Sehl, Katrin Heinau, Klaus Erich Dietl, Margarete Lindau, Martin Bartels, Matthias Wegehaupt, Matthias Wohlgenannt, Melanie Katz, Mikael Vogel, Mikhail Lezin, Natascha Naffin, Oskar Manigk, Patrick WEH Weiland, Philipp Hager, Rebecca Blöcher,  Saskia Buwert, Selina Schuster, Silke Galla, Stefan Malicky, Stefan Riebel, Su Tiquun, Susanne Eules, Tillmann Lange, Todosch Schlopsnies, Uta Koslik, Werner Kernebeck, Yvonne Andreini

Prolog – Heft für Zeichnung und Text ist eine Künstlerzeitschrift aus Berlin und wird vom Berliner Künstler Anton Schwarzbach herausgegeben. Am Prolog Nr. 11 mitgearbeitet haben die Autorinnen Melanie Katz und Katrin Heinau sowie die Künstlerin Dorit Trebeljahr.

Wir freuen uns, Sie begrüßen zu können.

Das Heft ist ab sofort (vor)bestellbar. Es ist 48 Seiten stark und enthält Beiträge von 53 Künstlern und Autoren. Es kostet im Einzelverkauf 10 Euro. Wer bis 9.7. vorbestellt, bekommt es für 8 Euro inkl. Versand (in D).

68. Weißensee ist überall

Robert Mießner über das Festival “Weißensee 2″ heute in der Zeitung junge Welt, Auszug:

Ein charmantes Motto des Festivals könnte »Das Hündle kam weiter auf drein« (roughbook 028), dem neuen Gedichtband Elke Erbs, entnommen sein. Sie las am Eröffnungsabend: »…wo da hinter der Stadt / die Gegend bloßlag: schwieg das Gemüt / war die Eigenliebe beendet.« »Weißensee 2« ist ein kollektives, multimediales An- und Unterfangen. Viele der präsentierten Texte sind Neuveröffentlichungen: Tone Avenstroups »ineinandersetzung / samstemmelse« (deutsch / norwegisch) ist unlängst bei Distillery erschienen. Sie stellte ihren Band am Mittwochabend mit Band vor: Alexander Krohn (Britannia Theatre, Straßenschaden) und Egon Kenner (Freygang) spielten Akustikgitarre; Ralph Gabriel (Straßenschaden) erkundete die perkussiven Möglichkeiten von Teedosen, Kichererbsen und Küchengeräten. Ebenfalls neu bei Distillery: Katja Horns »Mengenleere« mit Illustrationen von Mareile Fellien. »Leere«, nicht »Lehre«: Manchmal macht ein Buchstabe den Sinn und den Sound. Oder besser: sehr oft.    (…)

Der Sonnabend klingt aus mit der »Chronik der Zone Greifswalder Bodden« (roughbook 025): ein kühner Science-Fiction-Wurf ins Jahr 2557 wie eine  Rückblende. Die Chronik besteht aus zwei Texten des norwegischen Dichters Øyvind Rimbereid: »St. Petersburg Wasser« und »Solaris korrigiert«, geschrieben im Stavanger Dialekt beziehungsweise einer synthetischen Nordseesprache, von Tone Avenstroup ins Hochdeutsche, von Bert Papenfuß in moderates Berlinisch bzw. eine utopische Ostseesprache übertragen. Papenfuß trägt dies vor gemeinsam mit Ronald Lippok (Tarwater, To Rococo Rot) und Alexander Pehlemann (Zonic). Anschließend Mehrgenerationentanz.

Das Abschlußfest am Sonntag bestreiten Katrin Heinau, Clemens Schittko, Brigitte Struzyk, HEL Toussaint und Ralf S. Werder mit einer Lesung aus Kai Pohls Schock-Edition, deren vierte Folge diesen April erschienen ist.

 

27. Forum Stadtpark

Im Dezember erschien die Anthologie “extrakt” mit allen Forum-Stadtpark-Autorinn+en, die zwischen 2010 und 2012 im Forum zu Gast waren. — mit Lilly Jäckl, Gerhild Steinbuch, Jörg Piringer, Markus Berger, Blazin Tommy Productions, Ilse Kilic, Barbi Markovic, Gerhard Rühm, TextTotal, Margret Kreidl, Helmut Schranz, Robert Prosser, Elisabeth Hödl, Gundi Feyrer, Daniel Wisser, elffriede i.a., Florian Neuner, Clemens Schittko, Petra Coronato, Sylvia Egger, Hansjörg Zauner, Carola Göllner, Bernd Volkert, Stefan Schmitzer, Sarah Foetschl, Evelyn Schalk, Ulrich Schlotmann, D. Holland-Moritz, Bernhard Saupe, K. Silem Mohammad, Stefan Schweiger, Christoph Szalay, Franzobel, Ferdinand Schmatz, Max Höfler, Crauss, Stefanie Sargnagel, Enno Stahl, Bert Papenfuß, Karl Rauschenbach, Ann Cotten, Ulrich Holbein, Sophie Reyer, Alexander Micheuz, Heike Fiedler, Johannes Schrettle, Valeri Scherstjanoi, Markus Köhle, Zuzana Husarova, Ralf B. Korte, Uwe Warnke und Brigitta Falkner.

43. Dies ist eine neue Lyrik

Mittwoch, den 12.12.12 um 20 Uhr
Café Provinz, Bouchéstraße 79a, 12435 Berlin

Benachbarte Sprachorte
Ralf B. Korte und Clemens Schittko lesen Prosa und Lyrik

 

Ralf B. Korte ist Verfasser komplexer Prosa und Essays, Mitherausgeber der Literaturzeitschrift “perspektive” und seit 2003 Mitveranstalter von “Text Total”, einem kritischen Literatursalon zu aktuellen Entwicklungen in der Lyrik.

Clemens Schittko ist Lyriker, veröffentlicht in Literaturzeitschriften und Anthologien. 2010 erhielt er den “lauter niemand preis für politische lyrik”. Letzte Buchveröffentlichung: “Und ginge es demokratisch zu” (SuKuLTuR, Berlin 2011).

Dies ist eine neue Lyrik.
Dies ist Lyrik nicht nur zum Schieben und Schmieren.
Dies ist Lyrik nicht nur zum Hinlegen.
Dies ist Lyrik zum Umdrehen, Einschlafen und Sterben.

(C S)

 

Eintritt frei

eine Veranstaltung der KungerKiezInitiative e.V., moderiert von Katrin Heinau
gefördert vom Berliner Autorenlesefonds in Kooperation mit der Mittelpunktbibliothek Köpenick

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56. Dornbirn: Lyrik bei Flatz. Wälder- Phonie trifft auf Berlin- Poesie

Dies ist der 2. Termin der Lyrik Reihe in den Räumlichkeiten des FLATZ Museums in Dornbirn mit dabei: Norbert Mayer (Schwarzach), Alfred Vogel (Bezau), Kai Pohl (Berlin) und Clemens Schittko (Berlin).

Norbert Mayer und Alfred Vogel bestreiten ein literarisch- musikalisches Heimspiel, das in der «Wälder»-Dialektklangwelt seine Wurzeln hat. Vor ein paar Jahren hätten beiden beinahe den ORF-MundART-Wettbewerb gewonnen, wären die Juroren nicht zur Überzeugung gelangt, dass es sich bei den Darbietungen des exquisiten Duos leider nicht um Lieder handle. Peter Füßl, Chefredakteur der Zeitschrift «Kultur» kann sich dennoch trösten: denn – so meint er – was der wortgewaltige Norbert Mayer und der Perkussionist Alfred Vogel so alles zu bieten haben, lässt keinerlei Sehnsucht nach einer gesanglichen Darbietung aufkommen.

Eine weitgehend andere sprachliche Sozialisation als die des Bregenzerwaldes haben die beiden Autoren, die den zweiten Teil des Abends gestalten, genossen. Der 1964 in Wittenburg/ Mecklenburg geborene Kai Pohl hat eine bewegte Karriere als Dreher, Heizer, Kraftfahrer und Bühnenmaler hinter sich. Nun lebt er als Autor, bildender Künstler und Grafikdesigner in Berlin. Seit 1986 veröffentlicht er in Anthologien und Zeitschriften und genießt als Mitbegründer der «Epidemie der Künste» und Redakteur der Zeitschrift «floppy myriapoda – Subkommando für die freie Assoziation» (2007) gewissermaßen Kultstatus.

Nicht minder prominent in der einschlägigen Poesie-Szene ist Clemens Schittko. Der 1978 in Berlin (DDR) geborene Lyriker hat sich nach seiner Ausbildung als Gebäudereiniger und Verlagskaufmann mit dem nicht ganz abgeschlossenen Studium der Literatur-, Musikwissenschaft und Philosophie befasst. Gelegentlich arbeitete er auch als Fensterputzer und Lektor. Für seine politische Lyrik erhielt er 2010 den «lauter niemand»-Preis der gleichnamigen deutschsprachigen Literaturzeitschrift.

17. April 2012, 20 Uhr

Lyrik bei FLATZ

mit Norbert Mayer (Schwarzach), Alfred Vogel (Bezau), Kai Pohl (Berlin) und Clemens Schittko (Berlin). Führung durch das FLATZ Museum um 19 Uhr

FLATZ Museum (2. Stock)
Marktstraße 33
A -6850 Dornbirn
http://www.flatzmuseum.at

3. Poesie und Preise · Und eine Reise zum FIXPOETRY.Verlag nach Hamburg

Dieser Essay widmet sich zum einen, dem lite­rari­schen Buch­programm des 2011 von Julietta Fix in Hamburg ins Leben gerufenen FIXPOETRY.Verlags, das mich gleich mit mehreren druck­frischen Büchern vom Hocker reißt, zum anderen schallt die eine oder andere Frage hinsicht­lich der Vergabe von Literatur­preisen, die sich während der begeis­ternden Lektüre von Brigitte Struzyks bei FIXPOETRY erschie­nenem Gedichtbuch alles offen hartnäckig, querköpfig, unduldsam hinter der Stirn plaziert, in den von allerlei Getier bevöl­kerten Wald im Hinter­land hinein. …

Das Gedicht material comfort begeistert mich derart, daß ich es wieder und wieder lese – allein schon diese Auftakt-Verse: and against all odds / i did find god. Die ›phantastische‹ alliterative Kombination phlogiston flowers wirkt im Zusammen­hang der Verse elektrisch aufge­laden, gleichsam mag­netisch zieht sie mich an wie die ehemalige 100-Watt-Glühbirne das Insekt, und ich lese, „bis die Wimpern vor Müdig­keit leise klingen“ (Elias Canetti). Flowers / pebbles … are the all-powerful paradoxical stone / exothermic needs / child’s delight / silence / fault in the firing – material comfort ist, in Worteinheit mit dem anschlie­ßenden Gebet appropriate alpha­betical, ein Gedicht, das ich mit Wonne lese. – This graphic book of remembrance is a book against seas of oblivion. I whisper: Thank you.

Der FIXPOETRY.Verlag hat also angefangen, so richtig Dampf zu machen: Mit Johannes CS Franks Erinnerungen an Kupfercreme, Susanne Eules’ ubern ruckn des antlantiks den rand des nachmittags und Brigitte Struzyks Drachen über der Leninallee, alle im März 2012 erschienen, steigt der Verlag bereits ein Jahr nach der Gründung in die erste Liga der jungen Lite­ratur­verlage im deutschen Sprach­raum auf. Und für die Leser, die der Vergleich mit dem Sport befrem­den mag (denn Sport ist bekannt­lich auch Mord – Literatur etwa nicht?), formuliere ich es so: Das sind Bücher, denen ich nach dem für alle Bücher selbst­ver­ständ­lichen Willkommensgruß so richtig gern Unterschlupf biete in meinem kleinen Wörterhaus. Das sind Bücher, die mich auf- und erregen, die den Meta­bolismus dermaßen in Schwung bringen, daß ich auf einmal wieder federleicht durchs Dasein schwebe und Mrs Columbo mit Jubelrufen auf die Nerven gehe (hoffent­lich nicht …). Auch Jan Deckers Buch Der Abdecker mit Essay, Lyrik und Prosa schlägt eine ganz eigen­wil­lige Tonart an, deren Sequenzen ich sehr gerne folge. Christine Hoba ist eine feine Entdeckung mit Gedichten, die mein Interesse anhaltend binden, im selben Buch bringt Christian Kreis das Sowohl-als-Auch der ewigen Dilem­mas im unersättlichen Dasein ganz „einfach“ auf den Punkt: Mundraub // Ich werde meine Lippen / mit Sekunden­kleber bestreichen / dich küssen und dann / einfach fort­gehen. …

Im vergangenen Jahr bereits läßt mich unter den Premiere-Titeln das eine oder andere FIXPOETRY-Buch auf­horchen, dessen Lese­eindruck ich in dem am 1. Januar 2012 ver­öffent­lichten Essay Von Buch zu Buch. Lesezeiten 2011 kurz festhalte: „So weise ich frech auf den Band da kapo mit CS-Gas hin, in dem ich kalt­herz­blütig auf­notierte (montierte) Gedichte von Kai Pohl und Clemens Schittko lese, von denen ich mich am 5. Dezember zwischen 16 und 17 Uhr frei und willig in die Zange nehmen lasse. Der gemein­schaft­liche Band ist 2011 im Hamburger FIX­POETRY.Verlag erschie­nen – wie auch die Antho­logie Brenn­punkte mit Gedichten von sechs Auto­rinnen aus der Schweiz sowie Brigitte Struzyks alles offen – – – von wegen „alles offen“: Im Gedicht Verkehrt heißt es im ersten Vers Verflogen kam der Vogel an und später (hier klopft Christa Wolf an die Tür): Kein Ort hier, nirgends offen.”

Während ich Brigitte Struzyks originelles, vor vitalen Versen strotzendes Lyrikbuch alles offen las, kamen mir erste, via Mail, Skype oder Telefon geäußerte, Mut­maßungen, wer denn den anste­henden Peter-Huchel-Preis gewin­nen könnte, zu Ohren. Ich dachte im Anschluß an die über weite Strecken fes­selnde Lektüre, daß Brigitte Struzyk diesen Preis mit alles offen durchaus gewinnen könnte, es wäre eine gute Ent­scheidung, hoffte im stillen jedoch auf Ulrich Zieger und Auf­wartungen im Gehäus und ahnte, daß Joachim Zünders wahrhaft gute Rauch­geister sich im Hinblick auf den Preis in Luft auf­lösen würden. Ich kann die Ent­scheidung für Nora Bossongs schönes Gedicht­buch Sommer vor dem Mauern nach­voll­ziehen, das ich sehr gern gelesen habe, wie ebenfalls im Essay Von Buch zu Buch nachzulesen ist, und während ich das hier aufnotiere, bin ich ganz bei Susan Sontag, die im 1964 publi­zierten Essay Notes on Camp betont: Camp taste is, above all, a mode of enjoyment, of appreciation – not judgment. Camp is generous. It wants to enjoy. It only seems like malice, cynicism. (Or, if it is cynicism, it’s not a ruthless but a sweet cynicism.) / Theo Breuer, Poetenladen

  • Kerstin Becker, Fasernackte Verse, Gedichte, Vorwort von Jürgen Brôcan, Bilder von Wienke Treblin, 62 Seiten, Broschur, FIXPOETRY.Verlag, Hamburg 2011.
  • Jan Decker, Der Abdecker, Essay / Gedichte / Prosa, Vorwort von Jürgen Brôcan, Bilder von Wienke Treblin, 65 Seiten, Broschur, FIXPOETRY.Verlag, Hamburg 2011.
  • Susanne Eules, ůbern růckn des atlantiks den rand des nachmittags, Gedichte, mit Artwork von Korinna Feierabend, 98 Seiten, Klappenbroschur, FIXPOETRY.Verlag, Hamburg 2012.
  • Johannes CS Frank, Remembrances of Copper Cream · Erinnerungen an Kupfercreme ·זכרונות של נחושת וקצפת, Lyrik und Prosa, ins Deutsche übertragen von Florian Voß und Ron Winkler, ins Hebräische übertragen von Judi Hetzroni und Merav Salomon, bebildert von Felix Scheinberger, 148 Seiten, Hardcover, FIXPOETRY.Verlag, Hamburg 2012.
  • Herbert Hindringer · Judith Sombray, Nähekurs, Gedichte, 48 Seiten, Broschur, FIXPOETRY.Verlag, Hamburg 2011.
  • Christine Hoba & Christian Kreis, Dummer August und Kolumbine, Zeichnungen von Felix Scheinberger, Nachwort von André Schinkel, 59 Seiten, Klappenbroschur, FIXPOETRY.Verlag, Hamburg 2012.
  • Julia Mantel, dreh mich nicht um, Gedichte, Bilder von Petrus Akkordeon, Vorworte von Kurt Drawert und Jörg Sundermeier, 47 Seiten, Broschur, FIXP­OETRY.Verlag, Hamburg 2011.
  • Kai Pohl · Clemens Schittko, da kapo mit CS-Gas, Gedichte, 59 Seiten, Broschur, FIX­POE­TRY.Verlag, Hamburg 2011.
  • Brigitte Struzyk, alles offen, Gedichte, mit einem Vorwort von Peter Wawerzinek und Bildern von Elke Ehninger, 117 Seiten, Broschur, FIXPOETRY.Verlag, Hamburg 2011.
  • Brigitte Struzyk, Drachen über der Leninallee, Roman, 287 Seiten, Klappenbroschur, FIX­POETRY.Verlag, Hamburg 2012.
  • Charlotte Ueckert, Dein Haar ist mein Nest, Gedichte, Vorwort von Peter Engel, 34 Seiten, Broschur, FIX­POETRY.Verlag, Hamburg 2011.
  • Gerrit Wustmann, Beyoglu Blues, Gedichte, deutsch – türkisch, ins Türkische übertragen von Miray Ath, 33 Seiten, Broschur, FIX­POETRY.Verlag, Hamburg 2011.
  • Julietta Fix (Hg.), Brennpunkte. Lyrik aus der Schweiz, Gedichte von Irène Bourqin · Brigitte Fuchs · Svenja Herrmann · Marianne Rieter · Nathalie Schmid · Elisabeth Wandeler-Deck, Illu­strationen von Judith Sombray, Vorwort von Beat Brechbühl, 68 Seiten, Broschur, FIX­POETRY.Verlag, Hamburg 2011.
  • Julietta Fix (Hg.), ein Bild von einem Gedicht, Bilder und Gedichte von Michael Arenz · Klara Beten · Jan Decker · Peter Ettl · Sabine Georg · Herbert Hindringer · Magdalena Jagelke · Ulrich Koch · Sünje Lewejohann · Undine Materni · Frank Norten · Silke Peters · Sophie Reyer · Ulrike Almut Sandig · Iris Thürmer · Janin Wölke · Michael Zoch, 116 Seiten, Broschur, Querformat, FIX­POETRY.Verlag, Hamburg 2011.
  • Julietta Fix (Hg.), Mehr und weniger. Erste bis letzte Poetry­letter 2010, Gedichte von Bernd Bohmeier · Manfred Chobot · Ulrike Draesner · Hans-Jürgen Heise · Thilo Krause · Christoph Leisten · Sabina Lorenz · Hellmuth Opitz · Francisca Ricinski · André Schinkel · Gerd Sonntag · Christoph Wenzel u.v.a., 63 Seiten, geheftete Broschur, FIXPOETRY.Verlag, Hamburg 2010.
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