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34. Offener Brief an ORF, ORF Kärnten, 3sat Österreich

Wir missbilligen, dass Frau Strigl bei der Auswahl des neuen Juryvorsitzes der Tage der deutschsprachigen Literatur übergangen wurde.

Auch auf Wunsch der gesamten Bachmannpreis-Jury war Daniela Strigl im Januar vom hierfür zuständigen ORF Kärnten gefragt worden, ob sie bereit sei, den Juryvorsitz zu übernehmen. Im Juli gab sie dem ORF ihre Zusage. Vor wenigen Tagen erhielt sie vom ORF eine Absage.
Wir kennen die Gründe für diese Entscheidung nicht, können uns aber nicht vorstellen, dass diese nicht schon im Juli hätten bekannt sein können. Daniela Strigl, die sich bei der Abschaffungsdiskussion im Jahr 2013 leidenschaftlich für den Erhalt der “Tage der deutschsprachigen Literatur” eingesetzt hatte, wäre eine gute Vorsitzende geworden.
Wir verstehen gut, dass sich Daniela Strigl nach diesem Affront ganz aus der Jury zurückzieht.
Daniela Strigl urteilt messerscharf, unterhaltsam, kompromisslos in der Sache, ohne die Autoren je persönlich anzugehen. Beim diesjährigen Bewerb wurde sie per Umfrage vom Weblog “Literaturcafe” zur “Beliebtesten Jurorin 2014” gekürt.
Sie wird uns und dem Bewerb sehr fehlen!
Unter den Unterzeichnern sind – neben Mit-Juror Hubert Winkels – Autoren und Mitglieder des Literaturbetriebs, aber auch nicht-professionelle Literaturbegeisterte, Blogger und Twitterer. Frau Strigl ist in den sozialen Netzwerken – obwohl selber dort nicht aktiv – sehr beliebt.
Was wir an Daniela Strigl schätzen und lieben, haben Kathrin Passig (Ingeborg-Bachmann-Preis 2006) und Clemens J. Setz (Ernst-Willner-Preis 2008) in Sonette gefasst:

Wie es halt leider so ist

von Kathrin Passig

Es gibt sehr gute Wesen. Etwa Schnabeligel,
Schlammspringer, Molche, Ottern, Olme, Pfauenaugen
(Wenn sie auch gleich als Kritiker nicht so viel taugen)
Das beste unter ihnen ist Daniela Strigl.

Ja, besser als der Bilch. Auch besser als ein Beagle.
Und könnte man nur alles, was sie sagt, aufsaugen
Es würde aus dem eignen Pfusch, dem ungenaugen
Ein kluges Werk, und nicht nur so ein Hingebiegel.

Das sieht nicht jeder so. Und damit muss man leben.
Es gibt auch Menschen, die der Rüsselhund verdrießt,
Der Biber kalt lässt. Traurig, doch so ist es eben:

Dass sich das Richtige nicht allgemein erschließt.
Es reicht ja auch, dass nur die meisten Herzen beben,
Wenn man den Namen Daniela Strigl liest.

Protestsonett auf den Verlust von Daniela Strigl als Jurorin des Bachmannwettbewerbs

von Clemens J. Setz

Wie schaun wir drein, in jedem Sommer, wenn
Daniela Strigl vor uns steht und spricht?
Wie Sonnenblumen, high von Sonnenlicht.
Wir kichern, tänzeln, scheu wie Teenies. Nenn

mir einen andren Menschen im Betrieb,
der ähnlich uns verzaubert und beglückt!
Der uns mit seinem Charme und Geist entzückt,
dem manch ein Autor heimlich Verse schrieb…

Der ORF hat viel zu viel verlernt.
Der Bachmannpreis ist wie ein alter Hund,
der sich sein eignes Bein im Schlaf zerkaut,

und nun hat er noch sein Gehirn entfernt.
Frau Strigl ist perfekt. Sie ist der Grund,
weshalb man einmal jährlich 3sat schaut.

Verfaßt von Angela Leinen
Autorin, Bonn
http://twitter.com/innere_simone
http://sopranisse.de

Unterzeichnet haben unter anderen:

  • Hubert Winkels aus der Jury der Tage der deutschsprachigen Literatur
  • die Bachmannpreisträger Tex Rubinowitz (2014) und Kathrin Passig (2006)
  • die Preisträger der Leipziger Buchmesse und Klagenfurtteilnehmer Saša Stanišić und Clemens Setz
  • etliche weitere ehemalige Teilnehmer und Preisträger der Tage der deutschsprachigen Literatur (Christiane Neudecker, Olga Flor, Julya Rabinowich, Silvia Szymanski, Nadine Kegele, Cornelia Travnicek, Heike Geißler, Inger-Maria Mahlke, Jan Böttcher, Paul Brodowsky …)

105. „Gedichte“ als Kurzprosa

Betrachten wir jedoch die „Gedichte“ als Kurzprosa, so entwickeln sie einen Reiz, der sich aus ihrer anekdotischen, aphoristischen oder momentaufnahmen-ähnlichen Aussage ergibt. Darin sind sie, um noch einmal, vielleicht ein wenig abwegig, Brecht zu bemühen, den „Geschichten vom Herrn Keuner“, aber auch, um einen Autor aus einer ganz anderen Richtung zu nennen, den Texten von Helmut Heißenbüttel verwandter als Brechts Gedichten. (…)

Die Gedichte von Setz, die keine Gedichte sind (in fünf Fällen verzichtet er tatsächlich auf den Zeilensprung), unterscheiden sich in ihrem Tonfall grundlegend von jenem Schnoddersound, der allgegenwärtig der Bezichtigung des Antiquierten zuvorzukommen hofft. /  , Die Presse

1. Warum macht er’s?

Ist ein Schriftsteller früher bei seiner Lektüre belletristischer oder fachspezifischer Literatur auf eine bemerkenswerte Stelle gestoßen, hat er sie notiert und vielleicht bei nächster Gelegenheit als Motto einem Roman vorangestellt, einem Essay oder einem Aufsatz eingefügt. Clemens J. Setz macht aus so einer Notiz ein Gedicht. Warum macht er’s? Warum macht er sich’s so leicht? Vielleicht, weil’s ihm eben so leicht gemacht wird durch die weit verbreitete, weithin gültige freizügige (einem Wittgenstein-Wort nachgebildete) Maxime: Lyrik ist alles, was der Zeilenfall ist. / David Axmann, Wiener Zeitung

68. Clemens J. Setz

Dieser Grazer Germanist und Mathematiker, der schnell mit Romanen und Erzählungen bekannt geworden ist (zuletzt mit “Indigo”, 2012), steckt den Kopf nicht in den Sand, auch nicht, wenn er Gedichte schreibt. Er ist ein genauer Beobachter, ein Rechercheur, der alte Nachschlagewerke heranzieht oder eine schon wieder verschwundene Website, und es macht ihm Spaß, Erkenntnisse seines Studiums auch zum Vergnügen der Leser in seine Texte einfließen zu lassen, wie zum Beispiel die Geschichte des Rangers Roy C. Sullivan, der sieben Mal vom Blitz getroffen wurde, all diese Schicksalsschläge überlebte und sich sechs Jahre nach dem letzten Blitz aus Trauer über den Tod seiner Frau umgebracht hat. / Herbert Wiesner, Die Welt

Clemens J. Setz: Die Vogelstraußtrompete. Suhrkamp, Berlin. 86 S., 16 €.

61. Sonett aus Glas und Beton

Eine Prosaminiatur, präzise notiert, voller Komik, jedes Wort an seinem Platz. Allein schon die Bewegungen darin –  fliegen, füttern, öffnen, sammeln, stehen, gehen. Clemens Setz, dem Autor dieser leichten, phantastischen Zeilen, gelingt es, die Papageien, unsere buntgefiederten Sprachimitatoren, aus dem ihnen von uns Menschen zugedachten Käfig zu befreien.

(…)

Warum aber hat Setz, der Erzählkünstler, seine Prosa in Verse gebrochen? Und das nicht nur bei den Papageien? Und: Setz ist keineswegs allein. Dichter schreiben prosaische Texte nieder, klauen ihnen Punkt und Komma und vielleicht noch das ein oder andere, und dann brechen sie die Sätze scheinbar willkürlich in Zeilen auf, völlig unabhängig von Grammatik- oder Sinn-Einheiten. Man ahnt: das Öffnen der Sätze ins Ausgesparte hinein ist ein dichterisches  Wagnis.
In einem der letzten Gedichte des Bandes “Vogelstraußtrompete” gibt Clemens Setz Hinweise, was dabei geschieht.

Ein Sonett, das ist ein vierzehnstöckiges
Bürogebäude aus Glas und Beton.
Und hie und da segelt durch ein eckiges
Fenster ein Flugzeug davon.

Die ästhetischen Setzungen des Gedichtes gleichen einem Gebäude aus Glas und Beton, mit 14 Stockwerken. Gerade diese stählerne Anlage aber ist in ihrer Geschlossenheit die Startbahn für ganz andere Dimensionen, für das Poetische, das hier als Flugobjekt gegen alle Realität durch alle Öffnungen davonsegeln kann. Doch leider gibt es in dem Band auch Gedichte, bei denen sich kein Flugobjekt einstellt, so oft man auch hinschaut.

Clemens J. Setz: Die Vogelstraußtrompete. Gedichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2014, gebunden, 88 Seiten, 16 Euro

Der staatenlose, aus Palästina stammende, in Dänemark lebende Dichter Yahya Hassan (siehe unser Vorgeblättert) haut seinen Hörern seine Prosa um den Kopf. Um dies zu tun, setzt er seine Sätze in Verse. So festigt er sie. Jede Zeile ist ein Satz, oder ein Halbsatz. Hier bricht die Form kein Fenster auf unabhängig vom Sinn. Zeilenende ist Sinnunterbrechung. Jede Zeile eine Setzung. Keine Fenster, keine Balkone, keine Flugzeuge. Die Sätze sind beides in einem: Wutschrei und Hilferuf. Hassan schreibt an gegen die Gewalt im Innern der muslimischen Gemeinschaft, die ihm den Atem nimmt, und  gleichzeitig gegen die Dänen, die in ihm nur den potentiellen Kriminalstraftäter sehen.

Für sich genommen, als Ich-Äußerungen sind seine Texte eine Provokation (“Ich bekriege Euch mit Worten, ihr werdet mit Feuer antworten”). Doch: hier spricht kein privates Ich. Zu Recht haben Yahya Hassans Texte einige Kritiker an die Wut in Allen Ginsbergs Langgedicht “Howl” erinnert; und Heinrich Detering, des Dänischen mächtig, hat in der FAZ das Original kommentiert: erst aus der Spannung zwischen Schriftbild und Syntagmen ergebe sich, so sagt er, die suggestive Wirkung des Textes. “Der, der hier schreibt, und der, den Yahya Hassan sprechen lässt, erscheinen als zwei verschiedene Instanzen.”  Und dann wird Detering konkret: “Was immer der Sprecher an sexistischen und rassistischen Ressentiments, an Hass auf Israel und auf die eigene Herkunft fomuliert, wird vom Schreiber weder geteilt, noch verurteilt.” Gerade durch die Abschottung der einzelnen Sätze im Zeilenbruch wird das Beschriebene begreifbar.

Yahya Hassan: Gedichte. Ullstein Verlag, Berlin 2014, gebunden, 176 Seiten, 16 Euro

/ Marie Luise Knott, Perlentaucher

59. Lyrikseite

BuchMarkt blättert vor

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch. [suchen, M.G.]

Morgen in der Literarischen Welt eine Lyrik-Seite über

  • Carl Christian Elze ich wohne in einem wasserturm am meer, was albern ist. Gedichte (Luxbooks)
  • Carl Christian Elze Aufzeichnungen eines albernen Menschen ( J. Frank)
  • Geoffrey Hill Für die Ungefallenen. Ausgewählte Gedichte (1959–2007). (Edition Lyrik Kabinett / Hanser)
  • Clemens J. Setz Die Vogelstraußtrompete (Suhrkamp)

102. Poesiepreis für Nora Gomringer

Der Literaturpreis des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft geht in diesem Jahr an Clemens J. Setz – Nora Gomringer erhält den Poesiepreis 2013

Der mit 20.000 Euro dotierte Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI e. V. geht in diesem Jahr an Clemens J. Setz. Den mit 10.000 Euro dotierten Poesiepreis erhält Nora Gomringer. Der Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft ist mit 20.000 Euro einer der höchstdotierten deutschen Literaturpreise in der Sparte Prosa. Im zweijährigen Wechsel wird zudem ein mit je 10.000 Euro dotierter Poesie- bzw. Übersetzerpreis verliehen.

Das vielseitige Kulturengagement von Unternehmen spielt eine wichtige Rolle für den Kulturstandort Deutschland. Um Unternehmen in ihrem Engagement zu bestärken und andere zur Nachahmung anzuregen, vergibt der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft gemeinsam mit seinen Partnern Süddeutsche Zeitung und Handelsblatt auch in diesem Jahr den Deutschen Kulturförderpreis. Die Bewerbungsfrist endet am 27. Juni 2013.