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17. Oswald Egger wird Thomas-Kling-Poetikdozent

Ein Ort für Sprachkünste
Oswald Egger als Thomas-Kling-Poetikdozent der Kunststiftung NRW an die Universität Bonn berufen

Zum Sommersemester 2013 übernimmt der Hombroicher Lyriker Oswald Egger die Thomas-Kling-Poetikdozentur an der Universität Bonn. Die 2011 von der Kunststiftung NRW geschaffene Poetikdozentur wird zum dritten Mal besetzt. Sie ist nach dem 2005 verstorbenen Lyriker und Essayisten Thomas Kling (* 1957) benannt, der zehn Jahre auf der Raketenstation der Stiftung Insel Hombroich lebte und dessen Sprachkunst neue Maßstäbe setzte. Namhafte AutorInnen oder ÜbersetzerInnen aus dem Land werden von der Kunststiftung NRW für jeweils zwei Semester mit einem Stipendium ausgestattet, das ihnen eigene Lehrveranstaltungen ermöglicht. Die Auswahl treffen Vertreter der Stiftung und der Universität Bonn. Als Begleitprogramm organisiert das Literaturhaus Bonn drei Veranstaltungen mit dem Poetikdozenten.

„Die Kunststiftung NRW freut sich, mit Oswald Egger einen Poetikdozenten berufen zu können, der im Geiste von Thomas Kling den Lehrplan der Universität Bonn mit seiner Textkunst bereichern wird und die Dozentur an den Wirkungsort des Namensgebers rückbindet. Der große Anklang, den die Dozentur bei den Studierenden findet, hat die Stiftung dazu bewogen, die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Universität in den nächsten Jahren fortzuführen. Mit der Dozentur fördert die Kunststiftung NRW den grenzüberschreitenden Austausch zwischen Wissenschaft und Literatur“, so Dr. Fritz Behrens, Präsident der Kunststiftung NRW.

Mit Oswald Egger, der die Duisburger Lyrikerin Barbara Köhler ablöst, schließt sich ein Kreis, denn er lebt und arbeitet als Nachfolger von Thomas Kling auf der Raketenstation Hombroich. Oswald Eggers Poesie lotet die Sprache aus, er sondiert und transzendiert die Grenzen zwischen Mathematik und Poesie ebenso, wie er sich von der Vielfalt der Formen in der Natur inspirieren lässt.

Der gebürtige Südtiroler studierte Literatur und Philosophie in Wien. Er ist seit 2011 Professor für Sprache und Gestalt an der Muthesius Kunsthochschule Kiel. Seine Werke erhielten renommierte Auszeichnungen, wie den Peter-Huchel-Preis, den Oskar-Pastior-Preis sowie den Preis der Stiftung Buchkunst. Sein neuer Prosa-Band „Euer Lenz“ erscheint im Mai 2013 beim Suhrkamp Verlag.

Terminhinweis: Die Antrittsvorlesung des neuen Thomas-Kling-Poetikdozenten „Wie heiße ich noch einmal (wenn ich mir einer bin)?“ findet am Mittwoch, den 17. April 2013, um 19 Uhr, im Festsaal der Universität Bonn statt.

Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft
der Universität Bonn

101. Ernst-Meister-Ausgabe

Die fünfbändige Textkritische und kommentierte Ausgabe der Gedichte Ernst Meisters enthält in den Bänden 1-3 sämtliche zu Lebzeiten publizierten Gedichtbände Ernst Meisters sowie verstreut publizierte Lyrik auf der Basis der Erstausgaben bzw.-drucke. Der vierte Band bietet den textkritischen Apparat mit der Darstellung ausgewählter Textstufen; ergänzt wird dieser Band durch einen elektronischen Teil, der auf der Homepage der Ernst Meister-Arbeitsstelle als Download zur Verfügung steht. Es folgt der fünfte Band mit Kommentaren zu den einzelnen Gedichten sowie Bandeinführungen.

Axel Gellhaus und Eckart Oehlenschläger werden die Ausgabe vorstellen und Möglichkeiten der Information, die sie bereithält, an Beispielen demonstrieren, darunter die Genese von Texten durch verschiedene Phasen der Niederschrift hindurch, dargestellt einmal im textkritischen Apparat, zum anderen nachzuverfolgen an den Scans der Handschrift. Beispiele für Erfolge und Grenzen der Arbeit am Kommentar bilden ein weiteres Thema. / Buchhandlung Böttger

93. Poetische Begegung der Kulturen in Bonn

Renommierte Dichter zu Gast im “deutsch-arabischen lyrik-salon”

Vor mehr als 6 Jahren gründete der aus Syrien stammende deutschsprachige Dichter, Übersetzer, Herausgeber und Publizist Fouad El-Auwad den „deutsch-arabischen lyrik-salon“.  Zur illustren Gästeschar seiner bisherigen Festivals zählten u.a. Reiner Kunze, Raoul Schrott, Evelyn Schlag und Fuad Rifka. Nunmehr findet der „lyrik-salon“ zum vierten Mal statt. Zu Gast sind diesmal bei der poetischen Begegnung der Kulturen neben Fouad El-Auwad auf deutschsprachiger Seite Ulrike Draesner, Eva Förster, Ludwig Steinherr, Suleman Taufiq und Christoph Leisten. Auf arabischsprachiger Seite werden  Naim Talhouk (Libanon) , Maram Massri (Syrien), Hanane Aad (Libanon),  Aisha Bassry (Marokko), Rim Najmi ( Marokko) und  Sarjoun Karam (Libanon) zu hören sein. Zum „4. lyrik-salon“ erscheint unter dem Titel „dOrt“ eine von Fuad El-Auwad herausgegebene deutsch-arabische Lyrik-Anthologie beim Shaker Verlag. Die zweisprachige Lesung aller Gedichte wird musikalisch begleitet durch den Oud-Virtuosen Raed Khoshaba. Sie findet statt am Samstag, dem 26. November 2011, 19 Uhr, im Festsaal der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn (Am Hof 1, 1. Obergeschoss). Der Eintritt beträgt 10,- Euro (ermäßigt 6,- Euro). – Weitere Informationen: www.lyrik-salon.de

47. LATINALE 2011: Ein mobiles Festival der Entdeckungen

Eine Kooperationsveranstaltung von KRASH NEUE EDITION und Instituto Cervantes Berlin – gefördert vom NRW KULTURsekretariat (Wuppertal) und vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport

Die LATINALE versteht sich als jährlich stattfindendes Forum, auf dem aktuelle Tendenzen der lateinamerikanischen Lyrik präsentiert werden. Seit ihrer Gründung 2006 durch Rike Bolte und Timo Berger hat sich das Festival als Plattform für in ihren Heimatländern herausragende, in Deutschland aber noch weitgehend unbekannte junge Autorinnen und Autoren etabliert. Die LATINALE bemüht sich, in Zusammenarbeit mit deutschen Autoren und Autorinnen, Übersetzern und Übersetzerinnen sowie Studierenden, Schülern und Schülerinnen und den jeweiligen dahinter stehenden Institutionen, einen ästhetischen und intellektuellen Dialog zwischen den Kulturen zu initiieren.

Die LATINALE legt seit ihrem Anbeginn großen Wert auf professionelle Übersetzungen ins Deutsche. Im Jahr 2011 werden deutsche Autorinnen und Autoren aktiv am Festival teilnehmen; ihre Werke werden ins Spanische übersetzt, so dass die lateinamerikanischen Gäste in den Genuss kommen, in Berlin, Bochum, Bonn, Düsseldorf, Köln, Wuppertal (und später in Guadalajara) deutschsprachige Literatur kennen zu lernen. Gleichzeitig werden die Gedichte der lateinamerikanischen Gäste ins Deutsche übersetzt, so dass ein paralleles Cross-Over in beiderlei Richtungen möglich wird. Ziel ist die Förderung des nachhaltigen Kulturaustausches (in Form von Publikationen, Audio-Aufnahmen und einem „Übersee-Archiv“) zwischen beiden Erdteilen.

Die LATINALE ist ein mobiles Festival, das sich an verschiedenen Orten präsentiert, neben dem Schwerpunkt Berlin wurden in den letzten Jahren immer auch andere Bundesländer mit bedacht. Im November 2011 wird nach einer Veranstaltungsschiene in Berlin ein eigenes NRW-Programm realisiert, das – neben den Aspekten Nachhaltigkeit und Interkulturalität – auch wegen der vergleichsweise geringen Wahrnehmung zeitgenössischer Lyrik im bevölkerungsreichsten Bundesland begrüßenswert erscheint. Denn Lyrik-Veranstaltungen sind in NRW noch dünn gesät. In den Programmen der Literaturhäuser und anderer institutioneller Veranstalter gibt es kaum oder gar keine Lyriktermine. Hier kann die LATINALE mit mehreren attraktiven Poesie-Veranstaltungen Ergänzung und Anstoß bieten.

Im Jahr 2011 wird der räumliche Fokus des Festivals neben den deutschen Spielstätten erstmalig auch in Guadalajara, Mexiko, liegen. Hier werden einige der deutschen Autorinnen und Autoren (u.a. Swantje Lichtenstein, Tom Schulz, Enno Stahl und Uljana Wolf) nach den Veranstaltungen in der Spree-Metropole und in NRW in einem weiteren faszinierenden Kulturgebiet mit Aussicht auf einen zukunftsträchtigen Austausch auftreten. Neben den Berliner Festival-Initiatoren und Kuratoren Timo Berger und Rike Bolte wird der NRW-Teil kuratiert von Enno Stahl.

Folgende Termine werden NRW angeboten:

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129. Thomas-Kling-Poetikdozentur

Zum Sommersemester 2011 richtet die Kunststiftung Nordrhein-Westfalen an der Universität Bonn eine
Thomas-Kling-Poetikdozentur ein, die vorerst für drei Jahre geplant ist. Erster Dozent wird der Kölner Autor und Übersetzer Stefan Weidner sein.

Vorgesehen ist, daß Schriftsteller und Übersetzer aus NRW für jeweils zwei Semester ein Stipendium erhalten, mit dem sie eigene Lehrveranstaltungen durchführen können. Die Auswahl der Dozenten wird von Vertretern der Stiftung und der Uni Bonn getroffen.

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63. Lyrotronik: Jüngste Literatur an Tangible User Interfaces

Am 12. November brachten Bonner Grundschüler im Bad Godesberger Animax Multimediatheater vier experimentelle Bühnenstücke zur Aufführung. Elektronischer Fortschritt traf auf jüngste Literatur: Reime, Dialoge, cut up und monströse Abgründe. Die jungen Damen, Racker und Dreikäsehochs hatten in einem Workshop unter Leitung von stan lafleur (Texte und Regie) und Joker Nies (Max/MSP-Umgebung, Soundgeschehen, Aufnahmen) mithilfe von weltweit bisher einzigartigen, soundBlox genannten, Klangwürfeln, die aus theaterbühnenangepaßten Bauplänen für den reactable, einen modularen Synthesizer, hervorgehen, szenische Bühnenstücke entwickelt, die sich als schwebende Kunstform zwischen Live-Hörspiel, Tanztheater, Drama, Humbug und beweglicher Lyrikinstallation beschreiben ließen. Dafür wurden Texte verfaßt, Tracks programmiert, Datenmengen hin und her gemailt, um die hier leiteingefädelte KOOK- Pressemitteilung (L&P Nr. 62) an dieser schönen Stelle zur Deckungsgleiche mit unserm Berichtchen zu bringen. Geplant war unter anderem ein sich verselbständigendes Gedicht im Spannungsfeld zwischen Klassik (gereimt) und Moderne (reimfrei). Die Aufführung wurde in mancherlei Hinsicht zur Überraschung: tückenhafte Technik griff HAL-artig ins Geschehen ein und übernahm zeitweise die Kontrolle: die Texte sprachen mit sich selbst, Hallräume drängten ins Freie, das draußen vor der Türe lungerte, Sprachüberlagerungen noch und nöcher, Psychedelik schien auf. Zupackende Spontaneität und Charme der Jung-, Jünger- und Jüngstliteraten retteten die Situation. Die Technik benahm sich wieder, das Publikum spendete Applaus.

129. Lyrotronik

Ich staune (in guter Gesellschaft), daß ein „Dialog aus Elektromusik und Literatur“ mit dem Ziel der Aufführung auf einer Club-Bühne in Berlin im späten Jahre 2010 als experimentelles Wagnis und nie dagewesen beworben wird. In Köln und Düsseldorf habe ich in den mittleren bis späten 90er Jahren u.a. mit fatagaga die Projekte lyrotroniks und DROM/red durchgeführt. Sollte ich besser sagen: gewagt? Die KOOK-Ankündigung (L&Poe Nr. 127) liest sich für mich nun, ein gutes Jahrzehnt später, als sei sie eine formal genaue Beschreibung unserer damaligen Projekte – wobei wir uns damals nicht sicher waren, ob/daß wir in dieser Hinsicht die ersten wären: in Deutschland vielleicht, das scheint durchaus möglich.

Anfang der 90er entwickelte ich das Lyrotronische Manifest, erstmalig publiziert Mitte der 90er in meiner Zeitschrift „elektropansen“. Es forderte das Zusammenspiel literarischer und elektronischer Sparten in einem Maße, das damals technisch noch garnicht umsetzbar war und bis heute erst teilweise ist: angedacht war in dieser Zeit u.a. Echtzeit-Modulation von live eingesprochenen Texten. Ein Realtime Research-Projekt brachte ein solches SuperCollider-gestütztes Echtzeit-Modulations-Experiment mit meinen Gedichten im Dialog mit sowohl analoger, als auch elektronischer Musik in den mittleren 2000ern in Köln auf die Bühne – allerdings stellte sich in Proben wie Live-Set heraus, daß die mithilfe von Joystick-Manipulationen am live eingesprochenen Text avisierte „Echtzeit-Modulation“ ca 1-2 Sekunden Verspätung zu sich selbst aufwies.

Derzeit arbeite ich in Bonn mit soundBlocks genannten Klangwürfeln, die das dortige Animax-Theater mit assoziierten Programmierern nach Open Source-Plänen des sogenannten Reactable entwickelt hat. Solche Reactables kamen bisher unseres Wissens ausschließlich in der elektronischen Musik zum Einsatz (bekanntestes Beispiel: Björk). Ich werde sie nun experimentell mit Gedichtformen füttern lassen, von Grundschulkindern. Wegen der noch recht geringen Verbreitung dieses revolutionären Instruments, das in den letzten Jahren entwickelt wurde und das u.a. mit SuperCollider programmiert werden kann, ließe sich davon ausgehen, daß hier tatsächlich, womöglich weltweit einzigartig, (erneut?) Pionierarbeit an der Kombination/Schnittstelle von lyrischer Sprache und elektronischer Musik geleistet wird. Allein, sicher bin ich mir auch darüber nicht. Jedenfalls stellen die Möglichkeiten der soundBlocks eine unerwartete Erweiterung meiner in den frühen 90ern formulierten lyrotronischen Grundideen vor.

stan lafleur, 26.08.2010

32. Novemberstreifen

Vier Autoren aus der Region laden unter dem Motto „Novemberstreifen“ am 22. November (Sonntag) um 18 Uhr in der Burg Lüdinghausen ihre Zuhörer zu literarischen Streifzügen durch ihre eigenen Werke ein, heißt es in einer Pressemitteilung des veranstaltenden Kulturforums KAKTuS.
Die gebürtige Schwedin Bodil Edmar-Kerstin schreibt seit ihrem 16. Lebensjahr Gedichte, die sie unter anderem in den Sammelbänden „Mit meinen Worten“ und in „Literamus“ (Trier) veröffentlicht hat. Zuletzt las sie im März dieses Jahres im Olfonium in Olfen. Sie nahm an zahlreichen und Kunstseminaren sowie an Gemeinschaftsausstellungen in Senden und Recklinghausen teil. Bodil Edmar-Kerstin ist Mitbegründerin der Kulturinitiative Senden. Ihr Gedicht „Novemberstreifen“ gibt dem ganzen Literaturabend den Namen. …

Der vierte im literarischen Kleeblatt ist Jochen Rademacher-Beckmann. Schon als Student hat er mit Lyrik-Aktionen zum Beispiel durch Plakatierung einer ganzen langen Allee in Bonn mit Lyrik und aphoristischen Provokationen auf Randgebiete aufmerksam gemacht. In seinen Texten trifft man immer wieder auf den Versuch, über sich selbst zu lachen. Ironie und Satire liegen ihm sehr am Herzen und selbst bei psychischen Tiefgängen kann er sich ein Augenzwinkern nur selten verkneifen. Jochen Rademacher-Beckmann veröffentlicht seine Werke regelmäßig in der Literaturzeitschrift „Literamus“ aus Trier.

Als Ergänzung, Verdeutlichung und Zugang mit anderen Sinnen dürfen sich die Zuhörer auf zwei Tänzerinnen freuen. Sandra Reekers und Monika Rudelbach aus Bochum werden mit Masken- und Musikperformance dem Abend einen besonderen Rahmen geben. / Münsterländische Volkszeitung

31. Keine Reden. Keine Lügen. Champagner.

Die letzten Telefongespräche mit Karin Hempel-Soos zeugten von nachlassender Kraft – körperlicher Kraft, nicht Willenskraft. Auch angesichts des Todes war diese Frau nicht gewillt, den Dingen einfach so ihren Lauf zu lassen. Sie wünschte sich eine Beerdigung in aller Stille. Und: “Keine Reden. Keine Lügen. Champagner.” …

Natürlich war die Beisetzung am Freitag auf dem Poppelsdorfer Friedhof eine öffentliche Angelegenheit. Würdevoll, aber nicht ganz still. Beethovens 7. Sinfonie war unter anderem zu hören, Maria Callas (“Casta Diva”) und Literarisches von Karin Hempel-Soos.

Der Text “Hören Sie endlich auf zu verwildern” spiegelte die Lyrik und die Persönlichkeit der unsentimentalen, gleichzeitig hochsensiblen Autorin. Das kleine Rahmenprogramm hätte ihr gefallen.

Unter den zahlreichen Trauergästen waren langjährige Wegbegleiter, führende Köpfe aus Kultur, Wirtschaft und Politik. Eine große Koalition ministerialer Größen – gegenwärtiger und vergangener – war zur Beerdigung der am 23. Oktober gestorbenen Karin Hempel-Soos gekommen: Peer Steinbrück, Franz Müntefering, Ulla Schmidt und Norbert Röttgen. …

Peer Steinbrück und Thomas Franke lasen Gedichte von Karin Hempel-Soos.

Das Lakonische, mitunter provozierend Freche ihrer Poesie arbeitete Steinbrück mit dem ihm eigenen trockenen Witz perfekt heraus. Liebe und Sexualität, Eros und Tod, Familienleben, Männer und Frauen in der Politik – die Themenvielfalt der Lyrik von Karin Hempel-Soos war groß. Sie besaß die Empfindsamkeit der Dichterin und das (politische) Temperament der Kabarettistin, wenn es darauf ankam, blickte sie mit unerbittlichem Scharfblick auf die Welt. / Dietmar Kanthak, General-Anzeiger 7.11.

13. Wortvoyeure

Michael Donhauser, der am 4. November mit dem Georg-Trakl-Preis für Lyrik in Salzburg ausgezeichnet werden wird, wurde am 27. Oktober 1956 als österreichischer Staatsbürger im Liechtensteiner Vaduz geboren und lebt heute in Wien. …

“Michael Donhausers Gedichte ruhen als archaischer Fels in der Poesielandschaft, (…). Sein reiches poetisches Universum entfaltet sich paradoxerweise aus einem Minimum an Sprache, seine Verse leben von auf den Kern reduzierten und präzis-sparsam eingesetzten Worten“, heißt es in der Begründung zum Georg-Trakl-Preis 2009.

Einladungen zu Lyrik-Lesungen empfinde ich grundsätzlich als ein eher zweifelhaftes Vergnügen. Wie oft habe ich es erlebt, dass Worte – in der Regel potenzlos – im Raum verhallten, weil das Publikum nicht stark genug war, das verdichtet Gesagte zu ertragen oder der Lyriker nicht hinter dem eigenen Text zu stehen kam. Mit entsprechender Skepsis, einen kleinen Fluchtweg freihaltend, lasse ich mich zwischen etwa fünfzig geladenen, gespannten Gästen nieder.

Alfred Böttger begrüßt. Donhauser lässt sich Zeit. Die Stille wirkt. Mit Bedacht werden die ersten Worte gewählt, turnen sich halsbrecherisch durch den Raum. Kein Wort darf verloren gehen. Die Wortvoyeure halten den Atem an. Kein Wort wird verloren gehen, dessen darf ich mir sicher sein. Als ob er dem Umstand der Lyrikbesessenheit der Gäste nicht traut, blickt er fast argwöhnisch in die Runde, beginnt ratlos-zurückhaltend zu lesen und endet ungern.

Vielleicht an einem Abend, an/ einem Abend spät vielleicht/ Ein Glas gefüllt mit Anis und/ eine Stimme, die weint/ Vielleicht, daß eine Stimme/ weint/ Ein Glas an einem Abend spät/ vielleicht/ Ich gehe nicht, nicht mehr/ sehr weit/ Zu sehr, zu sehr, nicht mehr/ zu weit (aus: Sarganserland)

Die Sprachlosigkeit bricht Michael Donhauser durch Bewegung auf. Kein Stillstand. Kein Zeitvakuum. Gerade dem Dichter wird gerne Weltverfremdung und ewige Selbstreflexion vorgeworfen. Donhausers Lyrik scheint über die Jahre zunächst wenig verändert, ist es doch auf den ersten Blick die immer gleich hermetische Naturlyrik. Donhauser kann auf den ersten Blick das Verharren in irgendeiner Landschaft dieser oder jener Art unterstellt werden, nähere Betrachtung fordert jedoch Erstaunen über die Vielfältigkeit der Bewegung. Hermetisch und mit doppeltem Boden. / Julia-Rebecca Riedel, Kultur in Bonn

Michael Donhauser in der Buchhandlung & Galerie Böttger: Gedichte und seine soeben bei Urs Engeler erschienene Poetik “Nahe der Neige”.